Aus einem Lebenskrimi

Karin ist ein Energiebündel, voller Lebensfreude. Und ein Leben, in dem es irgendwie immer an Katastrophen vorbeischrammt. Na ja, manchmal geht es auch schon mittendurch. „Mein Leben ist wie ein Krimi“, sagte sie vor Jahren.
Und ihr Herz ist auf dem rechten Fleck. Was sie impulsiv macht, finde ich meist von Kopf und Herz her richtig.

Über ein Taufgespräch haben wir uns kennengelernt, und der Kontakt blieb, mittlerweile eher selten. Zu Anfang des Jahres rief sie an, nach zwei Jahren Pause. Und wie es ihr geht? „Ganz normal. Es ist nicht viel passiert. Und bei euch?“ Nachdem ich von ein paar Kleinigketen von uns erzählt habe, legt sie los und ist kaum zu bremsen: Die Mutter, die bei ihr wohnt, musste nach einem Streit ins Altenheim, es ging nicht mehr gut unter einem Dach. Der Bruder war kurzzeitig obdachlos, hat Selbstmordgedanken geäußert und war mehrer Tage nicht auffindbar. Die Schwester griff ihm unter die Arme und hat ihm eine Wohnung besorgt, die Arbeit hatte er ja noch.

Karin hat mit ihrem Mann ein Haus gekauft und baut seit Monaten daran herum. Die Tochter hat die Gesellenprüfung geschafft.
„Ganz normal. Es ist nicht viel passiert.“
Irgendwie bewundere ich Karin.

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15 Antworten to “Aus einem Lebenskrimi”

  1. mialieh Says:

    Manchmal wird einem aber auch erst dann bewusst, dass eigentlich doch viel passiert wird, wenn man darüber erzählt.

  2. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    danke, dass Du diese Begegnung mit uns teilst. Wir kennen auch jemanden, der immer mit „Ganz normal“ antwortet, wenn man fragt wie es ihnen geht. Die Frage ist , was ist normal und was ist, wenn viel oder wenig passiert. Lebenskrimi ist eine gute Überschrift. Vielleicht ist es einfach nur LEBEN , lebendig gelebt??? Wie man mit Lebenssituationen umgeht und wie man sie bewertet, alles hat zwei Seiten. Es gibt Menschen , die beklagen ihr Schicksal und es gibt Menschen, die sind dankbar für ihr Leben, owohl sie den Tod vor Augen haben.
    Liebe nachdenkliche Grüße
    herzlichst Erika

  3. tmp Says:

    Karin sieht eben nicht SICH im Mittelpunkt, sondern ihre Familie…
    Und dazu ist sie auch Mutter… 😉

  4. theomix Says:

    @mialieh:
    Ne, nicht bei Karin 😉

    @Erika:
    Karin ist da schon ein kleines „Naturwunder“. Sie gewinnt allem eine gute Seite ab. Auch wenn sie ätzende Sprüche auf Lager hat.
    Ich denke,sie ist beGABt…
    Herzlich, Jörg

    @tmp:
    Sie hat ein gut entwickeltes „soziales Auge“. Und verliert sich selbst nicht aus dem Blick.

  5. freidenkerin Says:

    Solch eine Sicht der Dinge ist in der Tat eine Gabe. Verglichen mit manchen, die aus einem simplen Mückenstich eine Weltkatastrophe machen. 😉
    Das Leben ist manchmal auch a bisserl wie ein wildes Pferd. Und denjenigen, die eine besondere Liebe zu diesem ungestümen Bronco haben, macht das Sitzen im Sattel und durchgerüttelt werden, die Finten und Bocksprünge nicht so viel aus. 😉

  6. theomix Says:

    Ich vermute, für manche Dritte ist Karin der Bronco :mrgreen:
    Wenn sie sich engagiert, dann total…

  7. freidenkerin Says:

    Große Herzen sind eigentlich immer ungestüm.

  8. politbuerokrat Says:

    Diese karin entspräche dem typus des positiven heldes in einer guten geschichte im stile des sozialistischen realismus. Einziger mangel ist das wort taufvorbereitung.

  9. elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    wenn nicht viel passiert
    fragen wir uns manchmal:
    geht denn nichts weiter?
    Oder aber wir stellen befriedigt fest:
    der langersehnte status quo konnte aufrechterhalten werden.
    Blöd ist es immer nur dann, wenn Entwicklung ansteht
    trotzdem nichts zu tun.
    Dann kann’s eng und enger werden.
    liebe grüße
    elisabeth

  10. theomix Says:

    @freidenkerin:
    Das ist ein guter Satz!

    @politbuerokrat:
    Herzlich Willkommen! Das Profane im Sakralen entdecken – das kann nur den wahren Sozialisten gelingen. Aber wenn auch das Hoffen auf die Weltrevolution das Blut in Wallung bringt – das Stichwort „Taufgespräch“ sollte deiner Aufmerksamkeit nicht entgehen.
    Das ist genau so gut wie „-vorbereitung“.

    @elisabeth:
    Und vermutlich ist für Karin das Halten des Status Quo Stillstand. Wenn sich die Entwicklung aufsteht, fließt es irgendwann über. Das ist wohl auch so…
    Liebe Grüße, Jörg

  11. loyalbushie Says:

    @ politbuerokrat

    In der sozialistischen Prosa hätte sich der örtliche Verband der Volkssolidarität der Mutter angenommen und ihr sowie dem Bruder eine Wohnung in der Platte verschafft und Letzterem neuen Lebenssinn als Mitglied der Betriebskampfgruppe im örtlichen Stahlkombinat „Ernst Thälmann“. In den Plattenbau hätten sich am Ende auch Karin und ihr Mann verkrümelt, allenfalls eine kleine Datsche wäre noch ihr Begehr gewesen, denn das Streben nach einem Eigenheim deutet immer auf eine verfestigte Neigung zur konterrevolutionären Selbstabgrenzung und somit ein falsches Bewusstsein und einen fehlenden Klassenstandpunkt hin. 🙂

    Scherz beiseite: Schönes Blog mit viel Herz… da guck ich gerne ab und an mal rein…

  12. theomix Says:

    @loyalbushie:
    Herzliches willkommen! Solche Kommentatoren begrüße ich doch gern, wenn so ein freundliches Lob kommt.
    Eigenheim ist unzulässige Verbürgerlichung, da hast du recht.

  13. mialieh Says:

    @theomix: … Eigenheim als unzulässige Verbürgerichung … da stimmst du also zu … spricht da der im Pfarrhaus wohnende Pfarrer, der sich glaubensmäßig fehlorientiert, weil er nicht seine ganze Glaubenskraft in den Sozialismus steckt? Oder ist es der überzeugte Sozialist, der viel lieber in der Platte wohnen würde als in seinem nach Eigenheim anmutenden Pfarrhaus, weil er unter dem Talar ein sozialistenrotes Bekehrerhemd trägt? hihi 😉

  14. theomix Says:

    Jesus war der erste Kommunist. Hat Bebel gesagt oder Christoph Blumhardt. (Das muss jetzt mal ein anderer überprüfen…)
    Das Pfarrhaus ist eine Dienstwohnung. die Kirchenleitung ist in der Hinsicht ein sozialistisches Kollektiv, insofern es dem Umzug in eine Eigenheim zustimmen muss.

  15. mialieh Says:

    verstehe…

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