Über die Pflege zarter Pflanzen

Die schöne Stellenannonce von Kraftwort, Kirchenmusikerstelle in Fruststadt, verleitete mich zu einem Kommentar, den ich nicht auf Blogpastor Barnabas‘ Blog, sondern hierhin setze:

Pflegeanleitung:

Kirchenmusiker sind Pflanzen besonderer Art. Sie gedeihen im Halbschatten, am besten in Orgelnähe. Alle Vierteljar dünge man sie mit barocken Noten.

Neben viel Luft hilft ihnen zum Aufblühen freundliche Kommunikation. Zum Beispiel sind sie sehr dankbare Geschöpfe, wenn das Pfarrpersonal ihnen länger als 75 Minuten vor dem Einsatz die Lieder mitteilt.

Nur Luft und Liebe reichen nicht. Sie brauchen auch Kies. Allerdings gehen manchen kirchlichen Lieferanten die Vorräte aus. Dagegen hilft nur eine Besinnung auf die Grundanliegen kirchlicher Arbeit. Darüber müsste sich einige Kiesvorräte organisieren lassen.

Exemplare mit Neumusik-Allergie (Lieder nach 1980) sind nicht heilbar. Das beste Gegenmittel zur Milderung der Symptome ist regelmäßig eine  große Dosis Gregorianik.

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11 Antworten to “Über die Pflege zarter Pflanzen”

  1. Wortman Says:

    Gegen eine große Dosis Gregorianik habe ich auch nichts einzuwenden 😉

  2. theomix Says:

    Zum mitsingen braucht es etwas übung, die man bei den meisten menschen im gottesdienst nicht voraussetzen kann.
    Es gibt gemeinden, in denen das ganz ernsthaft gemacht wird. So ist es nicht…

  3. Frau Pfarrerin Says:

    Mystik, Gregorianik… Scheint’s wir sind uns einig? 🙂

    Wichtig finde ich außerdem, dass man KirchenmusikerInnen auch befragt. Die haben meist ebenfalls eine liturgische Ausbildung. Statt ihnen die Lieder vorzusetzen, kann man auch sagen „Sie sind doch vom Fach, was schlagen Sie denn vor?“

    Ich sage das oft und merke dann an der überrascht-erfreuten Reaktion, wie selten diese Kompetenz wahrgenommen wird.

  4. theomix Says:

    Das mit der gregorianik war eher ironisch. In maßen kann ich es genießen. In massen nicht.

    Ich bin auf die kompetenz angewiesen (auch wenn ich sie nicht immer abfrage); sie hängt natürlich von der ausbildung ab.

  5. Claudia Says:

    Der Hinweis auf den Kies ist äußerst wichtig. In „meiner“ Gemeinde wird bereits an Wochentagen nicht mehr georgelt – außer es kommt mal genug in der Kollekte zusammen. Dabei macht unser Organist schon eine Menge – wenn man seine Arbeitszeit wirklich mit seinem Salär in Verbindung bringt, bekommt er vermutlich etwa so viel wie eine Putzfrau.

  6. mialieh Says:

    ich hatte jahrelang Musikunterricht bei einem Kirchenmusiker. Musik-Leistungskurs. Wir haben drei Mal das Weihnachtsoratorium und zwei mal die H-Moll Messe von Bach durchgenommen. Ich fand danach, man müsse barocke Noten und Kirche überhaupt nicht mehr zusammen bringen.

  7. theomix Says:

    Ein liebevoll-ironsicher Blick auf diesen Berufsstand, der es nicht leicht at in diesen Sparzeiten.

    @Claudia:
    Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden. Daran erinnert Paulus ja, udn es gilt auch den Musizierenden. Die Gemidne müsste doch für den musizierenden Menschen aufkommen. durch eine Kolekte? während er dabeisitzt? Kratzt das nichte in bissschen oder mehr an der Würde?

    @mialieh:
    Du als musikleistende Schülerin nicht. Aber warum sollte der lehrende Kirchenmusiker nach 5 mal Bach schon genug haben?

  8. klanggebet Says:

    Ich musste sehr lachen! Ich war auch mal Kirchenmusikerin, recht allergisch gegen die genannte Musik nach 1980 (eigentlich gegen sämtliche nach 1900 etwa) aber vor allem litt ich unter der Kälte in Orgelnähe, auf der Empore, wenn der Winter hereinbrach und die Kollekte für alles mögliche, aber nichts fürs Beheizen der Kirche ausgegeben wurde. Ich hatte einen lebensrettenden Heizlüfter neben der Orgel stehen, den ich aber freilich nicht während des Gottesdienstes einschalten konnte da er in etwa so laut röhrte wie unser Diakon, wenn er sang 😀
    Ach was für wunderschöne Zeiten das waren. Und was für ein wunderschönes Instrument die Orgel ist, ich vermisse sie sehr.

    liebe Grüße
    Giannina

  9. theomix Says:

    Herzlich Willkommen, Klanggebet!

    Ich bin grundsätzlich dem neueren Liedgut nicht abgeneigt. Manche Ohrwürmer leiern aber in den Ohren.

    Vielleicht schrieb ich ja wegen der Kälte vom Halbschatten.
    Der Heizlüfter ist ja auch nichts für das Holz in/ an der Orgel, denke ich mal.
    Bei unseren Gottesdiensten erreicht die Heizung werbende Wärme.
    Schön auch, dass ich deine guten Erinnerungen wecken konnte…

  10. Wolfram Says:

    Meine frühere Dienstgemeinde hat die Heizung runtergeregelt: „Die Leute kommen doch eh im Mantel.“ Ich kriegte einen kleinen Lüfter, und der war auch nicht lauter als der Windmotor in der Orgel. Dem Holz schadet er eher wenig, dafür läuft er ja nicht lang genug und bläst auch vorzugsweise nicht direkt gegen das Gehäuse, sondern von hinten oder von der Seite auf die Füße. Gefährlicher war da die QUarzlampe über dem Spieltisch, in Straßburg-Neudorf, die wurde von der Feuerwehr bemängelt. Ohne sie aber fiel so viel kalte Luft durch die Mechanik, die dann ausgerechnet zwischen den Manualen austrat – ich glaub, seitdem hab ich Gelenkbeschwerden in den Fingern.

    Ich habe auch schon Windmaschinen erlebt, die – vielleicht wegen der vielen Verluste in der ungepflegten Orgel – die Musik übertönten.
    Und in Nürnberg, St.Sebaldus glaube ich, ist der Orgelspieltisch in einen Glaskasten eingebaut und so heizbar.

    Allgemein sind Organisten pflegeleicht und leben nach ihrem Lied „Gott solln wir billig loben“. Wenn man sie ärgert, können sie aber auch schon mal eine Predigt unterbrechen mit eg371… natürlich ganz versehentlich. Oder sie gehen eins trinken, wenn die Predigt immer so lang ist.
    Und überhaupt niemals darf man ihnen sagen, „wir fangen dann noch mal an und nehmen das Lied etwas fröhlicher“. Dann spielen sie Walzer.
    Äh, ich hab ja nix gesagt, nech? Und ich bin ja auch ins andere Lager gewechselt…

  11. theomix Says:

    Welches andere Lager? 🙄 Solange man isch nicht zu feidnen macht, arbeitet man ja zusammen. Von daher eine andere Perspektive. Gut, dass du beide Seiten kennst.

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