Sperrmüll – Gastbeitrag von Werner

Werner hat nettterweise einfach so einen Text als Gastbeitrag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

Alle (Halb-)Jahre wieder sind unsere Straßen voller Sperrmüll – auch für mich immer wieder Anlass, den Keller oder Speicher zu inspizieren, alte Sachen in die Hand zu nehmen, zu sortieren, zu überlegen was noch brauchbar ist. Mit jedem Stück sind Erinnerungen verbunden und mancher an sich nutzlose Gegenstand hat deshalb doch noch seinen Wert.

Ich entdecke jedes Mal, wenn es darum geht, Sperrmüll an die Straße zu stellen, längst vergessene „Schätze“ – aber auch anderes was wirklich nur Platz einnimmt und längst hätte entsorgt werden sollen.

Loszulassen, mich zu verabschieden von Dingen, die man ja vielleicht noch einmal brauchen könnte, fällt mir wie auch vielen anderen nicht immer leicht.

Und doch ist das eine gute Übung, denn mit jedem Gegenstand, den wir bereit sind wegzugeben ist auch ein Stück Freiheit gewonnen. Befreiung von materiellem Besitz, der oftmals unser Denken blockiert und uns die Maßstäbe für unser Handeln verlieren lässt.

Gut, dass es die Sperrmüllabfuhr gibt, die uns hilft in unserem Haus unserem Keller, unserem Speicher immer wieder Platz zu schaffen, Unnötiges und Nutzloses zu entrümpeln.

Auch gut, dass solche Entrümpelung unserer Seele möglich ist.

Eine „revision de vie“, eine Bestandsaufnahme unseres Lebens kann auch da helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, uns von nutzlosen Gedanken und Plänen zu verabschieden. Unter Umständen können wir dabei aber auch alte verschüttete Ideen wieder entdecken, um sie dann endlich zu verwirklichen. Wenn wir dabei neue Fähigkeiten entwickeln, unsere verschütteten Talente entdecken und für das eigene Leben und für unser Zusammenleben mit anderen endlich nutzbar machen, ist dieser Blick in unser eigenes Innere ein Gewinn.
Von anderem können wir uns getrost verabschieden und können das, was schief gelaufen ist,  loswerden – zum Beispiel in der – nach katholischem Verständnis sakramentalen – Beichte, in Bußgottesdiensten, im Schuldbekenntnis im Abendmahls- oder Eucharistiegottesdienst. Wenn wir dabei wirklich ehrlich mit uns selbst sind, wird diese Entrümpelung unser Leben wieder übersichtlicher, freier und erlöster machen.

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14 Antworten to “Sperrmüll – Gastbeitrag von Werner”

  1. Elisabeth Says:

    Wunderbare Gedanken des Loslassens – danke dir, lieber Werner!
    Und danke auch dir, lieber Jörg, fürs Einstellen! 🙂

    Ja, wunderbar – so eine Einrichtung fehlt hier in Wien… und meist überlege ich, wohin mit all dem Zeug… zum Sondermüllplatz, aber so viel Platz hab ich in meinem Auto nicht…
    Die Gelegenheit, Sperrmüll endlich loszuwerden und dabei Schätze zu entdecken, würde ich sehr oft nutzen! 🙂

    Sonnige Grüße, Elisabeth

  2. OneBBO Says:

    Ich selbst bin jemand, der gut wegwerfen kann. Mir gehen jedoch bei Betrachten des Sperrmülls ganz andere Gedanken durch den Kopf: Was nämlich Menschen alles wegwerfen, das durchaus noch gut gebraucht werden kann. Tische, Sofas, Matrazen, Koffer – nur weil sie nicht mehr dem gerade angesagten Geschmack entsprechen, müssen sie raus.

  3. mialieh Says:

    Ich werfe auch regelmäßig weg und miste aus. Wenn ich mich trenne, dann kann ich mich auch gut trennen. Das Einzige, wovon ich viel habe, sind Bücher. Sonst ist alles sehr überschaubar, so dass sich eine Tante von mir mal wunderte, wo ich denn meine ganzen Küchensachen unterbringe und ob ich nicht mal richtige Hängeschränke besorgen wollte…

  4. Hase Says:

    Danke Werner und Jörg für den Beitrag.
    Ich kann schlecht wegschmeißen.Bei Sperrmüll wundert es mich aber auch immer sehr, was die Menschen alles fortgeben. Meine Gedanken sind oft auch, das könnte doch jemand noch gebrauchen….. Die Autos aus Polen, die dann tagelang herumfahren und einsammeln , nerven auch gewaltig. Aber wenn sie eine Verwendung haben, ist es auch ok. So freute sich einmal ein junger Mann, der unser Kinderbett mit Freude mitnahm. Ich wollte es vorher verschenken, machte einen Aushang im Kindergarten und niemand hat sich gemeldet.
    Abschiede im menschlichen Bereich gelingen mir immer besser, da hilft auch das Gebet.
    Liebe Grüße , Erika

    • Frau Sterntau Says:

      Oh, bei Ihnen gibts es auch Autos aus Polen, die nach Müll der Deutschen gieren? Hier gibt es die immer, täglich, wöchentlich und unabhängig vom Sperrmüll.

      Sich von Dingen trennen, die man, wenn man ehrlich mit sich selbst ist, gar nicht wirklich braucht, ist sehr befreiend. Ich las irgendwann das Buch „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“ und musste dem Inhalt von der ersten bis zur letzten Seite zustimmen. Ja, wir umgeben uns mit zuviel Tinnef. Ja, das hemmt uns in unseren Entscheidungen. Ja, sich davon trennen, befreit ungemein.

      Ich habe schon ordentlich ausgemistet. Bücher, CDs und DVDs bei Momox verkauft oder verschenkt, die örtliche Kleiderkammer reich beschenkt und schon atmet man in seinen vier Wänden wieder auf und durch. Ein herrliches Gefühl.

      Wobei ich ein großes Problem damit habe, alles achtlos wegzuwerfen. Hier gibt es theoretisch für alles einen Verwendungszweck. Kleidung, Spielsachen und anderer Kleinkram nimmt die Kleiderkammer an und gibt es an Bedürftige weiter, genau wie Möbel in gutem Zustand vom Sozialen Möbellager sogar abgeholt und für wenig Geld weiterverkauft werden. Weggeworfen werden von mir nur wirklich kaputte Dinge.

      • Hase Says:

        Danke, das hab ich jetzt erst gelesen, das Buch hab ich sogar ….. sollte ich mal hervorkramen… Die Autos aus Polen kommen immer an den Sperrmülltagen, einmal hatten sie aus Versehen das Fahrrad unseres katholischen Pfarrers im Ort mitgenommen, der es nur an einer Hauswand abgestellt hatte bei einem Besuch. Nach Suchen fand man eine ganze Polenstadt am Sportplatz, dort wurde alles verladen, sortiert…. das Fahrrad wurde demPfarrer wieder übergeben.

  5. Wolfgang Vögele Says:

    Ich habe gute Erfahrungen mit folgendem Prinzip gemacht: Für jedes Buch, das ich mir neu kaufe, gebe ich ein anderes, das ich besitze, ins Antiquariat oder ich verschenke es oder gebe es zum Flohmarkt.

  6. theomix Says:

    Lieben Dank, Werner, für diesen Text, der umrankt von meinen kleinen Fundstücken, einmal zur Besinnung ruft.
    Ich habe ganz gute Erfahrungen mit Rita Pohle, weg damit! gemacht. Da stehen gute Tipps drin.
    Für das Lieben Dank, Werner, zu diesem Text, der umrankt von eminen klenen Fundstücken einmal zur Besinnung rzuft.
    Beim Entrümpeln der Seele gibt es ja Defizite im evangelischen Bereich. Theoretisch gibt es die Beichte, aber das wissen die wenigsten, und praktiziert wird es noch viel noch weniger.
    Mental, innerlich kann man das bei einer Abendmahlsfeier tun. Obwohl die Entwicklung weg vom übergroßen Ernst gegangen ist.

  7. Claudia Sperlich Says:

    Sperrmüll wurde in Berlin leider abgeschafft, als ich etwa fünfzehn Jahre alt war. Als ich in Münster studierte, kam ich in den Genuß von Sperrmüll – wirklich eine sehr praktische Sache, wenn man sich seine Studentenwohnung einrichten möchte. Und im wohlhabenden Münster werden wirklich brauchbare Möbel weggeworfen.
    Das führte jedesmal auch zu schönen menschlichen Erlebnissen. Viele Leute sammelten Sperrmüll, teils mit Autos, teils auch mit Motor- oder Fahrrädern und Hängern. Und oft genug gaben sich wildfremde Sammler gegenseitig Tips! „Tolles Schränkchen haben Sie da.“ „In der X-Straße steht noch so eins.“
    Was den seelischen Sperrmüll angeht, finde ich Deine Gedanken sehr gut und immer neu bedenkenswert.
    Mich stört bei dem rituellen Schuldbekenntnis in der Kirche, daß es meist viel zu schnell geht, ohne Pause zwischen den einzelnen Sätzen, und danach gehts gleich weiter. Es wäre m.E. viel besser, wenn nach dem Schuldbekenntnis mal eine ganze Minute einfach gar nichts passierte – jeder hält die Klappe, der Organist macht Pause, und wer will und kann, schaut mal, was er entrümpeln kann und soll.

  8. Sylvia Says:

    Im Zuge meiner Küchen-ausmal-aktivtäten hab ich das ganze Dekozeugs, das manchmal schon nicht mehr von *einfach nur so* hingestellten Sachen zu unterscheiden war in Schachteln zur Seite gestellt.
    Und da waren auch drei Bilder dabei.
    Zuerst dachte ich: Unmöglich, sieht ja total nackt aus, wenn die Farbe trocken ist, räum ich alles wieder zurück.
    Was soll ich sagen ? Die Kisten erfreuen sich noch immer ihres Inhalts und auch die Wände bleiben leer.
    Hat ein bissi den Charakter von *gerade eben neu eingezogen*.

    Ich beobachte das jetzt mal und entscheide dann, welche Staubfänger wieder an ihren angestammten Platz wandern werden.

    Viele werden’s nicht sein, denn die *Ruhe* tut echt gut.

    Danke, Werner und auch danke an theomix für den Beitrag.

  9. Werner Says:

    Vielen Dank für eure Kommentare, die sich – und das wundert mich eigentlich nicht sehr – weitgehend auf den „äußeren“ Sperrmüll beziehen, der ja eigentlichnur der Aufhänger war für das, was ich mit disem Beitrag auch ansprechen wollte..
    Ich möchte daraus allerdings nicht schließen, dass meine Absicht nicht erreicht worden sei, zum Nachdenken über den „inneren“ Müll anzuregen.
    Dass ich diesen Artikel Jörg angeboten habe, hatt eigentlich aber einen ganz anderen Grund gehabt. Ich wollte mal sehen, wie so was bei Lesern ankommt. Denn es war ein Artikel, den ich für unsere Tageszeitung schrieb. (Es gibt da samstags eine Rubrik „Glaube im Alltag“, für die ein wechselnder ökumenischer Autorenkreis schreibt.)

    • theomix Says:

      Ach sooo. Da danke ich noch einmal und stelle Theomix gerne weiterhin für Probeläufe zur Verfügung.
      (Nach dem Motto: Hier sind die echten Volksfreunde 😉 )

    • Sylvia Says:

      Ich hab’s schon verstanden. Auch mein Satz mit der inneren Ruhe bezog sich darauf.

      Vielleicht haben wir ja auch innerlich ausgemistet, in dem wir uns die Geschichten von der Seele geschrieben haben ? 😉

  10. Hase Says:

    Diese Artikel gibt es bei uns auch samstags, finde ich interessant.

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