Integlaubwürdivorbild 3

Eigentlich wollte ich um das Thema herumschiffen, aber wie die Kommentare zeigten, ist das im Moment beim Thema Bundespräsident nicht möglich.

In loser und hoffentlich rascher Folge betrachte ich die Wörter

Ich bin in Verzug gekommen. Aber nun haben wir einen neuen Buprä, jetzt wird es Zeit…

Nun noch  zum Vorbild. Der letzte Bundespräsident wurde mit der Forderung, eins zu sein, seltener konfrontiert. Vielleicht, weil die Person bei den bisherigen gesetzten Herren weniger im Vordergrund stand.

Aber unsereiner, im Pfarrberuf, kriegt das öfter zu hören. Denn die Erwartung, dass Person und Beruf übereinstimmen, ist hier besonders hoch.

In früheren Jahren bekam ich des öfteren zu hören: „Der Pfarrer soll ein Vorbild sein“. Das konterte ich ab irgendwann mit dem Satz: „Ich bin ein Vorbild.“ Leider verebbten dann die meisten Gespräche. Schlechtes Gewissen machen ist halt einfacher als einem messianischen Selbstbewusstsein zu begegnen. :mrgreen:

Damals war ich in manchem konsequenter als heute. Würde ich das heute auch noch erwidern? Ich meine schon. Ich bin in vielem kein Glanzpapier-Vorbild. Aber wenn jemand über konkrete Punkte der Lebensführung oder des Glaubens reden möchte, gerne. Ich bin auch vorbildlich darin, die Kompromisse meines Lebens einzugestehen. Es sind unvollkommene Menschen, die Vorbilder sind. Manche haben aber gute Ikonenmaler…

Wer noch von euch will Vorbild sein? Und worin?

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12 Antworten to “Integlaubwürdivorbild 3”

  1. OneBBO Says:

    Eine gewisse Arroganz, so denke ich, gehört einfach dazu, wenn „man“ im öffentlichen Leben steht, bzw. stärker im öffentlichen Auge ist als der Nachbar. Und übergroße Bescheidenheit zähle ich auch zu dieser Arroganz. Also ob jemand sagt „Ja, ich bin ein Vorbild!“ oder die Augen niederschlägt „Ach, ich bin doch nur ein kleines Rädchen in Gottes Mühlwerk…“ ist auf einem Kraut gewachsen.

    Das mit dem Vorbild ist wie mit dem Elternsein (auch dies kein Gesetz, nur meine Meinung): Solange wir uns darum bemühen, unsere Rolle auszufüllen und dies auch in Konsequenz tun, sind kleine Patzer im Rahmen des Menschlichseins unvermeidbar und werden nur von Fanatikern bemängelt.

    Wobei gewisse Dinge dann doch Konsequenz erfordern: Ein Pfarrer, der lügt, stiehlt, Ehebruch begeht und betrügt, kommt der erforderlichen Vorbildfunktion sicher nicht nach, auch wenn er noch nicht zum Mörder geworden ist 🙂

    • theomix Says:

      Nein, darum ging es den Vorbildforderern wohl nicht. Das wäre auch eher das Kapitel Glaubwürdigkeit.

      Und Arroganz? Nein, nein, es ist eher Selbstbehauptung oder, mit dem demütigen Ansatz, Selbstvergewisserung. 🙂

  2. Hase Says:

    Lieber Jörg,
    vielen Dank für Deinen Beitrag und die Anregung zum Nachdenken….
    Vorbild bin ich keines, aber ECHT , innen und außen. Ich habe Fehler und ich stehe dazu, ich bin chaotisch und finde mich in meinem Chaos zurecht. Ich habe durchgehalten in Krisen und gebe so leicht nicht auf…..
    liebe Grüße
    Erika 😉

    • theomix Says:

      Liebe Erika,
      Vorbild willst du keines sein, vielleicht bist du es aber.
      Umgekehrt ist Echtheit etwas, was ein Mensch kaum für sich selbst beurteilen kann.
      Herzlichen Gruß, Jörg

      • Hase Says:

        Danke, lieber Jörg. Meine Echtheit wurde mir schon sehr oft als Kompliment mitgeteilt, ich würde es nicht so beurteilen . Ich empfand mich selbst eher negativ früher…..
        Gruß Erika

  3. Claudia Sperlich Says:

    Kein Mensch kann „Vorbild an sich“ sein, aber jeder einigermaßen Vernünftige kann und soll Vorbild sein da, wo es seine Sache ist. Ein vorbildlicher Lehrer vermittelt Freude an seinem Fach und macht neugierig darauf. An einer Ampel bei rot warten, zumindest immer dann, wenn Kinder in der Nähe sind, ist vorbildlich. Einem Kind erklären, wie schädlich Drogen sind, und dabei kiffen, ist kein gutes Vorbild.
    Christen sind explizit zu vorbildlicher Nächstenliebe aufgerufen, da wird es schon gelegentlich schwierig.
    Ich möchte gerne vorbildlich sein in literarischer Bildung und glaube, das gelingt mir nicht ganz schlecht. Wobei das nicht heißt, ich möchte, daß alle Welt sich für genau die gleichen Literaturen interessiert wie ich, sondern ich hoffe, durch meine Liebe zur Literatur auch andere im weitesten Sinne literarisch zu begeistern.

  4. Kirsi Says:

    Erfolge und Misserfolge machen das Leben rund. Man ist niemals ein perfektes Vorbild, aber, wie oben auch schon erwähnt, Verkündigung und Leben sollten überein stimmen. Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Und manchmal ist es vielleicht auch notwendig über etwas zu predigen, wo man selbst noch auf dem Weg der Umsetzung ist. Aber wenn es für die Gemeinde deutlich ist, dass der Pastor selbst noch nicht am Ziel ist, sondern gemeinsam mit ihnen auf dem Weg, wird das ihn nicht als schlechtes Vorbild darstehen lassen.

    Ein schlechtes Vorbild wäre er dann, wenn er sich als moralische Instanz aufspielt, aber selbst nicht halten will, was er predigt.

  5. mialieh Says:

    Möchte ich ein Vorbild sein? Gegenfrage: Kann man das sein wollen? Ich denke, das ist ja was, was man von außen zugeschrieben bekommt. Man kann sich das nicht aussuchen. Man kann sich nur versuchen vorbildlich zu verhalten – und dann haftet dem Begriff immer etwas streberhaftes (oder von „guter Führung“) an.
    Vorbildlichkeit kann auch einengen. Eine vorbildliche Beziehung der Eltern etwa (oder eine als vorbildlich empfundene) darf nicht zu einem Dogma für die eigene Beziehung werden. Die (einerseits ungemein wichtige) Orientierung an außerfamiliären Vorbildern wie Beyoncé oder Katy Perry sollten nicht der einzige Wertmaßstab werden, dann tritt das Eigene ja wieder in den Hintergrund.

    • theomix Says:

      Manches, wie z. B.die Aufgaben als Eltern z. B. erfordern einfach Einsatz. Ob es dann vorbildlich ist? es käme darauf an Kriterien zu finden, nach denen ich das bemesse.

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