Alle Achtung

Margot Käßmann ist zurückgetreten. Ich finde das schade, weil sie eine sehr gute Visitenkarte Vertreterin der evangelischen Kirchen in Deutschland ist/ wahr. Sie hat etwas zu sagen, und sie ist/ war sehr überzeugend.

Wenn sie bliebe, haben ihr manche vorgeworfen, wäre sie inkonsequent. Nun bitte, diese Stimmen dürfen nun schweigen. Die Konsequenz, die sie auszeichnet, hat sie sich bewahrt. Bei allem Bedauern – dadurch gewinnt sie für mich an Achtung. Und erlangt – wieder – Vorbildfunktion…

… zum Beispiel auch für die Schwesterkirche, die so heftig über ihre eigenen Füße stolpert. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden kann.

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15 Antworten to “Alle Achtung”

  1. onebbo Says:

    Frau Käßmann stellte eine lebende Zwickmühle dar: Wäre sie nicht zurückgetreten, wäre sie unglaubwürdig. Dadurch dass sie zurückgetreten ist, bleibt sie glaubwürdig und verdient unsere Achtung.

    Es wäre JETZT an der Kirche, auch wahre Größe zu zeigen und zusagen: Frau Käßmann, Sie haben gefehlt und Sie haben die Konsequenzen gezogen. Bitte stellen Sie sich für eine Wiederwahl zur Verfügung.

    Denn jetzt, nach all dem was passiert ist, ist sie nichs weiter als jemand, der eine Sünde begangen hat. Und das sollte verziehen werden. Sie könnte nun einen ganz besonderen Neuanfang wagen.

    Ich weiß nicht, ob es möglich ist oder ob jemand so denkt wie ich. Aber eine solche Reaktion würde mich der Kirche näher bringen, als ich es nach meinem jemals Austritt war. Und der ist schon lange her 🙂

  2. Sylvia Says:

    Vielleicht führt sie ihr Weg woanders hin ?
    Vielleicht steht was Neues an ?

    Ich hab die Pressekonferenz auch mitverfolgt, und den Satz: „Ich hab mich mit meinem Berater besprochen, der hat gesagt, ich soll das tun, was mein Herz mir sagt.“ fand ich stimmig und berührend.

    Sie bringt wieder diese Qualität “ Ich sag es nicht nur, sondern ich bin es auch“ breitenwirksam ein, auf eine authentische Art und Weise, die beeindruckt.

    Und so schade es auch ist, dass sie dieses Amt nun nicht mehr bekleidet, hat sie mit diesem Schritt viel bewegt in den Menschen; das Gnadenlos in beiden Bedeutungen hervorgeholt, vielleicht damit wir uns das mal genauer anschauen sollten ?

    Jedenfalls erlebe ich es als sehr kraftvoll, wenn sich ein Mensch der Wucht des Schicksals stellt und nicht ausweicht.

  3. mialieh Says:

    Ich bin mehr beeindruckt von Frau Käßmann als ich es je gewesen wäre, wenn sie nicht zurückgetreten wäre.

  4. onebbo Says:

    @mialeh:
    Kurz und sehr treffend formuliert.

  5. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    ich kann Dir nur zustimmen und habe hier ja schon öfters erwähnt, dass diese Frau mir sehr sympathisch ist und das bleibt sie auch, ich habe großen Respekt vor ihrem Entschluss und wünsche ihr alles Gute, dass sie auch jetzt getragen wird. Sie zeigt mit dem Eingestehen ihres Fehlers und die daraus gezogenen Konsequenzen auch menschliche Stärke.
    Liebe Grüße
    Erika

  6. tmp Says:

    Für mich hat Frau Käßmanns Rücktritt nun nichts Heroisches, denn er ist lediglich sachlich konsequent…
    Aber die Art, wie sie das vermittelt, zeigt doch, dass es schade ist, dass sie gehen muss… ( Für mich ist das nach wie vor unweigerlich richtig… )
    Sie hat sich den Respekt der Menschen, der durch ihren Fauxpax fast dahingeschmolzen wäre, eindrucksvoll zurückgewonnen, auch meinen…

    Ich finde es immer noch sehr bedauerlich, dass sie wegen eines solchen vergleichsweise profanen Vorfalls ins Gerede und ins das Mühlenwerk der Medien geraten ist.
    Sie hätte unbedingt eine andere Aufmerksamkeit verdient gehabt, als dass jeder Journalisten-Fuzzi mit dem Finger auf sie zeigt…

    Nach wie vor frage ich mich, wie es überhaupt so weit kommen konnte.
    Hat sie denn in ihrer Begleitung niemand, der ein wenig auf sie Acht gibt..??
    Jeder, der sie so betrunken erlebt und trotzdem ins Auto einsteigen lassen hat, hat sich wirklich versündigt, finde ich… 😦

  7. Claudia Says:

    Ich fand ihre Rede sehr eindrucksvoll und bewegend und hoffe sehr, daß sie nun, als „Nur-Pfarrerin“, nicht aufhört, mutige und entschlossene Worte zu sagen. Für mich hat sie weiterhin Vorbildfunktion; damit meine ich nicht, daß ich sie auf einen Sockel stelle, sondern daß ich sie als einen Menschen sehe, der dem, wie ein Mensch sein soll, sehr nahe kommt.

  8. Wortman Says:

    Wäre sie nicht zurück getreten, würde es den Anschein erwecken, betrunken zu fahren ist nur eine Bagatelle…
    Sie hat durch diesen Fehler ihre sogenannte Vorbildfunktion verloren und wie sie selber sagte, wie solle man nun anderen erzählen, was gut oder schlecht ist.
    Sicherlich ist es sehr schade, dass sie diesen Posten nun abgegeben hat. Ich denke, sie hätte sicherlich etwas erreichen können in ihrer Funktion.

    Trotz allem muss man sagen „Respekt“ und „Hochachtung“, dass sie diesen Schritt nun auch mit all seinen Konsequenzen gegangen ist.

  9. freidenkerin Says:

    Margot Käßmann’s Entschluss, von ihren Ämtern zurück zu treten, ist der einzig richtige gewesen. Wäre sie Ratsvorsitzende der EKD und Bischöfin geblieben, hätte man ihr diese Fahrt bei Trunkenheit jedesmal unter die Nase gerieben, wenn sie weiterhin offen und mutig ihre Meinung und Kritik kund getan hätte.
    Und ich finde auch, dass diejenigen, die Frau Käßmann am Samstag trotz ihres stark angeheiterten Zustandes fahren ließen, sich an dieser Entwicklung sehr mitschuldig gemacht haben. Ich meine, es gibt sehr zu denken, dass sich da noch niemand gemeldet und sein Bedauern zum Ausdruck gebracht hat.

  10. theomix Says:

    @onebbo:
    Das ist ein guter Vorschlag (du bist allerdings nicht die Erste, die darauf gekommen ist). Das wird strukturell etwas schwierig, weil sie gar nicht mehr Mitglied der Synode der EKD ist. Und in der Landeskirche vermutlich ähnlich. Und ich befürchte, sie wird bei dem Nein bleiben.
    Aber ihr das Amt erneut anzutragen, DAS wäre AUCH konsequent.

    @Sylvia:
    Ich stimme voll zu. Und ich fand toll, wie aufrecht und klar sie geredet hat.

    @mialieh:
    So kann man es sagen. Und so behält sie die Öffentlichkeit vorerst im Gedächtnis. (Obwohl das kurz greift. Schon heute Mittag war sie aus den Nachrichten raus. Aber ich meine, sie wird noch ein paar Überraschungen fertig bringen…)

    @tmp:
    Das Mühlwerk der Medien – du sagst es. Und niemand ist zu Schaden gekommen. Auch das ist wahr. Aber dass etwas haften bliebe, und das Gerede der Übelwollenden – dem ist sie selbst entkommen. Und hat damit auch ihrer Kirche einen Dienst erwiesen.

    @Claudia:
    Sie wird nicht in einem Landpfarramt in der Lünebugrer Heide versauern. (Geht auch nicht, hat ja keinen Führerschein 😉 ) Und ich kann mir vorstellen, dass manche Akademie und manche stelle weit weg sehr reizvoll wäre und froh über sie als Mitarbeiterin wäre.
    Vorbild? Was macht sie oder mich zum Vorbild? authentizität, spürbares Herz, Transparenz bei Entscheidungen. Das sind meine Ziele. Dem kommt dann Frau K. ziemlich gut nahe, wenn ich das richtig wahrnehme.

    @wortman:
    Durch Fehler verliert man nicht sofort seine Vorbildfunktion, bei Wiederholung schon. Aber befragen kann man den Umgang mit Fehlern: Verstecken oder aufdecken? Beschönigen oder klar benennen?
    Aber das Maßgebliche sehe ich nicht in der Vorbildfunktion. Unabhängig zu bleiben in dem was man sagt und tut, nicht erpressbar zu sein, den Rücken frei zu haben für unkonventionelle Aktionen, und zugleich den Rücken gestärkt von menschen, die einen bejahen in dem, was man tut – das braucht es. so hat sie es selbst auch gesehen.

    @freidenkerin:
    Das ist hinterher leicht gesagt. Aber es war ein Befreiungsschlag, der sich wohl als richtig erweisen wird. Die Nachfolger stehen jedoch noch nicht fest….
    Ich vermute, sie haben sich nicht gemeldet, weil Frau K. das nicht will. Warum noch mehr Menschen durch den Schlamm ziehen? Das kann sie auch alleine mit denen klären. Bis hin zum Verklagen (Aber ganz im Ernst, das?)

  11. Claudia Says:

    Versauern wird sie sicher nicht. Wenn sie an eine Akademie geht, hoffe ich sehr, mal eine Veranstaltung mit ihr erleben zu dürfen. 😉
    Mit Vorbild meine ich tatsächlich, was Du vorgeschlagen hast. Bei näherem Nachdenken glaube ich, aus dem Vaterunser die wesentlichen Punkte lesen zu können, wie ein Mensch sein soll:
    Keinen Menschen, sondern Gott als höchste Autorität akzeptieren (das kann übrigens meiner Erfahrung nach über dämliche Vorgesetzte hinwegtrösten – einfach denken: Der da ist gar nicht wirklich mein Chef).
    Sich um Gerechtigkeit und Liebe mühen und zugleich wissen, daß die Hauptarbeit nicht von uns gemacht wird (Gottesreich, Gottes Wille).
    Das Heute wichtig nehmen – ohne allzu viel Bekümmertheit um das Morgen. (das Brot für heute)
    Vergeben und Vergebung annehmen.
    Versuchungen widerstehen – und, wenn es damit nichts geworden ist, trotzdem an die vorigen Punkte sowie die Erlösung glauben können.

    Vorbild sein finde ich ganz in Ordnung – solange es nicht ein zwanghaftes Ichbinsotoll ist, sondern ein liebevolles Ichversuchesimmerwieder.

  12. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    Mir ist heute auch aufgefallen, dass in den Nachrichten schon nichts mehr erwähnt wurde……
    liebe Grüße
    Erika

  13. theomix Says:

    @Claudia:
    So gesehen ist das Vater Unser ein gebet um authentizität. Vieles dort eignet sich nicht zur öffentlichen darstellung.
    Letzten endes sollten vorbilder sich um die mündigkeit der mitmenschen bemühen und sich folglich darum mühen, dass sie keine vorbilder mehr benötigen.
    Von daher ist zu fragen, inwieweit es vorbilder nur in autoritären strukturen gibt bzw. geben muss. (Es gibt von Erich Fried ein paar gedichte in dieser richtung.)
    In jedes amt mit „vorbildfunkion“ wird jemand mit einer bestimmten wirkung gewählt/ gesetzt. Inwieweit er dann der entworfenen projektion nachkommt, das wird dann oft zum problem.

    @Erika:
    du hast es oben gut zusammengefasst. Und vorerst ist sie aus den „großen“ nachrichten raus. Aber sie wird zumindest in kirchlichen breiten irgendwann wieder für aufsehen sorgen…
    Lieben gruß, Jörg

  14. Claudia Says:

    Ich glaube, Vorbilder – im obengenannten Sinne – sind immer nötig. Für Kinder und Jugendliche bestimmt, aber auch für alle anderen – weil jeder irgendwann seine schwachen, dummen und bösen Momente hat. Dann ist ein Mitmensch nötig, der zumindest zeigt, daß das Leben auch danach weitergeht. Vielleicht sogar ein Mitmensch, der aus der momentanen Verzweiflung, Gemeinheit oder Dummheit herausreißt – indem er einfach da ist und keinen Unsinn schwätzt.

  15. theomix Says:

    Vorbilder haben eine gute Funktion, ja, das auch. Sind so begrenzt, wie alle Bilder, die die Wirklichkeit abbilden. Wenn Offenheit bleibt, auch die Grenzen der Vorbilder wahrzunehmen, dann spricht nichts gegen sie. Ein Sockel, auf dem sie stehen, macht es jedoch schwierig.

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