Zwischenruf: Stuttgart irgendwas

Dass wir uns nicht missverstehen: Diese Polizeaktion war unnötig gewalttätig.

Aber das Ganze um Stuttgart 21 finde ich eigenartig. So ein Bauvorhaben durchläuft ein Planungsverfahren. Und natürlich drücken die Verwaltungen und politischen Entscheider massiv ihre Interessen durch. Und natürlich werden dabei Bürgeranträge und -anliegen missachtet. Das gehört fast schon zum Spiel, leider.

Aber wenn der Plan einmal steht, ist er gültig, ist rechtens. Proteste nützen etwas während des ganzen Verfahrens. Und kurz nachdem er in Kraft getreten ist. Wenn die Bagger rollen, ist es im Grunde zu spät.

Dass wir uns nicht missverstehen: ich lehne Stuttgart 21 ab. Und ich wünschte, die Proteste erreichten etwas. Aber die Sache ist schon seit Jahren in der Welt. Warum kommt der große Widerstand erst jetzt?

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34 Antworten to “Zwischenruf: Stuttgart irgendwas”

  1. OneBBO Says:

    Yep, genau meine Gedanken. Vorher habe ich nie was von diesen Protesten gehört. Und zur Demokratie gehört auch, dass ich – auch wenn’s mir nicht gefällt – Entscheidungen akzeptiere. Und widerlich finde ich auch, wie gewisse Politiker dies nun nutzen, um so zu tun als seien sie bürgernah. Wie Herr Ö…..

  2. Sylvia Says:

    Veto !

    Bei uns wollten sie auch mal die Donauauen bei Hainburg roden, um dort ein Kraftwerk zu errichten. Das war behördlich auch alles durch, aber eben nicht beim *Volk*.

    Als die Rodungsarbeiten beginnen sollten, fanden sich dort ein paar 100 Menschen ein, die das erstmal verhindert haben.

    Der Artikel ist zwar ein bissi länglich, aber vielleicht interessiert es ja jemanden.

    Der Schluß war der, dass das Kraftwerk nicht gebaut wurde und die Rodungsarbeiten eingestellt wurden.

    Aber die Österreicher sind da vielleicht verhandlungsfähiger ?

    Vielleicht aber auch nicht.

    • theomix Says:

      Offene Türen eingerannt, Sylvia… Ich bejahe gewaltfreie Bewegungen. Die Anti-AKW-Bewegung hat mit jahrelangem zähen Protestieren und Agieren nicht alles verhindern können, aber manches bewegt.
      Das Problem ist für mich, dass manche jetzt plötzlich so tun, als käme der Bau aus heiterem Himmel.

  3. Rika Says:

    Vermutlich ist das eine urmenschliche Angelegenheit: Erst wenn das Kind im Brunnen liegt, laufen die Retter herbei. Kein Mensch hat vorher an Sicherheitsmaßnahmen gedacht oder den Brunnen auch nur beachtet – außer zum Wasserholen, natürlich.
    Es gab auch „vorher“ Proteste, aber die gingen im Alltagsgeschäft unter oder wurden knüppelhart abgewürgt.
    Jezt rattern die Bagger und kein Mensch kann „das Kind im Brunnen“ übersehen.

    In einer Demokratie müsste es möglich sein, Entscheidungen zu revidieren… und angesichts der extremen Kosten wäre das sogar zu rechtfertigen.

    Die Gewalt der Ordnungshüter geht dagegen gar nicht!

    • theomix Says:

      Es wäre gut, wenn sich S 21 noch aufhalten lässt. Keine Frage für mich. Aber die Proteste vorher waren wohl reichlich dünn. Ich habe es über den VCD verfolgt, und ich vermute, manche Aktiven hätten sich schon vor x Jahren über tausende Demonstranten gefreut.
      Mein Verdacht ist, im Moment gerade ist Nein zum Staat (oder Nein zur repräsentativen Politik) ungeheuer populär und deshalb machen viele jetzt mit.
      Außerdem zitiere ich meinen Kommentar von oben:
      Ich bejahe gewaltfreie Bewegungen. Die Anti-AKW-Bewegung hat mit jahrelangem zähen Protestieren und Agieren nicht alles verhindern können, aber manches bewegt.
      Das Problem ist für mich, dass manche jetzt plötzlich so tun, als käme der Bau aus heiterem Himmel.
      (Noch mal, weil ich selbst gerne nur die Antwort auf meines lese, ich schließe mal auch auf dich…)

  4. Sylvia Says:

    Ähm, den Artikel hab ich vergessen 😀

    http://www.historisch.apa.at/cms/apa-historisch/dossier.html?dossierID=AHD_19841208_AHD0001

  5. Hase Says:

    Lieber Jörg, Deinem Zwischenruf kann ich nur zustimmen, danke für Deine Gedanken dazu. Lieben Gruß, Erika

  6. patsy Says:

    Nun, so ganz ist das nicht richtig, dass die Proteste erst jetzt losgehen. Aber da ich nicht den Kommentar von jemand anderem einfach hier rein kopieren mag, bitte ich dich, auf dieser Seite mal den Kommentar von „Sascha“ durchzulesen. Vielleicht beantwortet das am ehesten deine Frage 😉
    http://www.macschlumpf.de/demo-gegen-stuttgart21/

    • theomix Says:

      Danke für den Hinweis. Was da steht, ist wirklich bedenkenswert, und ich frage mich, woher ich die Zeit nehme, meinen Beitrag abzuändern.
      Es bleibt dennoch bei mir ein Restunbehagen. In der Richtung: „Jetzt zeigen wir es denen da oben“ ist kein Wert, für den es sich zu kämpfen lohnt…

  7. limportant Says:

    Protest egal wann ist wichtig und richtig – ein Ausdruck, daß wenigstens ein bisschen was an der Demokratie funktioniert, auch wenn – wie oben schon gesagt – S21 schon lange nicht mehr das Hauptthema ist. Zudem gab es die Proteste wirklich schon vorher – nur die Presse dazu halt nicht.

    S21 wird auch zunehmend von allen Seiten für Ihre Zwecke mißbraucht, welches der Grund dafür ist, daß das jetzt ausartet.

    Meine Position dazu und zu Stuttgart 21 habe ich schon eingehend auf meinem Blog dargelegt.

    • theomix Says:

      Protest an sich ist richtig? Nein, es können Ziele sein, die ich nicht teile. Es ist für mich eine Frage der Werte. Die Gegner haben in meinen Augen schon die richtigen im Blick.
      Demokratie ist auch die repräsentative Seite. Das macht es so knifflig.
      Ansonsten: JA, S21 ist nicht mehr das Thema, und manche missbrauchen es für ihre eigenen Anliegen.
      Deine Beiträge zum Thema schätze ich sehr. Alles gut abgewogen und differenziert. Deswegen habe ich auch keinen Haken zum Anhängen eines Kommentars gefunden. Um so mehr Danke für deinen hier!

  8. Sven Says:

    Wir sind das Volk.

    Falls dieser Satz stimmt, ist der Protest richtig. Behördensprache und Volkssprache,sprechen häufig nicht mit einer Zunge.
    Volksstimme tickt auch völlig anders, als behördliche Verfahrenswege. Das kann kaum ein ein Bürger nachvollziehen,geschweige denn frühzeitig steuern und lenken.

    Ob der Bahnhof eine Investition in die Zukunft ist, oder ein Milliardengrab, das kann ich zur Zeit durch meine Unkenntnis der Sachverhalte nicht beurteilen.
    Aber wenn Schwaben schon mal protestieren, dann ist da sicher etwas großes ganz falsch gelaufen.

    • theomix Says:

      S 21 ist ein milliardengrab, daran besteht für mich gar kein zweifel.
      Das basisdemokratische elemente ist zur zeit eines neben anderen demokratischen elementen.
      Auch gesetze können irren.
      Entscheidungsträger in der politik hören gern auf volkes stimme, zwecks wiederwahl. Das gibt dem ganzen eine chance.

  9. Sven Says:

    Eine Chance gibt es erst, wenn unsere politische Riege, ihre Fähigkeiten erkennt:
    Sie sind eine Laienspielschar. Gelenkt von Profis.
    Genannt Lobbyisten.

    Das Volk ist oft nur Stimmvieh.

  10. freidenkerin Says:

    Erkenntnisse, die erst im Laufe der letzten Jahre offenkundig wurden:
    Gesteinsschichten unter dem historischen Bahnhof von Stuttgart und der geplanten Tunnelstrecken Richtung Ulm, die durch Einfluss von Grundwasser zu Gips werden. Dieser vervielfacht sein Volumen und gefährdet somit Baumaßnahmen. Ist mittlerweile an anderen Stellen mehrfach hinlänglich bewiesen worden.
    Bis zu 25 % der veranschlagten Summen einer Baumaßnahme auf deutschen Bahnstrecken werden der Deutschen Bahn als Subventionen zugesprochen. Ergo: Je größer die Baukosten, desto größer der Reibach unserer Katastrophen-Bahn.
    Die tatsächliche Zeitersparnis der Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Stuttgart und Ulm würde kaum zehn Minuten betragen. Und dafür so viel Geld investieren?
    Wer nicht verstehen kann, dass unter solchen Umständen immer mehr Bürger auf die Straße gehen, um zu demonstrieren, hat den Begriff Demokratie wohl noch nicht so ganz verstanden.
    WIR SIND DAS VOLK!

    • theomix Says:

      Die Zeitersparnis ist schon länger bekannt gewesen. Die anderen Dinge sind zumindest in letzter Zeit an die Öffentlichkeit gekommen.
      Die letzten vier Zeilen sind eine nette Provokation, die ja vielleicht noch Kommentare hervorlockt.

  11. Babbeldieübermama Says:

    Vielleicht wurde vielen Menschen beim Anblick der Bagger erst bewußt, was dort wirklich passiert. Wie Rika geschrieben hat, erst wenn das Kind in den Brunnen fällt.

  12. Babbeldieübermama Says:

    Danke, das Blog gefällt mir. Finde ich sehr interessant.

  13. Wolfram Says:

    Ich kannte das Projekt als Projekt, vor x Jahren. Damals stand es im LokMagazin – und dabei stand auch, es wäre ja alles viel zu teuer.
    Damals schon…
    Das stand auch beim UFO-Projekt für den Dortmunder Hauptbahnhof, der (wie der Bochumer) von Schönheit nix gehört hat; man brauchte einfach einen Bahnhof, der funktioniert.

    Für mich war das Thema „Stuttgart 21“ also tot und begraben, erst recht nach dem Vorstandswechsel bei der DB AG. Und nun auf einmal kommt es wieder auf den Tisch…

    Verstehen wir uns richtig: ich halte die Bahn für das richtige Verkehrsmittel und das Auto nur für den Behelf. Aber gerade deshalb sollten die Mittel vernünftig eingesetzt werden! Die großen Umbauten zur Dampflokzeit (Ludwigshafen, Heidelberg, gehörte nicht auch Braunschweig oder Hannover damals dazu?) waren damals notwendig, zumindest in Heidelberg wäre auch heute noch mit dem alten Bahnhof kein Durchkommen, weil die Zuwege einfach nicht leistungsfähig genug waren und werden konnten, trotz moderner Stellwerkstechnik gäbe es da heute noch ständigen Stau. Aber Stuttgart? Der Nahverkehr liegt schon teilweise im Tunnel, und der Fernverkehr fährt mit Wendezügen, braucht keinen Lokwechsel mehr. Die Stellwerkstechnik ist derart fortgeschritten, daß allein dadurch der Zugdurchsatz verdoppelt werden kann gegenüber den 50er Jahren mit ihren einzelnen Stellhebeln in x verschiedenen Wärterstellwerken.
    Und das weiß man eignetlich recht genau, auch in Stuttgart (Schwaben stehen in dem Ruf, mit spitzem Bleistift rechnen zu können, oder täusche ich mich da?)

    • theomix Says:

      Danke für deine ruhigen und sachlichen kommentar! Welche sicherung da bei einigen schwaben durchgebrannt ist, weiß ich auch nicht.
      Mal sehen, ob die vermittlung von Geißler etwas bringt.

  14. Sylvia Says:

    Diejenigen, die den Einsatz, so wie er stattgefunden hat, begrüßt haben, wozu auch die deutsche Kanzlerin zählt (zumindest wurde das in den Medien so dargestellt), mögen sich dieses Bild zu Herzen nehmen.

    Also, sofern ein solches vorhanden ist.

    http://www.krone.at/Welt/Stuttgart-21-Demo_Schwerverletzter_klagt_Minister-Momentan_erblindet-Story-224083

    • theomix Says:

      Das Bild ist vorhanden. Aber ist es echt echt? Ich meine, Zeiten, in denen Zitate manipuliert werden, bringen auch manipulierte Bilder hervor. Wobei: Manipulierte Bilder gibt es seit Anbeginn der Fotografie…
      Ich verdächtige übrigens die Kronenzeitung. Den Gegnern traue ich moralische Integrität zu. Aber für eine Sensation tut eine Zeitung – vielleicht nicht alles, aber ein bisschen…

  15. Sylvia Says:

    Ich hab das Bild auch schon andernorts gesehen.

  16. Radegundis Says:

    http://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/gefahr-fuer-leib-und-leben-stuttgart-21-architekt-fordert-den-sofortigen-baustopp-1596547.html

    Ploetzlich bekommt Frei Otto, der Stararchitekt „Muffensausen“ und hat vorher noch recht kraeftig abgesahnt!! Als Stuttgarterin verspuere ich nun Herzschmerzen bei diesem „WAHNSINN“!!

    Wunderschoene gewachsene Baeume im Hau-Ruck-Verfahren aus dem Weg geraeumt. Evtl. wurden noch vorher mit Geigenzaehlern nach Blindgaengern gefahndet. Man moege es mir verzeihen, aber es hat mir gefallen, wenn so ein Boembchen dem Kahlschlag ein Ende gesetzt haette!

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