Zu den ungehaltenen Predigtteilen

Beim Öffnen der Tür riecht es schon nach Zigarettenrauch. Auf dem Tisch zwei gut gefüllte Aschenbecher. Angehörige erzählen mir, was wichtig ist.  Der Verstorbene hatte Lungenkrebs.

Haben die nichts aus dieser Krankheit gelernt?  Ich habe das bei der Trauerpredigt nicht angesprochen. Das war wohl die richtige Intuition: Wie mir ein ehemaliger Raucher sagte, ist mein Denken „typisch Nichtraucher“. Wer rauchen will, wird die Verbindung nicht herstellen, ob bewusst oder unbewusst.

Nachdenklich macht es mich dennoch. Immer ist es die eigene Verantwortung. Auch beim Konsequenzen ziehen. Ob das jemand von außen so sagen kann, dass es Kopf und Herz erreicht?

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40 Antworten to “Zu den ungehaltenen Predigtteilen”

  1. Claudia Sperlich Says:

    Es kann gut sein, daß sie gelernt haben – aber eine Sucht ausgerechnet in einer extremen Streßzeit aufgeben, ist eben nicht ganz ohne.
    Es kann leider auch sein, daß Du in dieser Gegend noch mehr Leute mit der gleichen Diagnose beerdigen wirst.
    Hoffen wir, daß hier zur Abstinenz führende Gedanken in Bewegung gebracht wurden.

    • theomix Says:

      Ja, ich hoffe das auch. Ich muss ja nicht derjenige sein, der die Erkenntrnis bringt. Und die Einschätzung mit der Stresszeit – ja, stimmt wohl..

  2. Hao Says:

    Mut zur Lücke…. Die hätte ich an dieser Stelle wohl nicht gehabt. Ich wäre als radikaler Nichtraucher sofort der Versuchung erlegen…. „Der Herr hat sie in meine Hand gegeben“….. Manchmal ist weniger auch mehr. Aber auch nur manchmal…

    • theomix Says:

      Es lebe der Unterschied! Dein Schweigen an der Stelle hätte dich vielleicht unglaubwürdig gemacht, wie mich möglicherweise das Reden. Intuition ist ja auch etwas, womit der Heilige Geist arbeitet.

  3. Hase Says:

    Lieber Jörg,
    danke für Deinen Beitrag, der mich auch sehr nachdenklich stimmt. Als Nichtraucherin kann ich mich nicht in einen Raucher hineinversetzen. Verantwortung trägt jeder Mensch in seinem und für sein Leben … Der Mensch selbst entscheidet, aber manchmal ist auch Hilfe von außen nötig.
    nachdenkliche Grüße
    Erika

    • theomix Says:

      Liebe Erika,
      ich stimme dir zu – und denke über die „Hilfe von außen “ nach. Die ist oft wichtig, aber ist derjenige bereit, sie anzunehmen?
      Fragend und herzlich… Jörg

      • Hase Says:

        ja, die “ Hilfe von außen“ kann auch nur eine kleine Hilfe zur Selbsthilfe sein, damit derjenige einen kleinen Schritt aus dem Teufelskreis herausfindet. Natürlich nur, wenn er es selbst will…wenn es ihm schlecht genug geht, um etwas ändern zu wollen. Das betrifft nicht nur das Rauchen ….

        • theomix Says:

          Hilfe von außen kann erst dann etwas erreichen, wenn das Gegenüber in der Lage ist, das auch wahrzunehmen.
          Es betrifft jede Sucht…

        • Hase Says:

          Lieber Jörg,
          danke Dir für Deine Antwort.
          „wenn das Gegenüber in der Lage ist, das auch wahrzunehmen“
          das ist natürlich die Hauptvoraussetzung ….für Hilfe von außen
          Dir noch einen schönen Abend, lieber Jörg
          Gruß
          Erika

        • theomix Says:

          Liebe Erika,
          die Probleme fangen ja dort an – wenn das Gegenüber das eben nicht kann…
          Dir auch noch Schönes heute!
          Herzlich: Jörg

  4. Werner Says:

    Manchmal ist es halt richtig, die Aufforderung: „Tritt auf, sei es gelegen oder ungelegen“ außer Kraft zu setzen.
    Man kann es auch Fingerspitzengefühl nennen.

    • theomix Says:

      Das Zitat betrifft doch das Predigen – das war ja da, gelegen. Inwieweit die Menschen bei einer Bestattung bereit sind, das ungelegenen Reden aufzunehmen, das ist die Frage…

  5. ig Says:

    Guten Morgen, hieraus lese ich, dass Du auch etwas ungehalten warts – aber da lobe ich Zurückhaltung. Aber so vernebelt und dem Ersiticken nah fält das schwer – zugegeben. Und Rauchen is schlecht, für Kopf, Herz und Lunge…. Auch das der Nichtraucher 🙂

    Ach ja, in Deinem Blog schneit’s schon wieder – oh weh, im WW auch? Hier zum Glück noch nicht!

    • theomix Says:

      Ungehalten eher als „leicht nervös“, ja. Vernebelt war es nicht.
      Der Schnee bei WP ist nicht identsich mit dem schnee im WW, hier ist vom wetter der 37. November…

  6. Luzifa Says:

    Es bringt nichts, solche Suchtraucher wie mich, wodurch auch immer, zum Nachdenken anzuregen, denn das ist längst geschehen, und Appelle an die Vernunft lassen nur die Lust auf die nächste Zigarette sprunghaft ansteigen.

    • theomix Says:

      Genau da liegt das Problem: an die Vernunft ist schnell appelliert. Herz und Seele sind weitaus schwerer zu erreichen.

      • Hao Says:

        Wie kann man, wie kann der Heilige Geist in solchen Situationen das Herz erreichen?????

      • Luzifa Says:

        Es gibt keinen äußeren Einfluss, der da je eine Rolle spielen könnte. Das ist ja der Punkt: allein der unverbrüchliche Wille kann es schaffen. Und da kommt dann schon der nächste Punkt: einen solchen Willen kann man halt nicht mal eben so hinbasteln. Der muss aus einem selbst heraus und an sich selbst wachsen.

  7. shelkagari Says:

    Von außen kann man da gar nichts erreichen. Eine Erkenntnis, der feste Entschluss, mit dem Rauchen, dem Trinken, den Drogen, den Verschwörungstheorien etc. aufzuhören, muss in jedem Falle von einem selbst ausgehen… *Seufz*

  8. Wortman Says:

    Einen richtigen Raucher wirst du nicht überzeugen können… ebenso wenig wie du einen Nichtraucher umkrempeln könntest.
    Solche Entscheidungen muss jeder für sich treffen.

  9. Babbeldieübermama Says:

    Die raucher wissen von der Schädlichkeit der Zigaretten. Also warum immer wieder darauf aufmerksam machen. Nur ein ehemaliger Raucher kann ermessen wie schwer das Aufhören wird.

    • theomix Says:

      „Mit dem Rauchen aufhören ist die einfachste Sache der Welt. Ich habe es schon 100 Mal ausprobiert.“ Der Spruch wurde schon vor Internetzeiten Mark Twain zugewiesen…
      Wer was ermessen kann, ist doch auch eine Frage des Einfühlungsvermögens, oder?

      • Luzifa Says:

        Bis zu einem gewissen Grad, ja. Aber Einfühlungsvermögen ist kein Mittendrinsein.

        So kann ich mich zwar in einen Alkoholiker hineinversetzen und dessen Probleme nachvollziehen — aber der Geschmack… die Lust auf den ersten Cognac am Morgen… all das bleibt mir letzten Endes verschlossen.

        • theomix Says:

          Aber ohne Einfühlungsvermögen gäbe es kein Kommunikation übers Mittendrinsein. Bis zu Romanen und Krimis…

  10. Babbeldieübermama Says:

    Natürlich ist es auch eine Frage des Einfühlungsvermögens, nur genauso fühlen kann wirklich nur ein Betroffener.
    Bleiben wir bei dem Beispiel der Raucher. Selbst da gibt es Unterschiede. Ein Suchtraucher kann nicht 100% nachempfinden wie sich ein Genussraucher fühlt und umgekehrt. Für Nichtraucher muss es also noch viel schwerer sein.
    Nur der eine nimmt die Fehler des anderen hin, der nächste versucht zu missionieren.
    Hoffentlich habe ich mich verständlich ausgedrückt.

    • theomix Says:

      Klaro, und es ist hoffentlich auch deutlich, dass ich einfach mal widerspreche.
      „Genauso fühlen“ gelingt schon nicht von Raucher Hubert zu Raucher Artur. Oder wie auch immer. Was ja an die Nerven geht: wenn einer meint, die Gefühle anderer genau zu kennen und daraus folgert, für den anderen sprechen zu können. Das darf man dann ruhig Bevormundung nennen.

  11. Luzifa Says:

    Hoffentlich bin ich dir nicht zu beharrlich, aber ich komm‘ noch mal zu deiner ursprünglichen Frage zurück: „Ob das jemand von außen so sagen kann, dass es Kopf und Herz erreicht?“

    Ja, ganz sicher. Je näher einem der Außenstehende steht desto näher ist er Herz und Kopf des Betroffenen. Und ein Pfarrer, zumindest gehe ich davon aus, steht einem kraft Berufung schon näher als ein beliebiger „Bekannter“ aus dem erweiterten Freundeskreis.

    Mir wäre auch in dieser Situation halt Ehrlichkeit wichtig. Wenn ich merken würde, dass der Pfarrer sich da was zusammengebastelt hat, ohne selbst „dabei“ zu sein — weißt, ich meine dieses „An der Oberfläche Kratzen“, das manche (und nicht nur Pfarrer) an sich haben. Für mich ist das dann nur noch abhakbarer Salbader.

    Aber wenn ich spüre, es ist dem Anderen ernst, es ist ihm selbst wichtig und er hofft mich damit zu erreichen… UND ist in der Lage den eigenen Einfluss zu relativieren…

    O Gott, ist das ein schwieiriges Thema… aber:

    Doch, ich glaube. Und ich denke, ich wäre dann sehr ansprechbar. Nur — ob ich deshalb aufhören würde (und das muss dem Anderen eben bewusst sein), das weiß ich nicht und tendiere eher zum: Hm. Unwahrscheinlich.

    So ein langer Sermon. Streich’s von der Liste, wenn’s dir zu viel wird. Ist halt schon arg privat. 🙂

    • theomix Says:

      Authentizität kann ja niemand selbst kontrollieren. Bei einer Beisetzung sind einfach bestimmte Themen vorgegeben. Meine Gedanken wären ja evtl. in Richtung Beschimpfung missverstanden worden, und dann geht beim Zuhörer eine Klappe runter. Und Manches muss man auch dem Selberdenken überlassen…

  12. Babbeldieübermama Says:

    Du hast mir nicht widersprochen, du kannst nur besser formulieren. 🙂
    Wünsche dir und deiner Familie einen besinnlichen 3. Advent.

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