Rückblick auf einen lieben Heiligen

Gestern war Nikolaustag. Nikolaus ist ein ökumenischer Liebling. Dieses Jahr durfte ich in einem Kindergarten von ihm erzählen.

Im Kindergarten wurde vorgeschlagen, wir sollten ein Nikolauslied singen. Ein Kind sagte sofort: „Oh ja, ‘Grizzly, lieber Nikolaus’.“ Eine Erzieherin sprang ein, sie muss meinen verwirrten Gesichtsausdruck gesehen haben: „Ja, sollen wir ‘Grüß dich, lieber Nikolaus’ singen?“ Durchgesetzt hat sich dann per Volksentscheid „Nikolaus, komm in unser Haus“. (Nachtrag vom 9. 12.)

Und beim Nachdenken über die Legenden zu ihm habe ich gemerkt, wie faszinierend dieser Mensch war. Oder dank Legenden geworden ist.

Es sind nicht Predigten oder andere Texte, die er hinterlassen hat. Es sind einige eindringliche Geschichten. In ihnen setzt er sich für Menschen in Not ein. Bedingunsglos. Er lebt Gnade. das macht ihn auch meinem evangelischen Herzen so sympathisch.

Ein Herz für die Kleinen, die in Not sind: Kein Wunder, dass sich die Sitte des Kinderbischofs am Nikolaustag so lange im gehalten hat. Oder wiederbelebt wird. Auch in protestantischen Gegenden.

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20 Antworten to “Rückblick auf einen lieben Heiligen”

  1. paradalis Says:

    Ich glaube, lieber Jörg, du hast einen wunderbaren Beruf!
    🙂

    Liebe Grüße
    Heike.

  2. Elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    das hast du schön geschrieben – ich habe den hl. Nikolaus von Myra auch schon als Kind geliebt, nicht nur, weil er süße Sachen bringt. Ich hatte ein altes Kinderbuch (ich muss mich wieder auf die Suche danach machen), wo der hl. Nikolaus einem sehr armen Buben genau das Schokoladenschiff schenkt, das er sich im Traum gewunschen hat… Wünsche werden wahr – der hl. Nikolaus hilft, das habe ich am eigenen Leib verspürt 🙂
    Herzlichst Elisabeth

  3. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    danke Dir für die ausführlichen Gedanken und Hinweise zum Nikolaus.
    Ich stelle es mir schön vor, wenn Du im Kindergarten vom Nikolaus erzählst….. Ich hatte als Kind Angst, wenn die Nikoläuse aus der Nachbarschaft oder aus dem Ort an die Haustüre klopften…. vor der Rute…..
    Einen schönen Wochenstart und liebe Grüße aus dem Sonnenschein
    Erika 🙂

  4. Claudia Says:

    Ich finde nur schade, daß die Nikolauslegende immer wieder so verharmlost wird. Armen Mädchen die Mitgift bezahlt, heißt es in den Weichspül-Versionen. Arme Mädchen vorm Puff gerettet, heißt es in der Urfassung.

  5. elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    gestern hätten wir dann eigentlich den Nikolo besuchen sollen, mit 10 anderen Kindern und der hätte dann vorgelesen, was beflissene Eltern sich zuhause ausgedacht und auf Zettel geschrieben hätten unter dem Motto: wozu der Nikolo die Kleinen bringen könnte, wozu wir nicht imstande sind.
    irgendwie hab ich beim Schreiben dann ein blödes gefühl gekriegt. Aus Angst vor dem 2 Meter Mann, sollt er dann alles hurtig lernen, der Kleine?
    wir sind dann doch nicht hingegangen und just nach dieser Entscheidung hat dann überraschend der Opa angeklopft mit Geschenken und lobenden Worten…..
    alles Liebe
    elisabeth

  6. theomix Says:

    @paradalis:
    Liebe Heike,
    soll ich da widersprechen? Vor allem die leichten situationen sind wunderbar. Das schwere ist manchmal heikel. Und organisation ist risiko…
    Einen schönen tag noch, herzlich, Jörg

    @Elisabeth:
    Liebe Elisabeth,
    solche kindehitserinnerungen haben ein großes gewicht. Ich erlaube mir an das kornwunder (http://www.nikolaus-von-myra.de/legenden/kornwunder.html) zu erinnern. Da kommt das schiffsmotiv her. Und er ist weniger reiner wunscherfüller, sondern einer, der menschen in not geholfen hat. Dann war da nicht nur der wunsch, sondern auch die not. Und gut, dass hilfe kam!
    Herzliche grüße, Jörg

    @Erika:
    Das original kommt ohne rute aus und verwandelt durch güte. Das hat man wohl nicht ausgehalten und den knecht Ruprecht dazugestellt.
    Herzlich, Jörg

    @Claudia:
    Und genau die geschichte musste ich als erstes erzählen. Damit die kinder verstehen, warum Nikolaus etwas in die schuhe legt. Nun erklär mal 4-jährigen ein puff. Die kennen ja noch nicht mal puffREIS…
    Meine lösung: Der vater wollte die armen mädchen verkaufen. Das sit gruselig genug…

    @elisabeth:
    Liebe elisabeth,
    das original ist historisch kaum fassbar, aber alle geschichten zeigen, wie güte allein wunder bewirkt. Da ist so ein Nikolo mit wunschzettel der eltern ein schwacher abglanz. Dann lieber den überraschenden opa. Der scheint ja dann die rolle angemessener ausgefüllt zu haben. (Da ja auch die äußere vergleichsmöglichkeit verborgen ist.) Wirklich wunder-bar!
    Herzlich
    Jörg

  7. Babbeldieübermama Says:

    Dank deinem Beitrag und den Hinweisen habe ich viel erfahren.
    Interessant, wie sich Legenden über Jahrhunderte halten und verändern.

  8. Claudia Says:

    „Die Mädchen verkaufen“ – das ist nah genug am Original und schrecklich genug; mehr muß man einem Vierjährigen tatsächlich nicht sagen. Aber mir ging es ja darum, daß selbst viele Erwachsene dies Detail nicht wahrnehmen und die weichgespülte Version vorziehen. Der Nikolaus der ursprünglichen Legende (und, wie ich glaube, in Ansätzen auch der Wirklichkeit) war patent, mutig, mit Verhandlungsgeschick begabt – und nutzte diese Gaben zum Wohl seiner armen Mitmenschen: besser gehts nicht.

  9. mialieh Says:

    eine interessante Geschichte… mit den Mädchen. Muss ich tatsächlich mal näher lesen… gibts da eine Literaturempfehlung oder hab ich was übersehen?

    Ich habe im Kindergarten aufgehört an den Nikolaus zu glauben als der blöde Mike nichts mit der Rute bekam, sondern auch ein Geschenktütchen, obwohl uns das mit der Rute vorher versprochen worden war. Im evangelischen Kindergarten. Da habe ich gedacht: ich bin so nett und der ist so gemein. Und dann sagt ihm immer noch keiner wo’s langgeht? Habe ich doch ein wenig den Respekt verloren. Nun ja. Die Geschichte mit den Mädchen bringt immerhin den Respekt wieder.

  10. werner Says:

    @mialieh
    ein erster Hinweis auf Literatur:
    http://www.heiligenlexikon.de/BiographienN/Nikolaus_von_Myra.htm
    und
    http://www.heiligenlexikon.de/amazon/Nikolaus_von_Myra.htm

    Vielleicht hilft dir das weiter

    @theojörg
    Sorry, wenn ich dir mal wieder vorgreife 🙂

  11. freidenkerin Says:

    Wir wären wohl allesamt so sehr gerne dem Heiligen Nikolaus ähnlich, mutig, konsequent, mitfühlend, voller Nächstenliebe und dem Herzen auf dem rechten Fleck. Das ist aber leider, leider soooo sehr schwer für „Normalsterbliche“, bei uns kommen schon auch mal die unguten, bisweilen sogar finsteren Züge zum Vorschein.
    Und dies wird, so glaube ich inzwischen, vom Knecht Rupprecht bzw. Kramperln, Buttnmanndln, Perchten etc. auch symbolisiert. Es geht nicht nur um die – erzwungene oder freiwillige? – Vermengung von „heidnischem“ Brauchtum mit Christlichem (Katholischem). Es geht auch darum, uns wieder einmal an unsere Janus-Gesichter zu erinnern. 😉

  12. theomix Says:

    @BbdÜM:
    JA, das ist ein interessantes Forschungsgebiet. es geht ja schon in der Bibel los.

    @Claudia:
    Es sollte ja auch ein bisschen schrecklich klingen. Wie bei Hänsel und Gretel. Ansonsten, genau, so ist es. Und du hast es ja wunderbar bereimt:
    http://kalliopevorleserin.wordpress.com/advent09/f6/

    @mialieh:
    http://www.nikolaus-von-myra.de/legenden/index.html
    Einfach links in der Leiste durchklicken.
    Eine Seite des Erzbistums Köln. Im Internet haben die gute Angebote.

    @Werner:
    Ergänzen ist kein Vorgreifen. Da ich nichts angekündigt habe, beschwere ich mich nicht.

    @Freidenkerin:
    Das Tolle an Nikolaus finde ich: Viel tun und wenig reden. Auch heimlich tun. Er sollte Schutzheiliger auch der Schüchternen sein.
    Weil man diese Güte nicht nachvollziehen konnte, hat man ihm ja die finstere Gestalt hinzugedichtet.
    Ein bisschen auch stellvertretend für die besiegten, untergründig wirksamen heidnischen Götter.
    Im wirklichen Leben geht es darum, meine ich, die „finsteren Züge“ dem Licht auszusetzen und ihnen ihren Platz am Tisch zu geben. Sie sind Teil von uns. Sollten aber nicht das Sagen haben.

  13. freidenkerin Says:

    Du hast übrigens gestern Abend mit deinem Kommentar bei mir a bisserl Recht gehabt. Die ersten Augustiner Chorherrn, welche Berchtesgaden christianisieren bzw. kultivieren sollten, haben sich nach Kurzem bereits resigniert nach Traunstein zurück gezogen…
    Vielleicht poste ich heute noch eine Kurz-Geschichte meiner Heimat. 😉

  14. theomix Says:

    Du hattest das ja auch schon angedeutet…
    Die Chorherrn haben eben lieber gesungen als mit den Menschen gerungen…

  15. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, das ist schön, dass Du uns davon erzählst. Ich liebe Geschichten und wenn sie sich über so lange Zeit erhalten haben, dann hat das seine „guten“ Gründe. „Ein Herz, für die Kleinen, die in Not sind“… das berührt das Herz… Herzliche Grüsse Andrea

  16. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    Danke für die Rückmeldung.
    Am Rande: Im Kindergarten wurde vorgeschlagen, wir sollten ein Nikolauslied singen. Ein Kind sagte sofort: „Oh ja, ‚Grizzly, lieber Nikolaus‘.“ Eine Erzieherin sprang ein, sie muss meinen verwirrten Gesichtsausdruck gesehen haben: „Ja, sollen wir ‚GRÜß DICH, lieber Nikolaus‘ singen?“ Durchgesetzt hat sich dann per Volksentscheid „Nikolaus, komm in unser Haus“.
    Herzliche Grüße, Jörg

  17. andrea2007 Says:

    Herrlich, diese kleine Anekdote… Geschichten, die das Leben schreibt sind noch immer die Schönsten, gell? Lächelnde Grüsse Andrea

  18. freidenkerin Says:

    „Grizzly, lieber Nikolaus…“ Das ist ja umwerfend! 🙂
    Danke dir für dieses herzige G’schichterl, das und Wortman’s verrückter Wasser-Kater haben diesen Tag erheblich verschönt! 🙂

  19. theomix Says:

    Nach oben, nach oben
    ist die Story jetzt geschoben.

    Liebe Andrea,
    das war wirklich hübsch. Gruß, Jörg

    Liebe Freidenkerin,
    da ich gelernt habe, nach außen hin relativ gelassen zu bleiben, lachte mir das Herz im Leibe – und tut es noch..
    Der Kater ist wirklich phänomenal. Wer weiß, was Wortman denen beibringt….
    Gruß, Theomix

  20. Leere? | Theomix Says:

    […] zum Tage Rückblick auf einen lieben Heiligen und […]

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