Integlaubwürdivorbild 1

Eigentlich wollte ich um das Thema herumschiffen, aber wie die Kommentare zeigten, ist das im Moment beim Thema Bundespräsident nicht möglich.

In loser und hoffentlich rascher Folge betrachte ich die Wörter

  • Integrität
  • Glaubwürdigkeit
  • Vorbild

Heute zur Integrität.

Es ist oft die leiseste Forderung an öffentliche Personen: die Integrität.

Vom lateinischen Wortsinn geht es um Unversehrtheit, Reinheit und Redlichkeit. Im heutigen Wortgebrauch sehe ich es eher bei der Überzeugungskraft der Person. Für mich schwingt mit: Die Persönlichkeit soll ganz, von unten nach oben, von vorn bis hinten eindeutig sein.

Was strahlt eine/r aus, die/ der ein Amt bekleidet? Und gibt es eine kontinuierliche „Übereinstimmung des persönlichen Wertesystems mit dem eigenen Handeln“ (so Wikipedia zum Stichwort)?

Integer sein, ja, das hat was.
Auch für euch?

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19 Antworten to “Integlaubwürdivorbild 1”

  1. mialieh Says:

    Zwei Einwände habe ich gegen die Möglichkeit von Integrität überhaupt: der erste in die Möglichkeit, Personen so zu durchleuchten, dass all ihre Brüche und Unebenheiten deutlich werden. Der zweite ist, dass die Einheitsvorstellung einer Person sehr widersprüchlich ist, da es möglicherweise an Personen auch Aspekte gibt, die nicht in ein integres Bild einer integrierten Persönlichkeit passen.

    Integrität ist ein Ideal, ein Einheitsstreben, das wir uns vielleicht wünschen, das aber unerreicht bleibt. Der Versuch, sie anderen aufzubürden, die dann als Repräsentanten einer vergangenen Zeit scheinen oder als Vorbilder führt leicht in Enttäuschungen. Sieht man ja bei vielen sogenannten Glamour-Personen: ein kurzer Blick hinter die Fassade reicht meist aus, um die Annahme der Einheitlichkeit anzukratzen.

    Insofern ist, wer integer wirkt, verdächtig. Er versteckt die nicht-passförmigen, nicht-gewollten, ‚dunklen‘ Seiten seiner Persönlichkeit. Ich bin für Ehrlichkeit statt für Integrität.

    • theomix Says:

      Also ehrlich, integer kommentiert :mrgreen:

      Ohne Ideale wäre es doch auch traurig. Und egal welches Ideal, die 3+1-Fingerregel hat ja viel für sich. (Also mit 1 Finger auf andere, mit 3 auf sich zeigen. Auch Vorbilder enden gerne in Enttäuschungen.) Integrität kann man noch verwirklichen, meine ich. wenn man zur Ganzheit des Menschen die Brüche und Unebenheiten hinzunimmt.

      • mialieh Says:

        Ich versuche gerade gleichzeitig einhändig mit drei Fingern auf mich und mit einem auf eine andere Person zu zeigen. Das geht nicht. Was heißt das nun? 😈

  2. Claudia Sperlich Says:

    Im vollen Wortsinn integer ist natürlich kein Mensch über fünfundzwanzig. Integrität bedeutet für mich: Zu seinem Leben und seinen Fehlern stehen, den Willen und die Fähigkeit zu Anstand und Ehrlichkeit zeigen, tun, was in den eigenen Kräften steht.

    • Jary Says:

      So ähnlich sehe ich das auch. (Bis auf den ersten Satz – ich bin unter 25 und würde nicht behaupten, dass ich eine „einheitliche Persönlichkeit“ ohne Widersprüche besitze. 😉 ) Alltagssprachlich bedeutet Integrität für mich, zu den eigenen Entscheidungen und Äußerungen zu stehen und Fehler einzugestehen. Also genau das, wovor sich gewisse andere prominente Politiker – und ich meine nicht nur Herrn W. – gedrückt haben. Insofern hängen Integrität und Glaubwürdigkeit natürlich zusammen: ohne (so verstandene) Integrität keine Glaubwürdigkeit. Aber ich möchte dem nächsten Eintrag nicht vorgreifen.

      • theomix Says:

        Vielleicht enden mit 25 die Unschuldsvermutungen? Das muss Claudia schon selbst verraten.
        Ich verbinde Integer eher mit „überzeugend“ als mit „glaubwürdig“. Immer diese Wortfelder.

      • Claudia Sperlich Says:

        Ich habe hoch angesetzt, weil ich bei vorher geschehenen Brüchen endlose Diskussionen um Schuldfähigkeit bzw. „ist doch alles nicht so schlimm“-Aussagen befürchtete.
        Was zeigt, daß ich in ein Alter komme, in dem man junge Leute unterschätzt. 😉

    • theomix Says:

      Die Definition: Gerne

    • OneBBO Says:

      Ich sehe das eher umgekehrt: Erst ab 25 kannst du integer sein, weil du viel lockerer deinen Fehlern gegenüber bist. Vorher bist du im Denken nicht so gelassen dir selbst gegenüber.

  3. Hase Says:

    Lieber Jörg,

    danke für die Weiterbildung 🙂
    Bei der Überschrift wurde mir etwas schwindlig…..
    “ Die Persönlichkeit soll ganz, von unten nach oben, von vorn bis hinten eindeutig sein“ Das hast du gut ausgedrückt….

    lieben Gruß
    Erika

  4. Agnes Says:

    Vielleicht interessiert sich hier der eine oder andere für diesen Bericht:
    Gauck und das Internet

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