Wie bitte? Schon da?

Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: „Wann kommt das Reich Gottes?“, antwortete er ihnen und sprach: „Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte;noch wird man sagen: ‚Siehe hier!‘ oder: ‚Siehe dort!‘, denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“
Lukas 17, 20.21

Reich Gottes, so übersetze ich mir das gerne, ist die Welt, so wie Gott sie will. Und das ist schon mitten unter uns? Utopien sind in den letzten beiden Jahrzehnten rar geworden. Aber sie wären notwendig, die „Occupy“-Bewegung zeigt es.

„Mitten unter uns“ – eine Herausforderung, auch ein bisschen Arbeit. In früheren Jahren hat mich die Lektüre Helmut Gollwitzers inspiriert. „Sozialismus“ ist seit Ende des real existierenden nur noch „pfui“. Aber vielleicht braucht es heutzutage wieder eine Utopie, ein soziales Ziel.

„Das Reich Gottes ist inwendig in euch“, hat Luther übersetzt. Das Da-sein dieses Reiches ist schillernd und  nicht eindeutig. Innerlichkeit ist zulässig, so lässt sich das griechische Wort (ἐντὸς) auch  übersetzen. „Mitten unter euch“ ist gleichwertig, im Deutschen geht nicht beides auf ein Mal.

Bei uns – aber noch nicht da. Es kommt uns entgegen, wir gehen darauf zu. Jenseitige Perspektiven kommen auf. Diesseitige lassen sich nicht verdrängen. „Mitten unter euch“.

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23 Antworten to “Wie bitte? Schon da?”

  1. sweetkoffie Says:

    Das Reich Gottes ist unter uns …

    ja, das versteh ich, das sagt mir was.

    Um es zu „sehen“ und zu spüren muß ich allerdings in mich gehen, bzw, mich und mein Drumherum mal aus einer gewissen Distanz betrachten,
    mich und mein Tun beobachten,
    die kleinen Dinge wahrnehmen, in denen sich das Reich Gottes mir offenbart,
    für mich kann das in Form eines Wolkengebildes sein, oder in der Geste oder im Blick eines anderen Menschen spürbar werden,
    dann wo ich ganz sehr merke:
    ich bin nicht allein, ER ist bei mir, unter uns.

    Danke, lieber Theomix, für das Wort in den Tag,
    für die Anregung, die mich kurz innehalten läßt zu Beginn eines neuen Tages und einer neuen Woche.

    Herzliche Grüße
    SK

    • theomix Says:

      Liebe sweetkoffie,
      vielen Dank für diese Rückmeldung. Ich kann dem gut zustimmen. Außer dem kein „muss“. Da legt schon zu sehr fest. Es kann wichtig sein, zuerst ins Innere zu gehen. Es kann aber auch sein, dass die Innerlichkeit einen von den Aufgaben wegbringt.
      Gute Wünsche! T.

    • Jary Says:

      Liebe Sweetkoffie,
      das hast du, finde ich, sehr schön geschrieben.
      Ja, mir sagt das auch etwas: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“…
      Zum Einen sehe ich es in der Natur und in so grandiosen Bauwerken wie Kathedralen oder Burgen (ja, ich bin im kulturgeschichtlichen Sinne Romantikerin – „the sublime“, sage ich nur). Das ist dann sozusagen die innerliche Seite.
      Andererseits ist dieser Satz für mich aber auch eine Aufforderung für den Umgang mit unseren Mitmenschen. Ich denke, Gott hat uns die Freiheit gegeben, damit wir das Gute suchen und das Böse meiden. Wenn mir durch das Handeln Anderer etwas Gutes passiert oder ich selbst die Möglichkeit habe, so zu handeln, dass anderen etwas Gutes passiert, fühle ich mich irgendwie… geborgen. Das ist dann wohl die äußerliche Seite.
      Schöne Grüße, J.

      • theomix Says:

        Beim „inwendigen“ geht es wohl um direkte Gottesbgegenung, wie etwa im Gebet, nicht um den Umweg über die Natur oder grandiose Bauwerke. Nichts gegen diese (Um)weg, nur seh ich wenig Verbindung zum Reich Gottes.

        • Jary Says:

          Du hast Recht, das Erstgenannte ist wohl eher die extermal-passive Seite, das Letztere die extermal-aktive; Beten wäre dann vielleicht inwendig-passiv, Predigen inwendig-aktiv (oder so).
          Noch mal zur extermal-passiven: Mit „Natur“ meine ich v.a., dass diese Welt mit Wasser und Luft ausgestattet ist, dass Leben auf ihr entstehen konnte und weiterhin entsteht. „Natur“ im Sinne von „nicht vom Menschen überformte Natur“ gibt’s kaum noch, das weiß ich ja, aber trotz allem… die komplexe Organisation der Lebewesen, des Ökosystems… Der Mensch denkt zwar immer wieder, jetzt hätte er verstanden, wie das alles funktioniert, aber bis ins letzte Detail versteht er’s immer noch nicht und wird es vielleicht auch nie völlig verstehen: Sublime. – Bei sakralen Bauwerken bin ich immer wieder beeindruckt, welch großartige baumeisterliche Leistungen der Wunsch, Gott zu ehren, hervorgebracht hat – gerade für die jeweilige Entstehungszeit, z.B. mittelalterliche Kathedralen, an denen mehrere Jahrhunderte lang gebaut wurde. (Dass es bei solchen Bauten auch eigennützige und persönliche Motive dahintersteckten, ist natürlich keine Frage und unbenommen.)

        • theomix Says:

          Man kann überlegen, wie sich Natur mit „Reich-Gottes-Charakter“ gestaltet, soll ja nach Paulus auch an der Erlösung teilhaben. Ist aber nicht im Zentrum.
          Die Pracht der alten Dome wurde auch auf dem Rücken der Leibeigenen und dank der Frondienste der Bauern erarbeitet. Ein System, fern vom Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit. (Und trotzdem gibt es so erhabene Bauten und so wunderbare Kunstwerke…)

        • Jary Says:

          Kurze Anmerkung noch: Die Ausprägung von Leibeigenschaft und Frontdiensten ist regional unterschiedlich und nicht alle Fronherrn waren so „ausbeuterisch“, wie man’s im Geschichtsunterricht oft noch beigebracht bekommt. (Dass das Feudalsystem an sich aus heutiger Sicht verdammenswert – weil die Selbstbestimmtheit des Menschen missachtend – ist, ist keine Frage, aber die Frage ist natürlich, ob es immer zielführend ist, die heutige Perspektive auf vergangene Verhältnisse zu übertragen…) Aber mit der ganzen Frondienst-Geschichte gehen wir in eine ziemlich aktuelle Forschungsdiskussion um bäuerliche Lebensführung in Spätmittelalter und Früher Neuzeit.
          Daran, dass bei Großbauprojekten in West- und Mitteleuropa teils bis ins 20. Jahrhundert hinein zahlreiche Menschen starben, gibt’s dagegen nichts zu rütteln.
          Aber jetzt lass‘ ich’s mal gut sein – bin schließlich nur Geschichtsstudentin mit Schwäche für Mittelalter und Frühe Neuzeit, aber keine Spezialistin für die Arbeit an mittelalterlichen Sakralbauten. 😉

        • theomix Says:

          Es ging mir weniger ums Sterben als um das Zustandekommen dieser Gebäude. Es wäre vermutlich ohne soclhe Formen der Zwangsarbeit nicht möglich gewesen.
          Meine Gedanken sind aus dem praktischen Leben der Kirchengemeinde: Beim jährlichen Haushalt wird für die Bauunterhaltung ein pauschaler Prozentsatz der Feuerversicherung als Bauunterhaltung eingestellt. Nun rechne ich auf hundert Prozent um und sehe, was bei einem Totalschaden für das romanische Kirchlein zusammenkäme. Und dann denke ich an die dicken Mauern und die stabilen Säulen innen. Das würden wir bei einem Totalschaden so nicht wieder neu bauen können. Die Technik ist in den letzten 8 Jahrhunderten verbessert worden, an den Materialien kann es auch nicht liegen. Dann liegt es doch wohl am Preis der menschlichen Arbeit.

  2. wegbegleiter Says:

    Danke für den Impuls – das ist ganz im Sinne des jüdischen Denkmodells, in dem die Sphäre Gottes, die Ewigkeit, das reich Gottes parallel zum Leben liegt und in dieses hinein ragt – im Gegensatz zur eher griechischen Abgrenzung zwischen Leben/Alltag und Gott.

    Ich fand letztens eine wunderbare Beschreibung dieser Wirklichkeit bei NT Wright. Wir erleben das Reich Gottes wie einen Sonnenaufgang. Dann steigen wir in ein Flugzeug und fliegen wieder in die Nacht hinein und landen woanders in der Dunkelheit. Dort steigen wir aus und leben alltäglich – wir wissen aber um den Sonnenaufgang, wir wissen, dass er auch hier und bei uns jeden Moment kommt – auch wenn es noch dunkel ist. Das ist eine wie ich finde feine Lebenshaltung… voller Hoffnung…

  3. Hase Says:

    Lieber Jörg,
    danke Dir für Deinen Beitrag.
    Der tut nach einem wunderschönen Wochenende besonders gut.
    Ja, ich „erfahre“ es manchmal, dass das Reich Gottes unter uns ist.
    Dankbare Grüße
    Erika

  4. Nicolaus Says:

    Lieber Theomix, ich habe auf Deinem Blog einmal vorbei geschaut, nachdem ich auf Hans-Otto’s Blog von Dir las. Deine oben stehende Betrachtung finde ich gut. Schalom, Nicolaus.

    • theomix Says:

      Herzlich willkommen, Nicolaus! Danke für die Rückmeldung! Noch viel Vergnügen, hier – und auf Haos Blog sowieso 🙂
      Liebe Grüße, Theomix

  5. Sven Says:

    Nun,
    wenn das Reich Gottes unter uns ist,
    also in mir,
    dann ist Gott immer in mir.
    ( Egal was ich glaube)

    Natürlich könntest du sagen, Gott ist von außen gekommen in mir drin.
    Ich kann auch schlussfolgern:
    Gott ist immer in mir, und ich mache mir, je nach meinen Fähigkeiten und meinen kulturellen Einflüssen,
    ein Bild von ihm.
    Sozusagen eine evolutorische Gehirnleistung des Menschen.
    Ein spirituelle Weg um in das Leben eingebunden zu sein.
    Sonne Mond Erde. Wir und unser Planet und unsere uns umgebene Menschengemeinschaft.
    Und da gibt es keinen religiösen Vorturner als Menschen. ( Ganz wichtig)
    Es gibt also keine Machtstruktur von Oben, die über einen gottgegebenen Pharao, Kaiser, Despoten oder einen Papst, die angeblichen göttlichen Weisheiten an seine Untertanen vermittelt.
    Das ist eine ständige Frage im gesellschaftlichen Miteinander unserer Spezies.
    Ob es Gott da draußen nun wirklich gibt, oder ob er nur bei uns im Gehirn drin…. ist eigentlich nicht so wichtig.
    Wichtig ist, das wir selbst entscheiden können, wie frei wir leben möchten.
    Gott macht uns da den Weg frei.

    • theomix Says:

      Das Ganze sagt mir irgendwie zu. Einzelpunkte sehe ich gravierend anders. Äußeres und inneres Wort sind unterschieden. Mit gutem Grund: Offenbarung will vermittelt sein, das geht nur über Vernunft und Sprache.
      Offenbarung ist nicht ohne Mystik, ihr bist du sehr nahe.
      Das gesellschaftliche Miteinander braucht die Gemeinschaft der Menschen, die die Gleichrangigkeit leben. (Die Religionskritziker übersehen die machtkritischen Gruppen und Konfessionen des Christentums gern!).
      Manches Hierarchische lässt sich anders denken, so wenn Kurt Marti die Trinität „die gesellige Gottheit“ nennt.

      Ob es Gott da draußen nun wirklich gibt, oder ob er nur bei uns im Gehirn drin…. ist eigentlich nicht so wichtig.
      Wichtig ist, dass wir selbst entscheiden können, wie stark wir Gott in unser Leben hineinziehen.
      Bevor wir uns um Gott bemühen, ist er schon da. Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum.

      Ich stimme nicht allem zu, aber dieser Kommentar ergreift mich in der Tiefe und regt mich an. Danke, Sven!

  6. Sven Says:

    Danke Jörg, für deine offenen Ohren.

  7. Wolfram Says:

    Ich führe mal den Gedanken weiter, mit Einflüssen aus anderen – nicht biblischen – Texten: Das Reich Gottes ereignet sich in, mit und unter uns…

    ?

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