Regierung

In guten zeiten
war aufbruchstimmung:
mit den konzepten der gegenwart
waren die herausforderungen der zukunft
fast schon gelöst

Meistens
ging es pragmatisch zu:
mit den konzepten der vergangenheit
blieben die herausforderungen der gegenwart
in etwa so groß wie bisher

Jetzt
sind wir einen schritt weiter:
ohne konzept
wird erwartet, was die herausforderungen
so bringen

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21 Antworten to “Regierung”

  1. mialieh Says:

    man könnte auch sagen: das ist jetzt mal spontan

  2. onebbo Says:

    Ähm, wann gab es denn diese guten Zeiten, wo wirklich mal Herausforderungen gelöst wurden?

  3. werner Says:

    @onebbo

    hast du richtig gelesen?
    da stand FAST gelöst!

  4. onebbo Says:

    @werner:
    Habe ich in meiner Antwort vergessen, stimmt… dennoch kann ich mich auch an Fast-Lösungen nicht entsinnen.

  5. Claudia Says:

    Mir scheint, die derzeitige Politik orientiert sich an Erich Frieds „Maßnahmen“.
    http://www.zum.de/Faecher/Materialien/dittrich/Lyrik/Die_Massnahmen.htm

  6. theomix Says:

    @mialieh:
    Das ist sehr schön interpretiert!

    @onebbo:
    Ich meine mich schwach zu erinnern, das die Brandt-Ära so anfing. (Oder verwechsele ich das mit jugendlichem Leichtsinn? oder vergoldet die Erinnerung?) Kohls beschworene wende hat möglicherweise seine Getreuen motiviert. Und Schröder war in vielem, auch dort, ein schwacher Abklatsch von Brandt. Da war die Aufbruchstimmung ziemlich schnell zu Ende.

    @werner.
    Ich formuliere manchmal bewusst vorsichtig. Aber siehe das, was ich onebbo geschrieben habe…

    @Claudia:
    Ich dachte eher an das Sendschreiben an Laodizea. „Ach, dass du kalt oder warm wärest!“ Andererseits geschieht das Schlachten heute leiser als Fried sich das vorstellen konnte…

  7. freidenkerin Says:

    Gestern bei Anne Will: Der Geschäftsführer einer Zeitarbeitsfirma, die unter Verdacht steht, wie etliche andere schwarze Schafe dieser Branche Löhne unter Existenzniveau zu bezahlen, meinte auf die Frage, ob der Arbeitgeber eine Verantwortung trage, dass der Arbeitnehmer sich und seine Familie vom Gehalt problemlos ernähren und erhalten müsse: „So eine Verantwortung besteht meiner Meinung nach in keinster Weise. Wie ein Arbeitnehmer mit dem ihm ausbezahlten Lohn im Privatleben zurecht kommt, ist seine Sache. Wenn ihm mit dem verdienten Geld kein Auskommen gelingt, dann ist das sein Problem. Der Arbeitgeber hat weder das Recht noch die Pflicht, in die Privatangelegenheiten seiner Arbeitnehmer einzugreifen.“…
    Wenn solche Äußerungen, die nicht nur bei mir sondern auch bei den Studiogästen starres Entsetzen hervor gerufen haben, mittlerweile gang und gäbe sind, und das in der Öffentlichkeit, dann schließe ich darauf, dass wir in keinster Weise eine Regierung haben, nicht einmal eine konzeptlose. Nur ein paar Pappnasen, die sich von jedem Großkotz hin und her schieben, bestechen, und nach Gusto manipulieren lassen.

  8. Claudia Says:

    @onebbo, @theomix: In der Tat ist unter der Brandt-Regierung Versöhnung zustande gekommen, das ist keine romantische Verklärung. Und in der Tat kam es da auch vor, daß jemand für in seiner Verantwortung gemachte Fehler geradestand. Deshalb gab es sie dann ja auch nicht mehr.

    @Freidenkerin: Diesem Geschäftsführer und vielen ähnlichen tut eine Regierung not, von lat. regere, lenken, führen: Eine staatliche Organisation, die ihn lenkt. Denn was er da sagt und tut, ist zügellos.
    Da es diese staatliche Organisation – also die Lenkung und Führung des Staates – zur Zeit tatsächlich nicht gibt, gebe ich Dir recht. Es gibt etwas, das so aussieht wie eine Regierung, soviel kostet wie eine Regierung, so viel verdient (im finanziellen, nicht im moralischen Sinne) wie eine Regierung – und doch keine Regierung ist.
    Ja was haben wir denn da?

  9. freidenkerin Says:

    Wir haben dank eines wahlmüden und vielleicht geistig auch recht abgestumpften Volkes eine nicht regierungsfähige Verlegenheitslösung, welche von Geschäftsführern wie dem oben angeführten, skrupellosen Bankern, gierigen Managern und kriminellen Großkonzernen regiert wird.

  10. theomix Says:

    @freidenkerin:
    Wir haben eine regierung, aber eine, die zu wenig tut. Oder etwas tut und auf der stelle tritt.

    @Claudia:
    Auch innenpolitisch hat sich damals was bewegt, positiv. Obwohl dann auch schon die RAF anfing usw.

  11. mialieh Says:

    @freidenkerin: das habe ich sofort weggeschaltet. Anne Will macht kriminellen Journalismus. Aber das Zitat ist natürlich gut. Es erinnert mich irgendwie an die Frau von Ludwig dem XVI., Marie Antoinette, die auf die Anklage, die Bauern hätten kein Brot gesagt haben soll: „Dann sollen sie doch Brioche essen“. Soweit kommt’s bald auch. Kein Brot mehr? Nun denn: In der Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot….

  12. theomix Says:

    Anne Will… ja, jetzt hat der Saarland-Oskar noch mehr Zeit und wechselt sich im Pöbeln mit den anderen ab…

  13. freidenkerin Says:

    Der Saarland-Oskar ist bei der Will neulich gar nicht zu Gast gewesen. Und ich denke, dass es in dieser unserer Medienlandschaft durchaus einige gibt, die einen weitaus kriminelleren Journalismus zuwege bringen als Anne Will. Ich denke da an die Macher vom RTL-Mittagsjournal, den SAT1-Nachrichten und dergleichen.

    In bester Erinnerung als deutschen Bundeskanzler, der sein Amt wirklich zu Recht, zwar mit Ecken und Kanten, doch mit Loyalität, Leidenschaft und wahrer Intelligenz inne hatte, ist mir Helmut Schmidt. Dieser Mann ist für mich der Politiker schlechthin – mit Kopf, Herz, Schnauze, einem wahren Intellekt, Weitblick, Fachwissen, Kompetenz – und vor allem unverbiegbar.

  14. freidenkerin Says:

    @mialieh: Wir sind nicht allesamt so wohl gebildet, dass wir die Zitate und Ergüsse weiser und historischer großer Denker und anderer Persönlichkeiten so ohne weiteres locker aus dem Ärmel schütteln können. Daher führen wir „Normalsterbliche“ uns auch manchmal Sendungen wie „Anne Will“ zu Gemüte. 😉

  15. theomix Says:

    Da kannst du sehen, wie oft ich das gucke.
    Und der Schmidt, der ist doch so klein. Wahrscheinlich kann man ihn deswegen nicht verbiegen. (Räusper, jetzt wieder sachlich.)
    Horst Schlemmer ist bei der heutigen Misere geradezu eine prophetische Figur…

  16. theomix Says:

    Rechnest du Ludwig XVI und seine Luxus-Lady zu den weisen und großen Menschen ? 😯

  17. freidenkerin Says:

    *Lach* Da fällt mir doch glatt ein Spruch ein, der dem ollen Napoleon stets in den Mund gelegt wird: Als er in seiner Bibliothek seiner geringen Körpergröße wegen ein Buch nicht greifen konnte, kam ihm ein hoch aufgeschossener Adjudant zu Hilfe: „Lassen Sie mich das machen, Sire, ich bin etwas größer als Sie.“ Worauf Napoleon den jungen Soldaten indigniert anfunkelte: „Sie sind vielleicht etwas länger als ich – aber keinesfalls größer!“ 😉
    Der Schmidt hat vor etwa zwei Jahren in der Universität zu Tübingen als beinahe Neunzigjähriger einen Vortrag zum Thema „Moralische und sittliche Werte in der modernen Gesellschaft“ gehalten, der war von der Formulierung und Brillanz seiner Gedanken her schlichtweg überwältigend. Da gibt es nicht viele Jüngere, die ihm da das Wasser reichen könnten.

  18. freidenkerin Says:

    Nein, ganz sicher nicht. Auch ohne klassische Vorbildung weiß ich sehr wohl, wofür Ludwig XVI und seine Gemahlin standen.

  19. mialieh Says:

    @freidenkerin: wie wohl du daran tust das zu gucken. denn sonst hätte ich mir um brioches keine Gedanken gemacht. Und nicht darum, dass es immer noch bornierte Säcke gibt, die auf dem gleichen Niveau vn damals argumentieren. Das macht auf jeden Fall traurig… oder nicht?

  20. theomix Says:

    @freidenkerin:
    Hatte ihn die SPD nicht zu irgendwas eingeladen? Vielleicht tragen sie ihm den Parteivorsitz an 😉

  21. freidenkerin Says:

    @mialieh: Und wie das traurig macht! Regelrecht sprachlos vor Entsetzen sogar. Mir war bei dieser Äußerung am Sonntag Abend, als hätte jemand das Rad der Zeit zurück gedreht. Gute Nacht, Sozialstaat, möchte man da am liebsten rufen.

    @theomix: Nee, von einer Einladung der SPD an Schmidt Schnauze weiß ich nix. Obwohl – der würde mit seinen gut Neunzig die Pappenheimer à la Steinmeier und Co. schon noch a bisserl aufmischen! 😉

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