Biblische Streifzüge: Weihnachten nach… (1)

Vorwort (nur hier)

Wir kennen die traditionelle Weihnacht: Maria und Josef, wohnhaft zu Nazareth,  unterwegs nach Bethlehem, Geburt im Stall, Hirten, Stern überm Stall, 3 Könige, Flucht. Wie erzählt die Bibel das? Wir haben mehrere Erzählungen (oder auch nicht).

Weihnachten nach Lukas

Die wichtigste Weihnachtsgeschichte, sie gehört für mich zum Heiligabend, und zwar lupenrein in der Lutherrevision von 1912.

Lukas erzählt nicht nur die Vorgeschichte der Geburt Jesu, sondern auch die Geburt Johannes‘ des Täufers. Er macht eine Familiengeschichte daraus, denn er beschreibt beide als entfernte Vettern, und die beiden werdenden Mütter begegnen sich. Die Väter haben wenig zu sagen, Zacharias (Johannes‘ Vater) kriegt ausdrücklich den Mund verboten, und als er wieder reden darf, singt er gleich ein Lied, das als Lobgesang des Zacharias in die Liturgie als Morgenlob einzieht. Josef kriegt das Reden nicht verboten, deswegen nutzt er sein Privileg auch nicht aus und sagt im ganzen Evangelium gar nichts.

Da man ja wegen einer Volkszählung umherzieht, also zu zweit hin und zu dritt zurück, ist direkt nach dem Zählen die Rückreise angesagt. Viel ist innerhalb kurzer Zeit geschehen, so dass nun zwölf Jahre Pause angesagt ist. Dann erst geht es weiter, wieder ist man unterwegs, die Reise nach Jerusalem, aber die ist nicht Thema…

Das Schweigen über die zwölf Jahre ist Stoff für Verschwörungstheoretiker. Aber die Lücken der anderen ist noch größer. Meine Meinung: daraus lässt sich gar nichts schließen, vollständige Chroniken sind etwas für Ordnungsfanatiker der Neuzeit. Nichts für eine Autor mit gewissem literarischen Anspruch.

Lukas, den wir so nennen, weil wir den echten Namen nicht wissen, hat sein Evangelium geschrieben, nachdem schon andere vorlagen (Lukas 1, 1-3). Also darf man 80 bis 90 als Entstehungszeit annehmen. (NACH Chr. natürlich…) Und  nun die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (Luther 12):

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger von Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, da sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des HERRN Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des HERRN leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der HERR, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der HERR kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Joseph, dazu das Kind in der Krippe liegen. Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich der Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

29 Antworten to “Biblische Streifzüge: Weihnachten nach… (1)”

  1. Wolfram Says:

    Psst, du kannst den Kommentar gleich wieder löschen – aber da haben sich Buchstaben eingeschlichen, witzigerweise ein ein r: das r in „die ward schwanger“. Dabei war sie das doch schon… 😉

    Gesegnete Nach-Festtage dir und deinen Lieben!
    [Gelöscht nur zur Hälfte…, Fehler berichtigt]

    • theomix Says:

      Ulkig, habe ich aus dem Netz herauskopiert. Kann man nur sagen: Siehste, so vervielfachen sich die Fehler, denn die gedruckte Ausgabe hat natürlich „war“.

      • Wolfram Says:

        Jo, und ich hab mich vertippt, weil „wad“ natürlich auch falsch war. Ein Irrtum in meinem übernächtigten Hirn zwischen „d“ für droite und „r“ für rechts?

        nun bleibt ein „ein“ zuviel, und eine kryptische Spur der anderen Hälfte. 😀
        Und ich habe Urlaub bis zum Wecken (am 4.1.)!

    • werner Says:

      Großes Fragezeichen!

      In „die ward schwanger“ kanns doch nur das d sein , das falsch ist und nicht das r.

      Trotz allem: Gut wenn es aufmerksame Leser gibt, die falsches auch dann sehen, wenn es eigentlich richtig ist. 🙂
      [Auch hier ein bisschen eingegriffen, und der Fehler ist schon keiner mehr…]

      • theomix Says:

        Kaum schaut man mal drei Minuten vom Monitor weg, schon kommt ein Werner daher und wundert sich. Aber Wolfram hatte schon Recht, aber jetzt bin ich mit der Schneefräse daher und man sieht nur noch weiße Flecken…

        • werner Says:

          Ja, so ist das halt lieber Jörg, Erst beschwerst dich, dass ich nicht mehr so viel kommentiere, und dann dass ich zu schnell bin.
          🙂

        • theomix Says:

          Ich b in es eben nicht mehr gewöhnt. DAS sollte anders werden. meine ich nach wie vor!

  2. mialieh Says:

    sehr spannend, das mit den Ordnungsfanatikern der Neuzeit. Da würde Foucault sich einen Stiefel abfreuen und dir sicher Recht geben.

    Kommen die anderen (so sie andere sind) Geschichten noch?

    • theomix Says:

      Klar.
      Die meisten sind so sehr in der Neuzeit, dass sie meinen, zu allen Zeiten wäre man so gewesen. Natürlich können wir aus unserer Zeit wie aus unserer Haut nicht heraus. Aber eine andere Wahrnehmung, eine andere Haltung wahrnehmen und so gut es geht achten, das ist nicht nur eine Regel der Höflichkeit, sondern auch der Geisteswissenschaft.

      • mialieh Says:

        😉 Das ist doch witzig, denn gerade gestern habe ich so über diese Neuzeit nachgedacht. Über den Zwang alles zu ordnen, zu dokumentieren und dann zu lagern: vom Denkmalamt bis zum Museum… es geht immer darum, rationalisierte Gewissheit zu gewinnen. Wahrscheinlich auch in Glaubensdingen.

  3. Claudia Sperlich Says:

    Es ist und bleibt eine wundervolle Geschichte, und zwar auch dann, wenn man sie nicht glaubt.
    Dank für den Absatz über Ordnungfanatiker. Ich sage es ja hochmütig-unfreundlicher: Leute, die nicht bereit sind, die Rezeption antiker Texte zu erlernen.
    Josef gefällt mir. Er hört auf seine Träume und sorgt für die Familie, auch unter schwierigsten Umständen.

    • theomix Says:

      Josef hat keine Träume.
      Jedenfalls nicht bei Lukas. Engel erscheinen, teils massenweise. Mehr kommt natürlich morgen, bei Matthäus…

      • Claudia Sperlich Says:

        Lukas spricht nicht von den Träumen des Joseph. Matthäus aber durchaus.

        • theomix Says:

          Heute rede ich nur von Lukas.

        • rote Gräfin Says:

          „Heute rede ich nur von Lukas!“
          Das ist doch einmal richtig schön theomix.
          Ein männlicher Ordnungsfanatiker.
          Das macht das Glauben ja so schön, dass keiner perfekt sein muss.

        • theomix Says:

          „männlicher Ordnungsfanatiker“. Das ist doch richtig schön rote Gräfin.
          Hauptsache kritteln, denn das sei ja die Wahrheit, auf die die Welt gewartet hat.
          Das macht die Gnade ja so schön, dass Gott Ordnungsfanatiker und Keifweiber annimmt, so wie sie sind.
          Werte Frau Gräfin, wir haben Chancen, trotz allem.
          (Und Keifweiber!? Ich habe niemanden angeguckt…)

  4. OneBBO Says:

    Mir scheint, dass ist genau die Version, die mein Vater jeden Heilig Abend aus der großen Familienbibel vorgelesen hat, mit fast kippender Stimme. Warum die vorm Kippen war, hab ich nie verstanden, weiß ich auch heute noch nicht. Denn Angst vor seiner Familie hatte er wohl kaum. Wenn ich diesen Text lese, sehe ich das alles wieder vor mir, sehen den Gabentisch abgedeckt mit einem Damasttuch im Kerzenschein und höre seine Stimme lesen. Schon eigenartig.

    • theomix Says:

      Die Lutherrevision war in den Bibeln von 1912 bis 1956/7, dann war das Neue Testament leicht überarbeitet. Die Revision von 1975 war so umstritten, dass ihr eine endgültige 1984 folgte. Danach ist die Weihnachtsgeschichte fast genauso. Aber eben nur fast.
      Wer weiß, was deinen Vater ergriffen hat? Die eigene Geschichte? Kriegsweihnächte?

    • mialieh Says:

      Vielleicht hatte er Angst vor seiner eigenen Ergriffenheit. Oder er war ergriffen und die Stimme kippte deshalb. Man kann das ja manchmal nicht lenken. Aber die Familiengeschichte, die bei Lukas erzählt wird, ist schon sehr anrührend.

  5. Sven Says:

    Das ist eine schnörkellos schöne, klare und eindeutige Erzählung. Sie ist tatsächlich zeitlos.

    Interessant die Diskussion über den kleinen Rechtschreibfehler. Denn wie viele Übersetzungseinmischungen in diesem Text stecken, können wir nur erahnen. ( Zumal sie wahrscheinlich über dem lateinischen aus dem griechischen kommt, das wiederum von den Altsyrer und diese wieder…….

    Mich bewegt gerade der Satz: „große Freude, die allem Volk widerfahren wird“
    Damit wird allein das israelische Volk, in dieser Nacht gemeint sein.
    Nicht alle Völker der Erde.
    Schon lange nicht dem römischen Volk mitsamt seinem diktatorischem Kaiser, dem zu Mensch gewordenen Gott, der römischen Welt.

    Erst viel später, als die Revolution des Christentums ausbrach, die Befreiung von dem menschengemachten Gottkaiser, konnten viele Völker, die Botschaft für sich annehmen.
    Der Text, zumal auf deutsch, übersetzt die Worte im Rückblick.

    Aber was tatsächlich in dieser Nacht geschehen ist, ist nicht wirklich wichtig. Wichtig ist was sie bewirkt hat, wohin sie geführt hat, und wie sie die Herzen von unzähligen Menschen noch heute berührt.

    Und selbst wenn eine Frau allein nur ein Kind geboren hat, dieses Wunder des Lebens, dann ist es Grund genug, das sich der Himmel auftut.

    Darum mag ich die Botschaft. Die Hoffnung auf Glück und Frieden auf Erden für alle Menschen.

    • theomix Says:

      Der anfang einer interessanten auslegung!
      Die übersetzungen sind begrenzt. Lukas war durch und durch griechischer autor, mit einem gewissen anspruch, da er ja ein prömium verfasst. Wenn etwas mündlich überliefert ist, dann aramäisch.
      Ob sie zeitlos ist? (Das hängt für mich nicht am berührtwerden.) Leicht legt man in die geschichte manches hinein, das ist dann auch manchmal ein nachteil allzu bekannter texte.

  6. Hase Says:

    Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen

    in diesem Satz steckt für mich sehr viel

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