Zum Welttag der Poesie

Zum Welttag der Poesie wieder einmal etwas Selbstgemachtes (von Ende 1981). Wie ich (nach wie vor) finde, habe ich den Ton des Barock ganz gut karikiert.

Gartenphantasie

I.
Schenk mir ein paar raschelnüsse
und dazu noch knistertrauben,
oder gib mir tausend küsse,
dann will ich dir alles glauben.

Ist ein kuss mir deine mundes
teurer noch als purzelberen.
diese zwar sind was gesundes,
doch nur jener kann betören.

II.
Reich mir statt der stolperpflaumen,
diesen eklig süßen dingern,
jenen körperteil mit daumen
und verschieden langen fingern.

Längs der beete wolln wir gehen,
die zu unsrer rechten liegen;
rumpelbohenn sind zu sehen,
liebstes mahl der bröselfliegen.

III.
Flatterbirnen wehn im winde –
siehst auch du ihr fallobst schweben?
sind auch wir nicht, liebstes kinde,
ruhlos zwischen tod und leben?

Wenn die quaderäpfel rauschen
voller wucht in ihren bäumen,
will ich deiner antwort lauschen,
will die liebe nicht versäumen.

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25 Antworten to “Zum Welttag der Poesie”

  1. Erika Says:

    wow, das ist ja klasse, lieber Jörg.
    zum Welttag der Poesie auch was von mir :

    LIED DER SEHNSUCHT
    (Gilleleije 2001)
    von erika für P.

    Du bist bei mir
    in meinen Gedanken
    in meinem Herzen
    in meinen Träumen
    ich habe dem MEER
    von dir erzählt
    ich habe einHerz in
    den Sand gemalt
    mit deinem Namen
    die Wellen haben
    es mitgenommen
    jetzt schwimmt es
    ganz weit draußen
    es schwimmt bis in
    die Unendlichkeit
    das Rauschen ist ein Lied
    ein LIED DER SEHNSUCHT
    in dieses Lied stimme ich ein
    mein Herz wird froh
    wenn ich deine Stimme dort
    draußen am Horizont höre
    ich spüre deine Worte
    im Sand auf meiner Haut
    sanft weht der Wind sie fort
    an einen ganz geheimen Ort
    wo sich unsere Seelen küssen
    ich will dich nie mehr vermissen.
    Ich schenke dem Meer
    eine Träne von mir.

    Einen schönen Tag und poetische Grüsse
    ♥-lichst erika

  2. OneBBo Says:

    @theomix: Gefällt mir, hat auch irgendwie was von Morgenstern-Einfluss, könnte das sein? 😉

  3. theomix Says:

    @erika:
    Liebe Erika,
    wahrhaft poetisch. Danke! Herzlich, Jörg

    @onebbo:
    Morgenstern, Barock, mehr Ringelnatz als mir damals bewusst war.

  4. onebbo Says:

    @theomix:
    Da wir ja alle Sammelbecken für Einflüsse sind, finde ich das trotzdem schön und auch durchaus was Eigenes.

  5. theomix Says:

    So ist es doch immer: Aus vielen fremden Zutaten entsteht etwas Neues, Eigenes.

  6. onebbo Says:

    @theomix:
    Naja, immer würde ich nicht sagen. Es gibt auch platte Plagiate (das stab ).

  7. theomix Says:

    „…wofür man besonders schwärmt, wenn es wieder aufgewärmt.“ Auch das gibt es, ist nahe am Plagiat. Und ein bisschen wärme ich ja auch was Altes auf. .

  8. mialieh Says:

    Ich bin wieder daha! Und das letzte War Wilhelm Busch, oder? Also: ich bin von deiner Dichteskunst beeindruckt. Wie phantasievoll…

  9. elisabeth Says:

    lieber Jörg,
    ein herrliches Gedicht. Grandios.

    irgendwie hab ich das Bild Du auf der Kanzel (gibts die auch bei den Protestanten) mit ganz ernster Miene und scheinbar getragen dieses Gedicht am Sonntag vortragen.

    Zuerst weiß keiner was los ist
    der Pastor ist verrückt geworden,
    dann, wenn die erste Angst verflogen ist,
    den Hirten nicht verloren zu haben
    genießen sies, einer zieht sogar das handy raus
    filmt mit und alle können sichs auf youtube ansehn…

    Herrlich!
    elisabeth

  10. onebbo Says:

    @mialieh: Schön, habe dich vermisst 🙂

  11. werner Says:

    Dass heute so ein Welttag ist, wusste ich nicht.
    Aber gut, da willich auch mal in meinem Fundus graben und finde was.
    Vorweg: Stanzen sindeine Gedichtform, die früher gebräuchlicher war als heute:
    „Die Stanze bedeutet in der romanischen Metrik zunächst allgemein Haltepunkt oder Abschnitt in einem Gedicht, entsprechend einer Strophe. Hervorzuheben ist die achtzeilige italienische Strophe (ottava rima = Achtreim), bestehend aus 8 fünffüßigen (jambischen) steigenden Versen, in denen 2 Reime dreimal miteinander wechseln und dann mit 2 gepaarten Reimen schließen. Es ermöglicht mannigfache Variationen.“
    (http://www.literatur-im-foyer.de/Sites/Strophenlehre/stanze.htm)

    Herausgefordert wurd ich – noch nicht lange:
    Jemand wollt Stanzen in mein Denken legen.
    Zunächst wurd mir deshalb auch ganz schön bange,
    ob sich da auch die richt’gen Reime regen?
    Doch dann gelang es – brechend mit der Stange –
    doch liegt auf diesem Tun denn auch ein Segen?
    Auf alle Fälle hab‘ ich damit Nöte –
    Denn schließlich bin ich armer doch nicht Goethe.

    Ich folge einfach mal jetzt meinem Triebe
    Setz mich ins Gras und schaue auf die Kühe
    Ich denke nach – jedoch bei aller Liebe
    Mir ist es jetzt als ob mein Kopf schon glühe.
    Doch wenn ich lang genug mich darin iebe
    gelingt es mir dann mit gering’rer Mühe. —
    Du fragst dich nun vielleicht jetzt schon: „was will er?
    Er tut ja grade so, als wär er Schiller.“

    © wb 2005

    poetisch gestanzte Grüße

    Werner

  12. Erika Says:

    @werner: Stanzen kenn ich nicht, weiß nur noch was ein Sonett ist

    Sich in erneutem Kunstgebrauch zu üben,
    Ist heil’ge Pflicht, die wir dir auferlegen:
    Du kannst dich auch, wie wir, bestimmt bewegen
    Nach Tritt und Schritt, wie es dir vorgeschrieben.

    Denn eben die Beschränkung lässt sich lieben,
    Wenn sich die Geister gar gewaltig regen;
    Und wie sie sich denn auch gebärden mögen,
    Das Werk zuletzt ist doch vollendet blieben.

    So möcht‘ ich selbst in künstlichen Sonetten,
    In sprachgewandter Maße kühnem Stolze,
    Das Beste, was Gefühl mir gäbe, reimen;

    Nur weiß ich hier mich nicht bequem zu betten:
    Ich schneide sonst so gern aus ganzem Holze,
    Und müsste nun doch auch mitunter leimen.

    Der Goethe hat das schön geschrieben
    Viele Grüße von Erika
    (und danke nochmals …..)
    🙂 😛

    P.S. zum Sonett
    Ursprünglich eine italienische Gedichtform (mit einem Höhepunkt im Canzionere Petrarcas), breitete sich das Sonett schnell über ganz Europa aus. Das vierzehnzeilige Gedicht besteht aus zwei über Reime miteinander verbundenen Quartetten und zwei anschließenden Terzetten

  13. werner Says:

    und weil gestern Frühlingsanfang war. passt heut auch das hier:

    Wenn draußen wehen laue Lüfte
    und du riechst süße Blütendüfte
    dann ist’s so weit:
    ’s ist Frühlingszeit!

    Wenn die, die leiden unter Pollen,
    am liebsten Regenwetter wollen,
    dann ist’s so weit:
    ’s ist Frühlingszeit!

    Wenn’s früh am morgen nicht mehr finster
    und an den Hängen blüht der Ginster,
    dann ist’s so weit:
    ’s ist Frühlingszeit!

    Wenn weiße Blüten du kannst sehen,
    wo später reifen dann die Schlehen,
    dann ist’s so weit:
    ’s ist Frühlingszeit!

    Wenn Wiesen voller Löwenzahn
    und voll von Füßen auch vom Hahn,
    dann ist’s so weit:
    s ist Frühlingszeit!

    Wenn Pferde scharren mit den Hufen
    und du fern hörst den Kuckuck rufen,
    dann ist’s so weit:
    ’s ist Frühlingszeit!

    Wenn du kannst mit Vergnügen schauen,
    wie Amseln ihre Nester bauen
    dann ist’s so weit:
    ’s ist Frühlingszeit!

    Wenn morgens früh die Vögel brüllen,
    mit Eiern ihre Nester füllen,
    dann ist’s so weit:
    ’s ist Frühlingszeit!

    Frühlingsgefühlvolle Grüße

    Werner

  14. Erika Says:

    ……………………
    wenn den werner fängt beschwingt zu dichten an
    und die Frühlingsgefühle kommen an ihn ran
    dann ist´s soweit:
    ´s ist Frühlingszeit!

    wenn der Jörg zeigt soviel Herz
    vertreibt bei den Lesern manchen Schmerz
    dann ist´s soweit:
    ´s ist Frühlingszeit!

  15. Erika Says:

    es sollte der werner heißenßen
    ich wollte nicht den werner bei

    es ist soweit:
    es ist Frühlingszeit!

    Frühlingsduftende Grüße
    von Erika 🙂

  16. Erika Says:

    wenn Buchstaben rutschen gar umher
    und das Schreiben fällt mir schwer

    dann ist´s soweit
    ´s ist Frühlingszeit

    ♥-lichst Erika

  17. theomix Says:

    @mialieh:
    Natürlich war das Wilhelm Busch. Gut erkannt.

    @werner:
    Schöne Verse sind dir da geraten. ich danke dir, dass du sie hier veröffentlichst.
    Poetische Grüße, Jörg

    @erika:
    Und dich hat es auch beflügelt? Das ist beachtlich, was du da „zusammenreimst“. Danke auch dir! Herzliche Grüße, Jörg.

  18. monalisa50ff Says:

    an theomix: Das Gedicht ist sehr schön, mit lebendiger, erfundener Sprache. So schreibt ein Poet. f.G. ML50ff

  19. theomix Says:

    @monalisa:
    Wenn das eine kundige Literaturkennerin sagt… Ganz lieben Dank für das dicke Lob!

  20. theomix Says:

    @elisabeth:
    Liebe elisabeth,
    vor lauter Weite auf deinem Blog habe ich dich bzw. deine Kommentar so stehen lassen.
    Dabei hast du ja ganz toll kommentiert. Danke für das Lob! Und Lob für deine Phantasie, sehr schön. Natürlich, wir sin die mit den Kanzeln. Die „anderen“ haben Ambo, ganz andere haben die Bütt.
    Der weiße König Wumbaba war ja schon mal mit auf der Kanzel.
    Liebes Gedichte? Wäre insgesamt mal etwas, nicht zu einer Trauung, sondern im Sommer mal einfach so?
    Aber, hier, gefilmt wird nicht. Auch nicht mit Handy. schon gar nicht, wenn es lustig sein soll, da bin ich dann ganz befangen.
    aber sonst, lustig gedacht.
    Liebe Grüße, Jörg

  21. Elisabeth Says:

    Oh, wow, lieber Jörg,
    das Gedicht ist genial, köstlich, anregend! Danke dir dafür! 🙂
    Ich wusste gar nicht, dass Welttag der Poesie war, schade auch, dass der nur ein Mal im Jahr ist, denn ich denke, du hast noch viel mehr dieser wunderbaren Art auf Lager, nicht wahr? 🙂
    ♥-lichst Elisabeth

  22. theomix Says:

    Liebe Elisabeth,
    wie auch weiter oben, so auch von dir: ich nehme auch dein Lob gerne entgegen 🙂
    „VIEL mehr“ habe ich nicht, aber „mehr“. Alles aus alten Zeiten. Seit etwa anderthalb Jahrzehnten floss die poetische Energie in andere Stellen, Beruf und Familie etwa.
    Jetzt kehrt aber einiges zurück, was aktuell zur Blog-Power genutzt wird…
    Liebe Grüße, Jörg

  23. freidenkerin Says:

    Lieber theomix, dein Gedicht ist sehr, sehr gut gelungen, voll von Phantasie, Philosophie und prallem Leben! Klasse! Danke für diesen Kunstgenuß. 🙂

  24. theomix Says:

    Liebe Freidenkerin,
    vielen Dank!

  25. Barock, selbstgemacht | Theomix Says:

    […] https://theomix.wordpress.com/2009/03/21/zum-welttag-der-poesie/ […]

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