Ärgernis Kirchensteuer – 1

Ein Ärgernis für viele. Ursache für die meisten Kirchenaustritte. Ich beschränke mich auf deutsche Verhältnisse.

Wie kam es zu Kirchensteuern?

Zu Anfang des Mittelalters waren die Kirchen die einzige überlebende Institution. Das weströmische Reich war hinüber, die Germanenvölker kamen und gingen.  Klöster waren die Wissenshorte, Kirchen gaben institutionelle Sicherheit. Als die politischen Verhältnisse durch die Franken stabil wurden, wuchs die Kirche zum Bündnsipartner. Alles hatte seinen  Preis, brauchst du Segen für den Degen, ist das Gold mir hold. So wurden Bischöfe und Klöster Grundeigentümer, mischten in der Politik mit usw. Das ständische System setzte das fort.

Dieses System währte lange, die Französische Revolution läutete sein Ende ein. Endgültig sorgte Napoleon dafür: 1803 wurden im Rest des Kaiserreichs aller kirchlicher Besitz eingezogen und an die säkularen Fürsten verteilt. Deshalb auch als Säkularisation bezeichnet.

Allerdings, das Attraktive an der Reformation im 16. Jahrhundert war, dass die Landesherren das schon vorziehen konnten: Klöster wurden geschlossen und zugunsten der Staatskasse eingezogen. Es entstand dadurch eine Abhängigkeit der Kirchenorganisation vom Landesherrn. Eine ungute Tradition, die sich in 20. Jahrhundert rächen sollte.

Jedenfalls, 1803 wurde der Besitz eingezogen und den Kirchen wurde Ersatz gewährt, mit jährlichen Zahlungen.

1919: Mit dem Ende der Monarchie musste die Weimarer Republik neue Verhältnisse schaffen.  Das Staatskirchentum war vorbei. Die Verfassungsparteien waren sehr kritisch gegenüber diesem Staatskirchentum eingestellt, aber man scheute sich die Tradition der jährlichen Zahlungen abzubrechen. Die Republik hatte größere Probleme, so dass man den Kirchen das Recht gab,  Kirchensteuern einzuziehen.

Mit der Entstehung der Bundesrepublik setzte man das fort, die Religions-Artikel aus der Weimarer Verfassung wurden Bestandteil des Grundgesetzes. Seit 1990 gilt das Grundgesetz auch dort, wo früher die DDR war.

Und seit wann zieht der Staat die Kirchensteuer ein?

Irgendwann in den 60-ern fühlten sich die Kirchen überfordert und wollten das durch den Staat machen lassen. Der hatte ja sowieso die Unterlagen, dann konnte er auch diese Steuer leicht abzwacken. Nur, dass ihr’s wisst: Der Staat macht das, aber nicht umsonst. Etwa 3 % der Kirchensteuereinnahmen gehen dafür drauf.

So  viel erst mal. Zu weiteren Fragen demnächst.

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15 Antworten to “Ärgernis Kirchensteuer – 1”

  1. mialieh Says:

    Schön erklärt! Fast ein bisschen wie bei der Sendung mit der Maus. Aber sowas finde ich ja gut. Dann muss man auch nicht alles in Wikipedia nachlesen. 😉
    Sextaner-Mia

  2. onebbo Says:

    Ja, und außerdem weiß man ja nie, ob in der Wikipedia nicht so ein verkappter Atheist so einen Artikel verfasst…. Hier sind wir uns der „Originalität“ wenigstens sicher! 🙂

  3. theomix Says:

    qmialieh:
    sollte mich wirklich die Sendung mit der Kirchenmaus inspiriert haben? (klapp klapp mit den Augendeckeln) Aber Wikipedia ist auch ganz gut (prust mit dem Rüssel)

    @onebbo:
    eben, ich mache da keinen Hehl aus dem kirchlichen Bezugsfeld, in dem ich bin..

  4. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    lese das später noch mal, mir ist das im Moment zu viel Text…..
    Liebe stille Grüße von Erika

  5. theomix Says:

    Liebe Erika,
    bei Geld muss man eben gründlich sein. Aber der Beitrag läuft nicht weg. Herzlich grüßt: Jörg

  6. werner Says:

    Ist die Kirchensteuer wirklcih die URSACHE der MEISTEN Kirchenaustritte?
    Da habe ich meine Zweifel. Sicher spielt sie eine Rolle, aber ich meine oft ist sie nur der ANLASS dazu.
    Nicht immer ist der geäußerte Grund tatsächlcih ddie Ursache. (sohat mir ein evangelischer Pfarrer vor einiger Zeit erzählt, er habe es nicht nur einmal erlebt, dass Leute bei der Erklärung ihres Austritts aus der EVANGELISCHEN Kirche Aüßerungen und Haltungen des PAPSTES als Grund angegeben hätten.)

    Auf der anderen Seite ist es allerdings auch wahr, dass es Menschen gibt, für die die Kirschensteuer wirklcih der Grund ist, und nicht bei allen, die sich die Kirchensteuer nicht mehr leisten wollen oder können, ist der Austritt wirklcih eine Abkehr von der Kirche oder gar vom christlichen Glauben. Sei es, dass sie sich einfach diese Ausgabe ncith mehr leisten können, oder dass sie die Verwendung der Kirchensteuer nicht für richtig halten und dagegen protestieren indem sie einen entsprechenden Betrag ganz zielgerichtet für bestimmte Projekte einsetzen.

    Dass der Staat bei der Kirchensteuer mit verdient, wissen sicher viele nicht. Deshalb ist das ja auch ganz gut, dass du darauf hinweist.

    Werner

  7. theomix Says:

    Was wirklich der Grund ist, das mögen die Forscher erkunden. Ich habe das vor Ort belegt, ich werde noch dazu schreiben.
    Das mit dem Papst kursierte schon vor 12 Jahren im Saarland. Ach, alles für Teil 2. Und siehst du, Werner, so fängt es an, werden die Dauerkritiker sagen, so fängt es an mit dem Vertrösten…
    Für dich heißt das: Gut gefragt, gut kommentiert. Danke!

  8. Erika Says:

    Guten Morgen,
    der Werner war jetzt sehr gründlich, schön, dass er wieder da ist, hatte mir schon Gedanken gemacht,
    siehst Du, Menschen interessieren mich mehr als Geld….
    Schönen Tag
    Danke Werner, dass Du Dich mit der Kirchensteuer auseinandergesetzt hast….
    Lieber Jörg, habe immer noch keine richtige Lust, darüber was zu schreiben, trotzdem danke
    herzliche Grüsse
    Erika 🙂

  9. elisabeth Says:

    lieber Jörg,
    wenn ich die Möglichkeit habe mich zu entscheide zu zahlen oder nicht zu zahlen muß mein Herz sehr sehr verbunden mit der Institution sein um mich fürs Zahlen zu entscheiden.
    Allerdings weiß ich, daß viele Menschen auch einfach nur sehr faul sind und deswegen nicht austreten.Zu faul um sich um den Austritt zu kümmern. Auch interessant oder?
    So wie aus Faulheit sich nicht scheiden lassen, was mir auch reichlich oft begegnet.
    bedenkliche grüße
    elisabeth

  10. Elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    ich zahle auch brav – und sehr viel, es wird jedes Jahr mehr… -, wäre aber sehr dafür, wie in Italien mitbestimmen zu dürfen, wofür mein Geld eingesetzt wird. Ich wäre für die Erhaltung der Bausubstanz und für die Restaurierung vieler alter Kirchen! Und für die Verjüngung des Marketing 😉
    Herz-lichst Elisabeth

  11. onebbo Says:

    Ich würde ALLE Steuern mit sehr viel mehr Freude bezahlen, wenn die Bürger wenigstens bei einem Teil, sagen wir mal 30 %, mitbestimmen dürften, wo das Geld hingeht.

  12. mialieh Says:

    oh ja Mitbestimmung ist gut. Aber gerade bei der Kirchensteuer habe ich auch immer gedacht, dass ich die Kirche ganz gut finde, weil sie viele Einrichtngen hat, die in der Gesellschaft ein wichtiger Bestandteil sind. Zum Beispiel die Bahnhofsmission oder andere karitative Einrichtungen. Da dachte ich geht es nicht immer nur um die Gebäude, den Papst 😉 und die Gottesdienste (sorry für das nur, es ist hier als Unterscheidungsmerkmal gemeint, dass es noch viel mehr gibt)…

  13. theomix Says:

    @Erika:
    Menschen sind interessanter, aber bei Geld hört die Freundschaft auf ,oder nicht? Manchmal ein sensibles Thema. Brauchst aber keine Entschuldigung zu schreiben, wenn du keinen Kommentar hineinsetzen möchtest.

    @elisabeth:
    Liebe elisabeth,
    was heißt Institution? Meine Erfahrung zeigt, es sind meist die Gesichter hinter der anonym klingenden Institution, die zählen. Es geht aber auch, wohl wahr, um den Wert der Institution. Denn eine Gruppe, die zu einem bestimmten Zweck auf Dauer verbunden ist, braucht mehr als Luft und Liebe, um die Dauer hinzukriegen und den Zweck zu erfüllen. So gesehen auch eine Sache der Ratio.
    Die Faulheit/Bequemlichkeit ist ein wichtiger Faktor im Leben. wer drinbleibt, warum auch imer, gehört erst einmal dazu, das ist meine Perspektive.
    Integrierende Grüße, Jörg

    @Elisabeth:
    Liebe Elisabeth,
    das italienische Modell finde ich auch sehr gut. Es hat der Waldenserkirche, die vorher nie Staatszuschüsse entgegenhnahm, regelmäßige Einnahmen gebracht.
    Die Gebäude werden meist zu wenig beachtet. Sie sind aber wichtig. Das Marketing verjüngen – das ist bei uns stark ortsabhängig. Aber es wird daran gearbeitet. Hwerzliche Grüße, Jörg

    @onebbo:
    Ja. warum nicht? Das ist eine gute Idee.

    @mialieh:
    Die diakonischen Einrichtungen sind ein wichtiges argument. Aber auch zweischneidig. Manche Arbeit geht nur wegen der staatlichen Zuschüsse – was auch Abhängigkeiten mit sich bringt. Und ob bei zurückgehenden Geldern nicht gerade dort gespart wird? Es ist manchmal schwierig zu entscheiden.
    An manchen Punkten ist in der Öffentlichkeit auch zu wenig Ahnung und Wissen. Deswegen schriebe ich ja was dazu 😉

  14. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    auch da habe ich schon Lehrgeld bezahlt, bei Geld hört die Freundschaft auf, an diese Geschichte wurde ich schon mal erinnert bei Andrea,
    hatte mal einem „Freund“ viel Geld geliehen, habe einen Prozess gewonnen, aber das Geld nie wiederbekommen, zum Glück war es nur das Geld im Nachhinein….. Oooooo
    Liebe Grüße
    Erika

    ich weiß, dass ich mich nicht entschuldigen muss,
    danke…. aber bei Geld fehlen mir manchmal die richtigen Worte…
    🙂 Lieben Gruß Erika

  15. rotegraefin Says:

    Ich lass mal heute jemand anderen für mich sprechen.
    Der Rabbi spricht:
    “Wenn einer Führer wird, müssen alle nötigen Dinge da sein, ein Lehrhaus, Zimmer, Tische und Stühle, und einer wird Verwalter, und einer wird Diener und so fort. Und dann kommt der böse Widersacher und reißt das innerste Pünktchen heraus, aber alles andere bleibt wie zuvor. Das Rad dreht sich weiter, nur das innerste Pünktchen fehlt.”
    Der Rabbi hob die Stimme:
    “Aber Gott helfe uns: man darf’s nicht geschehen lassen!”

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