Espresso heute

Der HERR sprach: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

1. Mose 8,21

Auf dem Kirchentag 1985 in Düsseldorf hielt John Howard Yoder, mennonitischer Theologe, die Bibelarbeit über 1. Mose 8. Bei diesem Vers verwies er zurück auf 1. Mose 6, 5-6: „Als aber der HERR sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen…“ Fast mit denselben Worten begründet die Aussage Gottes sowohl die Zerstörung der Erde als auch ihre Erhaltung. Und deutlich ist: Der Mensch hat sich nicht verändert. Verändert hat sich Gott.

Die Diskussion darüber zeigte, manche brachen fast in Wutgeheul aus. Denn Gott könne sich doch nicht verändern, er sei doch ewig und unveränderlich. Yoder blieb recht gelassen, denn der Gott der Neuplatoniker findet sich nicht in der Noahgeschichte. Und ich fand, Yoder hatte Recht.

Gott verändert sich, und das ist die Chance des Menschen. Und der Mensch kann und soll von Gott lernen. Veränderung, immer wieder, Dazulernen. Gelassen bleiben ob der Unzulänglichkeit der Menschen (also auch der eigenen), das ist angesagt. Wäre heute Jahreswechsel, es wäre ein wegweisendes Wort für ein ganzes Jahr. So möge es durch diesen Tag geleiten.

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50 Antworten to “Espresso heute”

  1. OneBBO Says:

    Solche Dinge haben auch dazu geführt, dass ich dem Christentum den Rücken kehrte. Ich finde mich keineswegs von Jugend an böse durch und durch, um nur einmal auf mich selbst zu schauen. Auch bei vielen anderen Menschen sehe ich das keineswegs so.

    Lernt Gott auch von den Menschen?

    • theomix Says:

      Ja. Eindeutig. Schon wegen der möglichen Projektion…

      Die Bosheit des Herzens ist mit der Erbsünde verbunden worden, das hat der Noahgeschichte nicht gut getan. „Durch und durch“ steht da nicht. wie insgesamt die Erbsünde von der Exegese nicht so durchzuhalten ist, wie Augustin das gesehen hat. Die gesamte Urgeschichte (1. Mo1-11) kreist um die Frage, was es mit dem Bösen auf sich hat.

  2. mialieh Says:

    …. Ich frage mich da, ob nicht ein guter Teil Mensch in Gott ist und er sich deshalb verändert, weil sich auch die Haltung zu Gut und Böse verändert…

  3. Hase Says:

    Lieber Jörg, danke für den Espresso und die links . Die Jahreslosung fällt mir auch ein dazu:
    ( Lass dich vom Bösen nicht überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute! –
    Römerbrief, Kap. 12, Vers 21)
    „Wäre heute Jahreswechsel, es wäre ein wegweisendes Wort für ein ganzes Jahr“ Bei Dir steht ja ein Lebensjahreswechsel an heute, meine herzlichsten Glückwünsche dazu,
    ich wünsche Dir einen schönen Tag
    liebe Grüße, Erika

    • theomix Says:

      Liebe Erika,
      Danke für die Glückwünsche. Der Gedanke der Jahreslosung ist auch die antwort einiger Rabbiner: Das böse Trachten lässt sich mit dem Willen zum Guten überwinden.
      Herzlichen Gruß, Jörg

  4. Dietmar Says:

    Der HERR sprach: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.

    1. Mose 8,21

    Wer weiß was er damals so genommen hat um solche Stimmen zu hören. Heute würde man ihm sicherlich sagen: „Junge mit Deinen Neurosen das nimmt aber langsam ziemliche Züge an, du solltest mal was an dir tun …“

    Oder so ähnlich. Vielleicht hat Mose zu sehr von sich und seinem Umfeld auf andere geschlosssen. Möglicherweise war er so ein vorvorzeitlicher Prototyp der Null-Bock-Generation. Wer weiß …. hört sich auch, je nach Betrachtungswinkel, nach allgemeinem Kolletktivversagen der Menschheit an. Oder man mißt gewissen Gelehrten einfach zu viel Gewichtigkeit bei.

    Ich wünsche einen guten Start in die neue Woche – und dem lieben Theomix natürtlich einen herzlichen Glückwunsch zum heutigen Ehrentag.

    • Claudia Sperlich Says:

      Klar: Man hätte alle therapieren lassen sollen. Die biblischen Autoren, aber nicht nur die; auch Homer und den Autor des Gilgamesch-Epos – und was sonst noch jemals über Götter mit menschlichen Zügen geschrieben wurde.
      Wir hätten dann eine Weltliteratur in bester Eugen-Roth-Manier, leicht faßlich für alle, und niemand wäre gezwungen, über Geschriebenes mehr als eine Minute lang nachzudenken. Es würde auch Tränen ersparen, denn niemand könnte beim Lesen ergreifender Literatur weinen.

    • theomix Says:

      Danke für die guten Wünsche!
      Dass die ersten religiösen Gedanken auf Konsum von Rauschmitteln zurückgehen, diese These scheint hier abzufärben. Die gesamte Urgeschichte (1. Mose 1 – 11) beschäftigt sich mit der Frage: Wie ist das mit dem Bösen?
      Erst Freud hat Mose auf die Couch gelegt, und da war schon alles geschrieben. In 6,5 ist es Kollektivversagen, und 8,21 ist dann Gelassenheit oder Resignation. Oder, diese Deutung fand ich auch, das Ende der Kollektivschuld der Menschheit: Ab jetzt muss jeder selbst geradestehen für den eigenen Mist.
      Das klingt ziemlich nüchtern, meine ich.

  5. Sylvia Says:

    ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG !!!!!!!!!!! 😀

  6. Claudia Sperlich Says:

    Auch aus Berlin beste Geburtstagswünsche! Many happy returns.

  7. OneBBO Says:

    Darf ich auch noch weiter den Blog besuchen, wenn ich mir jetzt aus reiner Bosheit einen Glückwunsch verkneife? 👿

  8. Hausfrau Hanna Says:

    Jetzt sehe ich soben, dass da jemand auf Schwedisch zum Geburtstag gratuliert 🙂

    Da kann ich nicht anders…
    „Grattis på födelsedagen“,
    lieber Jörg-theomix,
    und ein herzliches hurra hurra hurra!
    Hausfrau Hanna

    PS. Und möge das schwedische Geburtstagslied in Erfüllung gehen:
    „Ja, må han leva uti hundrade år!“ 😉

  9. klanggebet Says:

    die vorstellung dass gott ein sanguiniker ist und eine beleidigte leberwurst, dass er menschen und erde verflucht und es ihm hinterher leid tut, die finde ich so unfreiwillig komisch…was für ein höchst seltsames gottesbild, man mag es den wüstenvölkern vor tausenden von jahren nicht krumm nehmen, aber wer das heute noch derart kolportiert, der macht mir ernsthaft sorge….

    aber ich kam eigentlich um was ganz anderes zu sagen, denn mir kam zu ohren dass auch du alterst! und dazu mag manch einer ja nicht beglückwünscht werden, ich lasse aber trotzdem glückwünsche da! und viele liebe grüsse!

    giannina

    • theomix Says:

      Danke für die glückwünsche, liebe Giannina,
      ich nehme sie, an diesem tag, aber sie wären auch an jedem anderen tag genehm.

      Manche ausleger helfen einem, einen text anzunehmen, wie für mich damals Yoder. Oder auch die Rabbiner, die gehn so grandios mit einem biblischen text um, drehen und wnden und suchen den sinn. Fragen, finden eine antwort, verwerfen sie, weil es eine frage aus einer anderen richtung gibt.

      Nur als beispiel, aus dem Talmud zur noahgeschichte: „Wenn der mensch gesündigt hat, welche schuld traf das tier?“
      Rabbinisch wäre also, nicht bei komik oder amverstandzweifeln stehen zu bleiben, sondern zu fragen. Etwa: IST Gott so oder wird er so wahrgenommen?

  10. klanggebet Says:

    oh ich würde den text sicher auch drehen und wenden und fragen. nur „so“ hinnehmen würde ich ihn nicht. man kommt schon nicht umhin, mit bibeltexten auch zu „arbeiten“.
    liebe grüsslis
    giannina

  11. werner Says:

    Geburtstag?
    tatsächlich, da ist shconwieder einJahr vorbei.
    Gut, da schick ich dr mal einen, der besser singen kann als ich, damit er dir ein Ständchen bringt:

    http://flic.kr/p/9jUDx9

    Glückwunsch!!!

  12. Elisabeth Says:

    Wann gibts die Geburtstagstorte!? Bin ich schon zu spät? 😆

    Lieber Jörg, auch von mir die besten Wünsche zu deinem besten Geburtstag und für das beste Lebensjahr, das nun vor dir liegt!

    Auf bald zum persönlichen Anstossen mit einem Glas Himbeersaft – denn wir werden ja wieder wie die Kinder… *lächel*

    Herzlichst, Elisabeth

  13. freidenkerin Says:

    Reichlich spät: Alles Gute und Liebe zum Geburtstag! 😀

  14. Babsi Says:

    heeyyyyy ich auch will torte
    bitte nicht vergessen, wir wienerinnen hatten eine lange anreise *Lächel*

    lieber jörg, auch hier von herzen noch ein gaanz lieber gruss zum geburtstagsabend :)))
    lass es dir gutgehn und genieß deine geschenke
    fröhliche grüße von babsi

    • theomix Says:

      Danke, liebe Babsi,
      ich genieße immer noch…
      Nur die Torte, tja, Niederlande hat gegen Österreich gewonnen. Zum Schluss haben wir noch mitgeholfen, schon war alles weg.

      Herzlich: Jörg

  15. Babbeldieübermama Says:

    Ich wünsche dir nachträglich alles Gute zum Geburtstag, vor allem Gesundheit. Mögen all deine Wünsche in Erfüllung gehen.

    Ganz liebe Grüße
    Bärbel

  16. rotegraefin Says:

  17. Interplanetar Says:

    1985 letzte Teilnahme Kirchentag. Menschen sind wie sie sind.
    Ich hörte den Text oft als Kind. Menschen sind auch böse zu machen.
    Glaube an Glaube ist Glaubenswissenschaft. [Nö]
    Mythen sind keine Geschichtswissenschaft. [Genau so habe ich das gelernt.] Die Tora wurde bereits von Hillel als Kommentar bezeichnet. [Mag sein.] Entstehungs-, Zerstörungsgeschichte, Erneuerung mit Fragmenten sollte nicht unterschlagen werden. [Vor allem die Interplanetarkommentarwegschaltgeschichte, nich wahr…] Grundsätzlich [Kappes] existiert kein Urtext, [aber der Versuch einer Rekonstruktion dank Textkritik] kein Urkundenpersönlichkeitsrecht [ist ja neuzeitliche Erfindung], egal zu welcher Kannonisierung [heißt das nicht Kannohnesierung? :mrgreen:].
    Heilsam sind Menschenrechts, Gesundheitswissenschaften. [und manches andere, je nachdem.] Es gibt ein schwaches, kein böses Gen, welches je nach weiteren Umständen leichter zu Aggressivität führt. [Das sagt auch niemand.]

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