Der dritte Schluck weckt auf

Der spirituelle Espresso (die Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine) hat zwei Schlucke (also Losung und Lehrtext. Mit einem kleinen Nachklapp (ergänzender Text).

Die Losung vorgestern (8. April) hatte als Zugabe ein Gebet von Janet Morley, eine im englischsprachigen Raum bekannte christliche Autorin.

„O unvertrauter Gott“ beginnt es. Was für eine Anrede! Das geht tief. Da weiß ich doch, dass seit der Aeropagrede des Paulus (hinter der ja Lukas steckt, Apostelgeschichte 17) sich der „unbekannte Gott“ in Christus bekannt gemacht hat.

Ist er dadurch schon vertraut? Ich bin mit acht Monaten getauft, habe eine gewisse religiöse Erziehung genossen, erinnere mich an Kinder- und Familiengottesdienste, wurde konfirmiert, na ja, und die Berufswahl…

Gott war mir sehr nahe. Seine Spur hat sich mal vor über einem Jahrzehnt verflüchtigt, er blieb mir bekannt, aber war mir nicht mehr vertraut. Das hat sich vor ein paar Jahren wieder geändert. Dem verdankt auch der Blog seinen Anfang.

Aber manchmal bliebt Gott „unvertraut“. So wie in einer Freundschaft oder Partnerschaft der Mensch neben mir bei mir sein kann – und plötzlich tut sich eine neue Seite auf…

O unvertrauter Gott: dieser Gott ist es, der mein Herz wärmt. Wie bei einer guten Freundschaft: Auch die hält ein paar Jahre Sendepausen aus; aber wenn es ein Wiedersehen gibt, dann ist es fast so, als wäre es nur ein kurzer Zwischenraum gewesen. O unvertrauter Gott, Spuren des Lebens, der Auferstehung, überall…

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21 Antworten to “Der dritte Schluck weckt auf”

  1. tmp Says:

    Ich habe die Beobachtung gemacht, dass er, wenn die „Sendepause“ zu groß wird, Mittel und Wege findet, wieder auf sich aufmerksam zu machen und an etwas Vertrautes zu erinnern… 😉

  2. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    danke für diesen anregenden Schluck.
    Früher bin ich in die Kirche gegangen , weil ich in einem christlichen Elternhaus groß geworden bin.Es hat mich nicht wirklich berührt.
    Seit ich persönlich meine Gotteserfahrungen „erfahren“ habe in den dunkelsten Stunden meines Lebens, wächst mein Vertrauen immer mehr. Es ist kaum zu beschreiben, wie nah ich meinem Gott bin, jeden Tag. Vielleicht kannst Du es verstehen, es ist so schwer zu beschreiben, dieses wunderbare Gefühl.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Erika

    • theomix Says:

      Liebe Erika,
      solche dunklen Stunden sind wohl das „tiefe Tal“, von dem im Psalm 23 steht, „Tal der Todesschatten“. Da herauskommen und der Hirte war da – das zu erfahren prägt.
      Und es ist manchmal nicht zu „machen“, wann es einen berührt oder nicht.
      Herzliche Grüße, Jörg

  3. klanggebet Says:

    Das Unvertraute ist geradezu wichtig als Anerkennung der Grenzenlosigkeit. Wie Du sagst: Selbst bei Menschen die wir lange kennen, müssen wir sie hinnehmen, die Momente, in denen wir ein neues Gesicht erkennen (und uns erschrecken oder freuen). Es ist auch wichtig für wahre Begegnung, das Gegenüber nicht mit einem fertigen Gottes- (oder Menschenbild) anzusehen.

  4. piri Says:

    Das finde ich gerade spannend, dass Gott für uns so unvertraut ist. Wir müssen und wollen uns immer neu auf ihn einlassen und er verlässt uns sowieso nie und ist genau im richtigen Moment präsent.

    • theomix Says:

      Ja, es würzt quasi das Leben. Wir wollen? Mag sein. Wir müssen? Aber nein.
      Wenn es geschieht, um so besser. Die Erfahrung, dass Gott sich oft entzieht, dass er sich verflüchtigt, liegt hinter mir. Aber über meine persönliche Erfahrung hinaus nehme ich das bei vielen Menschen so wahr.
      Verlässt er uns nie? Wenn das so deine Erfahrung ist, ist es gut. Ich lege mich da nicht so fest. Im Segen könnte ich es jemandem so zusprechen. Das ja.

  5. mialieh Says:

    Man kann das Unvertrauen nur dann spüren, wenn man überhaupt eine Beziehung zu Gott hat. Wenn man gar nicht glaubt, dass es einen gibt, dann kann man auch das Unvertrauen nicht beklagen.
    Und wenn man nicht weiß, ob es einen gibt, dann wird die Beziehung von Unvertrauen beherrscht. Dann wundert man sich, warum Leute das, was einem normal scheint, beklagen, weil sie auch einen vertrauten Gott haben.

  6. tmp Says:

    Mialieh,
    das erinnert mich jetzt an meine Großmutter, die immer seufzte..:
    „Man msste mal in der Lotterie gewinnen…“, sich aber nie in ihrem langen Leben ein Los gekauft oder einen Tippschein beim Lotto abgegeben hat… 😉

    • theomix Says:

      Ein gutes Beispiel. Ich warte auch immer auf einen Lotto-Gewinn, spiele aber nie. Es muss doch einen riesig netten Menschen geben, der meinen Namen auf den Schein einträgt…

  7. freidenkerin Says:

    Das gehört zum Mensch- wie zum Gottsein dazu, dass da manchmal durchaus auch Zeiten sein dürfen, in denen ER uns fremd, unnahbar, unbegreiflich, fern erscheint. Und immer, wenn wir IHN dann wieder finden oder vernehmen dürfen, wie ER uns anspricht, ist das ein Zeichen, dass wir IHM wieder ein Stück näher gekommen sind…

  8. Tweets that mention Der dritte Schluck weckt auf « Theomix -- Topsy.com Says:

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