Selbstachtung

Der aufrechte Gang ist gelebte Selbstachtung.

Zuerst auf Elisabeth Ornauers Blog kommnetiert,  2. 3. 2009

„Menschen ohne Rückgrat hab’n wir schon so viel“, sang Bettina Wegner Ende der Siebziger.

In den Neunzigern fand ich es gut, dass bei uns in der Kirche nicht gekniet wird. Allmählich wächst bei mir das Verständnis für Demut, und ich bin darüber nicht mehr stolz. Aber ich bejahe es und ziehe eine aufrechte Haltung der gebückten vor.

Aufrecht gehen und leben ist Ausdruck der Selbstachtung. „Ich will mir weiterhin (vor dem Spiegel) ins Gesicht gucken können“, sagen Menschen, die eine Gewissensentscheidung getroffen haben und sich nicht (mehr) verbiegen wollen. Aufrecht müssen wir vor dem Spiegel stehen, wenn wir uns ansehen wollen. (Ich denke bei diesem Bild nicht an den Handspiegel!)

Der aufrechte Gang ist für mich auch Ausdruck der Mündigkeit. Im Glauben vor allem. Auch wenn das  Bedürfnis nach Regression zuweilen ausgelebt wird. Und werden darf.

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20 Antworten to “Selbstachtung”

  1. elisabeth Says:

    Lieber Jörg,

    es gibt Menschen, die blühen auf, wenn sie dem Leben scheinbar ein Schnippchen schlagend immer wieder den Gewissensfragen entkommen und gerade noch die Kurve kratzen. Die schauen sich auch in den Spiegel und staunen: Toll, wie viele Facetten ich hab.

    Ich denk mir dann: Der Retourkutscher kennt den Weg

    Guten Morgen
    elisabeth

  2. Elisabeth Says:

    Lieber Jörg,
    ich bin auch nicht der Mensch, der „buckelt“ und sich verbiegt, nur um zu gefallen. Aber ich übe mich in Demut, dem Mut zu dienen, aus Liebe, um meine Ehre zu erweisen. Ich möchte aber meinem Gegenüber immer noch in die Augen schauen können…
    Herz-liche Schneegrüße von Elisabeth

  3. theomix Says:

    @elisabeth:
    Liebe elisabeth,
    ja, da gibt es viele Varianten. Aber es stimmt, der Retourkutscher ist schon unterwegs!
    Herzlichen Gruß, Jörg

    @Elisabeth:
    Liebe Elisabeth,
    auch ein guter Aspekt. Ich glaube, dass sich beides miteinander verbinden lässt: dienstbereit und aufrecht. Herzlichen Gruß, Jörg

  4. Sicht-Feld Says:

    Lieber Jörg,
    ein schöner Gedankenanstoß. Ich finde, in dem Moment, wo man sich bewusst aufrichtet und gerade hinstellt, Schultern zurück und Kopf hoch, verändert sich auch das ganze Körpergefühl. Man fühlt sich tatsächlich selbstbewusster, offener und freier, man traut sich mehr zu und ist irgendwie gefestigt. „Im Glauben vor allem“ – so habe ich es noch nicht gesehen, aber gerade spüre ich, dass die aufrechte Haltung tatsächlich auch darauf Auswirkungen hat! Toll!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  5. onebbo Says:

    Und der aufrechte Gang hat noch einen Vorteil: Wer wird mir schon ankerkennend oder ermunternd auf die Schulter klopfen können, wenn ich beide zum Boden sacken lasse?

  6. Erika Says:

    Der Mensch hat den AUFRECHTEn Gang viel zu frueh geprobt. Haetten wir noch 100 000 Jahre gewartet – vielleicht waere auch unser Gehirn nachgewachsen
    Loriot
    viele Grüsse von Erika

  7. onebbo Says:

    @Erika:
    Ah, schön dich wieder zu sehen, Erika! Deine heitere Stimmung hat mir echt hier gefehlt :-))

  8. Erika Says:

    @onebbo:danke, das freut mich sehr, es wird wieder….. besser:-)
    🙂 😆 ♥

  9. theomix Says:

    @Sichtfeld:
    Liebe Mareike, als direkte Körperübung hatte ich das gar nicht gedacht. aber schön, wenn du es direkt umsetzt und deine Erfahrungen mitteilst.
    Gerade im Glauben finde ich das Aufrechte auch sehr wichtig.

    @onebbo:
    Das mit dem Schulterklopfen ist ein wichtiger Gedanke, der ergänzt das hier sehr gut. Danke 🙂

    @erika:
    Auch von mir einen Gruß: Schön, dass du dich wieder meldest!
    Loriot ist der mit dem lieben Lächeln und dem verdächtigen Augenzwinkern… schön zitiert.

  10. ig Says:

    Knien oder nicht knien? Gute Frage. Beim Yoga kniet man auch, oder im vornehmen Sushi-Lokal.

    So, und jetzt ein paar Etiketten, zum Etikettenschwindeln (nicht absolut ernst zu nehmen)
    Eine rheinisch-katholische Freundin sagte mal über eine gemeinsame evangelische Freundin (mit Affinität zum Katholizismus), dass sie die „katholische Gymnastik“ gut beherrsche.
    Andere Situation:
    In der Heidelberger Jesuitenkirche habe ich (=„gut katholisch“ sozialisierte Christin) vor Jahren immer wieder in der Messe gehört, wie der Priester die Gemeinde aufforderte doch stehen zu bleiben. Schließlich seien wir ja ERLÖSTE Christen.
    Das fand ich schön. Aber meiner alten Oma hätte das nicht gefallen. Sie kniete gerne, nicht aus katholischem Schuldbewusstsein, sondern weil sie da inniger beten konnte, und näher dran war. Meine liebe Oma ging immer ausfrecht durchs Leben, auch in der braunen Zeit, obwohl ihre Knochen vor Arbeit und Kummer nachher krummer wurden.

  11. theomix Says:

    Danke, eine wertvolle Ergänzung!

    Die Kunst wäre, im richtigen Moment aufrecht zu stehen, aber auch knien zu können.
    Fast ein eigener Beitrag: In der vorigen stelle fanden wir die Tradition vor, dass die Menschen sich zum Abendmahl auf Kniebänke begaben. es führt kein weg daran vorbei: die Menschen knieten vor mir! auch wenn sie natürlich NUR vor Christus knien wollten. Geschickte Symbolik. Der Vorgänger hatte das durchgesetzt. es wurde bald wieder geändert.
    Die Alternative wäre gewesen, ich knie mich neben den äußersten rechten oder Linken und gebe Brot und wein weiter… Das wäre dann Solidarität gewesen.
    es ist also immer auch die Frage, vor wem beuge ich die Knie…

  12. Erika Says:

    lieber Jörg, danke Dir,ich hatte Dir ja einen kleinen „Liebesbrief“ bei Elisabeth geschrieben:
    @theomix:viele Grüsse hier auch von mir,das passt jetzt hierher, dass ich Dir sagen möchte, aus zeitlichen Gründen habe ich Dich lange nicht besucht, das ist aber nicht persönlich gemeint, weil ich gerne zu Deiner Zeite Kommentare schreibe, auch Du bist mir schon bissl ans Herz gewachsen (ja, das hab ich jetzt mit Überlegung geschrieben). Schönen Tag und alles Gute
    ;♥-lichst Erika

    Kommentar von Erika — 16. März 2009 @ 08:18

    schrieben

  13. Erika Says:

    P.S. Jetzt war ich anscheinend doch etwas verlegen, lieber Jörg, und hab statt Seite Zeite geschrieben aber
    ALLES HAT SEINE ZEIT
    in diesem Sinne
    eine gute ZEIT
    erika:-)

    Kommentar von Erika — 16. März 2009 @ 08:21

  14. theomix Says:

    Liebe Erika, Dankeschön!
    Alles hat seine Seite – darüber lässt sich nachdenken. Vor allem seine Seite , nicht SeiteN, das sagt ja jeder.
    Herzliche Grüße, Jörg

  15. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, für mich hat aufrecht gehen auch was mit Aufrichtigkeit zu tun, mit Stolz (und ich bin heute stolz, dass ich endlich auch mal stolz auf mich sein kann), mit dazu stehen,wer und was ich bin und kann, mit Rückgrat und Optimsimus (versuch mal, bei gebeugter Haltung, Schultern hängend, optimistisch zu sein – unmöglich) und das alles schliesst Demut und Respekt überhaupt nicht aus für mich.
    Herzliche Grüsse Andrea

  16. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    beide Wörter hängen ganz eng zusammen, aufrecht und aufrichtig. Das ist ganz wichtig, dass du das hier erwähnst – Danke!
    Du sagst das alles sehr schön – weil du das wohl verinnerlicht hast.
    Aufrechte und herzliche Grüße, Jörg

  17. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, danke für Deine lieben Worte. Sagen wir mal so, ich arbeite noch immer dran, bin aber auf einem -für mich- guten Weg:-) Herzliche Grüsse an Dich, Andrea

  18. theomix Says:

    Liebe Andrea
    „sagen wir mal so“ (um dich zu zitieren): Das ist mein Feedback. So wirkst du auf mich, durch dein Schreiben. Ich denke mir, ganz sicher bist du auf einem guten Weg! Herzliche Grüße, Jörg

  19. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, danke für das wunderbare Kompliment! Sagen wir mal so, wir verstehen uns:-) Herzliche Grüsse Andrea

  20. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    das ohnehin 🙂 Grüße, Jörg

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