Zwickmühle

Für I., auf die nächsten 20 Jahre!

Wo war das Handy hingekommen? Am Morgen hatte ich es noch dabei. Abends fand ich es nicht mehr. Auch das Abfahren der Morgenstrecke mit dem Rad hatte nichts gebracht. Allmählich wurde ich nervös.

Das Telefon klingelte und unterbrach mein Suchen. Das lenkte netterweise ein Weilchen ab. Irgendwann aber wurde ich wieder nervös. Ich stand auf und ging im Zimmer umher. Als auch das nicht mehr half, sagte ich: „Du, ich möchte mein Handy weitersuchen. Können wir morgen weiterreden?“ Die Freundin ist im besten Sinne katholisch und sagte mir: „Wenn du etwas verzweifelt suchst, dann musst du dich an Sankt Antonius wenden. Er ist der Heilige  des Verlorenen.“ „Da bringst du mich aber in eine schwierige Situation, so als bewussten Protestanten, da kann ich…“ Ich kam nicht weiter. Ich sah plötzlich mein Handy auf dem CD-Spieler liegen.

Seither weiß ich noch weniger, was ich jetzt mit Heiligen machen soll…

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80 Antworten to “Zwickmühle”

  1. Sylvia Says:

    Naja, wenn du sie brauchst, dann kannst du sie jetzt *anrufen* 😀

    • mialieh Says:

      LOL :mrgreen:

    • theomix Says:

      Ich habe übrigens das Café St. Anton gefunden. Beim ersten hingucken. In Köln.

      • Sylvia Says:

        Mir wär noch ein Name für einen Heiligen eingefallen, weil das mit dem Handy verlegen kennt wohl jeder.

        Sollte irgendeiner der sehr geehrten Heiligen einen Nebenjob brauchen könnte er dies unter dem Titel:

        *Sankt Telefonatius* tun 😎

        Der Sekretär vom Sankt Antonius gewissermaßen – für verschollen geglaubte Handys.

  2. Claudia Says:

    Das Gebet zum heiligen Antonius hilft deshalb recht zuverlässig, weil es den Beter dazu bringt, das wilde Herumsuchen einzustellen und sich still und gesammelt irgendwo hinzusetzen oder zu -stellen. Es hilft deshalb sehr zuverlässig!
    Aber, sagt Dir eine Katholikin, dazu muß es nicht mal Antonius sein. Man kann sich auch direkt an Gott wenden, oder ein langes Gedicht aufsagen, oder einen Spaziergang machen. Oder all das.
    Abgesehen davon gehen Protestanten ja genau wie Katholiken davon aus, daß der Tod kein Ende ist. Also kann man mit den Leuten, die man in der himmlischen Herrlichkeit vermutet, ja auch mal reden. Wenn man zu Heiligen betet (sich an sie wendet, nicht: sie anbetet!), ist das m.E. nicht sehr verschieden vom Vertrauen auf das Fürbittgebet.

    • theomix Says:

      Für mich ist ja eh der direkte weg vorgezeichnet, und der umweg über Anton oder sonst wen irritiert.
      Das gespräch mit verstorbenen toleriere ich eher als dass ich es bewerbe…

  3. Lilo Says:

    Wer weiß… vielleicht sind es ja auch gar keine Heiligen. In diesem Fall würdest du dir ganz umsonsten Gedanken darum machen 😀

    Aber die Suche nach dem Handy ist mir bekannt!

    • theomix Says:

      Theologische gedanken sind nie umsonst. Im sinne von „vertan“. NAtürlich liegt die lösung in der schon genannten psychologischen wirkung. Und trotzdem weiß ich bei anderen phänomenen, auch sie beruhen wohl auch auf psychlogischer wirkung, und zugleich sind sie für mich göttlichen ursprungs. Nur bei der heiligenverehrung funktioniert dieser weg für mich nicht…

  4. andrea2110 Says:

    Lieber Jörg, das vom Heiligen Antonius kenn ich auch, mein Chef hat in dringenden Fällen sogar Geld gespendet in seinem Namen- frag mich nicht, wo das dann wirklich hin ging- und fand dann tatsächlich immer das Gesuchte…

    Beim Handy suchen hilft manchmal auf dem Handy anrufen:-) *frech-grins* Liebe Grüsse Andrea

    • werner Says:

      das geht aber nur, wenn das handy eingeschaltet ist.

    • theomix Says:

      Liebe Andrea,
      anrufen habe ich natürlich zuerst gemacht. Und natürlich bmmelte es nct, weil ich es als alter stromsparer nur selten anhabe… 😉
      Herzlichen gruß, Jörg

  5. werner Says:

    Du schreibst: „Die Freundin ist im besten Sinne katholisch“ und das stimmt wohl, denn wenn sie es nicht „im besten Sinne“ wäre hätte sie dir vermutlich gesagt – was auch oft behauptet wird – man müsse dem Antonius auch etwas versprechen, zum Beispiel einen Geldbetrag, oder eine „gute Tat“ oder so.

    (Und ganz im Vertrauen gesagt, ich hab neulich auch eine ähnliche verzweifelte Suche erlebt, und eine Bekannte kam so an mit dem Antonius und der Behauptung dass es nur richtig „wirkt“ wenn der auch was kriegt. Mehr aus Quatsch gab ich ihr einen Euro und sagte: „den kannst ja deinem Antonius weitergeben.
    Das Ergebnis? Keine 10 Minuten später hatte ich das Gesuchte in der Hand und war dann ähnlich verwirrt wie du, denn im Grunde binich fest davon überzeugt, dass man sich die Fürbitte eines Heiligen nicht erkaufen kann.)

  6. tmp Says:

    Also ich finde regelmäßig auch Sachen, die ich gar nicht erst gesucht habe… ganz ohne Heilige… 😉

  7. Erika Says:

    lieber jörg,
    meine erfahrung geht in die richtung von claudias gedanken, wenn ich aufhöre, mich auf das suchen zu konzentrieren, finde ich auf einmal, wonach ich gesucht habe, ich glaube da hilft der antonius auch nicht wirklich…. 🙂
    hilfreich ist auch, wenn ich die wege zurückverfolge, die ich bis zum verlust gegangen bin, so habe ich einmal den briefkastenschlüssel im eingekauften salat im kühlschrank gefunden…….
    liebe grüße, erika

  8. ig Says:

    Eine geistlich-pastorale Zwickmühle naz anderer Art mit bzw. wegen dem guten Sant’Antonio beschreibt W. Busch:
    http://gutenberg.spiegel.de/?id=12&xid=2987&kapitel=1&cHash=959398442b2 oder auf der Wallfahrt: http://gutenberg.spiegel.de/?id=12&xid=2988&kapitel=1&cHash=e8c91018272

    Da ist er so viel mehr als nur der „Schlampertoni“, der nur schusseligen Menschen beisteht.
    Aber irgendwie sind wir Katholen etwas „geerderter“, an banalen Beispielen orientiert. Und nehmen uns diese manchmal skurilen oder auch zweifelnden Heiligen als Vorbilder. Da denke ich aktuell an Mutter Teresa, die im Turboverfahren „selig“ wurde, obwohl immer mehr aus Ihren Tagebüchrn bekannt wird, dass die zweifelte und haderte. Einige der Heiligen waren ja so was wie Propheten im AT. Zumindest kommen sie mir so vor. Andere sind aus heutiger Sicht ganz und gar unheilig! Klar! Denn es sind Menschen, die das entscheiden.

    In Afrika und Lateinamerika halten sich gerade die so genannten „einfachen“ Menschen an die Heiligen, oder die Muttergottes. Darüber dürfen wir nicht die europäischnen Näschen rümpfen.
    Schön fand ich neulich diesen Beitrag übers Katholisch sein bei PBS: http://www.pbs.org/wnet/religionandethics/episodes/april-30-2010/mary-karr-extended-interview/6190/ – auch zum Anhören.

    Auch fand ich es immer schön, wenn meine Eltern, meine Patin oder meine Oma zum Namensstag gratulierten. Ein Fest mehr. Solche Gedenktage bremsen doch manchmal den Alltag etwas aus und es ist ein harmloses Vergnügen, ohne Polemik.

    Du hast ja mal Jürgen Becker dazu zitiert, mit dem rheinischen Katholizismus, ganz pragmatisch einen Heiligen anrufen: Wenn’s wirkt, OK! ==> INSTANT HAPPINESS!

    Für das Match heute beten sicher einige um Beistand, und fackeln Kerzen vor der Madonna an.

    • theomix Says:

      Mir fehlt natürlich de erfahrungshintergrund. Durch so eine geschichte erschließt er sich in türspaltbreite.. Danke für links und hinweise!

      • ig Says:

        Kein Problem – die Erfahrungen kommen schon noch mit den Heiligen und den Jahren. Doch will ich Dich nicht bekehren, keine Sorge.

        Die Instant Happines galt heute wohl für die Spanier. Schön gespielt!
        Die haben sicher viele heiße Drähte zu den Heiligen, immerhin ist heuer ja ein „heiliges Jahr“ in Santiago de Compostela. Jakobus, Matamoros auch so ein komischer Heiliger, der Mauren umbrachte (?!) http://de.wikipedia.org/wiki/Jakobus_der_%C3%84ltere,
        und alle, auch Buddhisten und Protestanten und Moslems (S. den herrlichen Film PILGERN AUF FRANZÖSISCH“) pilgern/wallfahren/wandern/radeln hin – oder fahren mit dem Bus.

        Das hat also was mit den Heiligen auf sich, immer noch ein Anziehungspunkt. Auch die Köbese http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6bes, die in Kölle bei den heiligen drei Königen bei Dir um die Ecke hängen blieben, statt schweißtreibend nach Spanien zu wallen. Es muss nicht gleich Oberammergau sein.

        Oder der Santuario der Santa Rosalia in Palermo, der mich seinerzeit sehr amusierte und erschütterte. wegen der abgetrennten Gleidmaßen von Schaufensterpuppen, die als Votivgaben neben den Krücken hingen.

        Und San Gennaro in Napoli ist wiederum ein ganz eigenes Kapitel.

  9. ig Says:

    Ich meinte eigentlich den Film: http://www.pbs.org/wnet/religionandethics/episodes/april-30-2010/mary-karr/6188/

  10. ig Says:

    DIO VOLENDO (= „So Gott will“) sehr gerne noch weitere 50 Jahre –
    Und immer wieder stoßen wir alle fünf mit Gelato darauf an 😉

    I.

    • theomix Says:

      Und Cappuccini nicht zu vergessen…

    • werner Says:

      @ig

      Du bringst mich da auf eine Idee.
      Wir solltenauchmal zusammen einen espresso genießen…
      auch wenn wir uns noch keine 20 Jahre kennen, und es muss ja in meinem Fall auch nicht „auf weitere 50“ sein. Denn das wär ja doch zu viel.

      🙂

      • ig Says:

        Gerne einen Espresso, oder zwei aber bitte einen fair produzierten und gehandelten. Beste Bohne mit Abgang aus nicaraguanischen Kaffekirschen.

        Vielleicht 50 Hundejahre?? Mindestens!

  11. Elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    ich glaub auch daran an den Hl. Antonius – und deine Erzählung ist wieder der lebende Beweis dafür, dass es stimmt! 🙂
    Fröhliche Sommergrüße zu dir, Elisabeth

    • theomix Says:

      Liebe Elisabeth,
      nnnjaaa… Ich nehme die psychologische deutung 😉 Aber das ist auch nur über bande gespielt.
      Liebe grüße, Jörg

  12. elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    bei mir ist’s noch schlimmer.
    Ich hab seit meiner Kindheit immer, wenn ich was gesucht hab, ein Glas umgedreht und den Hl. Antonius gebeten das Verlorene mir wiederzubringen (Glas steht offensichtlich für die Leere, das Abwesende) und ich schwör’s, es funktioniert immer, immer immer. Alle lachen mich aus, aber geheim hab ich schon so manches umgedrehte Glas hier vorgefunden und ich hatte es nicht gemacht, denn
    Jörg und jetzt hör genau zu:
    Wenn du das vermisste Ding gefunden hast, musst Du Dich artig bedanken und das Glasl wieder umdrehen!

    alles Liebe
    elisabeth

    • theomix Says:

      Liebe elisabeth,
      Danke für diesen persönlichen beitrag zum thema. Das mit dem glas umdrehen finde ich ja interessant. Deine deutung hat was.
      Und vielleicht melden sich noch ein paar experten / expertinnen, die ähnliches kennen?!
      Danke jedenfalls!
      Lieben gruß, Jörg

  13. limportant Says:

    Bei verlorenem Handy hilft auch ein Anruf und ein gutes Ohr …

    • theomix Says:

      Du bist so einer wie ich: Du liest nie die anderen kommentare. Da schrieb ich weiter oben: anrufen habe ich natürlich zuerst gemacht. Und natürlich bimmelte es nicht, weil ich es als alter stromsparer nur selten anhabe…
      Diese möglichkeit war also weg.

  14. Claudia Says:

    Ganz im Ernst: Wenn ich etwas verlegt habe, behellige ich, obwohl katholisch, nicht den heiligen Anton damit. Sondern ich sage: „Lena, hast du mein Handy / meine Brille / meinen Geldbeutel gesehen?“ (Lena ist meine Katze.) Sie kommt dann zu mir und will gestreichelt werden, ich bin eine Weile nicht mit Herumsuchen beschäftigt, sondern mit Katzestreicheln, und danach finde ich das verlegte Objekt meist wieder.

    • theomix Says:

      Dann ist jetzt mal die tiefenpsychologisch inspirierte theologische trickkiste dran: Lena steht für Maria Magdalena, und die ist ja die patronin der menschen mit augenleiden. Und katze Lena lenkt den blick erst auf sich, damit du die augen geöffnet bekommst, das verlorene wiederzufinden.
      Oder:
      Wohl dem, der eine katze hat, der findet mehr als andere 😉

    • theomix Says:

      Da du den ernst betonst, soll auch noch eine ernste antwort folgen.
      Das passt zur ablenkungsstrategie, die du eher abstrakt oben beschrieben hast.

  15. ig Says:

    Hallo nochmal:
    nach all dem Fußballkram und dem aberwitzigen Wirbel sogar in seriösen Medien http://www.tagesschau.de/schlusslicht/maniversuspaul100.html um die Orakel-Krake PAUL ist mir das Anrufen (wohlgemerkt nicht die VEREHRUNG) von Heiligen wesentlich sympatischer. Kennst Du die 14 Nothelfer? – irgendwie muss da was dran sein, warum sonst hätten Menschen jahrhundertlang diese Tradition bewahrt? Meine sehr gottesfürchtige Mutter hält sehr viel davon!
    Tipp: http://www.heiligenlexikon.de/Glossar/Vierzehn_heilige_Nothelfer.htm
    und http://www.heiligenlexikon.de/Grundlagen/Heilige_Verehrung.htm

    http://www.vierzehnheiligen.de/de/gnadenaltar/index.php

  16. Wortman Says:

    Wusste gar nicht, dass katholische Heilige auch für Protestanten arbeiten 🙂
    Wenigstens die scheinen mit der Zeit zu gehen… während die kath. Kirche ja immer noch im 17. Jahrhundert stehen geblieben ist.

    • theomix Says:

      Ja, ich wusste es ja auch nicht. Das macht es ja so schön problematisch… 😉

      Wohin die katholische Kirche läuft? Drewermann sieht sie (mit seinem Buch „Kleriker“) im Mittelalter. Sie sind mit dem Internet schon im 21. Jahrhundert. Und in der konfessionellen Zusammenarbeit geht es scheibchenweise rückwärts, -zumindest hier im Erzbistum Köln.
      17. Jahrhundert: Wird immer aktiviert, wenn „Geh aus mein Herz und suche Freud“ gesungen wird…

  17. Wolfram Says:

    Ich pflege mein Handy anzurufen, um es wiederzufinden…

    und wenn es dann nicht auftaucht – ist vielleicht St. Hippolyt der richtige Sollicitor: der Heilige für hoffnungslose Fälle…

    Antonius von Padua – den findet man immer: der steht noch in JEDER katholischen Kirche, die ich von innen gesehen hab. 😉

    • theomix Says:

      Ah ein ein neuer Heiliger, den man einbeziehen kann…
      Antonius lässt sich also nicht nur bitten, sondern auch finden.

      • Wolfram Says:

        *lach* Ja, Antonius muß man im Gegensatz zum Herrgott nicht mal suchen, um ihn zu finden!

        Ich habe mir grad gestern nacht noch von Professor J.-P. Wagner bestätigen lassen, daß mein Verständnis der katholischen Heiligenlehre richtig ist: der Heilige interveniert nicht selbst in der Angelegenheit, sondern trägt sie dem Herrn Christus vor, der dann seinerseits gut schriftgemäß beim Vater vorstellig wird. (Und wir waren uns beide einig: wie sollen Protestanten das verstehen, wenn schon die Durchschnittskatholiken das völlig falsch praktizieren!)

        Deshalb auch oben das Wort „Sollicitor“, aus der britischen Rechtspflege. Da sucht man einen Sollicitor auf, einen Rechtsbeistand, der seinerseits für den Prozeß aber einen Barrister beauftragt, der vor Gericht plädiert – und nicht direkt vom Kunden in Anspruch genommen wird, sondern nur von den Sollicitors.

  18. Claudia Says:

    Ach Wortmann…

    Wenn man von irgendeiner Organisation behauptet, sie „sei im Mittelalter stehengeblieben“, so muß man erst mal definieren (können), was „Mittelalter“ überhaupt ist.
    Für den Beginn des Mittelalters stehen zur Debatte:
    Völkerwanderungszeit – 375-586 (ein weites Feld!)
    Untergang des weströmischen Kaisertums – 476
    Mohammeds Hedschra – 622

    Und für das Ende des Mittelalters:
    Erfindung des Buchdruckes – 1450
    Eroberung von Konstantinopel – 1453
    Entdeckung Amerikas – 1492
    Beginn der Reformation – 1517
    Bauernkrieg – 1525

    Also… wozu gehört die kath. Kirche? Zu einer Zeitspanne von 375 bis 1525 (1150 Jahre) oder zu einer Zeitspanne von 622 bis 1450 (828 Jahre)?
    Und was prägte diesen Zeitabschnitt?
    Meinst Du vielleicht, die kath. Kirche ist in der Tradition philosophischer Ansätze zum Schriftverständnis verhaftet? Oder meinst Du, die kath. Kirche kümmert sich mit unglaublichem Fleiß um die Tradierung antiker Literaturen? Oder – sie ist wesentlich durch höchste Buchkunst geprägt?

    Alles nicht? Ja was dann… Ich habs! Du denkst an Hexenverbrennungen, gelle?

    Und da muß ich Dich enttäuschen. Die schrecklichsten Auswüchse der Hexenverbrennungen fallen in die frühe Neuzeit. Und zwar waren daran, pardon, ich kann es wirklich nicht ändern, beide Konfessionen etwa gleich stark beteiligt.

    • theomix Says:

      Bevor eine so genannte „fruchtlose diskussion“ entsteht:
      Vom mittelalter schrieb ich, bzw. ich zitiere Drewermann. Der bezieht sich, wen ich mich richtig erinnere, auf das hochmittelalter. Und auf die regeln für den klerus. Bei „hochmittelalter“ bin ich mit der definiton von wikipedia einverstanden.
      Wortman schrieb „17. Jahrhundert“ – das ist ziemlich genau zu bestimmen.

  19. Claudia Says:

    O, pardon. Nun ja. Drewermann ist in vielem ein gescheiter Mensch, aber man muß ihn nicht gleich heiligsprechen – und pardon, aber mir hängt es zum Halse raus, und zwar meterweit, daß „katholisch“ heute schon fast ein Schimpfwort ist. Da werde ich dann gelegentlich überempfindlich.

    Übrigens: Sätze, die mit „Die katholische Kirche hat/sagt/denkt/ist…“ beginnen, subsumieren so verschiedene Leute wie Drewermann, den Papst und mich.

    • Claudia Says:

      Und noch etwas: Auch „im 17. Jh. stehengeblieben“ ist a bissele erklärungsbedürftig. Da war nämlich ziemlich viel verschiedenes los. Auch in der katholischen Kirche.

    • theomix Says:

      Zitieren und anführen ist kein heiligsprechen.

    • Wolfram Says:

      Drewermann mag gescheit sein; was die römische Kirche angeht, rechne ich ihn nicht hinein. (Das tut die römische Kirche auch nicht…)
      Sein Geschreibe geht meiner Meinung nach an gesunder christlicher Lehre auch weit vorbei; er schreibt Psychotherapie mit einem christlichen Anstrich.

      „Die katholische Kirche sagt…“ kann man zutreffend nur dann sagen, wenn man sich auf offizielle Lehrsätze bezieht. Drewermann gehört dann meist nicht in den Dunstkreis, der Papst dagegen schon – und du? Weiß ich nicht. 😉
      Mein Sohn hat mal verkündet (vor der Wahl Benedikts), ich könne Papst werden. De iure trifft das zu. Und ich bin dem Heiland jeden Morgen und Abend dankbar, daß der Kelch an mir vorübergegangen ist – mit den europäischen Bischöfen wäre ich noch klargekommen, aber speziell in Ostasien und Südamerika sind einige, die ich kurzerhand exkommuniziert hätte, was die römische Kirche jeglicher Katholizität beraubt hätte… Benedikt XVI hat mein volles Mitgefühl. Und sicherlich oft den Gedanken, Hippolyt anzurufen, den Heiligen für hoffnungslose Fälle… 😉

      • Claudia Says:

        Hippolyt auch? Ich kannte da nur Judas Thaddäus. 😉

        Übrigens: auch nach allerkatholischster Meinung ist Drewermann Katholik. Zwar unterliegt er der derzeit höchsten Kirchenstrafe, aber – die katholische Kirche ist ein Verein, der laut Satzung niemanden rauswerfen kann. Auch wenn es in Wiki steht: Drewermann ist nicht „ehemals“, sondern – aus kirchenrechtlicher Sicht – immer noch katholisch. (Interessanterweise ist aus katholischer Sicht weder Rauswurf noch Austritt aus der Kirche nicht möglich; der Kirchenaustritt ist eine säkulare Handlung, die die Kirche im Grunde nichts angeht.) Selbst die vor Vat. II höchste Kirchenstrafe, der Bann (seit Vat. II kein Bestandteil des Kirchenrechts mehr), war keine Aberkennung der Konfession. Das wird dadurch deutlich, daß nach einer Aufhebung von Exkommunikation bzw. Bann niemals eine Neutaufe vollzogen wurde, d.h. der Initiationsritus wurde weiterhin anerkannt.

        Zwei evangelische Pfarrer und eine Katholikin mit gelegentlichem Zorn auf die Kirche unterhalten sich seit Stunden über Kirchenrecht. Was soll draus werden?

        • theomix Says:

          Die gründung eines ev-kath rechtsinstituts…
          Übrigens bleibt auch bei uns die taufe gültig. Man verliert mit dem austritt die rechte und pflichten der mitgliedschaft. Ein bisschen verzwickt.

        • schlafmuetzenkommentare Says:

          Hallo alle :-)..
          als ich zu den Katholiken konvertiert bin, wurde ich auch nicht neu getauft, da meine evangelische Taufe von der Katholischen Kirche als Taufe anerkannt wird.
          Wollte ich nur mal so sagen.
          Ich finde übrigens, dass zuviel Theater um die Unterschiede beider Konfessionen gemacht wird.
          Grüßli 🙂

        • theomix Says:

          Genau. Die Taufe wird anerkannt, her und hin, hin und her.
          Ich finde im Gegenteil: Unterschiede werden zu wenig geliebt. Sie bereichern.

        • schlafmuetzenkommentare Says:

          Sie bereichern? Dich als Pastor vielleicht. Weil du dich eingehend damit beschäftigt hast.
          Mit „Theater“ meine ich eher das Oberflächliche daran. In der jeweils anderen Konfession wird immer nur das Negative gesehen. Ich habe mich damals gezwungen gesehen, meine Konvertierung immer wieder rechtfertigen zu müssen. Als hätte ich ein Verbrechen begangen, als wäre ich ein Verräter (hat sogar jemand ernsthaft zu mir gesagt).
          Das ich immer noch an den selben Gott glaube, an den selben Jesus… dass ich überhaupt an Gott glaube .. war kein Thema.
          Der evangelische Pastor hat sich geweigert, uns zu trauen. „Sowas“ macht er nicht. Wir wollten damals (1980) Ökumenisch heiraten. So habe ich als Evangelische dann katholisch geheiratet (konvertiert bin ich erst Jahre später).
          Ich sehe keine Bereicherung darin, die andere Konfession immer nur madig zu machen; die eigene für „die einzig richtige Konfession“ zu halten. Der Glaube wird anders gelebt, mehr nicht.
          Grüßli in die neue Arbeitswoche 🙂

        • theomix Says:

          O nein, es ist nicht für eine Elite, sondern es ist – wie interkulturelles Lernen – notwendig, erst recht, seitdem die Welt ein Dorf ist. Bedroht mich das Fremde? Oder ergänzt es mich? Warum macht das ‚Fremde‘, das Andere Angst? Ich liebe das Eigene und es wird nicht wertvoller, wenn ich das Andere abwerte. Dann bereichert es mich auch.
          Ich hätte das nicht schreiben können, wenn ich die andere Sicht nur negativ fände. Das Eigene relativieren können ist mir dann auch wichtig.
          Danke für das Mitteilen der persönlichen Erfahrung!

      • theomix Says:

        Ach, so negativ habe ich ihn bis zu seinem austritt nicht gesehen. Aber dieser schritt disqualifiziert ihn m. e.

      • Wolfram Says:

        Die Excommunicatio ist quasi die amtliche Feststellung, daß sich jemand durch Tun und/oder Lehre außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft gestellt hat und darum keine Communio mit der Gemeinde haben kann. Sie ist im Prinzip keine Strafe, sondern nur die konsequente Umsetzung dessen, was nicht die Kirche, sondern der Sonderling selbst durch seine Absonderung vollzogen hat! (Und qua biblia gibt es sie in allen Kirchen, nur wird sie bei Evangelens schamhaft verschwiegen und ein Ausschluß vom Sakrament wegen erwiesener Selbstexkommunizierung quasi nie mehr ausgesprochen.)
        Sie ist aber wie alle „disziplinarischen“ Maßnahmen nur vorläufiger Natur und hofft immer auf die Rückkehr des verlorenen Schafs in die Christengemeinschaft bzw. die Kirchengemeinschaft (nach römischer Theologie ist das mehr oder minder eins – „mehr oder minder“ auch erst seit dem letzten Konzil).
        Und letztlich ist sie nicht mal eine Strafe, sondern in gewisser Weise sogar Schutz des Betroffenen, weil man ihn vor den Konsequenzen des „unwürdig das Mahl essen“ (1Cor 15) bewahrt…
        Jede Wiedereingliederung in den Corpus ecclesiae ist im Licht des Verlorenen Sohns zu sehen: „dieser war tot, und siehe, er lebt.“ Aber nicht „er war ein Heide“.

  20. minibares Says:

    Genau, der heilige Antonius ist dafür zuständig.
    Ich bin sogar in einer St. Antonius-Gemeinde aufgewachsen.
    Was liegt da näher, als ihn beim Suchen anzurufen….

  21. Suchen und finden – heute vor 10 Jahren | Theomix Says:

    […] https://theomix.wordpress.com/2010/07/07/zwickmuhle/ […]

  22. hase956 Says:

    🙂 nach 10 Jahren hast du bestimmt ein neues Handy?????????????

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