Ärgernis Kirchensteuer – 3

Nach Teil 1 und Teil 2 nun endlich die Fortsetzung.

Was passiert mit dem ganzen Geld?

Das Gute ist: In den Evangelischen Kirchen werden die jährlichen Haushalte offengelegt.  Es läuft nichts heimlich ab.

Von 100 Euro Einnahmen kommen 3 an den Staat, für die Arbeit, die Steuern einzuziehen. Dann werden pauschale Beträge für die gesamtdeutsche Ebene abgezogen, also etwa die EKD  oder die kirchliche Entwicklungshilfe. In einem zweiten Durchgang werden die Bedürfnisse auf der Ebene der Landeskiche abgedeckt, also auch die landeskirchliche Verwaltung, das Diakonische Werk, Fortbildungseinrichtungen usw.
Auch die Ebenen darunter wollen etwas haben. Zum Beispiel werden dann auch die Krankenhaus- oder Schulpfarrstellen daraus bezahlt.

Und schließlich kommen knapp 50 Euro bei der Gemeinde an. Man mag das für wenig halten. Aber wo viel Arbeit passiert, dort ist auch viel Verantwortung. Und es gibt nicht umsonst den Begriff „Kirchturmshorizont“ – auch als Gruppenegoismus auf der untersten Ebene: „Wovon ich nicht direkt profitiere, dafür will ich nichts zahlen. “ Ein bisschen Zwangssolidarität schadet da nicht.

Was macht die Kirchengemeinde mit ihrem Geld?

Auch hier: Der jährliche Haushaltsplan ist im Prinzip öffentlich. Theoretisch kann jedes  Gemeindemitglied Einsicht verlangen. Nun muss man die Sprache  solch eines Konstrukts verstehen können. Aber wer hier „Vokabeln gelernt“ hat, sieht Schwer- und Schwachpunkte im Haushalt.

Auf jeder Ebene gilt: Die Kirche und ihre Gemeinden gehen zahlreiche Verpflichtungen ein: Personal muss bezahlt, Stellen müssen gesichert,  Gebäude unterhalten werden. Unvermeidbar bis in die unterste Ebene: die Verwaltung.

Vielleicht sträubt es sich manchem, weil er denkt, es ließe sich alles wie zur Zeit der Apostel managen. Aber es ist das Eine, mit kleinen Gruppen von ein paar Hundert pro Stadt zu agieren. Das Andere ist der Anspruch, „flächendeckend“ zu arbeiten.

Genauso ist aber der Anspruch, sich an den Anfängen messen zu lassen. Ähnlich der Kreditkarten-Werbung:

„Gemeindehaus renovieren? Zehntausend Euro. Buntstifte für die Kindergruppe?  9 Euro 50. Sich auf die Ursprünge besinnen? Unbezahlbar.“

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22 Antworten to “Ärgernis Kirchensteuer – 3”

  1. onebbo Says:

    So zusammengefasst sollte „die Kirche“ das ruhig mal häufiger der Öffentlichkeit präsentieren. Auch den Nichtkirchlern gibt das ja einen guten und nachvollziehbaren Eindruck. Ich war z.B. überrascht, dass von 100 Euro Einnahmen doch 50 in der Gemeinde ankommen, hätte ich zynisch auf viel weniger getippt.

  2. Wolfram Says:

    Ich muß doch mal in meinem Blog was über die Finanzen der Kirchen in Frankreich schreiben – so als Kontrastprogramm…

  3. tmp Says:

    @Wolfram..:
    Wieso..?? 🙄
    Investiert Ihr das ganze Geld etwa in Messwein..?? 😯

  4. Babbeldieübermama Says:

    Ich hätte auch nicht gedacht, daß doch so viel Geld der Gemeinde zugute kommt.
    Durch deine Erklärung kann wenigstens jeder nachvollziehen, wofür die Gelder verwendet werden.

  5. theomix Says:

    @onebbo:
    Unser Kirchenrkeis arbeitet daran.

    @Wolfram:
    Wäre ja unter der Rubrik „Wie machen es andere?“ eine mögliche Fortsetzung. Wie schön, wenn ich nur einen Link setzen müsste. 😉

    @tmp:
    Da wir keine Messen feiern, brauchen wir auch kein Messwein. Der Abendmahlswein wird ja eh sozialisiert..

    @BbedÜM:
    Gilt nur für die Rheinsche Kirche. Ich vermute, dass es woanders ähnlich ist.

  6. Das liebe Geld (2)… « Kunst, Kitsch und Krempel Says:

    […] Hinterlasse einen Kommentar Kategorien: Nachdenkliches und Theologisches Der Kollege Theomix schreibt über die Kirchensteuer in Deutschland, „Ärgernis“ für viele, sicherlich […]

  7. Wolfram Says:

    @tmp: Messen finden vielleicht bei Lutheranern noch statt, wir sind reformiert… 😉 Und der Abendmahlswein wird in der Regel von Gemeindegliedern gestiftet.

    Mein Eintrag ist jetzt veröffentlicht; natürlich bleiben Fragen offen, aber die können ja in den Kommentaren gestellt werden.

  8. tmp Says:

    Hach… jetzt boin ich aber beruhigt. 😉
    Ich dachte in der französischen Grenzgegend ist hauptsächlich der Katholische Glaube vertreten..?? 🙄
    So kann man sich irren… 😦

  9. tmp Says:

    Vielleicht habe ich auch bloß nicht richtig aufgepasst, aber ich hatte Dich in einer gewissen Nähe zum Saarland verortet… 🙄

  10. Claudia Says:

    Nur zur Information: auch katholische Kirchen legen über ihr Geld Rechenschaft ab. Jedes Jahr. In den Vermeldungen wird darauf hingewiesen, daß der Bericht ausliegt und auch im Pfarrbüro eingesehen werden kann.
    Daß diese Berichte grundsätzlich von kaum einem Gemeindemitglied gelesen werden, ist nicht schuld der Rendantur.

  11. theomix Says:

    @tmp:
    Nö, nö, das Elsaß ist durchwachsen evangelisch. Und: Seit 10 Jahren und 2 Monaten (+ ein paar Tagen) wohne ich nicht mehr im Saarland.

    @Claudia:
    Danke für die Ergänzung! Ich wollte lieber nichts als Falsches schreiben. Ist es denn auch auf allen Ebene? Und in jedem Bistum?

  12. Claudia Says:

    Im Bistum Münster sowie im Erzbistum Berlin kenne ich diese Offenlegung des Berichtes aus Gemeindekirchen; ob das überall bis hinunter zur kleinsten Ortskirche üblich bzw. geboten ist, weiß ich nicht.
    Allerdings wird der gesamte Bistumshaushalt jährlich offengelegt; das ist durch den Codex Iurix Canonici (Can. 492-494) geregelt:
    In jeder Diözese hat ein Vermögensverwaltungsrat jährlich über den Haushaltsplan Rechenschaft abzulegen. Um Vetternwirtschaft zu vermeiden, darf in diesem Rat niemand arbeiten, der bis zum 4. Grad mit dem Bischof blutsverwandt oder verschwägert ist.

  13. Claudia Says:

    Nachtrag: Die Kirchen unterliegen ja zudem dem Vereinsrecht; insofern ist die Offenlegung der Wirtschaftsbücher wohl zumindest in Deutschland auch vom Gesetzgeber gefordert.

  14. theomix Says:

    Danke für die kundige Auskunft! Nicht nur im Heiligenkalender bewandert, sondern auch im Kirchenrecht. Trüge ich einen, zöge ich jetzt aber so was von meinen Hut.
    Ich nehme an, das Vereinsrecht überträgt auf das Körperschaftsrecht.

  15. Claudia Says:

    Dafür hab ich ein Fachwort falsch getippt: Natürlich heißt das Buch Codex Iuris Canonici. „Iurix“ wäre ein guter Name in einem kleinen gallischen Dorf… 😉

  16. onebbo Says:

    Nun, die Steigerung wäre ja „Codex Iurix Canonixi“ gewesen, gefällt mir am besten 😛

  17. Claudia Says:

    Ich nenne das meist einfach den CIC (gesprochen Kick). 😉

  18. theomix Says:

    Aber den Kick fürs CIC zu haben, das ist doch entscheidend, Jux jurix ist da nebensächlich.

  19. Wolfram Says:

    @tmp: Zwei Autostunden bis Saarbrücken…
    und Theomix hat schon recht: Das Elsaß ist (recht durchwachsen – je nach Gegend verschieden, schlimmer als in Jülich, Kleve, Berg und Mark) einigermaßen gut mit Evangelen besetzt. Konkret gibt es in den beiden evangelischen Kirchen EPCAAL und EPRAL zusammen 283 Pfarrstellen (auf Staatskosten übrigens, siehe mein Eintrag) für vermutlich noch etwa 225’000 Protestanten.
    Die Statistik für Restfrankreich hab ich grad nicht parat; es gibt wohl ungefähr 2 Mio. Menschen, die einer der Fédération Protestante de France zugehörenden Kirche oder Gemeinde hinreichend nahestehen, und für die ERF sind es etwa 400’000 „bekannte Haushalte“, wenn ich mich recht erinnere. In meinem Pfarrsektor knapp 300 Haushalte. Der Sektor ist aber größer als das katholische Dekanat… ich gehöre damit zu einer kleinen Minderheit im großen Frankreich, wo sich 7 von 10 Menschen als katholisch bezeichnen.

  20. theomix Says:

    Ohne der Leichten Sprache allzuoft zu huldigen: ob tmp weiß, dass du mit EPCAAL und EPRAL die Lutehrische und die Reformierte Kirche meinst?
    Aber ansonsten sehr kundig Auskunft gegeben. Danke.
    Ich weiß nur ncht, warum du deine schönsten Beiträge zu Kommentaren bei mir machst? 😉

  21. Wolfram Says:

    So, du meinst also, mein Blog wäre langweilig gegen meine Kommentare bei dir? *lach* Und ich meine, ich hätte mich schon mal über die Diaspora-Situation der Evangelen in Frankreich geäußert, bei mir zuhaus.

    Ich dachte, mit „die beiden evangelischen Kirchen“ hätte ich genug zu den Abkürzungen gesagt; wer mehr wissen will, kann ja Tante Gugel fragen.

  22. theomix Says:

    Also, das Wort „Langeweile“ hast du hier eingeführt. 😉

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