Unfertiges zur Toleranz

State House Day

Image by rappaportcenter via Flickr

Da will ich ein wenig Ruhe und Abstand ausdrücken – und in den Kommentaren geht es hoch her. So etwas ist eine (für mich auch  geistliche) Herausforderung. Genussbloggen geht wohl nicht jeden Tag.

Das bringt mich zum Stichwort „Toleranz“, das in den Kommentaren anklingt. (Und auch in einigen Beiträgen kommentierender Blogger. Auch in anderen Blogs gab es Ärger beim Thema Oslo/ Amy.)

Ich merke, es gibt keine Toleranz ohne Anstrengung. Toleranz ist nicht, wie im Halbschlaf alles irgendwie zuzulassen. Das ist Laissez-faire.

Mit der Toleranz wird es ernst, wenn meine Gelassenheit endet und ich tief durchatmen muss. Halte ich es durch, die Meinung anderer zuzulassen? Wie weit kann ich gehen? Wo „hört der Spaß auf“?Kann ich, darf ich Person und Sache trennen?

Ein Ansatz, …

Dazu noch was Altes zum Thema

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50 Antworten to “Unfertiges zur Toleranz”

  1. OneBBO Says:

    Huhuu, ich bin doch hoffentlich die Erste 🙂

    Ich war mal zu Besuch in einer WG, als Studentin, noch jung. Entsetzt kommentierte ich das Chaos im Badezimmer. Meinte meine Freundin – „a, so lernt man Toleranz“. Ich dachte damals schon: Und warum geht die Toleranz nicht mal anders herum, dass alle Chaoten ordentlicher werden?

    Toleranz um jeden Preis ist nicht die meine.

    • theomix Says:

      Ja, aber es haben sich noch ein paar andere aufgereiht, bevor der Kommentar endlich an die frische Luft durfte.
      Toleranz um jeden preis ist wieder Laissez-faire. Anstrengend ist sie. Im Beispiel: Viele WGs halten ja nicht durch – wegen der unterschiedlichen Schwellen: der Toleranz, des Ekels und de Angewohnheiten…

  2. Ellen Says:

    Jetzt habe ich einen ganz langen Kommentar geschrieben und wieder gelöscht. Warum? Eben aus diesem Grund: Ich bin es einfach müde, daß man mir dann evtl. gleich wieder über’n Mund fährt. Ich habe zu viel gelitten in Bloggerland. Ich mag schon nicht mehr öffentlich bloggen. So viel von mir zum Thema Toleranz in Bloggerland.
    Sende aber liebe Grüße zu Dir.

  3. Hase Says:

    Lieber Jörg,
    danke für Deinen Beitrag. Ich habe das gestern mitverfolgt und möchte ein paar Gedanken loswerden. Für mich war Dein Beitrag gestern ein Impuls zum Innehalten. Ich fand das sehr gut, Deine Gedanken und dass Du nicht näher auf die Geschehnisse eingehen wolltest. Zu viel hört und liest man überall, für mich ist das auch schwierig, deshalb wollte ich einmal still nachdenken.
    Als ich die Kommentare verfolgte , dachte ich auch, dass manches anders gemeint war, als es ankam . Und dass jeder eine andere Meinung haben kann, ist wohl jedem bewusst. Sachlichkeit steht vor dem Persönlichen. Wenn es zur persönlichen Verletzung kommt, kann man doch auch darüber reden, bevor es zerredet wird. Aber niemand ist gestern direkt angesprochen worden. Deshalb meine Verwunderung ….
    Mir fällt auch wieder ein Satz von Jorgos ein, den er immer zitiert hat :“Lasst alle Blumen wachsen“ . Jeder ist anders , jeder denkt anders , aber jeder darf so sein, wie er ist. Wir alle wollen wachsen und Reifen.
    „Ein Aufruf zur Toleranz. Im guten alten Sinne: sich vertragen und die Meinung anderer aushalten. Es ist wichtig sich daran zu erinnern.“ aus dem damailigen Beitrag ….
    Ich finde das schade aber auch eine Chance , das Miteinander noch mehr zu praktizieren und jeden zu respektieren…..

    Danke , lieber Jörg für all Deine Gedanken
    lieben Gruß
    Erika

    • theomix Says:

      Liebe Erika,
      mit Abstand war ich auch verwundert. Das teile ich. Danke für deinen Kommentar. er ruft weiterhin zum Innehalten. Gruß, Jörg

  4. mauzipauzi Says:

    Lieber Jörg, das Thema Toleranz, da hast du ja ein Fass aufgemacht! Auch ich muss mich in Toleranz üben. Das ist grundsätzlich schon nicht immer einfach, und erst recht nicht bei den aktuellen Kommentaren zum Thema Norwegen. Am Samstag habe ich das Wort zum Sonntag gesehen (wird das ein neues Hobby von mir?), da hat eine Pfarrerin versucht, was dazu zu sagen, das kam aber mehr wie eine Art Verzweiflungstat rüber. Denn wenn sie schon die Frage stellt „Wo war Gott?“ und dann antwortet „Gott war bei den Überlebenden“, also da fällt mir gar nichts mehr dazu ein. Toleranz hin oder her. Hast du das auch gesehen???

    • theomix Says:

      Liebe Mauzipauzi, in der Tat,schon mit dem Beitrag gestern ist ein Fässchen geöffnet. Das WzS habe ich nicht gesehen. Nur davon gelesen.
      ich habe mir den Wortlaut angeschaut. Frau Ruck-Schröder nennt als erstes Gott als „Anwalt des Lebens“ das finde ich in Ordnung. Dann „auf der Seite der Lebenden“ (kein Über), das finde ich problematisch. Auf Seiten der Trauernden, dem kann ich zustimmen. Die Theodizeefrage ist immer wieder eine Herausforderung an meine Toleranz, vor allem, wenn acht Zeilen dafür reichen sollen…

  5. Pauladieerste Says:

    Warum also muß man (in diesem Fall OneBBO) bei so einem Thema gleich wieder provozieren („..ich bin doch hoffentlich die Erste“)?
    Schade.

    Dir, lieber Theomix, sei von mir gesagt: Ich denke, Du ziehst Dir hier einen Schuh an, der gar nicht für Dich gedacht war.

    • theomix Says:

      Mich interessiert, worin du jetzt die Provokation siehst. Vor allem so für dich persönlich?
      Wie soll ich mir den Schuh nicht anziehen, wo doch viele Kommentare die Möglichkeiten zur klaren Kommunikation nicht nutzen, also mit „Antworten“ unter dem betreffenden Kommentar – oder mit @ plus Anrede? Einige Kommentare haben damit Kommentare und Beitrag in einen Topf geworfen.
      Ich weiß jetzt ja auch nicht, warum du „im Fall OneBBO“ schreibst und OneBBO nicht direkt ansprichst.

      Die ganze Geschichte hat sehr viel mit mir zu tun, und auch mit meiner Toleranz. Oder möchtest du, dass auf anderen Blogs über die Kommentare auf deinem Blog geredet wird, statt es auf deinem zu tun? Ich möchte es nicht, aber nehme das bei der Freidenkerin (als Beispiel) zur Kenntnis. Das betrifft mich sehr, ebenso meine Toleranz…
      Und bitte nicht vergessen: was hat dich jetzt bei OneBBOs Kommentar persönlich provoziert?

      • Pauladieerste Says:

        Gut, ich versuche es aufzudröseln.

        Also:

        Ich gebe zu, das es schlecht von mir formuliert war, aber das „in diesem Fall OneBBO“ bezog sich auf das vorangegangene „man“ und sollte damit eher als direkte Anrede gelten.

        Worin ich die Provokation sehe, nun, hier: https://theomix.wordpress.com/2011/07/25/zustandsbericht/#comment-16809 ging dieFreidenkerin darauf ein, daß ihr oft der erste Kommentar auf einen Beitrag sauer aufgestoßen ist, woraufhin OneBBO hier https://theomix.wordpress.com/2011/07/25/zustandsbericht/#comment-16816 bemerkte, einen Namen zu haben und nicht erster Kommentar zu heißen. Am nächsten Tag dann mit einem breiten Grinsen (Smiley) zu betonen „…ich bin doch hoffentlich die Erste… Also, ich finde, daß das eine sehr (!) eindeutige Provokation in Richtung Freidenkerin ist.

        Ganz genau, in Richtung Freidenkerin, weswegen ich das nicht als persönliche Provokation aufgefaßt habe. Allerdings wußte ich auch nicht, daß ich diese Provokation nur hätte nennen dürfen, wenn ich persönlich provoziert worden wäre. Warum Du das (Provokation für mich persönlich) nun 2x nachfragen mußt, verstehe ich nicht so wirklich.

        Was die Diskussion auf dem anderen Blog betrifft: Auch hier bin ich ganz ehrlich, in Deinem Fall habe ich gedacht, daß Du kein Problem damit hast. Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern in der Du sehr verwundert darüber warst, daß ich mich gegen jemanden zur Wehr gesetzt habe, der mich zunächst auf seinem Blog angegriffen hat. Meine Schlußfolgerung daraus war, daß das (auf einem Blog über ein Thema eines anderen Blogs schreiben/diskutieren) für Dich so in Ordnung geht.

        So, und mal ganz allgemein, weil Du darauf eben eingegangen bist:: Nicht jeder weiß, daß man direkt auf einen Kommentar antworten kann (hat ja auch jeder anders eingestellt.), manch einer weiß vielleicht auch einfach nicht, wie das geht, und wieder ein anderer einer vergißt das im Eifer des Gefechts.

        • theomix Says:

          Danke für deine Antwort. Gedoppelt kam die Frage, weil sie ernst gemeint ist und keine Provokation (schon wieder😉 )
          Und mir ging es beim Stichwort „persönlich“ um die Betroffenheit. Du MUSST nicht persönlich betroffen sein,wenn du eine Provokation benennst. Aber es bekommt für mich einen anderen Stellenwert..
          Ich habe OneBBOs Kommentar nicht als Provokation empfunden. Der genannte Kommentar von ihr war als Antwort genug. Wenn, hätte ich mich provoziert fühlen können. Weil meine Antwort https://theomix.wordpress.com/2011/07/25/zustandsbericht/#comment-16810 sich auf das „Erster sein“ bezog.
          Diskussion auf „anderen Blogs“- da der „andere“ nun meiner ist, bin ich in besonderer Weise betroffen. Nun habe ich die Freidenkerin nicht angegriffen noch ihre Kommentare verhunzt, sondern kriege hier mit, dass der rasende Roland durch einige Blogs rauscht. Und Dinge im Hintergrund laufen. Ich bin hier nicht grundsätzlich für oder gegen etwas, ich bin einfach überrumpelt.

          Und zur Kommunikation: Wer einen Blog nicht bedienen kann, hat die Hilfsmittel der Sprache: „Hallo, A.“ oder „An B.“ reichen vollkommen, um den Kommentar zum Beitrag zu trennen vom Kommentar zum Kommentar. So haben einige Kommentare den Inhalt meines Beitrags und den von OneBBOs Kommentar vermengt. Soll ich das gut finden müssen?

    • OneBBO Says:

      @Pauladierste: Oh fein, du reihst dich ein beim OneBBO-Bashing 🙂 Ist das jetzt hier modern? Nur zu, ich kann davon ne Menge vertragen, ich bin kein Blog-Seelchen 😛

      Ich hatte extra ein Smiley dahinter gesetzt. Aber ich erwarte nicht, dass jede(r) meinen Humor teilt.

      Übrigens: Zur Toleranz gehört auch das Tolerieren von kleinen Provokationen. Und manch einer fordert mit der Art seiner Argumentation so eine kleine Einlage einfach heraus.

      Und noch ein übrigens: Ein wunderschönes Beispiel von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Toleranz ist der Umgang zwischen Erika und mir. Wir sind in vielen Dingen konträr, und wir kommen gut miteinander aus.

      Was ich gar nicht haben kann ist Feigheit. Und für mich ist es feige, mich indirekt anzumachen, statt mir etwas ins Gesicht zu sagen. Und wer das tut, darf gerne damit rechnen, von mir eine Provokation zu lesen. Wenn ich denn Zeit dafür finde :mrgreen:

      Beachte (auch das ist eine Provokation): Smileys heißen Humor

      • Pauladieerste Says:

        @OneBBO: Du betonst, Du hättest extra ein Smiley gesetzt (was ich so interpretiere, daß es eben keine Provokation sein sollte), um dann ellenlang darauf einzugehen, wieso diese Provokation voll okay war. Was denn nun? Provokation oder nicht? -> Ich möchte gerne antworten, ist nur ziemlich sinnlos, wenn jemand -also Du- sich Hintertürchen einbaut.
        Erika kenne ich nicht (ich kannte allerdings bis heute Deinen Nick auch nicht, Dein Avatar ist einfach zu auffällig ;).), dieser Einwand erschließt sich mir aber generell nicht. Wo schrieb ich, daß man immer einer Meinung sein müsse?
        Bashing: So, wie Du nicht die Zeit hast, jeden zu provozieren, habeich wichtigere Dinge zu tun, als jemanden zu bashen :D.

        @Theomix: Ich habe das auch nicht als Provokation aufgefaßt :D.
        Das mit der Überrumpelung – okay, das kann ich nun nachvollziehen. Ich kann nur nochmal dazu sagen, daß ich von anderen Voraussetzungen ausgegangen bin.
        Und nein, Du mußt hier ja eh schnmal gar nix gut finden. Ist schließlich Dein Blog :D.

        • theomix Says:

          Danke! Ich sag ja immer, es geht nichts über direkte Kommunikation. Die kann was klären, da staunt man hinterher…

        • Hase Says:

          @Pauladieerste:
          ich möchte mich einmal kurz vorstellen bei Dir: mein Name ist Erika, schreibe hier regelmäßig als Hase meine Kommentare…. ich fühle mich wohl auf Theomix`Blog…weil er abwechslungsreich ist und immer auf alle Kommentare eingegangen wird. Anfangs habe ich vieles persönlich genommen, was gar nicht so gemeint war. Daraus habe ich gelernt….
          liebe Grüße , Erika 🙂

      • Hase Says:

        🙂 OneBBO: ja, so ist es ….

        • Pauladieerste Says:

          @Theomix: Für mich klärt sich jetzt zumindest, wer Erika ist :).

          @Hase: Das find‘ ich ja nett, daß Du Dich extra vorstellst. Weißt Du, es ist nicht so, daß ich Dich aus Unfreundlichkeit nicht kenne. 🙂
          Grundsätzlich nehme ich auch erstmal kaum etwas persönlich (außer natürlich, ich werde erwähnt/angesprochen…), ich hoffe, daß wurde durch meinen 2. Kommentar bei diesem Beitrag auch einigermaßen deutlich. LG, Paula

        • theomix Says:

          Siehste… 😉

        • Hase Says:

          @Pauladieerste:
          Danke schön für Deine freundliche Antwort 🙂
          liebe Grüße, Erika

  6. Wolfram Says:

    Toleranz – was oft gefordert wird, aber oft auch von denen, die es fordern, nicht praktiziert: im Gegenteil, „du mußt tolerant sein“ oder „du mußt mich aber tolerieren“ ist eine Art, seine Intoleranz auszudrücken…

    Und dann gibts noch den populären Irrtum, den ich in OneBBOs Kommentar lese: Tolerant sein heißt nicht, sich dem andren anpassen. Man darf Toleranz nicht verwechseln mit Anbiederung oder gar Gesinnungslumperei. (Und diese Art „Toleranz“ einfordern ist die höhere Stufe von Diktatur…)

    Nein: Tolerant sein bedeutet nicht mal, daß ich meine Meinung über die Ansichten oder das Tun des anderen nicht sage.

    Tolerant sein bedeutet, dem anderen das gleiche Recht auf seine Meinung, seine Ansichten, sein Tun zu lassen, das ich mir auch zuspreche. Es bedeutet – OneBBOs Freundin hat da völlig recht – hinzunehmen, daß der andere in _seinem_ Zuständigkeitsbereich so denkt, spricht und handelt, wie es ihm gefällt. So wie ich will, daß mein Wohnzimmer ordentlich aussieht, werde ich hinnehmen, daß das Wohnzimmer der Schwiegerkinder anders aussieht, und werde es _nicht_ aufräumen oder staubwischen. So wie ich meine Meinung sage und meine Ansichten lebe, lasse ich dem anderen sein Recht darauf.
    Und wenn ich meine Meinung dazu äußere, was weiterhin mein Recht ist, dann tu ich das in der Form, daß der andere dadurch nicht gekränkt wird, im weiten Sinne ausgelegt: ich bin nicht einverstanden mit dem, was du tust, aber die Verantwortung für dein Tun liegt bei dir und nicht bei mir.
    (Immer im Rahmen der geltenden Gesetze und daß das Tun und Reden niemandem schaden darf.)

    Im interkonfessionellen Umgang heißt Toleranz für mich beispielsweise, wenn ich an einer katholischen Meßfeier teilnehme, daß ich mich nicht auffällig verhalte. Ich werde nicht mich mit Weihwasser benetzen, weil das gegen meine Überzeugungen geht; ob ich mich mit dem Kreuzeszeichen belege, ist meine Sache (Luther hatte nichts dagegen, Calvin schon eher…), ich werde auch bei Marienanrufungen still bleiben, und ich werde nicht kommunizieren (an der Eucharistie teilnehmen), wenn ich nicht ausdrücklich dazu eingeladen bin – nicht, weil das für mich ein Problem wäre, ich erkenne dadurch nicht den Primat des Papstes an, sondern nur die Präsenz Christi in Brot und Wein, sondern weil das katholische Kirchenrecht es so vorsieht und ich meinen Freund, den Priester, nicht in Schwierigkeiten bringen werde.

    Im interreligiösen Umgang heißt tolerant sein, in der Moschee die Schuhe auszuziehen und die Verhaltensregeln zu achten. An einem muslimischen Gebet teilzunehmen wäre aber nicht tolerant, sondern im besseren Fall Anbiederung.

    • theomix Says:

      Danke, Wolfram! Jetzt sehr ausführlich. ich habe es mit Gewinn gelesen. Aber es im einzelnen zu kommentieren: es ist Ferienzeit und ich bitte um Nachsicht …

    • OneBBO Says:

      „Und dann gibts noch den populären Irrtum, den ich in OneBBOs Kommentar lese: Tolerant sein heißt nicht, sich dem andren anpassen. “

      Eben, meine Meinung. Aber meine Freundin, die ja in dieser WG wohnte und gerne ordentlich war (ihr Zimmer sah ganz anders aus), hat sich der Diktatur des Unordentlichen angepasst.

      Wäre sie selbst in einem Haufen von Unordnung in ihrem Zimmer ertrunken, hätte ich das nie kommentiert. Weil ich das natürlich toleriere – in ihrem Lebensraum.

    • Werner Says:

      @Wolfram.
      Diesem Beitrag kann ich in weiten Teilen nur zustimmen.
      Den vorletzten Abschnitt möchte ich aus meiner katholischen Sicht noch ein wenig ergänzen und variieren: Im interkonfessionellen Umgang heißt Toleranz für mich beispielsweise, wenn ich in der evangelischen Nachbargemeinde an einer Abendmahlfeier teilnehme, werde ich das Abendmahl empfangen – nicht als Anbiederung sondern weil ich weiß, dass ich dort willkommen und eingeladen bin. Ich kann allerdings verstehen und tolerieren, wenn andere das für sich anders entscheiden.
      Was den letzten Absatz angeht – den interreligiösen Dialog – da muss ich noch mal drüber nachdenken. Im Umgang mit jüdischen Gebeten und Gottesdiensten war es für mich nie ein Problem, an den Gebeten teilzunehmen, ohne das als Anbiederung zu sehen. Bei muslimischen Gebeten mag das anders sein.
      Zum Schluss noch die Frage: Warum schreibst du, es sei „im besseren Fall“ eine Anbiederung? Was ist es denn im schlechteren Fall?

  7. april Says:

    Genau, man darf ‚Toleranz‘ nicht mit ‚laissez-faire‘ verwechseln, das m.E. meist aus Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit entspringt.-

    Wenn etwas keinem schadet, gibt es auch keinen Grund, es nicht zu tolerieren. Aber da tue ich mich besonders schwer. Immerhin kann ich ‚tief durchatmen‘ und mir dann sagen: OK, es ist scheußlich, aber ihr gefällt es. Also lass ihr ihren Spaß. Es geht dich nichts an.“ Und ich schweige still, toleriere es. Das heißt ja nicht, dass ich etwas gut finden muss, sondern ‚Verständnis für den Standpunkt des anderen haben‘.

  8. mialieh Says:

    Ich dachte auch nach der Lektüre gestern: gut, dass mal jemand innehält und zum innehalten aufruft. Das ist wie eine Schweigeminute. Schweigeminuten helfen einem, nicht vorschnell zu kategorisieren und dem Thema Respekt zu erweisen. Nicht anders habe ich den ersten Beitrag von dir, onebbo, gelesen. Aus der Lektüre dieses Blogs von gestern und heute resultieren dann aber einige ungeordnete Gedanken:

    1) Toleranz
    Toleranz ist immer etwas, das von einer Person gegenüber anderen/einer anderen gewährt wird. Daher ist Toleranz nicht zu vergleichen mit Anerkennung, denn sie ist hierarchisch. Insofern ist Toleranz auch immer an das gebunden, was die eine Person festlegt, was sie gewährt. Auf einem Blog kann man das schön nachvollziehen: was gewähre ich als Blogbetreiber, was dulde ich und erdulde es vielleicht auch, wo ziehe ich die Grenze? Das hängt ja immer mit dem eigenen Verhältnis zu sich selbst und zu anderen und anderem zusammen.
    Ich würde als Gegensatz zu Toleranz nicht Laissez-Faire, sondern Indifferenz sehen. Ich kann mich indifferent zu Angelegeneheiten verhalten, die mich nichts angehen. Wenn ich mich nicht verhalte, signalisiere ich Indifferenz.

    2) Provokation
    Provokation appelliert an Toleranz. Sie stellt unsere Toleranz auf die Probe. Wenn wir ungehalten reagieren, merken wir die Grenzen unserer Toleranz. Das kann hilfreich sein. Das heißt aber auch, dass bei einer Provokation auch immer mal gefragt werden sollte: warum provoziert mich das jetzt, was ich sehe und lese? Und gleichzeitig sehe ich in Provokationen etwas sehr Produktives: denn sie irritieren, konfrontieren mich mit mir selbst und mit der Möglichkeit des Andersseins. Da kann nicht nur meine Toleranz, sondern meine Sicht auf die Dinge überhaupt nur dran wachsen.

    3) Engagement
    Engagement muss nicht immer laut sein. Es kann auch darin bestehen sich Schuhe anzuziehen, die zunächst gar nicht für einen bestimmt waren, Stöckchen aufzugreifen (um in der theomixschen Metaphorik zu bleiben), die man findet.

    • theomix Says:

      Ein sehr sachlicher, weiterführender Beitrag. vielen Dank! Das Thema „Provokation“ steht für mich auf der Tagesordnung. da klaue ich doch gerne wohlfeile Formulierungen.

  9. Luzifa Hell Says:

    Toleranz ist nicht zwingend einforderbar. Dafür sind die Grenzen anderer Menschen zu individuell, und um sie abwägen zu können, muss man jemanden schon recht gut kennen.

    Grob gesagt, endet meine Toleranz zum Beispiel an der Toleranzgrenze anderer und an meiner eigenen Schmerzgrenze. Wobei ich diese Schmerzgrenze sowohl im wortwörtlichen wie auch im übertragenen Sinn verstehe.

    • theomix Says:

      „Zwingend einforderbar“ .- das klingt nach Recht und Gesetz. Und dort geht es oft darum, Grenzen zu definieren. Da wird schon oft eine Toleranz eingefordert, etwa: wie stark muss Kinderlärm geduldet werden? dann sagt Iustitia: wie immer deine Schmerzgrenze aussieht, das MUSST du ertragen.
      Es ist natürlich die Frage, ist Toleranz ein Wert? wenn ich mich erinnere, bezog sich in der frühen Neuzeit Toleranz auf die gegenseitige Duldung der Konfessionen. es war schon ein Fortschritt, wenn man sich nicht gegenseitig massakrierte, sondern nur noch übereinander schimpfte.
      Im Zwischenmenschlichen macht es das dann wirklich so schön und so schwierig, dass Schmerzgrenzen in völlig unterschiedlicher Höhe auftauchen…

      • Werner Says:

        @theomix:
        „Da wird schon oft eine Toleranz eingefordert, etwa: wie stark muss Kinderlärm geduldet werden?“
        Ist durch Recht und Gesetz erzwungene Duldung wirklich Toleranz? Ich denke, nein. Es ist eben widerwillige Duldung oder Akzeptanz. Toleranz ist für mich mit Freiwilligkeit verbunden.

        • theomix Says:

          Dann nenn es Duldung. Die Worte liegen dicht beieinander und die Sache auch. Ansatz war: ist Toleranz „zwingend einforderbar“. recht und Gesetz geben einen Rahmen, in dem sich Toleranz entwickeln kann/ soll.

      • Luzifa Hell Says:

        „Zwingend einforderbar“ löst bei mir keine Assoziation mit Recht und Ordnung aus, sondern heißt lediglich, dass man Toleranz nicht immer und auch nicht von jedem verlangen kann. Zumal die eigenen Toleranzgrenzen variabel sind: man lernt dazu, macht Abstriche, und manchmal engt sogar die Tagesform die sonst üblichen Toleranzgrenzen ein oder erweitert sie.

        So viel zwecks Missverständnisvermeidung. Alles andere, was mir dazu noch einfällt, hat Claudia weiter unten bereits auf den Punkt gebracht.

        Danke, Claudia. 🙂

        • theomix Says:

          Jeder Jeck ist anders, bei mir war es halt die Assoziation – und hat dich ja provoziert – zu einem neuen Kommentar 😉

  10. Frau Momo Says:

    Man sollte gegelentlich mal weniger über Toleranz als viel mehr über Respekt reden….
    Damit meine ich nicht Dich theomix, aber das geht mir bei all den Beiträgen so, die inzwischen durch die Blogs gehen.

  11. Werner Says:

    @ alle zusammen 🙂
    Je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftige, um so mehr komm ich zu der Überzeugung, dass Jörg für den heutigen Beitrag keinen besseren Titel hätte wählen können. „Unfertiges zur Toleranz“.
    Alle Bemühungen um Toleranz sind einfach „unfertig“. So sehr wir uns mit demThema beschäftigen mögen und so sehr wir uns darum bemühen tolerant zu sein, immer wieder schleichen sich Verhaltensweisen und Haltungen ein, die nicht wirklich tolerant sind.

  12. Claudia Sperlich Says:

    Toleranz heißt Duldung. Dulden kann man nur, was man eigentlich nicht mag; es ist für mich unsinnig zu sagen, „Ich toleriere Kaffeetrinker / Christen / Grüne“, solange ich mich diesen Gruppen verbunden fühle.
    Der Aufruf zu Toleranz ist also immer ein Aufruf, in friedlicher Weise hinzunehmen, was man nicht mag. Das ist für das Überleben einer größeren Gemeinschaft notwendig; wenn ich z.B. Nachbars Gartenzwerge oder das Getrampel der Kinder über mir oder den zu lauten Rap in einer sonst stillen Straße grundsätzlich sofort mit überdeutlicher Ablehnung bedenke („Netzhautatacke! Ruhestörung! Rotznasen!!! Ich hol die Polizei!“), so werde ich mich in Kürze außerhalb der Gemeinschaft wiederfinden. Damit ist ein gewisses Maß an Toleranz schon zum Selbstschutz vor Vereinsamung notwendig. Schließlich möchte ich auch toleriert werden mit meinen exotischen Vorlieben, meinem schrulligen Wesen und meinen ungewöhnlichen Balkonblumen, und außerdem möchte ich gerne imstande bleiben, einen Nachbarn um eine Tasse Mehl oder die Annahme eines Paketes während meiner Abwesenheit zu bitten. Tolerant ist man nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst.
    Stoltenberg und Prinz Haakon haben zu Toleranz aufgerufen, aber auch zu weit größerem – zu Liebe.

    • theomix Says:

      Und damit ist dir die schönste Definition gelungen, die mir bisher über den Weg gelaufen ist: „in friedlicher Weise hinzunehmen, was man nicht mag“. Danke!
      Und der aktuelle Bezug samt der Reden – wichtige Hinweise.

  13. Sylvia Says:

    Claudia hat das sehr treffend formuliert.

    Der nächste Schritt ist dann eventuell die Akzeptanz. Dann wird’s vielleicht auch innerlich ruhiger. 😉

    • theomix Says:

      Jo. Können wir ja dran arbeiten.

    • Pauladieerste Says:

      @Sylvia: Ich denke, wenn man „alles“ akzeptiert, wird es -nicht nur- innerlich (etwas) zu ruhig :). (Ich stelle mir gerade ein heftiges Beispiel vor: Wir akzeptieren Kinderarbeit. -> Also, das kann ich persönlich noch nicht einmal tolerieren…)
      Rein vorsorglich weise ich darauf hin, daß ich Dir nicht unterstelle, daß Du Kinderarbeit tolerierst, akzeptierst oder gar förderst. 🙂
      Das Beispiel sollte nur verdeutlichen, was ich meinte.

      • theomix Says:

        Mal eingemengt: Mir war vom Zusammenhang klar, dass es um das Zwischenmenschliche geht.
        Das soll Sylvia aber nicht die eigene Arbeit abnehmen…

  14. Pauladieerste Says:

    Theomix, mir auch. (Deswegen mein vorsorglicher Satz) Ich wollte diesen Gedankengang aber trotzdem nicht verhallen lassen :).

  15. interplanetar Says:

    Schweigeminute, wenn es zu sehr brodelt kann nie falsch sein.
    Die „unantastbare“ Würde des Menschen ist atmen.
    Atemzentrum ist im Gehirn. Gehirn ist keine Luft.
    Lebensbedrohlicher Zustand kann zur Sauerstoffunterversorgung der Gewebe und in letzter Konsequenz Stoffwechselstörungen führen.

    In existenzieller Not ist jeder Mensch zu schützen, sei es privat, staatlich über Steuerleistungen, Versicherungen, mit sachgerechter Informatation, Getränk, Nahrung, Kleidung, lebensrettenden Maßnahmen am Unfallort, usw.

    Wolllust zur Grenzenlosigkeit ,ohne Gesetz,? Viel Erfolg bei den Luftschlössern.:-)

    • theomix Says:

      Diese Biologische Sicht ist nicht so meins. Ich erlaube mir die beiden erste Sätze mitzunehmen. Gold wert. Beim anderen lasse ich mal die Assoziationen arbeiten.

  16. rote Gräfin Says:

    Wow was für eine gute und längst überfällige Diskussion!
    Jetzt kann es im nächsten Schritt nur noch darum gehen, ob tatsächlich Leid plus Aggression toleriert wird und werden kann, oder ob der alte Nazigedanke alles was schwach ist muss verachtet, verhöhnt oder noch schlimmer ignoriert und isoliert werden, weil die Ansteckungsgefahr zu groß ist.
    In meiner Schwäche liegt doch Gottes Kraft. Warum geben wie dann dem ewigen Ankläger soviel Raum und Gehör?

    • theomix Says:

      Durch meine Erfahrung ist es mit den Schwachen so ein Problem. Wenn sie Bibelkenner sind, etikettieren sich als schwach und erklären sich damit ja in gewisser Weise als tabu. Und gewinnen damit eine stärke, die unantastbar ist… denn an Schwachen vergreift man sich doch nicht.
      als subjektives, als Selbstwahrnehmung, ja, als Mittel um andere zu erpressen, nein

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