Mahlzeit – normal oder nicht?

Heute ist Gründonnerstag. Erinnerung an das erste Abendmahl und an die letzte gemeinsame Mahlzeit Jesu mit seinen Jüngerinnen und Jüngern.

Das gemeinsame Essen hat ja für Jesus eine besondere Bedeutung. Nicht umsonst wird er von seinen Gegnern „Fresser und Weinsäufer“ geschimpft. (Matthäus 11,19). Auch viele Gleichnisse drehen sich um Mahlzeiten.

Aus sich heraus hat das Kommunikative einer Mahlzeit schon eine besondere Qualität: Zusammensitzen, reden und dabei essen und trinken – das kann den Tag aufwerten.

In der Zeit im Saarland habe ich viel über die scheinbar säkulare Bedeutung des gemeinsamen Essens gelernt. „Haaptsach gut gess“ sagt man dort. Aber lassen wir die Saarländer selbst zu Wort kommen:

Und Gründonnerstag? Der Tag liegt quer im Magen, quer zur bisherigen Intention. Jesus sitzt ein letztes Mal im Freundeskreis, vor Gefangennahme, Verurteilung und Tod. Aber auch in Trauer und Angst tut gemeinsames Essen gut. Der Austausch tröstet. Und wenn Jesus wie spielerisch Elemente der Mahlzeit zu Symbolen macht und mit seiner Zukunft verbindet – das ist sehr kreativ.

Nicht so lustig wie am saarländischen Schwenker zu stehen, aber es beflügelt.

Trotz der ernsten Stimmung: Ich mag den Gründonnerstag-Gottesdienst:  Im Gemeindehaus sitzen wir in einer Runde an Tischen und teilen Brot und Wein. Eine symbolische Mahlzeit. Und stärker als sonst: Zeichen für eine zufällige Gemeinschaft.

Und ein bisschen ist es so, als ob Jesus selbst am Tisch sitzt. Aber das hält nicht lange, es gibt ja sonst nichts zu essen.

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11 Antworten to “Mahlzeit – normal oder nicht?”

  1. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    ja das ist lustig, die Saarländer
    hauptsach gud gess,,den Spruch kenne ich auch
    Der Austausch tröstet, ja das ist auch hier bei uns so
    Das Abendmahlbild gefällt mir immer sehr gut, auch auf meinem Konfi-spruch
    Danke für die Erinnerung, ich war auch schon Donnerstags in dem Gottesdienst, vielleicht gehe ich heut auch hin.
    SchönenTag
    und….. heut gibt´s Spinat (das war bei uns immer Tradition)
    Erika 🙂

  2. mialieh Says:

    Jörg, das war mal wieder lustig!

    Und das mit dem gemeinsamen Essen in Trauer… ich habe mich zum Beispiel lange gegen die Tradition des Beerdigungskaffees gewehrt. Ich fand, um mich von einem Menschen zu verabschieden, muss ich ihn nicht in einer kleinen Kiste versinken sehen und dann mit anderen zusammensitzen und reden. Mittlerweile denke ich da anders. Ich bin zwar immer noch befremdet, wenn auf dem Dorf die Leute hinterher Bier trinken und singen „So ein Tag so eunderschön wie heute“, aber man sieht die anderen und kann sich gemeinsam erinnern. Interessanterweise ist das ja auch soziologisch untersucht worden. Bei Beerdigungen geht es in der Erinnerung an den Verstorbenen immer darum zu sagen „Wir sind noch hier“. Damit werden, wie mit dem Essen auch, ganz basale Aspekte der Selbsterhaltung verbunden. Vielleicht liegt davon ja auch etwas im Abendmahl. Für Jesus ein Abschied, der aber signalisiert: „Noch bin ich da und kann grundlegende Lebenserhaltungstriebe erfüllen“. Die Bewährungskrise Tod, als letzte Möglichkeit individuell zu handeln, ist noch nicht manifest.

  3. freidenkerin Says:

    Lieber theomix, das ist sehr gut geschrieben! Und ich finde, daß heutzutage sehr oft übersehen wird, mit welcher Lebens- und auch Sinnesfreude Jesus seinen Weg gegangen ist.
    Sich nach dem Tode eines geliebten Menschen mit den Verwandten und trauten Freunden zum gemeinsamen Mahl zu treffen, hat etwas ungemein Tröstliches und Verbindendes, auch Aufmunterndes. Es ist so wie ein Signal: Das Leben geht weiter!
    Wünsche dir und den Deinen ein wunderschönes, gesegnetes, erfülltes Osterfest!
    Liebe Grüße!

  4. theomix Says:

    @erika:
    Spinat? Ist das wie die Frankfurter Grüne Sauce wegen des wörtlich genommenen „Grün“?

    @mialieh:
    Beerdigungskaffee hat etwas, Gemeinschaft, Tröstung, Erinnerung, Ablenkung – von allem etwas. Gründonnerstag ist nicht hinterher, das stimmt. Für uns heute mischt sich das…

    @freidenkerin:
    Danke für die Ergänzung!

  5. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    das ist keine Frankfurter Grüne Soße
    aber grün wegen „Gründonnerstag“ bestimmt.
    Bei uns gab´s das immer :SPinat , Kartoffel, Ei (meist Spiegelei)
    Frankfurter Grüne Soße gab´s bei uns zu Hause in Rheinhessen gar nicht so, mein Mann kennt sie aus Hessen aber die haben „Lauchsoße“ dazu gesagt, auch bissl anders…..
    hauptsach: guud gess, gelle?

    Ich geh jetzt schnell in den Gründonnerstagsgottesdienst mit Abendmahl.
    Ich denk dabei an Dich (als Pfarrer und als Herz-Kopf-Mensch und Theomix)
    und überhaupt ich denk dabei an Euch ALLE hier
    lieben Sonnengruß
    Erika 🙂

  6. mialieh Says:

    @theomix:
    ja, ich weiß, dründonnerstag ist VOR dem tod, Beerdigungskaffee danach. Ich habe nur überlegt, welche Bedeutung das Essen im Zusammenhang mit Angst und Trauer hat. Darauf spieltest du doch an, gell? Und da habe ich gedacht: essen ist so etwas Lebendiges und so grundlegend notwendig, dass man sich damit, dass man es tun kann, selbst beweist, dass man lebt – und im Fall von Jesus: dass es noch nicht vorbei ist. Ist nicht das überhaupt erst der Trost?

  7. Sicht-Feld Says:

    Lieber Jörg,
    ein echt knuffiges Filmchen! 😉
    Ich finde auch, dass ein gemeinsames Mahl etwas ungeheuer schönes und wichtiges ist, gerade in der Familie. Es bietet Raum, um sich auszutauschen, um zusammen zu sein und gemeinsam etwas Gutes (in den meisten Fällen zumindest) zu genießen. Man kann etwas gerade erlebtes Revue passieren lassen, kann Pläne schmieden und sich freuen oder auch seine Spannung angesichts etwas Bevorstehendem mit anderen teilen. Und besonders schön finde ich es, eine Mahlzeit damit zu beginnen, den Herrn dazuzubitten und ihm zu danken; sich noch einmal bewusst zu machen, wie gut es uns geht und dafür dankbar zu sein. Am Gründonnerstag ist das sicher in besonderem Maße so, aber auch an jedem anderen Tag des Jahres!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  8. elisabeth Says:

    Lieber Jörg,

    wir haben uns sooo über das Video abgehaut, so viel Witz und liebendwürdiger Humor. So schön und kreativ gemacht!!

    Und als Überleitung das Gastmahl, das Zusammensein, gemeinsam Essen, trinken, plaudern, lachen,….
    Lachen?
    Ja schon, aber es ist Gründonnerstag und da mischt sich in das traute Zusammensein dieses nahende Ende, dieser traurige Abschied.
    Und in meinem Herzen spür ich ein bißchen Bitterkeit.
    Denn da ist immer die Frage: Musste es so weit kommen?
    Diese frage werde ich mir immer stellen, egal was da zur Antwort kommt.

    Und so wird das, was am Anfang noch so leicht erschien,das gesellige Beisammensein,
    am Ende für mich doch ein wenig traurig.
    eher so ein Blue-Thursday….

    liebste Grüße
    elisabeth

  9. theomix Says:

    @mialieh:
    Lauter zustimmung. Und auf deine frage: Ja!

    @Sicht-Feld:
    Liebe Mareike,
    das beschreibst du treffend und schön. Herzlichen gruß, Jörg

    @ellisabeth:
    Liebe elisabeth,
    das macht es auch im Saarland so liebenswert. Genuss ist ein wert, davon habe ich viel gelernt, als verkopfter theologe.
    Ziemlich viel „blue“, auf alle fälle. Obwohl die neutestamentlichen beschreibungen alle Ostern hinter sich haben und „wissen, wie der roman ausgeht“. Nicht umsonst war dann das gemeinsame feiern bestandteil des abendmahls in vielen gemeinden des urchristentums, bevor es sakramentalisiert wurde.
    Ich erinnere mich an den 70. geburtstag meines schwiegervaters: er wusste, dass er nur noch ein paar monate zu leben hatte. Und alle gratulanten wussten es auch. Trotzdem war das zusammensein wichtig – und gut! Keine überbordende feier, keine verlogenen wünsche für ein langes leben. Ein trautes Zusammensein, ein dankbarer rückblick, ein zaghafter ausblick. So kann es manchmal sein. Manchmal mit dem hauch bitterkeit. Ja, so kann es sein…
    Ganz herzliche grüße, Jörg

  10. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    ich melde mich noch einmal nach dem Tischabendmahl.
    Es war sehr schön, um die Tische zu sitzen mit den älteren Menschen und Abendmahl zu feiern, ich hatte ein Bild von meiner Mama dabei, weil sie im Altenwohnheim außerhalb unseres Ortes ist. Ich habe mit vielen älteren Menschen unseres Ortes gesprochen, die ich lange nicht gesehen habe und geistig noch fitter sind. Wie ich mich schon an die Dementen gewöhnt habe, es war schön, um Vergebung zu bitten und dieses schöne Gefühl des Aufgehobenseins bei Gott zu spüren, die Liebe, die über den Tod hinausgeht, es kamen Tränen, Gnadentränen…
    Zu Hause haben wir gerade in großer Runde mit Kindern un dAnhang
    das lustige Saarland-Video geguckt, alle haben gelacht, weil mein Mann und auch meine Tochter Kontakte zu Saarländern haben.
    Er wusste es auch mit dem Schwenker.
    Liebe Grüße
    und eine schöne Vollmondnacht
    Erika

  11. theomix Says:

    Liebe Erika,
    vielen lieben dank für deinen nachtrag! Gute und wichtige gedanken.
    Die saarländer sind ein „lustiges völkchen“, und sie verstehen zu leben.
    herzliche grüße, Jörg

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