Wo ist die Grammatikpolizei?

In unserem Ort war was los: Ein Raubüberfall. Eine der zwei regionalen Zeitungen schrieb darüber.

Ein steter Quell stiller Freude ist regelmäßig der Polizeibericht, der in einem kostenlosen Werbeblättchen veröffentlicht wird.  Dort heißt es zum Raubüberfall: „Ein Täter schlug zur Tatzeit den alleine im Büro anwesenden Angestellten mit einem metallenen Gegenstand nieder und fesselt diesen anschließend.“

Nanu, nach allen Regeln  der Sprachkunst wurde also der metallene Gegenstand gefesselt? Wozu? Damit er niemandem weiteren Schaden zufügte?

Nein. Sondern damit wir etwas lernen: „Dieser“ bezieht sich auf das nächstliegende maskuline Substantiv (oder: männliche Hauptwort). Gemeint war der arme Angestellte, richtig wäre „jener“ statt „dieser“. Am besten, das Polizeiprotokoll hätte es gleich so geschrieben wie Herr Quadt von der Rhein-Zeitung: „Mit einem metallenen Gegenstand schlug der Haupttäter den Marktleiter nieder“.

Es stand noch mehr Murks Verwirrendes darin, aber das würde jetzt zu lang. Allmählich frage ich mich: Brauchen wir eine Grammatikpolizei, zur Kontrolle der Protokolle?

Nachtrag: Fast das Ganze lässt sich hier nachlesen, dort ist vieles wörtlich übernommen.

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29 Antworten to “Wo ist die Grammatikpolizei?”

  1. bigi Says:

    Wenn es ja nur die Protokolle wären – Manche Zeitung *nein, ich schiele jetzt nicht an die OstSee* braucht grundsätzlich einen DeutschKurs.
    Liebe Grüße
    bigi

    • theomix Says:

      Ich wage nicht das anzuzweifeln. Wir sind einfach gut dran, nehme ich an. 🙂

      • bigi Says:

        DER Oberhammer, nein DIE Oberhammer, die sich diese wundervolle oben an- aber nicht ausgesprochene Zeitung der OstSee geleistet haben:
        1. auf Grund eines anonymen Briefes, schreibt man in einem richtig großen Artikel hier die große PeeneWerft in die Pleite und in die Insolvenz – eine Ente unfassbaren Ausmaßes!
        2. Am Wochenende standen alle Trauer- und Sterbeanzeigen unter der Überschrift: „Stellenangebote“

        Noch Fragen?

  2. sweetkoffie Says:

    Nicht nur Grammatik ist schwer, auch Komma setzen 😉

    Satzzeichen retten Leben !!!

    „Wir essen jetzt Opa“

    :mrgreen:

  3. Claudia Sperlich Says:

    Tja. Hätte der Journalist einfach „ihn“ statt „diesen“ geschrieben, wäre es zwar doppeldeutig, aber jede verstünde es sofort richtig. Stattdessen hat der Journalist sich erinnert, daß er in der Schule mal gelernt hat, alles ein bißchen „gehobener“ klingen zu lassen. Und prompt das falsche Wort genommen.
    „… entleerten die Täter einen im Büro vorgefundenen Pulverlöscher in dem Raum, in dem sich auch das gefesselte Opfer befand.“ klingt auch lustig, ich sehe da den armen Mann zusammengekauert im Pulverlöscher, aus dem er dann mit Überdruck entfernt wird. Obwohl der Bezug auf „Raum“ hier wenigstens möglich ist. Aber sehr verkorkst formuliert.

  4. OneBBO Says:

    Nun, ich sage mal, das kommt u.a. auch daher, weil Rechtschreibung nicht mehr ernst genommen wird. Einmal eine Folge sich widersprechender Rechtschreibreformen – und auch der Nachlässigkeit in den modernen Medien. Wer schreibt denn online noch möglichst ohne Fehler? Wer bemüht sich in Email, Blog-Kommentaren um richtige Orthographie, Stil, Grammatik? Kaum einer. Und woher soll’s dann kommen bei der Polizei?
    😈

  5. Hase Says:

    Lieber Jörg,
    das wäre was für Bastian Sick. Der schnappt so Sachen gerne auf und weist auf die Grammatik hin . Nicht allen fällt das wirklich auf, das ist auch ein Phänomen…. Ich habe ihn kürzlich live erlebt.
    Danke für das Mitteilen…..
    Liebe Grüße
    Erika

  6. Jary Says:

    Oh ja, der Polizeibericht! Vor einiger Zeit habe ich bei einer regionalen bayerischen Tageszeitung ein Praktikum gemacht und war dabei auch ein paar Mal dafür zuständig, den Polizeibericht zu kleinen, mehrzeiligen Artikeln zu verarbeiten. Bezugsfehler waren an der Tagesordnung. Das Ergebnis war manchmal in der Tat sehr amüsant… 😀
    Der Grammatikstil liegt vielleicht auch daran, dass der Polizeibericht eben das Lästige an der Polizeiarbeit ist, das man halt noch so nebenzu schreiben muss. Also verwendet man darauf nicht allzu viel Sorgfalt. Könne ich mir jedenfalls vorstellen.

    • theomix Says:

      Vermutlich lästig. Und wenn eine/r gut schreiben könnte, wäre sie oder er Pressemensch geworden und nicht Polizist. Das ist das Dilemma. 😉

  7. bigi Says:

    Genitiv ins Wasser denn Dativ – ist der Renner als T-ShirtDruck

  8. Ruthie Says:

    😆 Können ja auch nicht alle so KK sein wie Du und ich 😉

  9. Claudia Sperlich Says:

    In dem Kurier-Text ist ja der Satz mit dem niedergeschlagenen Angestellten im Feuerlöscher noch schöner.

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