Aug in Aug mit dem Papyrus

Dublin: Die Chester Beatty Library war auch ein Ziel. Chester Beatty hat wegen seiner Papyrussammlung einen bedeutenden Klang für Theologen. Ist dieser reiche Mann aus Amerika durch die Lande gezogen und hat Altertümchen gesammelt. Mit 75 beschloss er seine Sammlung in Dublin zu lagern. Seither ist sie dort zu besichtigen.

Als wir ankamen, hieß es, nur die religiöse Ausstellung sei geöffnet, wegen Umbauten. Schade: Aber das – für mich – wichtigste war zu sehen.

Die Räume sind dunkel, nur auf die Vitrinen fällt gedämpftes Licht, mehr vertragen die alten Dokumente nicht. Und in einer Ecke mit Papyri hing ER:

Papyrus

Papyrus 46: A. Chester Beatty hat ihn 1931 gekauft, nach den Untersuchungen stellte sich P 46 als sehr alt heraus und wurde ein Meilenstein zur Erforschung der Textgeschichte des Neuen Testaments.

Fast vier Jahrhunderte hatte die byzantinische Textfamilie (seit Erasmus‘ Ausgabe als „textus receptus„) die Übersetzungen geprägt. Aber mit Hilfe von P 46 und anderen wurde die alexandrinische Textfamilie aufgewertet. Der heutige Urtext beruht auf  hunderten Urkunden und Übersetzungen, die unterschiedlich bewertet werden. Der alexandrinische Typ hat das größte Gewicht. Und P 46 stand am Anfang.

In Dublin ist eine andere Textstelle zu sehen, ich verweilte vor ihr mit einer gewissen Andacht: So sieht sie also aus, die Wende der Textforschung – ein dreckig braunes Stück Papyrus, eng mit griechischem Majuskeln (Großbuchstaben) – kaum zu erkennen, das Papier dreckig braun, die Tinte zu grau verblasst.

Und zugleich meldete sich die ironische Redaktion im Hinterkopf: Sieh an, auch protestantische Theologen haben Reliquien.

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17 Antworten to “Aug in Aug mit dem Papyrus”

  1. OneBBO Says:

    Stammt CB ursprünglich aus Irland? Oder warum hat er sich Dublin ausgeguckt? In Wikipedia steht nichts dazu.

    • theomix Says:

      Ich finde per Googeln auch nichts. Ivh hab für mich vermutet, McCarthy-Ära, vielleicht war er unangenehm aufgefallen…
      Oder Irland war damals Steuerparadies? Ich weiß es nicht…

      • atemhaus Says:

        Neugierig geworden habe ich mich auch noch ein wenig auf die Suche gemacht. Viel habe ich auch nicht gefunden – aber zumindest diese Notiz auf catholicireland.net: „Of English, Irish and Scottish ancestry, Mr Beatty moved to Dublin in 1950 and presented ninety-three paintings to the Irish nation. The Chester Beatty Library was opened to the public in 1954 at a location in Ballsbridge, and moved to its current home in 1994.“ Vielleicht waren ja die irischen Vorfahren einer der Gründe.

  2. Claudia Sperlich Says:

    Ehrfurcht vor der Schrift ist für eine Schriftreligion schon ganz in Ordnung!

  3. atemhaus Says:

    Die Faszination kann ich gut nachvollziehen. Mir ging es im vergangenen Sommer in Dublin recht ähnlich.

  4. Hase Says:

    vielen Dank, lieber Jörg für den interessanten Beitrag und das Bild. Für alte Schriftzüge kann ich mich auch begeistern…
    liebe Grüße
    Erika

  5. werner Says:

    klar dass das jeden begeistert. ich war ja letztes Jahr auch dort…

    Und was die Reliquien angeht… das ist doch nichts neues,, dassa uch protestentische Theologen nicht gefeit sind vor deren Verehrung. 🙂

  6. freidenkerin Says:

    Jeder von uns hat doch so seine „Reliquien“, egal, ob religiös oder nicht. Ich glaube, dergleichen ist ganz tief und fest in uns verwurzelt, archaisch sozusagen…

    • theomix Says:

      Wird wohl sein. Ich bin ergänzend auch noch reinigen und klar werden darüber. Der dreck ist archaisch, wasser und seife zum hände waschen helfen zum überleben, so in dem sinne…

  7. Auch schon fünf Jahre her | Theomix Says:

    […] Ein andachtswürdiges Schnipselchen. […]

  8. minibares Says:

    Ein tolles altes Schriftstück!

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