Verschrieben oder verschrieen

Seine Schrift hatte viele Schnörkel, aber sie war gut zu lesen. Trotzdem schrieb Pfarrer P. manchmal unkonzentriert ins Kirchenbuch. Schon ein paar Mal gab es bei Goldkonfirmationen Überraschungen über seine Einträge.

Dieses Jahr: Unsere Bürofachfrau beugt sich übers Kirchenbuch und schlägt die Konfrimationssprüche der Goldkonfirmanden in der Bibel nach. Bei einem fragt sie mich, ob sie richtig gelesen hat. Doch, da steht „Jeremia 16, 9“. Sie hält mir die aufgeschlagene Bibel hin: „Kann das sein?“ Ich lese: „so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will an diesem Ort vor euren Augen und zu euren Lebzeiten ein Ende machen dem Jubel der Freude und Wonne, der Stimme des Bräutigams und der Braut.“ Sehr ungewöhnlich.

T. kommt gerade zum Kopieren ins Büro. Auch sie entziffert 16,9 und ist erstaunt. Gemeinsam überlegen wir, warum Manfred L. diesen Spruch bekam: Ein Raufbold? Ein frühreifer Frauenheld? Was hatte des Pfarrers Zorn erregt?

Wir plädierten auf Irrtum. Angenommen, Pfarrer P. hätte sich mal wieder vertan, was könnte es dann sein? Jeremia 16,19 vielleicht? „HERR, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!“ Treffer! Sehr gut.

Für den Gottesdienst hatte ich beide Versionen in der Tasche. Manfred L. hat freudig die mit der 19 gewählt.

Anmerkungen
Gold: Nach 50 Jahren. Die Feier ist auch für höhere Jubiläen. Der Rekord liegt bei der Konfirmation bei Jubilieren nach 80 Jahren. (Der Jubilar arbeitet noch am 85-jährigen.)
Kirchenbücher: Seit den Achtzigern machen das hier nicht mehr die Pfarrersleut.

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19 Antworten to “Verschrieben oder verschrieen”

  1. OneBBO Says:

    Mir gefällt der erste Spruch ja gut… mal was anderes😉

  2. Hase Says:

    Lieber Jörg,
    danke für Deinen Beitrag, der zum Schmunzeln anregt. (so kann es gehen mit den kleinen Verschreibern) 😉 Die „Silberne“ hab ich schon hinter mir , ist das bei Euch auch üblich, dass man auch die 25 Jahre feiert ??
    Da gehen die Meinungen auseinander. Ich erinnere mich gerne an meinen Konfirmationsspruch (Jesaja 41, 10), er ist ein Begleiter geworden besonders in schweren Zeiten.

    liebe Grüße
    Erika
    P.S.: eine kurze Info noch: ich bin jetzt zwei Wochen offline !!

    • theomix Says:

      Liebe Erika,
      so soll es sein mit diesem spruch: fürs leben.
      Silberne feiern nicht mir mit.

      Herzliche Grüße, Jörg
      und alles Gute für die Zeit offline!

      • Werner Says:

        „Silberne feiern nicht MIR“ ??
        So weit kommts noch dass sie DIR feiern?
        Ich meine, das wär doch zu viel des Guten, den Pfarrer so in den Mittelpunkt zu stellen!🙂🙂
        Werner

        PS:
        Möglich, dass ich jetzt wieder öfter hier auftauche, nachdem nun einige ereignisreiche Wochen hinter mir sind.

        • theomix Says:

          Nein. Und wie gut, dass sich manche Fehler berichtigen lassen, b e v o r 50 Jahre herum sind.

          Und die Ereignisse der reichen Wochen – ich wünsche dir, dass es gute und aufbauende Ereignisse waren!

      • Hase Says:

        danke noch nachträglich für Deine guten Wünsche, lieber Jörg
        es war eine sehr gute Zeit !
        lieben Gruß
        Erika😉

        dank Werner sah ich es jetzt erst!
        so können Schreibfehler auch zu Gutem dienen !

  3. Claudia Sperlich Says:

    Manchmal sind ungewöhnliche Zitate ja auch ganz passend.
    Zwei meiner Kommilitonen hatten zu ihrer Hochzeit Epheser 4,1-2 gewählt, und der Pfarrer hatte zunächst gemeint: Ist das alles? Langt das? – und sich überzeugen lassen – das ist das Größte, daß man eben nicht bei irgendwelchen kommenden Unstimmigkeiten gleich die Schnauze voll hat voneinander.

  4. rote Gräfin Says:

    „so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will an diesem Ort vor euren Augen und zu euren Lebzeiten ein Ende machen dem Jubel der Freude und Wonne, der Stimme des Bräutigams und der Braut.“

    Na ja das ist ja auch wohl mehr für heute gedacht, den vor fünfzig Jahren fing man doch gerader erst einmal wieder an zu jubeln. War da Neid der Vater des Gedankens?

  5. Elisabeth Says:

    Interessant, lieber Jörg,

    bei uns gibt es weder diese Bücher, noch Firmjubiläen, die gefeiert werden…

    Aber das passt, gefällt mir einfach🙂

    Sonnige Grüße,
    Elisabeth

    • theomix Says:

      Liebe Elisabeth,
      diese Bücher gibt es garantiert, sie sind nur ein paar Jahrzehnte nocht öffentlich zugänglich und dann in Archiven. Allerdings gibt es sie heute mehr und mehr in digital. Die Schnörkel fehlen – die Fehler bleiben.
      Der Gemeinde gefiel es auch.😉
      Herzliche Grüße
      Jörg

  6. Hao Says:

    Köstlich, wenn man sich auch auf dieser Ebene verhaut. Ich mußte mal im Altersheim in Bochum predigen und hatte das Lied: „Liebster Jesus, wir sind hier…. “ vorgeschlagen. …. dich und Dein Wort anzuhören“. Doch mit der Nummer haute es nicht hin…….. Und was ließ ich singen??? “ — Dir dies Kindlein darzubringen“…… Peinlich…

    • theomix Says:

      Herzlich willkommen, lieber Hao, als Kommenator auf diesem Blog!
      Das erinnert mich an andere Verhörer: https://theomix.wordpress.com/2009/12/19/choral-humor/

    • Wolfram Says:

      Von dem schönen Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König“ wird bei Trauungen die vierte Strophe ja meist auch nicht gesungen – und die fünfte auch nicht, damit das Auslassen der vierten nicht auffällt:

      „Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet“

      Aber verwechselte Liednummern sind mir auch schon passiert, seit wir in drei Gottesdienststätten drei verschiedene Gesangbücher verwenden. Damit die Organistin nicht aus dem Tritt gerät, wird dann auch tapfer das falsche Lied gesungen…

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