Im Advent die Sternchen leid sein

„Ich bin es Leid, bei kostenpflichtigen Services nach dem Haken suchen zu müssen.
Ich bin es Leid, den in der Kommunikation präsentierten Preis von vorn herein nicht glauben zu können, weil mir das Sternchen daneben bereits signalisiert, dass am unteren Ende der Produktspezifikation ein Rattenschwanz aus Einschränkungen und Aufschlägen auf mich wartet.
Ich bin es Leid, in Laufzeitverträge gezwängt zu werden, wo keine Notwendigkeit für eine Vertragsbindung besteht.
Was mir derartige Dienste unterschwellig vermitteln: ‚Unsere Leistung ist mangelhaft, weswegen uns Kunden weglaufen, wenn wir sie nicht bei uns einsperren.'“

[…]

Dieser Klageruf entspricht auch meinem Seufzen. Es stammt von Martin Weigert, und er hat es am 29. 11. auf dem Blog netzwertig.com unter der Überschrift „Digitale Revolution: Das Ende der Sternchentexte“ veröffentlicht. Er führt weiter aus:

Ich möchte noch einmal unterstreichen, dass es mir […] nicht darum geht, das Streben nach Profitablität zu kritisieren. […] Was ich ankreide, ist der Weg, der dafür gewählt wird. Der Mangel an Ehrlichkeit in der Kommunikation. Das Vorgeben von Produkteigenschaften, die so kaum zutreffen – immer am Rande der juristischen Streitbarkeit (Stichwort “Flatrate”). Wo bleibt der Stolz, wo bleibt die Aufrichtigkeit, wo bleibt das Streben nach vollkommen zufriedenen Kunden? Viel zu oft suche ich vergebens danach.

Glücklicherweise können wir alle selbst Einfluss nehmen: Indem wir ganz einfach versuchen, sämtlichen Anbietern aus dem Weg zu gehen, die nicht durch vertrauenserweckende und überzeugende Produkte und Services auffallen, sondern durch laute Marktschreierei, allgegenwärtige Sternchentexte und allerlei Konditionen, welche Kunden ohne Not für eine gefühlte Ewigkeit an ein Unternehmen binden.

[…]

Wenn ich Milch im Supermarkt kaufe, wird mir sofort der finale Preis angezeigt. Ich muss weder eine einmalige Pauschale zahlen, um fortan Milch erwerben zu können, noch mich 12 Monate im Voraus zum wöchentlichen Milchkauf verpflichten. Im Jahr 2010 sollte dies bei Dienstleistungen rund ums Netz nicht mehr anders sein. Es wird Zeit, dass Konsumenten dies durch ihre Kaufentscheidungen deutlich machen.“

Ist dem noch etwas hinzuzufügen?

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37 Antworten to “Im Advent die Sternchen leid sein”

  1. Wortman Says:

    Das Schlimme ist ja, dass viele kostenpflichtige Sachen getarnt sind und so mancher das mal eben überliest und sich dann über seltsame Rechnungen wundert.

  2. Claudia Sperlich Says:

    Wahre Worte!
    Ich bin es zudem leid, daß die adventliche Fastenzeit hindurch immer schriller und böser zu zügellosem Konsum aufgefordert wird.

    • theomix Says:

      Vielleicht lohnt es sich dann wirklich, sich auf die Stille Nacht zu freuen…

      • Claudia Sperlich Says:

        Auf jeden Fall!
        Ich bin ein bekennender Advents- und Weihnachtsfan. Aber eben – Advent! Weihnacht! nicht irgendwas Neopaganes, braun Angehauchtes, und nicht vierwöchiger Kaufrausch mit anschließendem Kater im Portemonnaie.

  3. OneBBO Says:

    Den Vergleich mit der Milch finde ich nicht passend, denn Milch ist – egal was ich jetzt persönlich davon halte räusper – ein Nahrungsmittel für den täglichen Bedarf und somit eine Notwendigkeit. Und früher gab es auch fest bestellte Milch, die mit den Brötchen an die Haustür gebracht wurde. Aber das war vielleicht vor deiner Zeit 😉

    Es gibt viele Dinge, die nicht einmalig gekauft werden. Miete zum Beispiel: Da musst du dich auch vertraglich verpflichten mit Kündigungsfrist, manchmal auch über einen gewissen Zeitraum.

    • theomix Says:

      Dann sag „Produkt“ statt „Milch“. Ich empfinde es auch eher als Klageruf über diese Vertragsbindung mit einer Unzahl an Klauseln. dass ein Handy billiger wird, wenn ich mich vertraglich an den Anbieter binde, das ist klar.

  4. Luzifa Hell Says:

    Das ist doch ganz einfach:

    ‚Für umme‘ heißt entweder Werbemaßnahme oder Kostenfalle, und ‚Sternchen am Preis‘ bedeutet: Taschenrechner zücken.

    Seit ich bewusst einkaufe, war das nie anders. Und das bewusste Einkaufen beginnt mit Taschengeld in einer Höhe, dass man sich mit ein bissl Sparen etwas leisten kann, dass man sonst nicht bekäme (oder kaufen könnte).

    Die Adventszeit ist Fastenzeit? Öhm…
    Manchmal lerne ich ungern was dazu.

    • theomix Says:

      Ich behaupte mal, Sternchen am Preis gibt es erst seit der Privatisierung des Telefonmarkts. Immer schon gab es das Kleingedruckte.

      O, ist das mit der Adventszeit noch keine Allgemeinbildung? 😯

    • werner Says:

      Die ursprüngliche vorweihnachtliche Fastenzeit begann eigentlich schon am 11.11. also 40 Tage vor Weihnachten.
      Die Zahl 40 stimmt allerdings nur dadurch, dass die 4 Adventssonntage nicht als Fasttage galten.
      Die Martinsgans war dann nochmal ein festliches Essen, das diese Fastenzeit einleitete. ähnlich wie Karneval die vorösterliche Fastenzeit einleitet.
      Und so ist wohl auch zu erklären, dass am 11.11. von Karnevalisten schon mal Karnevalauftakt gefeiert wird um dann wieder zu pausieren bis nach Weihnachten

      • theomix Says:

        Danke für die erinnerung!
        Ich meine, die karnevalisten haben sich biedermeierlich ausgebreitet und haben diese tradition umgebogen…

  5. Hase Says:

    *

  6. Hase Says:

    * = zust. gelesen unter Betäubungsmitteleinfluss

  7. Sylvia Says:

    Unsere Handytarifmysterien sind auch gefinkelt:

    Da steht dann z.B. 150 Freiminuten in alle Netze und unlimitiert ins eigene Netz telefonieren.

    1) Der Anbieter unterscheidet hier aber zwischen *echt* unlimitiert und *unlimitert* (1000 Minuten)

    2) Mit 150 Freiminuten in alle Netze sind nur die ERSTEN 150 Minuten gemeint, also, nach Abrechnungsschluß. Wenn man diese nun ins eigene Netz telefoniert, ist diese Vergünstig auch futsch.

    Sowas muß einem erst mal einfallen !

    Wer legt seine Telefonate denn so ? 🙄

    • theomix Says:

      Wer klug rechnen will, nachdem er/sie vorher für dumm verkauft worden ist. 😯

      Was du da darlegst, ist so ein typischer „sternchentext“…

    • Wortman Says:

      Ich telefoniere mit dem Handy max. 5-10 min im Monat 🙂 Deswegen brauch ich diese Freiminuten nicht – und somit kein Gewusel mit diesen Verträgen 🙂

    • Hase Says:

      ich besitze gar kein Handy , und die Telekom will mir ständig den Vertrag für das Telefon ändern, weil ich einen ganz günstigen habe, sie wollen mir für mehr Geld „mehr Leistung “ anbieten, als ich sagte, ich sei aber zufrieden, waren sie sehr irritiert. Sie binden die Leute immer zwei Jahre mit ihren Lock-Angeboten…..bei denen man doch am Ende noch drauflegt, denn eine schnelle Leitung kann nicht noch schneller werden….

  8. Babbeldieübermama Says:

    Ich finde diese undurchsichtigen Verträge auch „ätzend“.
    Meistens sind sie auch noch so klein geschrieben, daß man eine Lupe braucht.

  9. seelenbalsam Says:

    He, du, hast du lust beim Blogprojekt ‚Zauberworte‘ mitzumachen? Ich würde mich über deine Teilnhame sehr freuen! Seelenbalsam

    http://seelenbalsam.wordpress.com/2010/11/22/projekt-zauberworte/

    • theomix Says:

      Herzlich willkommen, Seelenbalsam!
      Und vielen Dank für die Einladung. Die ist so freundlich, da fällt es mir schwer nein zu sagen. Aber – ich tu es.
      Veröffentlichen, auf Kommentare eingehen, auf anderen Blogs kommentieren, das ist mein Ding. Projekte und Stöckchen bereiten mir meistens Mühe, und dann senken sie meine Begeisterung fürs Bloggen.
      (Ich hab noch einen Award im Atelier, seit 10 Tagen, weil ich doch gebeten bin, mit der Annahme ein paar andere Blogs zu nominieren…)
      Deshalb kannst du leider nicht mir rechnen…

  10. Sylvia Says:

    *Freuwilligkeit* könnte das Zauberwort sein 😉

    Mein momentanes Lieblingswort ist: *Zielallergie* :mrgreen:

  11. Tanja Clever Says:

    Ich mag Sterne – allerdings solche auch nicht! Besser noch wenn die Einschränkungen als vier- bis fünffache Sternchenreihe in Mikrofish-Schrift auftauchen und ich nach mühevollem Entziffern der endlosen Reihen irgendwann nicht mehr weiß, wo soll ich den Punkt **** nun zuordnen???

    Advent war doch früher übrigens auch Fastenzeit, oder liege ich nun falsch?

    Schönes Wochenende!

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