Auf alles eine Antwort: Ursachen des Kirchenschlafs

Leserin Hase fragt:

„Gibt es eigentlich auch Pfarrer, die auf der Kanzel einschlafen?“

Antwort:

Liebe Erika,

die Sermonellen sind gefährliche Schlaferreger, die sich fast nur in Kirchen einnisten, vornehmlich unterhalb der Kanzeln. Sie fallen dann sonntags auf nichtsahnende Zuhörer und  -innen. Die Folgen sind bekannt.

Wenn eine Kirche hochgradig infiziert ist, wird der Mensch auf der Kanzel immer langsamer und langsamer sprechen – und irgendwann einschlafen. Meist kompensiert er oder sie dies mittels Einschalten meditativer Phasen. Ein untrügliches Zeichen für eine Sermonelleninfektion des Liturgen ist das „Beten in der Stille“ mit Schnarchgeräuschen aus der Altargegend.

Ein Heilmittel ist bisher nicht gefunden. Die alten Baumeister bekämpften die Symptome durch den Einbau hochgradig unbequemer Kirchenbänke.

Herzliche Grüße
Theomix

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54 Antworten to “Auf alles eine Antwort: Ursachen des Kirchenschlafs”

  1. mialieh Says:

    Ich frage mich allerdings, warum in Kirchen immer noch diese ungequemen Holzbanke stehen. Wären nicht Liegestühle oder Hängematten zeitgemäßer?

  2. OneBBO Says:

    Da pflichte ich Mialieh bei, würde aber noch etwas weiter gehen: Relaxsessel mit elektrischem Anschluss für den Wecker bei Predigtende!

  3. Babbeldieübermama Says:

    Mich konnten früher die Holzbänke nicht vorm einschlafen hindern. Ich empfand immer nur das abrupte Einsetzen des Orgelspielens sowie das Aufstehen zum Beten als störend. Etwas mehr Rücksichtnahme hätte ich in der Kirche schon erwartet.

  4. Hase Says:

    Lieber Theomix,

    vielen herzlichen Dank für diese ausführliche erheiternde Antwort auf meine Frage, die sogar einen eigenen Beitrag hervorbrachte.
    Ich bin ja ganz überrascht und wenn Du auf alles eine Antwort hast, dann kann ich ja meinen weiteren Fragen freien Lauf lassen :mrgreen:

    Unsere Kirchenbänke sind neu gepolstert worden, neue Auflagekissenwurden nach vielen Jahren angeschafft , auch eine neue Farbe.
    Aber was mich immer gestört hat, dass sich die Kirchenbänke verschieben und manchmal sitzt man sehr eingengt in diesen. Schön finde ich auch, wenn Sonnenstrahlen durch die Kirchenfenster scheinen, da kann man den Kopf mit geschlossenen Augen Richtung Sonne drehen….. Es gibt soviele Möglichkeiten, sich den Kirchenbesuch so gemütlich wie möglich zu gestalten. Gestern hatte ich einen so fröhlichen Jungen vor mir sitzen, es war eine Freude, ihm zuzusehen, wie er seinen Vater von dem Einschlafen abgehalten hat. Auch ist mir schon aufgefallen, dass einige Kinder Bücher, z.B. eine Kinderbibel dabeihaben zum Schauen. Meist ist ja im Anschluss Kindergottesdienst, aber der war gestern ausgefallen, so waren viele Familien gekommen zum Erntedankgottesdienst. Kinderwagen haben im Mittelgang auch Platz. Als die Flötengruppe zum Spielen begann auf der Empore, hat ein Baby zum Schreien angefangen. Früher rief einmal ein Kind, als die Orgel aufhörte : Musik aus.
    Es gibt auch öfter mal was zum Lachen, wenn der Pfarrer plötzlich die Abfolge im Gottesdienst ändert. So lies er ein munteres Lied gestern zweimal singen.
    Schön auch, wenn die Orgel nicht nach Noten, sondern angepasst an den Kirchenbesuchern spielt. So viel , was eigentlich vor dem Einschlaf rettet.
    Nochmals vielen ♥ Dank
    liebe Grüße
    Erika
    🙂

    • theomix Says:

      Ich merke also, die Bänke ein wenig destabilisieren, und unbegabte Orgeslpieler auf die Menschheit loslassen, ..,. weitere Lösungsansätze, hervorragend…

      Und etwas zu lesen oder malen mitnehmen könnte auch für Erwachsene etwas Schönes sein…

  5. Dietmar Says:

    Ich hätte da noch einen Vorschlag. Im Buddhismus gibt es das meditative sitzen (Zazen). Damit hier niemand einschläft oder die Konzentration verliert geht der Meister mit einem Stock (Bo) durch die Reihen und verteilt leichte Schläge.

    Stelle ich mir im übertragenen Sinn schon recht lustig vor = )

    Gruß
    Dietmar

    • theomix Says:

      Ja, das ist doch wohl im 17. Jahrhundert so gewesen. Damals hatten die Küster diese dankbare Aufgabe…

    • Wolfram Says:

      In den „Erinnerungen eines westfälischen Landpfarrers“ aus dem frühen 19. Jahrhundert liest man, daß ein Bauer immer zum Gottesdienst in die Kirche kam, aber kaum sitzend, sofort anfing zu schnarchen, daß die Scheiben zitterten.
      So hat der Pfarrer einem Buben versprochen, er bekomme jeden Sonntag einen Groschen dafür, den Bauern zu wecken.
      Das funktionierte einige Wochen lang, dann schnarchte der Bauer wieder. Der Pfarrer stellte den Buben zur Rede: „brauchst du das Geld nicht mehr?“ – „Schon, aber er zahlt mir zwei Groschen, wenn ich ihn schlafen lasse!“
      Es war die Zeit, als Pfarrbesoldung noch großenteils von der Gemeinde aufgebracht wurde, und zwar in Naturalien…

  6. Sylvia Says:

    Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf !

    Das ist der Grund.

    *Wie man sich betet, so liegt man* :mrgreen:

  7. Hase Says:

    @Sylvia: Schön, dass Du an den Psalm 127 erinnerst

  8. Hase Says:

    http://www.die-bibel.de/nc/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/bibelstelle/ps%20127,2/anzeige/single/#iv

    http://www.palmeninfo.de/

  9. Ruthie Says:

    *hihihi* Danke für diverse Lacher am Montag 😀 Die Kommentare machen das Ganze noch lustiger!

  10. Sylvia Says:

    Also, ich hab nie gewußt, wann ich aufstehen muß, wann ich mich wieder setzen darf und wann ich knien muß. Leicht zeitverzögert kann man ja schauen, was die anderen so machen, aber es war nicht immer leicht bei den vorderen Reihen zwischen Knien und Sitzen zu unterscheiden, weil beides macht den Menschen kleiner – banal ausgedrückt.

    Aber – so meine Beobachtung – es fällt weniger auf, wenn man sich zuerst setzt um dann im Anlaßfall weiter runterzurutschen, um zu knien, anstatt umgekehrt. (zuerst knien, dann draufkommen, dass das jetzt nicht dazupasst und sich wieder setzen)

    Und wie das mit den Liedern und den dazu passenden Textstellen war, lass ich jetzt mal lieber weg 😀

    • theomix Says:

      Sylvia, willst du die „Beichte einer Palmenfreundin“ als Gastbeitrag herschicken? :mrgreen:

      Bei uns wird höchst selten gekniet. Aufstehen und Setzen wird von mir oft mit freundlichen Gesten angezeigt.

      • Hase Says:

        bei uns wird auch nicht gekniet und der Pfarrer sagt immer dazu : „Ich bitte die Gemeinde, dazu aufzustehen“ und dann „Sie dürfen sich jetzt wieder setzen“.

      • Sylvia Says:

        Vom Baumsägen zum Baumsegen 😀

        Damit sie mit Kokosp(s)almen und Dattelp(s)almen nicht über’s Kreuz kommen

        Urbi et OBI

        • theomix Says:

          Sind das die Zwischenüberschriften deines Beitrags? 😯

        • Sylvia Says:

          Ich hab nur mal gebrainstormt, was da so auftaucht.

          Nur Blödsinn –

          wie immer :mrgreen:

          Ich hab ja schon überlegt, ein Gartenbuch zu schreiben.

          Wie man das allerdings mit der Kirche in Zusammenhang bringen könnte, weiß ich nicht.

          Hm.

          In einem kirchlichen Garten könnte man eventuell ein Gebeet anlegen 😀

  11. andrea2110 Says:

    … und wenn der Pfarrer dann mit dem Kopf aufs Mikro knallt, dann werden ALLE in der Kirche wieder schön wach:-)

  12. Ursachen des Kirchenschlafs « theolounge.de Says:

    […] die Sermonellen sind gefährliche Schlaferreger, die sich fast nur in Kirchen einnisten, vornehmlich unterhalb der Kanzeln. Sie fallen dann sonntags auf nichtsahnende Zuhörer und  -innen. Die Folgen sind bekannt.> mehr. […]

  13. theolounge Says:

    feiner Artikel, ich habe mal drauf verlinkt auf theolounge.de

  14. Jary Says:

    Meinereins wäre ja schon froh, wenn sich gepolsterte Kniebänke in katholischen Kirchen allgemein durchsetzen würden. Ich bin nämlich manchmal etwas schwungvoll, und bei blankem Holz… au, meine Knie!
    An Einschlafen ist da nicht zu denken. 🙂

    Ich bin heute den ganzen Tag an der Uni gewesen und sitze immer noch in einem Berg aus unerledigtem Papierkram, den ich gerade sortiere. Da kam dein lustiger Beitrag gerade zur rechten Zeit. Vielen Dank!

    • theomix Says:

      Polster auf kniebänke wäre gut, dann wär uns evangelen deutlich, dass man da keine füße daraufstellt…

      Erheiterung ist gern geschehen!

  15. Emily Says:

    Wundervoll lieber Jörg!
    Dein Beitrag und jeder einzelne Kommentar 😀

    Hab einen schönen Abend, Emily

  16. Wolfram Says:

    Hm. Schlafende Prediger habe ich – anders als einschläfernde Prediger – noch nie erlebt. Nicht mal zu meinen Organistenzeiten. Wohl aber einen Pfarrer, der während der Predigt eines stud.theol selig hinter der Kanzel nickerte…

    Übrigens, womit weckt man einen Organisten?
    mit einem lauten und deutlichen „Amen“.
    Und womit legt man einen Organisten schlafen?
    Wahlweise mit dem Kanzelgruß oder mit „Liebe Gemeinde“.

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