Neues zum Plagiator

Der „Doktor der Herzen“ beschäftigt mich weiterhin.

Ich persönlich finde es einfach ärgerlich und blamabel, dass noch kein Rücktritt erfolgt ist. Vielleicht ärgere ich mich deshalb, weil ich durchs Studium gelernt habe, was wissenschaftliches Arbeiten bedeutet. Meine Examensarbeiten mussten eine persönliche Erklärung vorgeheftet haben, in der ich versicherte, diese Arbeiten ohne fremde Hilfe angefertigt zu haben. Und Umgang mit Zitaten habe ich auch gelernt. Anführungsstriche sparen nützt eben nichts.

Blamabel ist, dass manche meine, es werde schon Gras über die Sache wachsen. Ja, soll nur. Dann können wir uns die Kosten für weitere PISA-Studien und Vergleichsarbeiten sparen. Deutschlands Ruf im Bereich Wissenschaft ist dann nämlich ruiniert.

Alles Scannen nützt wohl doch nichts: Leider habe ich es verpasst, solvente Erbtanten zu einer Großspende an die Uni zu bewegen.

Leider habe ich mir durchs Examen keinen akademischen Grad erworben. Sonst könnte ich vorübergehend (ich betone: vorübergehend) auf dessen Führung verzichten. Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister macht es vor.

http://carta.info/38447/ein-akademischer-faelscher-kann-kein-minister-bleiben-ein-aufruf/

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45 Antworten to “Neues zum Plagiator”

  1. OneBBO Says:

    Ja, bei Betrug ist Abtreten angesagt. Hat eigentlich der Doktorvater schon seinen Titel Professor emeritus (oder so ähnlich) abgegeben? Soweit ich weiß, gibt es auch immer zwei Gutachter für eine Doktorarbeit. Was sagt die Nummer 2?

  2. Tasiaa Says:

    Guten Morgen Herr Theo Mix,
    ich kann nur zustimmen.

    Einen guten Start in die Woche!
    *Tasiaa

  3. mialieh Says:

    Ja, ich finde es auch sehr plättend, was da passiert ist. Das ist kein Kavaliersdelikt, als was es die Kanzlerin und der Springer-Konzern gerne abtun. Ich arbeite ja an einer Universität und habe schon die ein oder andere wissenschaftliche Arbeit verfasst. Die Beeidung, dass man die Arbeit selbständig angefertigt hat und keine außer den angegebenen Hilfsmitteln benutzt hat, ist eine wichtige Formalie. Da kenne ich Fälle, wo Leute für weniger Plagiierung exmatrikuliert worden sind.
    Das Internet macht beides einfach: Plagiate erstellen und sie erkennen. Man braucht ja nur mal einen Absatz in google einzugeben und eigentlich haben die Unis seit zirka 3 Jahren auch Software, die eingesetzt werden kann, um solche Überprüfungen einzuleiten. Das hat die Universität Bayreuth wohl versäumt. Dass die honorigen Professoren da irgendwie parteimäßig drinhängen, habe ich schon früh gedacht. Ich dachte nur, dass es nicht um 75.000 Euro für die Uni ging, sondern dass die Pöstchen irgendwie parteinah vergeben wurden.
    Ich denke nicht, dass zG die Wissenschaft in Frage stellen kann. Er hat ja nachgewiesen UNwissenschaftlich gehandelt. Aber er steht selbst zur Frage. Denn er hat gelogen und gelogen und gelogen. Klar, er ist nicht als promovierter Jurist, sondern als Verteidigungsminister beschäftigt. Aber es geht um Glaubwürdigkeit. Und da hat er verloren. Er hat bei seiner Arbeit betrogen und danach immer nur so viel zugegeben, wie er musste. Da war letzte Woche bei tagesschau.de eine schöne Aneinanderreihung seiner Zitate und Zugeständnisse über die Tage seit dem Bekanntwerden des Plagiats.

    • theomix Says:

      Frau Käßmann is auch nicht wegen ihres Alkoholkonsums Ratsvorsitzende geworden. Aber sie hat aus dem ersten die Konsequenz fürs zweite gezogen.

  4. Hase Says:

    Lieber Jörg, vielen Dank für deine Gedanken und links……
    „Und Umgang mit Zitaten habe ich auch gelernt. “ Zum Glück bist Du ein gutes Vorbild !!
    Vielleicht sollte der Minister mal seine Schuhe austauschen, dass er besser zurücktreten kann ….
    ich wünsche Dir einen guten Wochenstart
    liebe Grüße, Erika

  5. rote Gräfin Says:

    Ich finde es gut, was da alles an Sumpf und Scheinheiligkeit mit dieser Affäre hoch gespült wurde. Auch die Überlegung was ist eigentlich Wissenschaft und wer bestimmt das?
    Eine Wissenschaft, die dazu geeignet ist, wie lange gehandhabt, andere Menschen von oben herab zu behandeln, um dann deren Wut geschickt zu gebrauchen um Kanonenfutter für den nächsten Wirtschaftskrieg zu haben, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Obwohl es für jedes einzelne Schicksal eine Katastrophe ist.
    Zum Glück macht uns ja die Wahrheit frei und der Filz zwischen Geld und Käuflichkeit ist eben groß. Solange eben Besitz von was auch immer
    mehr Wert ist als das einfache menschliche Sein in all seiner Größe und Erbärmlichkeit, solange werden wir immer Betrüger und Lügner haben.
    Im Himmelreich ist mehr Freude über einen Sünder der Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

    • theomix Says:

      ich stimme bei allem zu.
      Bei der Buße ist es leider (anstrengenderweise) so, dass jeder bei sich selbst anfangen muss. Das verhindert, dass wir uns über Herrn zG erhaben fühlen. Das wäre zurzeit sehr einfach…

  6. Claudia Sperlich Says:

    Immerhin ist durch diese Angelegenheit wohl endgültig der Kelch „Bundeskanzler Guttenberg“ an uns vorbeigegangen. So hat alles sein Positives.

    • werner Says:

      bist dir da so sicher?

      Der Mann ist noch jung und für das Langzeitgedächtnis von Wählern lege ich keine Hand ins Feuer.
      😦

      • mialieh Says:

        Ich denke auch: er macht den „fliegenden Holländer“. Kommt einfach in 7 Jahren wieder…

        • OneBBO Says:

          Wie, wird erst wieder in 7 Jahren gewählt? Habe ich da was verpennt….?

        • mialieh Says:

          Nein, aber diese Zeit ist mystisch und aus mindestens drei Gründen plausibel:
          1. hat zG diese Angabe auch bemüht, um die Arbeit an seiner Dissertation zu „vollenden“,
          2. kam der fliegende Holländer alle 7 Jahre an Land. Die Ähnlichkeit zum Wagnerdrama und die Nähe zu Bayreuth…
          3. braucht zG um sich neu zu erfinden und dann allen zu erzählen, er habe die Zeit seiner Familie gewidmet, die ihn gebraucht habe… Und viele werden denken: ach ja, da war doch mal was. Was war das noch? Ach ja, der arme Theo… dabei ist er doch so sympathisch. Und ein schlechter Verteidigungsminister war er… äh, ja,,, wie war das noch???

      • theomix Says:

        Ich tippe zZ auf 5 Jahre, Mystik hin oder her.

    • theomix Says:

      Ich meine: Je schneller er zurücktritt, um so eher kehrt er auch zurück.

  7. Synapse Says:

    Ich habe bisher zwei Examen schreiben dürfen. Eine am Institut für Lehrerbildung und eine an der Altenpflegeschule. Bei beiden Arbeiten habe ich mit meiner Unterschrift gebürgt, dass ich diese Arbeiten selbstständig verfasst und mich keiner fremder, bzw. nicht angegebener Literatur bedient habe. Und weißt du, was mich am meisten aufregt? Mein ehrlich erworbener Titel, dass ich mich Heimerzieherin mit Lehrbefähigung nennen darf, wird heute nicht mehr anerkannt. Jetzt muss es ein „staatlich anerkannt“ sein. Ich meine, ich habe drei Jahre ein Fachschulstudium absolviert, mit „GUT“ abgschlossen und heute zählt das alles nicht mehr? Es wurde doch auch staatlich anerkannt, aber halt vom falschen Staat. Ketzerisch würde ich sogar behaupten, dass wir zu DDR Zeiten die viel bessere Schulbildung hatten. Aber nein, ich kann meinen ersten Beruf in die Tonne klopfen. Einer, der lügt und sich immer noch selbstherrlich gibt, darf alles. Ich mal mit der Faustauf den Tisch hau…

    An alle ehrlichen Menschen ein ehrliches Guten Morgen! Mandy

  8. Claudia Sperlich Says:

    Vielleicht gibt es ja irgendwo noch eine unbewohnte Insel. Da sollte man dann einen kleinen Staat gründen mit allen derzeitigen Diktatoren, Berlusconi darf auch hin (weil ja sein bester Freund dort ist), und vuz Guttenberg wird Rektor der Inseluniversität und wird mit Magnifizenz angeredet, das dürfte er mögen.

    • mialieh Says:

      Sankt Helena reaktivieren? Hat zG ein Magenleiden? Sitzt Berlusconis Problem über der Gürtellinie? :mrgreen:

    • theomix Says:

      Da wird ein Wüstenstaat zum wüsten Staat, mit reichlich Ölvorräten. Wenn da bald das höchste Amt frei wird, nix wie hin mit Herrn zG!

    • Claudia Sperlich Says:

      Ich dachte eher an Mururoa.
      Natürlich muß dafür gesorgt sein, daß der zu schaffende Inselstaat völlig von der Außenwelt abgeschirmt bleibt (also kein Telephon, kein Internet, keine Telegraphie etc.). Sonst bauen die am Ende noch ernstzunehmende Waffen. Aber selbstverständlich können sie untereinander mit Kokosnüssen und selbstgebastelten Speeren Krieg spielen.
      Und zwischendurch an der einklassigen Dorfuniversität von Mururoa das Schwindeln lernen.

  9. freidenkerin Says:

    Wenn ich mich nicht irre, hat die Schlagzeile der BamS gestern in etwa so gelautet: „Zu Guttenberg – seht, wie er leidet!“… Mittlerweile rückt die FDP-Führung auch von ihm ab (obwohl das ja nicht viel zu sagen hat)…
    Jedem, der seine Examensgrade, seine Doktor- oder auch Meister-Titel mit viel Fleiß, Aufopferung, durchlernten Nächten, Zittern und Bangen, teilweise auch Verzweifeln auf grundehrliche Weise nach bestem Wissen und Gewissen sich erarbeitet hat, muss das Verhalten K. T.’s übelst aufstossen…
    Und ich bin ebenfalls sehr der Meinung, dass wir dieses Thema eben nicht nun schnell wieder in der Versenkung verschwinden lassen sollen!

    • theomix Says:

      Natürlich leidet er. ich finde so einen Rücktritt nicht leicht, und eine wissenschaftliche (Selbst-)Degradierung muss man auch verkraften. Aber je länger er auf seinem Sessel sitzt, um so schwieriger wird es…

  10. Jary Says:

    Der Beitrag spricht mir aus der Seele.

    Wenn Guttenberg wirklich Rückgrat hätte, würde er die Konsequenzen ziehen und zurücktreten.

    • OneBBO Says:

      Wenn er ein Rückgrat hätte, hätte er eine solche Abkupferei nie vorgelegt, oder? 😉

    • theomix Says:

      Gern geschehen, Jary.

      Wenn schon, denn schon:
      Wenn er Rückgrat hätte, hätte er gar keine Dissertation geschrieben.

      • Jary Says:

        Na ja, selbst die Art und Weise, wie Guttenberg zur Dissertation zugelassen wurde, war ja offenbar nicht ganz koscher…

        Trotzdem, nachdem nun schon mal alles so gekommen war, wie es gekommen ist, hätte er hier zeigen können, dass in der Politik nicht mit zweierlei Maß gemessen wird…
        In „Bericht aus Berlin“ kam am Sonntag eine Reportage, derzufolge ein CDU-Mann in einem ähnlichen Fall sein Amt verloren hat und bis heute keine Arbeit findet.

        • theomix Says:

          Die widersprüche haben sich gemehrt. Es ist ja nun, wie man heute weiß, zu konsequenten, richtigem schritt gekommen.

  11. OneBBO Says:

    Ey, das hatte ich schon vor dir gesagt 😛

  12. IWe Says:

    KT ist in Bayern auf Gymnasium gegangen. Da steht im Lehrplan für die 11. Klassen die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens, damit die Kollegstufenschüler das dann beherrschen, wenn sie ihre Facharbeit schreiben, die das Niveau einer Proseminararbeit haben sollte.
    Schon bei dieser Facharbeit muß man eine Erklärung unterschreiben, daß alle Inhalte, die aus anderen Quellen entlehnt sind, sei es wörtlich oder sinngemäß, als solche gekennzeichnet sind. Und das geht dann so weiter bei Seminararbeiten, Diplomarbeiten etc.

    • theomix Says:

      Iris, herzlich Willkommen! Einen interessanten Blog hast du da…

      KT hätte also in Übung sein können. Oder müssen wir jetzt mal seine Facharbeit anschauen? 😯

    • Jary Says:

      Ich habe wie Guttenberg ein bayerisches Abi. Wenn im Lehrplan für die 11. Klassen die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens durchgenommen werden sollten, muss das irgendwie an mir vorbei gegangen sein… (Oder ich war da krank.)

      Auf jeden Fall aber bekommt man in der 12. Klasse ein ausführliches Info-Blatt mit Formalia für die Facharbeit, das en détail durchgesprochen wird, und muss die schon erwähnte Erklärung zusammen mit der Facharbeit abgeben. Für jede meiner Hausarbeiten an der Uni muss ich natürlich auch eine „Eidesstattliche Versicherung“ unterschreiben.

      Dass „KT“ im Griechisch-LK war heißt ja nicht, dass er die komplette Arbeit auf Griechisch geschrieben hat. 😉 An unserer Schule gab es zwar kein Griechisch, aber von unserem Latein-LK habe ich gehört, dass dort z.T. Arbeiten über historische Themen wie die Architektur des Forum Romanum (inklusive Modell-Nachbau) und Ähnliches vergeben wurden. Dazu mussten dann sicherlich viele lateinische Quellen herangezogen werden, aber die Arbeit selbst wurde meines Wissens auf Deutsch geschrieben.

      • Jary Says:

        Zum ersten Absatz (gerade ist es mir von den Augen geschuppt): Du hast wahrscheinlich im aktuellen Lehrplan für das achtstufige Gymnasium nachgesehen, oder, Iris? Da müssten die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens schon in der 11. Klasse durchgenommen werden. Ich war noch auf dem neunjährigen Gymnasium (wie „KT“ ja auch). Wohl deshalb wurde das bei uns noch in der 12. Klasse besprochen.

      • theomix Says:

        Danke für die Hinweise. Eigentlich interessiert mich seine LK-Arbeit gar nicht… 😉

  13. Frau Momo Says:

    Ich habe „nur“ eine Staatsexamensarbeit vorzuweisen, aber ich weiß noch leider sehr genau, wie ich mich mit dem korrekten Zitieren der Fundstellen abgemüht habe und wie wir auch heute auf die strikte Einhaltung von Copyrightregeln in unserem Forum achten.
    Aber ich bin ja auch nur Bürgerin mit Herkunft aus einer Arbeiterfamilie. Meine Mutter konnte damals leider gerade keine große Spende an die Uni Hamburg locker machen….
    Mich regen sie beide auf, KT und Mutti. Denn wenn er schon nicht freiwillig geht, dann wäre es ihr Job, ihn zu feuern.

  14. Jary Says:

    Noch ein Hinweis: Wer den „Offenen Brief von Doktoranden an die Bundeskanzlerin“ zur „Causa Guttenberg“ mit unterzeichnen möchte, kann das unter http://offenerbrief.posterous.com tun. Das Unterzeichnen ist auch für Nicht-Doktoranden möglich, die sich als „Unterstützer“ eintragen können.

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