Berührt

Im Religionsbuch für die 1. und 2. Klasse ist das Bild von der Hand Gottes. Ich finde es wunderbar: Die Fingerspitze der goldenen Hand durchbricht die Ringe der himmlischen Sphäre und überwindet die Distanz. Sie sucht das, was dann Michelangelo mit der Schöpfung darstellt: die Berührung mit der Hand des Menschen.

Das habe ich im Kopf, als ich das Bild mit der Religruppe betrachte. Die zweite Klasse bemerkt lauthals, sie hätten es schon letztes Jahr gehabt. Und der ersten Klasse hatte ich es – aus diesem Grund – letzte Woche gezeigt, als die Zweite nicht in der Schule war.

Gottes Hand streckt sich zart und vorsichtig aus – und das verdeutliche ich, indem ich mit meiner Hand die Hand eines Kindes antippe. Und ich mache es dann bei jedem Kind. Ein paar geben mir lieber die Hand. Aber was für ein Moment: Ich gehe reihum, und bei den einen tippe ich vorsichtig Finger an Finger, und den anderen  gebe ich die Hand. Und alle sind heiter und froh. Süß.

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50 Antworten to “Berührt”

  1. OneBBO Says:

    Hast du das mal in einem normalen Gottesdienst versucht? Würde mich interessieren, wie Erwachsene darauf reagieren. Ist ja dann so ein bisschen wie Handauflegen auf Distanz.

    • theomix Says:

      Das ist mal eine Anregung. Ob sich Erwachsenen so offen zeigen wie Kinder – ich sollte es mal ausprobieren….

      • OneBBO Says:

        Falls du es probierst – lässt du uns hoffentlich teilhaben!

      • werner Says:

        es war kein „normaler“ Gottesdienst, sondern einer zum Abschluss eines Glaubenskurses, den wir vor einigen Jahren durchführten.
        In diesem Gottesdienst wurden allen die Hände gesalbt – für alle Teilnehmer einschließlich des Leiters ein unvergessliches Erlebnis.
        Intensive Berührung – nicht nur der Hände sondern auch der Seele.

        und

  2. werner Says:

    Berührung tut not.
    Gerade heute wo so viele immer mehr auf Distanz gehen.
    „handgreifliche“ Berührung , aber auch im übertragenen Sinn.

    Die unterschiedliche Reaktion der Kinder wird wohl damit zusammen hängen, dass sie ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Berührung haben.

    • theomix Says:

      Ich meine ja, schon das Händeschütteln am Ausgang zeigt das Bedürfnis. Sie Hand auflegen beim Segen wird auch gerne angenommen – und ich mach’s auch gerne.

  3. Hausfrau Hanna Says:

    Über sich Hinausspüren berührt.

    Schön dieser Beitrag 🙂
    herzlich grüsst
    Hausfrau Hanna

  4. freidenkerin Says:

    Die Berührung eines Mitmenschen hat in der Tat sehr oft etwas Beseligendes, fast Heiliges – und auch Heilendes…

    • theomix Says:

      und sei es auch nur an den Fingerspitzen…

      • werner Says:

        Und manchmal reicht auch schon ein Augenkontakt:

        Ein kurzer Moment nur
        sie sahen sich kaum
        ein Augen-Blick
        kurze Begegnung
        Ankunft und Abfahrt
        und dazwischen
        Augenkontakt
        Rolltreppen
        bringen sie näher
        ein flüchtiges Lächeln
        im Bahnhof

        Vorbei…..

        w.b. 11.02.2009

        • theomix Says:

          Der Augenkontat ist ein Abglanz.
          Und selbst dieser Abglanz strahlt, wenn er in solche Worte gegossen wird. Danke!

  5. patsy Says:

    Wenn ich das hier so lese, dann scheint sich der Religionsunterricht aber mächtig verändert zu haben 😉
    Schön! 😀

  6. Ruthie Says:

    Das finde ich schön, wie Du das im Religionsunterricht machst.
    Überhaupt finde ich „Lehrer“ toll, die nicht die – nervende – Masse Schüler, sondern jede einzelne Person/Persönlichkeit sehen.
    Und ich weiß von meinen 4 Kindern, dass das supergut ankommt – dann auch übrigens Kritik, wenn nötig, wenn sich der Schüler vorher als Person angesprochen bzw. angenommen fühlte…

    Ich umarme gerne Mitmenschen. Eine Nachbarin sagte mal, sie kenne das überhaupt nicht, aber es tue ihr gut. Das ist doch schön, oder?

    • theomix Says:

      Bei einer Gruppe von 12 bis 15 Kindern wird es einem auch leicht gemacht, die Einzelnen zu sehen… Das sind sehr gute Bedingungen, um mit ihnen zu arbeiten. Ansonsten muss der Lehrkörper natürlich vorsichtig sein, weil Berührungen auch missverständlich sein können.

  7. Claudia Says:

    Eine gute Art der Bildinterpretation ist das!
    Ich atme hier auf nach weniger schönen Begegnungen.
    Gott weiß alles. Manche Menschen wissen alles besser. Von Gott werde ich berührt, von manchen Menschen bin ich peinlich berührt.

    • theomix Says:

      Was dich drückt, ist es dasselbe wie in deinem Beitrag „Intoleranter Rundumschlag“? Klingt so verdächtig nah.
      Dann atme weiterhin hier auf.
      Es freut mich ja auch, wenn es dir hier „göttlich“ geht. Das Andere kehrt früh genug zurück…

  8. klanggebet Says:

    Hallo lieber Jörg,
    na wenigstens ist bei Euch im Klassenzimmer klar, wer Gott ist ;).
    Herzlich grüßt
    Giannina

  9. Hase Says:

    Lieber Jörg,
    das ist sehr berührend, das Bild mit den Händen gefällt mir schon immer sehr gut.Ich war in einem spanischen Gottesdienst und bekam eine Händeberührung von zwei Sitznachbarn, das war sehr berührend, in der Fremde ein Lächeln und eine HAndberührung von Fremden zu bekommen. Auch der Gesang von der Frau neben mir berührte mich irgendwie…. auch wenn ich nur wenige Worte verstand….
    herzlichst, Erika

    • theomix Says:

      Es gibt vieles, was berührt. Von Fingerspitze zu Fingerspitze ist darunter ein besonderes Erlebnis.

    • werner Says:

      Erika, komm halt in katholische Gottesdienste, da ist inzwischen in den meisten Gemeinden der Friedensgruß üblich in der Form eines Händedrucks – meist auch verbunden mit einem Lächeln und dem Wunsch „Der Friede sei mit dir!“

      • theomix Says:

        Eine sehr schöne Geste – die es sich zu „klauen“ lohnt…

      • Hase Says:

        Ja, diese Geste finde ich schön, aber in Andalusien war es noch einmal was ganz Besonderes, auch die vielen Menschen, die mich mit einem Lächeln beschenkt haben.
        Dazu braucht es gar keine Gottesdienste…..
        Tiefe berührende Momente erlebe ich auch am Grab meiner Eltern, ich kann das nicht beschreiben, welche Kraft mir da im Gebet unter Tränen geschenkt wird, nächste Woche ist er erste Todestag meiner Mutter.

  10. Hase Says:

    und ich dachte, Du freust Dich, wenn ich nach einer Woche mal wieder da bin und was zu schreiben hab
    jetzt bin ich verletzt und nicht mehr berührt

    • theomix Says:

      Ich sehe nicht, wo ich mich über einen deiner Kommentar beklagt hätte.
      Verletztlichkeit sehe ich als eine Frage der Frustrationstoleranz. Ich bin zur Zeit auch etwas empfindlicher. Deswegen kommen zuweilen Kommentare in die Warteschlange. Das gibt mir mehr Luft…

    • Hase Says:

      mit Deinen Kommentaren dazwischen ergibt das alles einen anderen Zusammenhang. Eigentlich hatte mich der Beitrag berührt, dieses Bild und ich berichtete lediglich von der berührenden Begegnung in Spanien gerade. Daraufhin hat mir Werner geantwortet, dass das in den katholischen Gottesdiensten üblich ist. Da bin ich etwas vom Weg abgekommen, das Du mir anlastet und zum eigenen Blog rätst. An diesem Punkt standen wir schon einmal. Andere schreiben aber auch nicht immer nur , was Du angeregt hast. Es löst ja auch bei jedem was anderes aus.
      Ich bitte um Entschuldigung und weiß nicht recht, was Du mir eigentlich mitteilen wolltest, außer der Wink ……

      • theomix Says:

        Da hat es sich jetzt überschnitten.
        Ich habe, wie du sagst, eine Wink gegeben. Dass ich etwas „anlaste“, ist deine Wertung. Du brauchst nicht vorsorglich um Entschuldigung zu bitten.
        Ich habe den Wink gegeben, als es für mich so aussah, dass es ausufert. Es gibt alte Beiträge, bei denen viele thematisch herumhüpfen. Ich bin da zur Zeit etwas empfindlicher, wie gesagt.

        • Hase Says:

          Danke , lieber Jörg
          die Schnittstelle traf den Empfindlichkeitsgrad im Nerv, aber die Berührung ist dennoch spürbar.

        • theomix Says:

          Und da schließt sich der Kreis. Danke für Verständnis – oder bei Unverständnis um die Rücksicht. Denn die Worte sind versöhnlich, so stimmt das Herz zu und der Kopf analysiert nicht länger..

  11. Mal was Altes, 2010: Herumgefingert | Theomix Says:

    […] https://theomix.wordpress.com/2010/10/27/beruhrt/ […]

  12. minibares Says:

    Die Schöpfung, wir haben das Bild im Schlafzimmer hängen, das von Michelangelo.
    Ich mag es sehr.

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