Biblische Streifzüge: Weihnachten nach… (2)

Weihnachten nach Matthäus

Die ganze Vorgeschichte, also die ersten beiden Kapitel, sind gefüllt mit Träumen, die die Handlung steuern: Joseph träumt (wie sein alttestamentlicher Namensvetter), die Weisen aus dem Osten haben auch Träume – und einen Stern am Himmel.

Ganz andere Geschichten werden hier erzählt, und sie tauchen eher am alten orthodoxen Weihnachtsfest auf, am 6. Januar. Epiphanias, Erscheinung  – des Lichts, weil der Stern eine große Rolle spielt.

6. Januar, war da nicht was mit den Heiligen Drei Königen?
Jein!
Weder drei noch Könige. Und heilig – so wie wir alle. Matthäus erzählt von Magiern, Sterndeutern, aus dem Osten (Persien, Indien?). Drei ist die Zahl ihrer Gaben: Gold, Weihrauch und Myrrhe (nicht Möhren!).

Weil sich diese Gaben nur wirklich reiche Leute leisten konnten, kam man im Volksglauben darauf, dass das Könige sein müssten. Aber nein, es waren Astrologen, Philosophen…

Danach kommt der Kindermord in Bethlehem, während die Jesusfamilie sich nach Ägypten absetzt. Als Herodes tot ist, regiert kurzfristig dessen Sohn, und so geht man lieber nach Galiläa und landet in Nazareth.

Was würde Lukas dazu sagen?

Prägende Tradition ist die Evangelienharmonie. Mit einigen tiefen Durchatmern kriegt man das gebastelt: da, wo Lukas nichts berichtet, hat Matthäus etwas. Es bleiben leichte Unebenheiten im Erzählfluss: Wieso denkt Matthäus darüber nach, wie es nach dem Tod des Herodes in Bethlehem aussieht – wenn Nazareth nach Lukas eh die Heimat war? Und die Zwei/Drei müssten sich wohl länger in Bethlehem aufhalten, bis die Weisen ihr Ziel erreicht haben.

Oder sind die beiden Berichte recht unabhängig voneinander entstanden und später zusammengesehen worden? Dann hat Lukas eben die Geschichte von Volkszählung, Geburt im Stall, Besuch der Hirten –  und zurück geht es nach Nazareth. Und Matthäus berichtet, dass die ortsansässige junge Familie Besuch von Weisen erhält, die den Stern über der Stadt gesehen haben. Danach müssen sie ihre Siebensachen packen, nach Ägypten fliehen, können in ihre Heimat nicht zurück und siedeln sich im Norden des Landes an.

Gemeinsames Interesse beider Sichtweisen: Hier soll nachgewiesen werden, dass Jesus der Messias aus der Familie Davids – inklusive Geburtsstadt ist – denn beide Evangelien belegen das mit einem Stammbaum – der dann auch wieder jeweils Unterschiede hat.

Genug davon, rückt die Hirtenfiguren in Richtung Krippe…

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25 Antworten to “Biblische Streifzüge: Weihnachten nach… (2)”

  1. Hase Says:

    Danke Jörg, dass auch Du hier beide Versionen vorstellst. Unser Pfarrer i.R. hat an Heiligabend auch beide vorgetragen und sich damit auseinandergesetzt. Ich finde das sehr interessant.

    • theomix Says:

      Ist es auch. meist ist man ebene die klassische Krippendarstellung gewohnt.

      • rote Gräfin Says:

        Ja und die lässt sich auf Franz von Assisi zurückführen, der sich die Armut als Ideal ausgewählt hat.
        Leider wieder nur ein sehr einseitiger Aspekt innerhalb des Christentums, der eben dann Reichtum wiederum verteufelte.

        • theomix Says:

          Richtig, von Armut ist hier keine Rede.

        • Wolfram Says:

          Leider wieder nur ein sehr einseitiger Aspekt innerhalb des Christentums, der eben dann Reichtum wiederum verteufelte.

          Der aber nicht auf Franz von Assisi zurückzuführen ist, sondern auf die Berichte der synoptischen Evangelien sowie auf den Jakobusbrief. „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel“ ist nicht Franz‘, sondern Jesus’…

        • mialieh Says:

          ganz schön dichotom… arm und reich… naja… was meinte Jesus wohl damit? Ist das im Wortsinn zu verstehen?

        • Wolfram Says:

          Ja, das wird wohl im Wortsinn zu verstehen sein, denn es geht grad vorher um einen, der Jesus nachfolgen will, und Jesus sagt ihm, „vorher mußt du alles verkaufen, was du hast, und den Erlös Brot für die Welt stiften den Armen geben.“ Da geht der junge Mann traurig weg, „denn er hatte viele Güter.“ Und genau das kommentiert Jesus dann entsprechend.

  2. mialieh Says:

    Als Nicht-Theologin und NIcht-Bibelfeste bringe ich die beiden Geschichten auch gerne mal durcheinander. Zum Beispiel Hirten und Könige… Das ist ja auch bei Krippen so: dass alle dargestellt werden. Und meine Kinder haben früher auch gerne mal Katzen und Rehe von Playmobil dazugesetzt.

  3. Elisabeth Says:

    Lieber Jörg,

    das ist ja spannend… Ich lese das gern und höre gerne zu, du weißt so viel. In Wien findet zur Zeit eine Bibel-Ausstellung im Diözesanmuseum statt. Ich habe mir schon vorab den Katalog geholt und ein Heftlein über die biblischen Pflanzen (schließlich arbeite ich bei der Rain Drop Anwendung auch mit dem Bibelöl „Zypresse“ 🙂 ).
    Danke dir für die schöne und zudem spannende Info!

    Herzliche Grüße von Elisabeth

    • theomix Says:

      Liebe Elisabeth,
      Danke fürs Lob. Im Grunde referiere ich ein wenig Examenswissen, das sollte also jede/r Theo-Studi nach Grund- und Hauptstudium wissen. Bzw. die wissen noch mehr als ich, denn mein Examen ist nun auch ein Weilchen herum..
      Sind Weihrauch und Myrrhe auch in der Ölsammlung?
      Herzliche Grüße, Jörg

  4. Claudia Sperlich Says:

    Hier ist er ja endlich, der Träumer.
    Ich finde es immer wieder schade, daß Joseph so stiefmütterlich behandelt wird – er wird meist eher langweilig dargestellt. Dabei muß er ja höchst sensibel und liebevoll gewesen sein. Zunächst der Schreck über Marias Schwangerschaft: Joseph hätte sie steinigen lassen können, aber wollte sich nur ganz im stillen von ihr trennen. Dann läßt er sich im Traum sagen, was es mit diesem Kind auf sich hat – wacht auf und sagt nicht etwa „Was man sich alles zusammenträumt!“ sondern zieht die Konsequenz und bleibt. Auch als es ganz schwierig wird.

    • theomix Says:

      Joseph hat bei Matthäus eine bedeutende Rolle, jedenfalls in seiner Vorgeschichte. Das hat dieser Joseph mit seinem Namensgeber gemeinsam.

    • rote Gräfin Says:

      Ja dafür hat sich dann das Patriarchat in den letzten Zweitausendjahren gebührend gerächt.
      Maria eine nicht eheliche Mutter und eben eine junge Frau und keine Jungfrau, wobei ich mir schon als Kind überlegt habe, wie das gehen konnte den spätestens bei der Geburt des Kindes konnte sie keine mehr sein im biologischen Sinne.
      Aber so hat mir mal ein Dechant erklärt Jesus war Italiener:
      „Denn nur ein italienischer Mann bleibt bis dreißig bei Mama, und nur ein Italiener glaubt, dass seine Mutter noch Jungfrau ist.
      Und nur eine italienische Mutter glaubt, dass ihr Sohn Gottessohn ist.“

  5. Epiphanias – Erscheinung - zauberwort - Die Lebensfreude Agentur von Elisabeth Ornauer Says:

    […] aus dem Morgenland, aus Indien oder Persien. Ich habe mich für diesen FEIER-tag freudig bei Jörg inspiriert, der mir aufschlussreich und spannend näheren Einblick in das biblische Geschehen […]

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