Nachbeben

Bloggen und Leben

Der Brand in der Kindertagesstätte war ein heftiger Schlag ins Kontor. Dort ist mittlerweile alles auf gutem Weg, aber es hat Energie und Zeit gefressen.

Seit Beginn des Jahres kamen nun einige Ereignisse, die wie Nachbeben wirken und, wie soll ich sagen, mich nicht gerade positiv beeinflusst haben.

Ich muss da mal weiter ausholen, denn bestimmte Bereiche des Lebens bleiben auf dem Blog ausgespart.Aber jetzt muss ich einen Blick durch die halb geöffnete Tür anbieten (Schlüsselloch reicht nicht).

  • Ein Kollege trennt sich von seiner Frau, nach rund dreißig Jahren. Ich kenne beide seit dem Studium, damals waren sie schon liiert. Ihre Ehe galt für mich als Hort der Stabilität, zumal ich auch von gemeinsam durchgestandenen Krisen wusste.
  • In einem Gottesdienst, kurz nach Beginn der Predigt, kriegt ein älterer Herr eine Herzattacke. Die Küsterin bestellt den Rettungsdienst, klar, ich unterbreche, fühle mich alles andere als souverän.  (Der gute Mann kam in die Herzklinik und konnte nach drei Tagen wieder nach Hause.)
  • Auf einer Tagung im Sommer lernte ich eine Kollegin kennen und mailte ihr ein paar Wochen später wegen ein paar Fragen. Es kam keine Antwort. Hatte ein Spam-Filter die Mail geschluckt? Der Plan zu einem Weihnachtsgruß löste sich mit dem Kita-Dach in Rauch auf. Vor ein paar Wochen schrieb ich – und bekam fast prompt Antwort: Die Kollegin hatte drei Tage nach dem Treffen einen Verkehrsunfall gehabt, als Spaziergängerin war sie angefahren worden. Sie  hat sehr großen Schaden erlitten. Erst seit Anfang März ist sie, immer noch geschwächt, wieder im Dienst. Ich antwortete, sie solle sich so viel Zeit nehmen, wie sie brauche.
  • Und auf dem Blog? Ich komme kaum mehr zu grundsätzlichen und tiefergehenden Beiträgen. Ich lese Altes und denke mir: Mensch, was für einen Schwung hatte ich da! Schreiben kommt mir zur Zeit viel mühsamer vor als vor zwei oder drei Jahren. Es dümpelt so vor sich hin, und das zeigt sich auch in den Besucherzahlen. Kurzum, die Freude am Blog ist blasser geworden als früher.

Verunsichert mich die Endlichkeit stärker als sonst? Anzeichen einer Sinnkrise? Blog-Burn-Out?

Wer Ähnliches erlitt und im Blog herausließ, kennt meinen Rat: Lieber selten schreiben als den Blog schließen. Dieser Gedanke sitzt tief.  Das Projekt Theomix geht weiter.

Morgen Später noch etwas dazu.

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23 Antworten to “Nachbeben”

  1. Claudia Sperlich Says:

    Lieber Theomix,
    das ist in der Tat heftig – so viel verschiedenerlei Dich berührendes Unglück innerhalb von vier Monaten. Verständlich, daß Dir unter solchen Umständen auch mal die Worte fehlen.
    Ein Blog ist ja keine verbindliche Lebensaufgabe und keine Verpflichtung. Ich freue mich an Deinen bald lustigen, bald ernsten Beiträgen und Deinem Wortwitz, aber mein Leben hängt nicht davon ab, täglich einen frischen Theomix zu bekommen.

    Blogger werden oft mit Journalisten verglichen. Aber anders als Journalisten können sie ihre Miete auch zahlen, wenn sie nicht schreiben. Bloggen ist eine Form der Kommunikation, und ebenso wie andere Kommunikationsformen kann es auch mal brachliegen.

  2. OneBBO Says:

    Nach wie vor finde ich es bedauerlich, dass du dich deiner Blog-Verantwortung so gerne entziehst. Es gibt so viele überflüssige Blogs, wo die Leute ihr nichtssagendes Privatleben oder Unmengen völlig uninteressanter Langweil-Fotos von ihren Hunden, Kindern und Blümchen im XXL-Formatüber die Welt ergießen …. und da hat mal jemand was zu sagen und, ach nein, ist blogmüde. Es gibt auch so etwas wie Disziplin und wie ich oben sagte Verantwortung.

    Niemand erwartet von dir, dass du jeden Tag die Welt rettest… aber dass dir nichts mehr so viel einfällt wie früher, liegt auch daran, dass du weniger schreibst. Wer rastet, der rostet.

    Ja, ich weiß, das ist keine moderne Einstellung, klingt harscher als die Intention, weil ich hier nicht 5 Seiten füllen möchte, und etliche Leser deines werden entsetzt sein. Macht nichts, ich bin’s gewohnt 😉

    • theomix Says:

      Das mit der Disziplin sehe ich auch so, sie ist nur woanders gefordert, habe ich den Eindruck.
      Ich habe Hunde, Blümchen und Kinder abonniert. Also bitte…

    • Wolfram Says:

      Da bin ich nicht einverstanden. Ein Blogger hat Verantwortung für das, was er schreibt – nicht aber eine Schreibepflicht. Und das unterscheidet sowohl Theomix‘ als auch mein Bloggen von unserer beruflichen Tätigkeit: wenn ich morgen keine Predigt vorlegen kann, dann ist das ein sanktionsfähiger Fehler (die französische Sprache nennt es „faute professionnelle“), der mir eine Abmahnung einbringen kann.
      Bloggen tu ich weder, weil mich jemand dazu verpflichtet, noch weil ich die Welt verbessern will. In mein BLog (ich glaub, ich lasse das BL stehen) schreibe ich etwas, wenn ich etwas mitzuteilen habe. Wenn nicht, lasse ich es. Und wenn ich keine Zeit übrig habe, dann wähle ich zwischen meiner Familie und dem Blog ziemlich eindeutig. Die Wahl zwischen einem Familienabend und einem Trauerbesuch ist da schon anders gestaltet.

      Übrigens bin ich der festen Überzeugung, daß nicht nur Predigtpflicht aus innerer Leere, sondern auch Blogpflicht bei Unlust nur zu schlechten Resultaten führen kann.

      Schließlich und endlich: mir bot neulich ein Prediger an: soll ich den nächsten Gottesdienst für dich übernehmen? Du hast so viel um die Ohren gerade.
      Und da sollte Bloggen zur Pflicht werden?

      • theomix Says:

        Weiter unten schrieb ich, der Blog ist für mich wie ein geistlicher Weg. Besser wäre, er ist Teil davon. Und welcher geistliche Weg ist ohne Disziplin? Er ist keine Dienstpflicht.

  3. mialieh Says:

    Mann, Mann, Mann, das klingt nach verdammt viel und nicht unbedingt Nachbeben. Ich kenne das aus meiner momentanen Situation und ich selbst habe mich entschlossen den Blog ruhen zu lassen. Ich halte auch daran fest, dass er nur ruht, bis ich wieder mehr Raum habe und sich mein Leben wieder stabilisiert hat.

    Persönlich wünsche ich mir natürlich, dass es mit Theomix weitergeht.

    Vor meinen eigenen Interessen und allem anderen wünsche ich dir aber, dass du Zeit für dich findest, Zeit Kraft zu tanken und dass du nicht verzagst. Ich denke an dich!

  4. Pauladieerste Says:

    Puh, wahrlich keine leichte Kost, die Du da zu verdauen hast/hattest.

    Was die Bloggerei betrifft, ich denke, fast jeder hat seine Zeiten, in denen er weniger Spaß, Ideen, … hat. Ist doch „im echten Leben“ auch so.

    „Das Projekt Theomix geht weiter.“
    Sehr gut!

  5. paradalis Says:

    Lieber Jörg.
    Es ist viel, was man bewältigen muss. Emotional meist mehr als körperlich.
    Ich möchte dir gern Mut machen, sagen, dass es besser wird.
    Aber irgendwie glaube ich, es gibt immer etwas, das einen die Kräfte raubt. Mut machen möchte ich dir trotzdem. Denn du bist ein gefestigter Mensch, du kommst mit widrigen Umständen zurecht. Hast oft noch Kraft für andere Menschen, selbst wenn du von dir annimmst, an deine Grenzen gelangt zu sein.

    Dafür auch hier an dieser Stelle ein Dankeschön!
    !

    Tja, was hilft? Die kleinen Freuden. Vorhaben, auf die man sich freut, die positiv sind.

    Ich freue mich auf unser Wiedersehen Ende Juni.
    🙂

    Liebe Grüße an dich!
    Heike

    • theomix Says:

      Liebe Heike,
      Danke fürs Mut machen!
      Deine Vorfreude wird noch eine Weile brauchen, bis sie zu meiner wird, sie liegt noch hinterm Horizont.
      Nichtsdestotrotz…
      Und da sind noch größere als kleine Freuden, die sind auch da…
      Herzlich: Jörg

  6. Hausfrau Hanna Says:

    Zuerst einmal,
    lieber Jörg-theomix,
    finde ich es schön und ich freue mich, dass du weiterschreibst 🙂

    Nun noch dies: Schwung und Begeisterung sind keine festen, stets gleichbleibenden Grössen. So wie eine Schaukel immer wieder in Bewegung gesetzt werden will, soll sie weiterschwingen, braucht es auch bei Tätigkeiten wie Schreiben/Bloggen immer wieder den Schubs und den Antrieb, um in Bewegung zu bleiben.
    Und manchmal fehlt der einfach.
    Private und berufliche Erfahrungen/Erschütterungen dämpfen und machen nachdenklich.
    Und das ist gut so!
    Ausserdem ist Karwoche – Leiden, Endlichkeit, Tod sind Thema. Vielleicht mehr als sonst…
    Und auch das ist gut so!

    Ich gebe dem (endlich!) gekommenen Regen 🙂 liebe Grüsse über die Grenze an dich mit
    Hausfrau Hanna

    • theomix Says:

      Ach, liebe Hausfrau Hanna, es liegt nicht an der Karwoche – sonst gäbe es Beiträge dazu 😉
      Aber sonst, ja es ist so.
      Herzlichen Dank, herzliche Grüße, Jörg

  7. Hase Says:

    Lieber Jörg,

    schön, wieder von Dir zu lesen 🙂
    Danke für Deinen Beitrag und Deine Offenheit. Die Krise beim Bloggen hat anscheinend nicht nur Dich erreicht. So geht es anderen auch. Es muss doch nicht jeden Tag was bereit stehen. So wie es ist, ist es gut. Mach Dir keinen Kopp , aber ich finde es schön, wenn der Blog erhalten bleibt. Lieber weniger, als gar nicht …

    Ich wünsche Dir alles Gute weiterhin
    (für hier und im realen Leben)
    liebe Grüße
    Erika

  8. theomix Says:

    Herzlichen Dank für eure Kommentare. Sie ermutigen mich sehr.

  9. freiedenkerin Says:

    Bloggen ist doch kein Muss! Wenn dir zur Zeit nicht danach ist, wenn du die Gedanken, die Gefühle, die dich umtreiben, hier grade nicht in Worte fassen kannst, oder willst, dann mach‘ ne Pause. Ich mag dich gut leiden, du bist ein Bloggerfreund, ich respektiere und schätze dich – doch du bist auch bei mir, wenn du hier mal nix zum Besten gibst. 😉

    • theomix Says:

      Danke für das ausgesprochene Vertrauen 🙂
      Mein Blog ist auch ein bisschen ein spiritueller oder geistlicher Weg. Und dazu gehört nun mal Disziplin. Deswegen lege ich gerne Rechenschaft darüber ab, wie ich den Blog einrichten will. Mit „wie mir gerade ist“ komme ich nicht recht weiter. Auch wenn ich sehe, dass es mi Last abnehmen soll. Atmen ist auch keine Last, nur manchmal bewusster, meist fließt es..

  10. Elsoron Says:

    Kurz und schmerzlos: Wir lesen uns!

  11. andrea2110 Says:

    Lieber Jörg, nicht nur Du empfindest es so, es geht vielen Menschen so: es IST eine intensive Zeit zur Zeit, eigentlich schon seit längerem. Viele Systeme funktionieren nicht mehr wie „früher“. Viele alte Dinge kommen hoch, möchten angeschaut und verändert werden. Und wenn wir damit achtsam umgehen, dann werden sie sich zum Guten wenden. Das ist meine Erfahrung und mein tiefer Glaube!
    Auch ich lese so gern ab und zu in meinem alten Blog und staune, was ich da alles für wunderbare Gedanken geschrieben habe. Und hoffe einfach darauf, dass auch die aktuellen Beiträge aus der Zukunft rückwärts gelesen die gleichen guten Gefühl bei mir auslösen:-). Herzliche Grüsse und ein schönes Osterfest für Dich, Andrea

    • theomix Says:

      Liebe Andrea,
      ich habe auch manchmal den Eindruck, dass es vielen so geht, warum auch immer. Und was du beschrebs, ja , das ist ein Weg zum Guten. 🙂
      Liebe Grüße, Jörg

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