Letztmögliche Wiedervereinigung

Irgendwo zwischen meiner Kindheit und Jugend grassierte dieser Witz, 2009 würde die DDR ja mit der BRD wiedervereinigt, weil sie dann als Rentnerin, mit 60,  Ausreise beantragen könnte.

Ich fand die Pointe damals eigenartig. So sehr war ich an die DDR gewöhnt, dass ich mir so etwas schlechterdings nicht vorstellen konnte.

Als dann die D-Mark im Osten eingeführt wurde und die Einigung bevorstand, dachte ich mir schon, den 41. Geburtstag wird die DDR nicht mehr erleben. Alle Verträge schon unterschrieben und dann noch eine Jahresfeier – auch wenn sie noch so pluralistisch und demokratisch dahergekommen wäre, das passte nicht ins Konzept. Da ist sie also schon kurz vor Vollendung des  41. Jahrs verstorben. Von wenigen nur betrauert.

Es dauerte auch über 1990 hinaus, bis ich mich an das Ende des kleineren deutschen Staates und die Auflösung der Blöcke gewöhnt hatte. Es war eher eine Umgewöhnung als Trauer.

Und wenn sie weitergelebt hätte, könnte sie ab heute die Ausreise beantragen. Siehste wohl…

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16 Antworten to “Letztmögliche Wiedervereinigung”

  1. onebbo Says:

    Und würde von der Bundesregierung auch ein Tagegeld oder so was bekommen, daran erinnere ich mich auch noch 🙂

  2. tonari Says:

    Es sei denn, die Rentenaltersgrenze wäre inzwischen auch nach oben gesetzt worden 😉

  3. theomix Says:

    @onebbo:
    Das waren damals 20 DM. Mal 16 Millionen = 160.000.000 Euro. der Solizuschlag hat mehr gebracht. Ach so, fFür die DDR als Ganzes nur 20 Märker? Einmal Soljanka für den Staatsratsvorsitzenden, bitte!

    @tonari:
    Spekulieren hilft nicht, 60-jähriger Geburtstag ist heute…

  4. mialieh Says:

    Ja, ich habe auch immer befremdet im Geschichtsunterricht gesessen, wenn unser Lehrer von der SBZ gesprochen hat. Er hat das als politischen Widerstand auch noch nach 1980 gemacht – also lange nach den Ostverträgen. Ich war befremdet von der Ablehung, die im Westen gegen den Osten demonstriert wurde. Und auch bei der Vereinigung war ich befremdet, weil es für mich einfach zwei Staaten waren. Das geht übrigens vielen meiner Kollegen, hier im Osten auch so.

    Und jetzt sind wir in den Osten gezogen und es gibt noch immer eine imaginäre Grenze. Wenn man über den ehemaligen Todesstreifen fährt, wenn man sich mit manchen Teilen der „Westverwandtschaft“ unterhält („Warum gibt es hier noch verfallende Häuser, wir bezahlen doch alle den Soli und dann ist es hier so hässlich?“), wenn die Generation über meiner Verhaltensweisen als „Typisch Wessi/Ossi“ etikettieren.

  5. theomix Says:

    Der lehrer war noch strikter als die springerpresse mit ihrer gänsefüßchenpolitik.
    Rein äußerlich findet schon eine angleichung statt. Aber die hohe arbeitslosigkeit zeigt das versagen der westpolitiker, die nur das aufsaugen der DDR im petto hatten.
    Es ist natürlich jetzt zu spät für alternativen. Die oft erwähnte „mauer in den köpfen“ behält durch solche entwicklungen weiterhin ein fundament.

  6. Babbeldieübermama Says:

    Die DDR wurde noch lange bei vielen Ostzone genannt, weil sie nicht akzeptieren wollten, daß die DDR ein eigenständiger Staat war.
    Wer miterlebt hat, wie mit den Menschen beim Mauerbau und auch danach, umgegangen wurde, konnte nicht für diesen Staat sein.

  7. Wortman Says:

    Irgendwann, Anfang der 80er gab es einen Witz, in dem Honnecker von einer Dienstreise aus Moskau wiederkam und in der ganzen DDR brannte abends das Licht und niemand war zu sehen. Als er in Ostberlin ankan, sah er ein großes Loch in der Mauer. Davor ein Schild: Erich, du bist der letzte. Mach das Licht aus.

    Wer hätte da gedacht oder nur geahnt, dass Ende der 80er dieser Witz Realität werden würde…

  8. theomix Says:

    @BbdÜM:
    wenn man bedenkt, dass es denen in der DDR noch am besten ging im Ostblock, w egen der vielen Westkontakte und -verwandtschaft. Wirtschaftlich war dieses System untauglich. Aber ob es gut war, alles und jedes in Bausch und Bausch schlecht zu finden, darf bezweifelt wden. „Es war ja nicht ales schelcht“, legt sich als Fluchtsatz nahe…
    Ich hätte nicht tauschen wollen. Die geistige Enge wäre für mich wohl schlimmer gewesen als die kirchliche Situation.

    @Wortman:
    Ja, den habe ich auch mal aufgeschnappt. 🙂

  9. Babbeldieübermama Says:

    @Wortman:
    Einige haben es geahnt. !988/89 fiel auf, daß immer mehr Menschen aus der DDR flohen, die wirtschaftliche Lage immer erbärmlicher wurde und der Widerstand der Bevökerung immer offensichtlicher wurde.

  10. theomix Says:

    Und wir wollen auch Gorbi nicht vergesssen, der die öffnung angebahnt hatte.

  11. Babbeldieübermama Says:

    Habe die Tage einen Bericht gesehen, als Gorbi in den 80ern in der DDR war. Das „gekaufte Publikum“, unter anderem Parteimitglieder, jubelten Gorbi entgegen aller Befehle zu. Das gequälte Lächeln von Honecker war ein Genuss.

  12. theomix Says:

    Ja, ja, „den sodsialismus in seinem lauf halten weder ochs noch esel auf“…

  13. Babbeldieübermama Says:

    Das Volk und Gorbi haben es geschafft, da hat der Honecker nicht mehr gelacht.

  14. Babbeldieübermama Says:

    Besser:
    Das Volk und Gorbi haben es geschafft, der Honecker hat es zu spät gerafft.

  15. theomix Says:

    Honecker ist in gewisser Weise eine tragische (nein, eher traurige) Figur. Ein Saarländer. Deswegen ist Oskar so schnell Parteivorsitzender geworden 😉

  16. Babbeldieübermama Says:

    Die Logik hat für mich ’ne gewisse Logik. 😉

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