Nicht noch einmal Kolumba

Neulich besichtigt: Das Diözesanmuseum in Köln, Kolumba. Wie es mir erging:
Du kriegst ein kleines Heft als Begleiter. Es weist dir den Weg und erklärt spärlich, was es mit ein paar ausgewählten Kunstwerken auf sich hat, erwähnt aber alle.

Im Erdgeschoss ist es noch nett  über  Grundmauern von Ausgrabungen zu laufen und hinab in die Antike zu schauen. Aber die beiden Obergeschosse: x Räume, fast alle in nacktem glatten Beton, an den Wänden oder in Vitrinen Altertümchen – die sind meist ganz nett – neben meist unerklärten neuen Dingen, Gemälde, Installationen. Alles wirkt unfertig. Überladene Wände sind ein Graus, darunter leiden manche Museen. Aber hier hast du überall das Gefühl, es fehlt etwas.

Die Schwellen der Räume zu den Fluren sind stets auf anderem Niveau, ohne Warnung (außer an der Kasse: „Achten Sie bitte auf die Unebenheiten!“). Im letzten Raum ein Ölgemälde, eine riesige rotbraune Fläche (Phil Sims: The Cologne Painting [Pietà Cycle]). Der Text kommentiert, es wäre von Tizian inspiriert. So. Hier entzündeten sich Gespräche: eine distinguierte Dame verlor ihre Fassung und sagte, das ganze Museum sei ein einziger Beschiss und sie schäme sich für ihre Vaterstadt. Meine Frau kam ins Gespräch mit zwei Männern, die auch entsetzt waren. Der eine wusste, dass die Angebote jährlich wechseln, letztes Jahr sei es beeindruckend gewesen, aber jetzt…

Kurz, sage einem eingefleischten Calvin-Anhänger, er solle die katholische Sakralkunst, kombiniert mit der modernen, in ein Museum bringen, dann kommt Kolumba dabei heraus. Wo bleibt die rheinisch-katholische Sinnenfreude? Kein Café oder Bistro, noch nicht einmal ein anonymer Getränkeautomat. Zurück bleibt Kopfschütteln: Das Erzbistum Köln schließt Kindergärten, und hier hat es Unmengen Beton in den Sand gesetzt.

Wer also nach Köln will, sollte nicht unbedingt in dieses Museum.

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7 Antworten to “Nicht noch einmal Kolumba”

  1. onebbo Says:

    Die elegant-schlichte Homepage lässt für wahr mehr erwarten.

  2. werner Says:

    Nur kurz dzu (aus aktuellem Zeitmangel):
    Ich habe das Museum besucht als es neu war, aklso mit der ersten Ausstattung.
    Ich war begeistert.
    Schon alleine die Architektur hat mich sehr angesprochen und zwar nicht nur die Ausgrabungen.
    Zum Beispiel die Treppe mit ihrem Lichteffekt…. http://farm1.static.flickr.com/99/302089293_8a514f9225_o.jpg
    Aber auch die ausgestellten Werke waren damals – zumindest großteils – beeindruckend.
    Über die jetzige Präsentation kanni ch natürlich nichts sagen.

    Achja, Ein Cafe hat mir wirklich nicht gefehlt. Im Umkreis des Museums gibt es da genug Möglichkeiten, einen Kaffee zu trinken.

    Werner

  3. theomix Says:

    @onebbo:
    … und sie hate auch mich gelockt.

    @werner:
    Ja, das war bei einem der genanten Männer ähnlich. Ganz zu Anfang soll es toll gewesen sein. Ich kann etwas mit moderner Kunst anfangen, wenn es kein vergleichendes Gegeneinander ist, freue ich mich auch an gelungenen Bespielen der Selbstdarstellung einer Konfession. Aber das hier war gründlich misslungen.
    Und es ist damit nicht getan zu wissen, dass es in der Nähe Kaffee gibt. Ein gastronomischer Betrieb ist ein SERVICE für Besucher und bietet die Chance das sinnliche Erlebnis zu steigern, kann auch sehr kommunikativ sein. Und bei DER Größe! Ist ja kein Dorfgeschichtliches Museum in einem Nebenzimmer. Da würde ich es nicht erwarten.
    Sicher, verschwiegen habe ich dass es an Fronleichnam war, es überraschend kalt und ungemütlich war und der Regen ständiger Begleiter war. Von daher hatte ich auch ein größeres Augenmerk darauf als wenn es sonnig und heiter gewesen wäre.

  4. mialieh Says:

    in zürich gab es ein ähnliches museum – kunsthalle oder so… war ziemlich leer und als ausstellung installationen von klobürsten, motorradhelmen, schellakschallplatten, unausgepackten bilderrahmen und chromgarnituren. ich habe dann noch eine zweite karte für die zweite ebene geholt und insgesamt 20 euro bezahlt für eine halbe stunde Museumsbesuch. Da habe ich mich eine halbe Stunde irgendwohin gesetzt und geschaut, damit sich der Eintritt wenigstens rentiert.

  5. theomix Says:

    Na gut, Kolumba nimmt 5 Euro pro Person. Fürs Ganze.

  6. Wortman Says:

    Hier hab ich auch was für dich Theomix – und umsonst 🙂

    http://wortman.wordpress.com/2009/06/25/kirche-maria-lichtmess-lindkirchen/

  7. Heute vor 10 Jahren: Rückblick auf einen traumatischen Museumsbesuch | Theomix Says:

    […] https://theomix.wordpress.com/2009/06/25/nicht-noch-einmal-kolumba/ […]

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