Glück und Gnade

Wie hängen Glück und Gnade zusammen? (Glück mehr im Sinne des Zufalls) Diese Frage hat mich einige Tage beschäftigt. Die Antwort habe ich vorübergehend aufgeschoben. Aber ein schönes Zitat dazu:

Theodor Fontane schreibt in einem Brief an seine Frau:
Je älter ich werde, je tiefer empfinde ich,
alles ist Glück und Gnade, das Kleine so gut wie das Große.

(Werke, Schriften und Briefe: Briefe; von Theodor Fontane, 1980, Seite 479)

30 Antworten to “Glück und Gnade”

  1. OneBBO Says:

    Gibt es denn Zufall? Wäre Glück nicht eher zu verstehen als „glückliche Fügung“?

  2. mialieh Says:

    Glück: ein inneres und hochsubjektives Gefühl.
    Gnade: eine Beziehung zwischen Personen, die hierarchisch ist. Gnade erfährt man immer nur in Abhängigkeit. Und wenn die Abhängigkeit etwas Abstraktes, wie die Vorstellung von Gott ist. Für Gnade kann ich dankbar sein. Und Dankbarkeit kann mich mir Glück erfüllen.

    @onebbo: den Zufall gibt es nicht. Das meine ich nicht esoterisch. Sondern es gibt für alles eine Erklärung, oftmals aber nur im Nachhinein…

  3. onebbo Says:

    @mialeh:
    Das widerspricht sich nicht.

    Natürlich gibt es eine Erklärung, warum ich Herrn X. in der Stadt treffe, gerade als ich an ihn gedacht habe. Erklärung: Er ist um 10.30 Uhr losgefahren, ich bin um 11.15 Uhr losgegangen und so kam es um 11.30 Uhr zu dem Treffen.

    Auch dass ich an ihn gedacht habe, lässt sich erklären: z.B. hätte ich auf dem Schreibtisch morgens einen Brief von ihm wiederfinden können.

    Dennoch bleibt die größere Frage nach dem „Warum“. Und die beantworte ich gerne esoterisch mit „Es gibt keinen Zufall“.

  4. mialieh Says:

    @onebbo: 🙂 🙂 🙂 ja, das stimmt wohl… wir empfinden etwas als zufall, tatsächlich ist es keiner, aber wie das zusammenspielt, ist dann doch wieder nicht erklärbar.

  5. freidenkerin Says:

    Das Gefühl des Glücks ist eine Gnade. Die Gnade ist für mich ein großzügig gewährtes, manchmal vielleicht auch unverdientes Geschenk, nicht im materiellen, sondern im übertragenen Sinn zu verstehen. Dass das Innere Kind in mir lebt und wirkt, ist für mich Gnade, genauso wie meine so oft spielerisch leicht daher kommende Fähigkeit zum Schreiben, den Drang, Gefühle in Bilder und Musik umsetzen zu wollen. Dass mein Kopf fleißig arbeitet und in etliche Richtungen denken kann, ist Gnade. 🙂
    Und mit zunehmendem Alter empfinde ich es auch als Gnade, noch relativ beschwerdefrei jeden Morgen aus dem Bett steigen zu können. 😉

  6. theomix Says:

    @onebbo:
    Gnade würde auch als Fügung durchgehen, vielleicht mehr geordnet gedacht.

    @mialieh:
    Das Hierarchische steckt eher im biblischen „Bund“. Gnade – Dankbarkeit – die Begriffskette führt zum Segen.

    @freidenkerin:
    Deine Assoziationen gefallen mir.
    Fontane schrieb das Zitat mit 66 Jahren. Beschwerdefreiheit als Gnade, das hält sich wohl, je älter man wird.

  7. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, auch wenn ich mit dem Wort „Gnade“ so meine Verständnisschwierigkeiten habe, ich stimme zu, dass ich im Laufe meines Lebens, das grosse und vor allem das kleine Glück viel bewusster wahrnehme und geniesse… Herzliche Grüsse Andrea

  8. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    für mich steht im Hintergrund die Frage: „Ist Glück nicht Gnade im profanen Gewand?“
    Von daher ist das Annehmen der Gnade nicht weit weg vom Genießen des Glücks, oder?
    Liebe Grüße, Jörg

  9. freidenkerin Says:

    Das Glück kommt des Öfteren quasi im „Arbeitsg’wand“ daher, während die Gnade sich im „Feiertagsg’wand“ zeigt.

  10. theomix Says:

    Oder umgekehrt. Das liegt an der subjektiven Wertung. Möglicherweise fährt die Gnade ständig mit Blaulicht umher, um die Welt zu retten. Und das ist dann nicht sehr feiertäglich…

  11. tmp Says:

    Ich glaube, Glück und Gnade liegen eh ganz dicht beisammen, wie die Schiene und die Straßenbahn, die auf ihr fährt… 😉

  12. freidenkerin Says:

    @tmp: Vermute ich richtig, dass die Gnade die Schiene und das Glück die Straßenbahn ist? 😉

  13. Claudia Says:

    Bei Schienen und Straßenbahnen habe ich eher unglückliche Assoziationen, was den Menschen zwischen beiden betrifft.
    Glück und Gnade zugleich, wenn die Tram noch rechtzeitig bremst (mir einmal geschehen, als ich vertrottelt-verträumt mit einem Lächeln auf den Lippen vor die Tram schusselte).

  14. tmp Says:

    Na bitte…Da haben wirs ja..!! 😉

  15. tmp Says:

    @freidenbkerin..:
    Ich glaube, so k

  16. tmp Says:

    :::SO KANN MAN DAS SEHEN::: sOLLTE DAS EIGENTLICH HEI?EN::: ,-9

  17. tmp Says:

    Ich gebs auf für heute…
    Gute Nacht allerseits… 😛

  18. theomix Says:

    @tmp:
    Schiene und Straßenbahn – ein Bild, das spricht.
    schade, dass deine Kommentare dann aus der Spur laufen 😉

    @Claudia:
    Nach so einem Erlebnis hätte ich auch Misstrauen zu diesem Bild…

  19. Espresso – zum Glück mit Gnade « Theomix Says:

    […] Theomix Jörgs Theologischer Weblog für Kopf und Herz « Glück und Gnade […]

  20. elisabeth Says:

    lieber Jörg,
    was Glück und Gnade für mich verbindet, ist, daß man für beides nichts tun kann, außer vielleicht dafür offen zu sein.
    Erarbeitet hat sich bisher noch keiner, das eine oder andere.
    lieben Gruß
    elisabeth

  21. theomix Says:

    Liebe Elisabeth,
    so sehe ich das ja auch. es sei denn, Glück hart etwas mit eigener Leistung zu tun, siehe: jeder ist seines Glückes Schmied. Aber die Deutung Richtung Zufall liegt mir mehr.
    Herzliche Grüße, Jörg

  22. paradalis Says:

    Lieber Jörg.

    Ich habe nun auch eine ganze Weile darüber nachgedacht – besonders auch über das Alter in Bezug auf Gnade.
    Und komme zu einem ganz anderen Gesichtspunkt.

    Ist Gnade nicht auch ein Stück weit Gelassenheit?
    Gerade in Bezug auf das Altern. Altert man noch schneller, wenn man bspw. nicht gnädig/gelassen mit den Umständen umgeht?

    Ich denke mal noch weiter darüber nach.
    Und wünsche einen schönen Tag,
    lieben Gruß
    Heike.
    🙂

  23. theomix Says:

    Liebe Heike,
    sas Gnadenbrot hat mit dem Alter zu tun. Einen Zusammenhang mit dem Alter sehe ich sonst kaum.
    Gelassenheit kann Gnade sein, aber auch manches andere, eine zweite Chance bekommen z.B.
    Auch ich denke weiter gerne darüber nach, ein weites Feld sozusagen.
    Herzlich, Jörg

  24. freidenkerin Says:

    „Gnadenbrot“ ist, so finde ich, ein gutes Sinnbild für den Begriff Gnade. Anstatt jemanden, ein Zugpferd, einen braven Ochs oder Esel, oder auch ein gealtertes Menschenkind, abzuschieben, darben zu lassen oder gar dem Schlachter zu zu führen, gewährt man die Gnade eines friedlichen und ruhigen Lebensabends…

  25. theomix Says:

    Sehr schön gedeutet. Ich assoziiere allerdings Allmosenmentalität. Wenn die sich einschleicht, mache ich die Gefütterten leicht zu betreuten Opfern meiner Mildtätigkeit. Nicht unbedingt ein Umgang gleich zu gleich.

  26. freidenkerin Says:

    Wenn ich jemandem, Mensch oder Tier, die Gnade des Gnadenbrots aus Liebe, Achtsamkeit, Respekt und Mitgefühl erweise, Tugenden, die ja an sich mit der Gnade einher gehen sollten, dann hat das Geben aber nix mit Almosen zu tun.

  27. theomix Says:

    DANN nicht.
    Kann eine Tugend mit der Gande einhergehen? Ich möchte lieber sagen: „Diese Tugenden folgen erfahrener Gnade“ (oder sollten es).

  28. freidenkerin Says:

    Ist es aber nicht so, dass derjenige, welcher zumindest Ansätze dieser Tugenden in sich trägt, der Gnade weitaus mehr und eindringlicher bewusst wird?

  29. theomix Says:

    Ein zögerliches „Nein, das ist nicht so…“ In meinen Augen nicht. Ich kann mir der Gnade bewusst werden, ohne schon der Tugend teilhaftig zu sein…

  30. freidenkerin Says:

    Leider, leider, leider ist unserer Republik weder das Glück noch die Gnade widerfahren, dass man den Herrn Westerwelle mit 1,54 Promille beim Überfahren einer roten Ampel erwischt hat. Ich glaube, dieser Umstand hätte bei sehr, sehr vielen Menschen Freudentänze ausgelöst…

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