Espresso – zum Glück mit Gnade

Der HERR wurde mir zur Stütze.
2. Samuel 22, 19 (Übersetzung von Schlachter)

Auf den festen Halt kommt es an, und das führt zum Lehrtext, dem „zweiten Schluck“ – der mir heute wichtiger ist.

Es ist gut, dass das Herz fest wird, was durch Gnade geschieht.
Hebräer 13,9 (Übersetzung von Schlachter)

Nach Luther: „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch die Gnade.“

Die Gnade festigt und stärkt das Herz. Ein guter, hilfreicher Gedanke. Aber von  Samstag her frage ich weiter: Lässt sich Gnade durch Glück ersetzen? „Es ist gut, dass das Herz fest werde, was durch Glück geschieht.“

Nein, das bekäme einen anderen Charakter. Dem Glück fehlt die Festigkeit. Gnade scheint mit dem Segen verwandt, sie gibt Boden unter die Füße, sie braucht eine gewisse Konstanz. Glück kommt von oben, aus dem Füllhorn. Und wie ein wohltuender Regen ergießt es sich – und kann plötzlich aufhören.

Oder?

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18 Antworten to “Espresso – zum Glück mit Gnade”

  1. mialieh Says:

    Glück kann nicht Gnade sein, aber Gnade kann als Glück empfunden werden… ich überlege immer noch an der Gnade. Irgendwie spielt da ja immer das Moment der Hierarchie eine Rolle. Einer gewährt Gnade, der andere empfängt sie. Er überantwortet sich damit aber auchdem Gewährenden oder er ist ihm überantwortet. Und er ist dankbar.

    Ich finde das bei Religion immer schwierig zu akzeptieren, dass es einen geben soll, dem ich dankbar sein muss und der „meiner armen Seele gnädig“ ist. Allerdings: wenn ich etwas als Gnade empfinde: wer oder was verbürgt es sonst?

  2. onebbo Says:

    @mialieh:
    Warum muss Hierarchie immer etwas Schlimmes sein? Solange sie nicht in Unterdrückung ausartet, finde ich sie durchaus sinnvoll.

    Und fühlst du dich auch an deinem Geburtstag mies, weil du Geschenke bekommst? Da gibt dir einer ein Geschenk, und du empfängst es.

  3. mialieh Says:

    @onebbo: na, ich hoffe doch, dass mir an meinem Geburtstag keiner ein Geschenk auf Gnade überreicht, sondern weil er/sie mich mag!

    Ich meine ja auch nciht, dass es etwas schlechtes ist, mit der Hierarchie, aber sie ist eben bei Gnade immer dabei. Dafür kann man ja auch dankbar sein. Ich auch. Aber auf die Gnade anderer angewiesen zu sein, das kann schon auch schwierig sein…

  4. Claudia Says:

    Das Wort Glück bezeichnet verschiedene Dinge. Das schöne Fontane-Zitat im letzten Beitrag definiert Glück anders als der Satz „Da habe ich noch mal Glück gehabt“. Wer glücklich ist, muß nicht unbedingt im landläufigen Sinne „Glück haben“.
    Glück als seelischer Zustand der Freude und Zufriedenheit ist etwas anderes als das launische Glück eines Lottospielers. Glück, wie Fontane es meint, macht den Menschen im Innern glücklich und wird sich dadurch auch den anderen mitteilen; das Glück, durch das jemand einen Gewinn einstreicht oder eine Stelle ergattert, schließt alle Mitbewerber aus.

  5. onebbo Says:

    @claudia:
    Da haben es die Engländer mit „Happiness“ und „Luck“ mal wieder einfacher.

    @mialieh:
    Ich vermute, dass religiöse Menschen davon ausgehen, dass ihr Gott kein Fiesling ist, der sein Gnädigsein ausspielt 😉

    Gnade vor Recht hat auch etwas Ermutigendes.
    Es kommt halt immer darauf an, wer hinter der Gnade steht. Oder ganz salopp gesagt: Der Fisch stink von oben.

  6. tmp Says:

    Der stinkende Fisch hat aber wseder Glück gehabt, noch Gnade erfahren…
    Der verfault offenbar bloß… 😯

  7. tmp Says:

    Sich glücklich zu fühlen, kann eine Gnade sein, und Gnade zu erfahren, macht schon einmal glücklich… Oder ?? 🙄

  8. theomix Says:

    @milaieh:
    1. Streiche „gewähre“ und nimm stattdessen „schenke“.
    Wenn ich genau hinschaue, ist dein begriff von „Dankbarkeit“ sehr individualistisch. Der Heidelberger Katechismus überschreibt mit dem Titel „Von der Dankbarkeit“ die Auslegung der Zehn Gebote. Also deutlich ethische ausgerichtet. Ich bin zwar nicht reformiert bis auf die Knochen, aber das liegt mir mehr als verordnete Innerlichkeit.
    2. Auf das Glück anderer angewiesen zu sein stelle ich mir auch nicht angenehm vor.

    @onebbo:
    Sag ich doch.

    @Claudia:
    Sehr wohlfeil formuliert.

    @tmp:
    Woher steigen plötzlich die toten Fische auf??
    Und: klar gibt es Zusammenhänge. Aber ich suche nach den Unterschieden…

  9. freidenkerin Says:

    Glück macht – nun ja – glücklich. Gnade beseelt.

  10. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    danke für den Espresso,
    mir ist das Lied „Ach, bleib mit Deiner Gnade“ in Erinnerung, als ich mit 9 Jahren ein Jahr bei Verwandten war, wurde es damals in der Kirche oft gesungen und ich fand es irgendwie schön. Hier würde Glück auch nicht ersetzen , was mit Gnade gemeint ist. Gnade ist ein großes Geschenk vom Himmel, Glück ist auch im kleinen zu finden.
    Mein Vater schenkte mir mal den Spruch
    „Wechselnde Pfade,
    Schatten und Licht
    alles ist Gnade
    fürchte Dich nicht“
    Es war für ihn auch Gnade,plötzlich in einer Nacht einzuschlafen für immer. Mit Glück könnte ich das nicht gleichsetzen. Das Wort Gnade hat viel in mir ausgelöst, danke Dir für den Beitrag
    liebe Grüße
    Erika

  11. Erika Says:

    P.S. das hatte ich auch gefunden zu Glück und Gnade

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/933105/

  12. theomix Says:

    @freidenkerin:
    Wenn das Glück glücklich macht, sollte die Gnade gnädig machen…

    @erika:
    Schöne Erinnerungen bringst du herein. Danke! Solche Momente tun gut.
    Danke auch für den Link, das ist sehr interessant, ganz nah an meinen Fragen. Wo ich wieder auf die spur des Heidelberger Katechismus gekommen bin, finde ich eine Verstärkung des Lutherschen Individualismus sehr sehr fragwürdig. Für etwas, was weltweit gilt. Muss ich auch noch mal drüber nachdenken…
    Herzlichen Gruß, Jörg

  13. Elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    ich lasse deine Worte einfach wirken… da ist ein besonderer Zauber… wunderschön… danke dir! Gnade ist es, die wirkt… und Vergebung…
    Herzliche Grüße zu dir, Elisabeth

  14. freidenkerin Says:

    Ja, natürlich. Das sollte die Gnade doch wohl mit sich bringen.

  15. klanggebet Says:

    Lieber Jörg,

    in meinen katholischen Zeiten hat mich der Gnadenbegriff sehr beschäftigt – heute tut er das wieder, wenn auch aus anderer Perspektive.

    Was mir im Moment das wichtigste an der Gnade ist, ist ihre Unabhängigkeit von mir. Alles was ich meine, im frommen Streben, in der Herzensbildung oder in spirituellen/religiösen Übungen erreichen zu können, ist zwar schön und gut, aber die Gnade setzt dem eine Grenze, in dem sie sich verschenkt wenn sie sich verschenkt. Und weil sie so frei von mir ist, macht sie mich auch frei, denn ich muss keine besonders geartete Verrenkung vollziehen, um ihrer habhaftig zu werden. Die Gnade schafft mir einen wunderbaren Raum, in dem ich nichts wissen, nichts verstehen, nichts erbringen muss – sie kommt einfach wenn sie will.

    Das zweite wichtige an ihr scheint mir: sie ist keineswegs einfach Glück. Sie kann auch kommen auf eine Weise und als etwas, das mich erschüttert und schmerzt und meine Welt in Trümmern legt. Dadurch wird sie nicht weniger Gnade – wohl aber weniger greibar in meiner eindimensionalen Annahme, alles was von Gott kommt müsse ja irgendwie liebreizend sein.

    Was sie tut, ist, so fühlt es sich für mich an, etwas in mir heimzuholen.

    Ja und das fällt mir hier grad so ein…

    sei herzlich gegrüsst
    giannina

  16. Wolfram Says:

    Glück ist unpersönlich. Gnade dagegen hat immer etwas mit einer anderen Person zu tun.

    Sag ich jetzt mal so – die Frage vom Samstag hatte ich ja auch irgendwo im Hinterkopf. 😉

    Und noch was: Ich meine, es war Jürgen Ebach, der uns darlegte, daß das hebräische Wort, das wir so gern mit „Gnade“ übersetzen, viel mit Anmut, Charme zu tun hat. Andere Sprachen haben es da einfacher, die französische „grace“ ist ganz eng an „graziös“. Ebach spricht darum von „Wohlgefallen“. Statt „Noah fand Gnade vor den Augen Gottes“ also „Gott fand Gefallen an Noah“ oder – auf deutsch finde ich nicht die Formulierung, drum sag ich es auf englisch: God was charmed by Noah.

    Aber, auch hier interessiert mich der Blick in andere Sprachen: das gleiche Wort, das wir mit „Gnade“ wiedergeben, ob nun „grace“ oder englisch „mercy“, heißt wiederum in derselben oder anderen Sprachen „Dank“ oder „Lobpreis“. Das italienische grazie, das französische merci kennen wir – und „graces te soient rendues“ heißt nicht „Gnaden seien dir erstattet“, sondern „gepriesen seist du“.

  17. tmp Says:

    Es macht mir großen Spaß, hier zu lesen und gleichzeitig so viele schöne Eindrücke zu sammeln und Perspektiven zu erhalten… Danke !! 😛

  18. theomix Says:

    @Elisabeth:
    Herzlichen Dank für deine Rückmeldung! (Geht rein wie Honig.)
    Der Zusammenhang mit Vergebung ist auch eine wichtige Richtung.
    Liebe Grüße,Jörg

    @freidenkerin:
    Sind wir uns ja einig. Gut. („Welch Glück, welch Gnade“ 😉 )

    @klanggebet:
    Liebe Giannina,
    Gnade als Gegenüber – auch ein Gedanke, der Entfaltung verdient. Der zweite Punkt erinnert mich an 2. Kor 12, vor allem V. 9: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“
    Und Gnade als Heimat. Oder gar Heimat als Gnade. Interessante Perspektiven.

    @wolfram:
    Danke für die sprachlichen Hinweise. An die hatte ich auch schon gedacht. Die Wortfelder der biblischen und auch anderer Sprachen bieten interessante Vergleiche, geben dem Ganzen Tiefenschärfe.

    @tmp:
    Mir geht es nicht anders.

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