Dankbarkeit: Das Rezept der Hundertjährigen

Wenn Hundertjährige interviewt werden, kommt regelmäßig die Frage nach dem Geheimnis oder Rezept, wie er oder sie so alt werden konnte. Genauso regelmäßig ist dann etwa Folgendes zu lesen: Maßvoll leben, ein Gleichmaß über Jahrzehnte – und Dankbarkeit.

Das maßvolle Leben lässt sich lernen. Negativen Stress vermeiden ist etwas schwieriger. Und dankbar leben? Als innere Haltung durch und durch? Ich glaube, es geht. Öfters tief durchatmen, sich umschauen und einfach mal sich am Guten freuen.

Das allein ist mir zu wenig. Aber wenn es ein Baustein ist, um sinnvoll einhundert Jahre Lebenszeit zu füllen, dann ist es das wert.

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19 Antworten to “Dankbarkeit: Das Rezept der Hundertjährigen”

  1. Wortman Says:

    Da fehlt noch was: Täglich ein Schnäpschen 😉

    Am Guten freuen ist sehr viel wert. Meist haben aber viele eben diesen Blick für das kleine Gute irgendwie verloren. Die meisten gucken eher nach Macht, Reichtum, Besitz und setzen sich so wieder negativen Stress aus, weil der oftmals dann mit Neid/Mißgunst einher geht.

    Sicher, jeder von uns hat ein wenig Neid in sich, da kann sich wohl niemand von frei sprechen, aber das gesunde Maß als Antrieb ist dann ok.

    Ich denke, ein „maßvolles Leben“ schließt das ab und an mal über die Stränge schlagen auch mit ein 😉

  2. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    einhundert Jahre, heute wird ein 1911 geborener , der auch im Altenheim war, beerdigt, er hat es nicht ganz geschafft, letzten Freitag noch hat er mir auf die Schulter geklopft, sich bedankt, dass ich ihm die Füße auf den Rollstuhl tritt gestellt habe und er fragte, wer ich denn sei, er war sehr schwerhörig, verstand meinen Namen nicht, und sagte :darüber müssen wir noch mal reden!
    Ja darüber, jetzt ist es zu spät, vielleicht hätte ich ihn nach dem Rezept fragen können, er war unser Tierarzt früher. Seine Frau ist auch im Altenheim, sie waren ein rührendes Paar.
    Er hat viel gearbeitet in seinem Leben ,
    Dankbarkeit ist bestimmt ein Teilaspekt, aber es gibt keine Geheimrezepte, wenn die Zeit da ist, ist es soweit, ganz egal, wie alt man ist. Die Jahre zählen nicht, es kommt auf die Intensität an, mit der man sein Leben lebt, es gibt junge Menschen, die gehen und soviel bewirkt haben in ihrem Leben.
    Ja, auch mein Neffe mit seinen 30 Jahren, der so stark ist und jetzt sogar sich traut, wieder stundenweise mit Arbeiten zu beginnen, trotz seiner vielen Kopfops und seiner Beinamputation mit bereits 14 Jahren.
    Auch wenn er mal nicht 100 Jahre alt wird, er hat gelebt, ganz intensiv, jeden Tag, er klagt nie er ist sogar dankbar, dass es ihm im Moment recht „gut“ geht, hat er mir in einem Mail lieb geschrieben und sich für unsere guten Gedanken an ihn bedankt. Dankbarkeit und Zufriedenheit und nicht verzagen, wenn das Schicksal zuschlägt.
    Meine Zeit steht in Deinen Händen – ein schönes Lied
    Alles Liebe , ich sehe jeden Tag als ein Geschenk
    man weiß am Morgen nicht, ob es noch ein Abend gibt
    Erika 🙂

  3. Erika Says:

    Meine Zeit steht in deinen Händen

    Text und Melodie: Peter Strauch

    Soweit ich weiß, unterliegt das Lied dem Urheberrecht. Deshalb steht es nicht mehr da. Der Text des Liedes ist hier zu finden.

  4. Erika Says:

    In Erinnerung an meinen Papa und für Herrn Dr. O., der heute beerdigt wird . Von Erika Danke

  5. mialieh Says:

    @erika: ein schönes Lied, fürwahr! Und du musst große Kraft haben, wenn du dafür was dein Neffe alles mit macht und wie er lebt, Dankbarkeit empfindest und auf Qualität statt Quantität pochst. Bei den 100jährigen ist es ja so naheliegend, denn die die noch antworten können, die können ja auch dankbar sein (die haben Qualität und Quantität vereint), gleichzeitig sagen sie einem ja das, was sozial erwartet ist und zeugen damit wieder von maßvollem Leben.

  6. Erika Says:

    @mialieh: vielen herzlichen Dank, ich gehe gleich mit meinem Chor zu einer Hochzeit von einer Chorfrau singen, das ist auch schön.
    Diese Lieder sie vereinen uns sehr. Auch bei einer Beerdigung von einer Frau aus unserem Chor haben wir mal gesungen, sie hat es sich selbst gewünscht, WE ARE ONE (H.)
    Liebe Grüsse Erika und alles Gute für Dich

  7. Erika Says:

    Ja, dieses Urheberrecht, ich denke nicht immer dran, aber bei Elisabeth hab ich mal selbst an die Dame geschrieben, die ein Gedicht verfasst hat und die hat mir geantwortet, dass sie sich darüber gefreut haben, weil die Dame genau an dem Tag ihren 86. Geburtstag gefeiert hat und die Tochter geantwortet hat, nicht alle achten auf dieses Recht stimmt.
    Danke für die Erinnerung
    LG Erika

  8. onebbo Says:

    @theomix:
    Es gibt aber auch maßvolle und dankbare Menschen, die jung (jünger) sterben. Ich fürchte, eine Garantie gibst du uns auch nicht auf die Hundert Jahre, oder? 🙂

  9. Elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    ich denke, dass Dankbarkeit ein äußerst wesentlicher Baustein ist – die Dankbarkeit wird meist kaum gelebt… Die Menschen denken immerzu daran, was sie alles nicht haben, anstatt dafür dankbar zu sein, was sie haben, was bereits in ihrem Leben ist… Ich sehe das immer mehr und immer öfter, auch oder vor allem wenn ich durch schwierige Zeiten gehe…
    Danke dir für diesen schönen Gedanken – und ich genieße mein Leben im Hier und Jetzt! Mit allem, was dazu gehört… 🙂
    Herzliche Grüße von Elisabeth

  10. theomix Says:

    @wortman:
    richtig, die tägliche kleine Flucht habe ich vergessen.

    @erika:
    das intensive Leben ist ein anderer, geradezu komplementärer Effekt. Zeit, von Gott gegeben, gut genutzt – das wär die Kunst.

    @onebbo:
    … und bei dieser Sicht gibt es keine Garantiekarte.

    @Elisabeth:
    Gerade bei dir ist Dankbarkeit wichtig – weil du sie auf deinem Blog häufig weitergibst 🙂

  11. Wortman Says:

    Da ich keine Schnäpschen trinke…. wie alte werde ich dann? 😉

  12. theomix Says:

    So alt wie du es verdienst? plus 5 Jahre? Geschnitten oder am Stück?
    Im Ernst, die kleine Flucht hat den Hauch des Verbotenen und man kann es genießen. Also für dich: Zigarillo oder Sherry oder…? So gut kenne ich deinen Geschmack ja nicht.

  13. Wortman Says:

    Das bisschen Alkohol was ich so trinke, das kann man gar nicht rechnen 😉
    Mal ein Fläschchen Bier oder mal ein, zwei Gläser Wein.
    Nur bei Feiern wirds mehr 😉

    Wenn ich trinke, dann kalorienbewusst: Barcadi oder Rum mit Cola Light 🙂

  14. werner Says:

    Ich habe kein Rezept für die 100, aber ein ziel für die 80.
    Ich habs vor acht JAhren formuliert und als ichs nun rausgeholt habe, denke ich, dass ich es auch heute ncoh so stehen lassen kann:

    Mit 80 ….

    Mit 80 möchte ich alt sein dürfen,
    gezeichnet von gelebtem Leben –
    mit 80 nicht mehr fit sein müssen,
    mit Runzeln und mit Falten eben.

    Mit 80 auch noch Freunde haben,
    die meine Schwächen akzeptieren,
    die Unzulänglichkeiten sehen,
    sich trotzdem meiner nicht genieren.

    Mit 80 nicht mehr „funktionieren“ –
    nein, wirklich auch mal Ruhe halten.
    Wenn ich dann darf MEIN Tempo leben,
    gehör ich gerne zu den Alten.
    WB19-02-2001

  15. mialieh Says:

    @onebbo: das denke ich auch. Bei meiner Tochter (der jüngeren) ist ein Junge in der Klasse mit inoperablem Hirntumor. Das finde ich so furchtbar. Seit er 8 ist hat er den. Wo hat der denn über die Stränge geschlagen? Die Ärzte haben gesagt, er wird wahrscheinlich nicht älter als 12. Jetzt ist er 14,5 Jahre alt. Und für die Familie ist das eine große Belastung, weil er ja auch besondere Pflege braucht. Körperlich hat er sich schnell entwickelt, aber bei den Bestrahlungen ist irgend etwas in seinem Gehirn zerstört worden, so dass er nciht lesen und schreiben kann. Und gleichzeitig sind sie natürlich froh, um jeden Tag, wo er noch da ist.
    Ich frage mich auch manchmal, wie man angesichts eines solchen Schicksals dankbar sein soll.

  16. Wortman Says:

    Werner, nettes Ziel für die 80. 🙂
    Wie lange musst da noch üben, bis du dort ankommst? 😉

  17. theomix Says:

    @wortman:
    Die 100-jährigen haben halt ihr regelmäßiges kleines Flüchtchen, das ihnen Genuss deutlich macht.

    @werner:
    Das ist gut und schön gereimt!

    @mialieh:
    Bei so eine schweren Los wäre Dankbarkeit zu viel verlangt. Ich schrieb vom Rezept derer, die schon so alt sind, und wie ein ärztliches Rezept, passt es nicht auf alles.
    „Froh sein um jeden Tag“ sieht bei einem schwerkranken Menschen anders aus als bei einem alten. Aber es berührt sich beim Bewusstsein um das nahe Lebensende.

  18. Sterntau Says:

    Ich hatte bis vor vier Jahren eine Uromi, die wurde 106 Jahre alt 🙂
    Ihr Rezept…. täglich morgens und nachmittags einen guten Kaffee. Den genoss sie bis zum Schluss. Ansonsten war sie ein sehr bescheidener Mensch, eine bewundernswerte Frau, nie klagend, immer zufrieden. Vielleicht war es das.

    Sie fehlt mir.

  19. theomix Says:

    Das war es wohl. Und ich verstehe, dass sie dir fehlt. Uralte Menschen haben oft eine hinreißende Ausstrahlung. (Nicht alle, gibt auch griesgrämige…) Deine Uroma war wohl so.

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