Lachen im Gottesdienst

Lachen im Gottesdienst ist wichtig. Ist in meinen Augen nicht nur erlaubt, sondern fast schon verpflichtend.

Fast: Lachen ist spontan, es kann nicht gut organisiert werden. Deswegen habe ich wahrscheinlich auch so ein Misstrauen gegen Karneval. Ich weiß auch nicht, ob es lustig wäre jede Woche ein und denselben Kaberettisten zu hören.

Nach meiner Erfahrungen ergibt sich Heiterkeit bei „liturgischen Unkorrektheiten„: Der Pfarrer/die Pfarrerin vergisst das Glaubensbekenntnis an der richtigen Stelle – und holt es kurz vor dem Segen nach. Das Predigtskript fällt von der Kanzel herab und zerstreut sich auf dem Boden. Solche Momente sind für die Zuschauenden auf alle Fälle lustig – und die/ der Betroffene tut gut daran, sie auch auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn der korrekte Vollzug der Rituale war in magischen Zeiten von lebensrettender Bedeutung, heute rette die Unterbrechung vor tödlicher Langeweile.

Spaß bei der Predigt hat auch seinen Wert. Er ist aber nicht immer zu empfehlen.

Ich rate ab: an Karfreitag, Vokstrauertag, Totensonntag – und bei Beerdigungen. Da wirken sie einfach unpassend. Ich finde es zwar richtig, dem Tod ins Gesicht zu lachen. Aber Angehörige werden das wahrscheinlich nicht verstehen.
Auch an Karfreitag sind viele Menschen im Gottesdienst, die einen gewissen Ernst beim Erinnern an den Tod ihres Heilands voraussetzen. Wer hier gegen den Strom schwimmen mag, darf es gerne versuchen. Es wäre dann  zu überlegen, die Kontaktadresse der nächsthöheren Verwaltungsebene (Dekanat, Kirchenkreis, Propstei) am Ausgang zu verteilen. Denn mit kritischen Nachfragen ist zu rechnen.

Ansonsten Vorhang auf, geflaxt, gereimt, karikiert, die Handpuppe aufs Pult, oder einfach eine gereimte Predigt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Jedenfalls nicht nach oben. Im Landpfarramt ist oft kein Raum für die Kreativität. Von daher ist die Theomix-Predigt oft weniger lustig als die Blog-lese.

Es reichte ja schon, davon habe ich schon geschrieben, den Neger Wumbaba zu Ostern auf die Kanzel zu lassen. Der dritte Band ab 9. März – soll ich es mir entgehen lassen? Ostern 2009?

Als besondere Attraktion geraten mir seit einiger Zeit Trauungen, dazu für das Paar eine DIN-A-3-Zeichnung mit Reißkohle anzufertigen. Ein echtes Pfarrergemälde kriegt man sonst nicht so schnell…

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17 Antworten to “Lachen im Gottesdienst”

  1. Erika Says:

    Guten Morgen,
    Lachen im Gottesdienst, warum nicht?
    Unser Pfarrer hatte mal Handpuppen mit auf der Kanzel.
    Er hat auch Theaterworkshops besucht. Leider ist er nicht mehr bei uns,wenn´s am Schönsten ist, soll man gehen,
    war seine Abschiedspredigt.
    Schönen Tag noch im Regen
    und Gottes Segen
    ERika

  2. mialieh Says:

    @theomix: was malst du denn dann so? Ich baue in meinen Seminaren auch immer geren kleine Slapsticks und Lacher ein. Meist sehr spontan und ungeplant. Wenn ich z.B. eine Frage gestellt habe und keiner meldet sich, weil ich vorher alle an die Wand gequatscht habe, dann rutscht mir schon mal ein Witzchen raus. Ich denke dann, das ist ein unkomplizierter Weg, um Interaktion herzustellen. Und das ist in Gottesdiensten sicher auch wichtig: dann merkt man, dass die Leute mitgehen und man nicht nur wie ein TV-Moderator da sitzt und die anderen konsumieren. Und gleichzeitig ist es natürlich reflexiv – sagt Helmuth Plessner. Wikipedia dagegen setzt vor allem die Herrschaft des Körpers über den Geist in den Mittelpunkt. Ich denke es hat von beidem was… hihi

  3. ig Says:

    Ich sage nur „OSTERLACHEN!“

  4. onebbo Says:

    @ig: Öhm, könntest du das mal erklären? Du schreibst das so, als müsse das jeder verstehen. ich tu’s nicht 🙂

    • theomix Says:

      @onebbo: Antwort hier kurz angedeutet…

      @ig:
      „Darf’s ein bisschen mehr sein?“ scheint mir heute nötig.

      @mialieh:
      Da ist was dfran.
      Für Traupaare habe ich dann auf ein DIN-A-3- Blatt gezeichnet. Eine Collage war es auch schon mal – weil ich manches nicht malen kann. Dann habe ich ein Motiv ausgedruckt und aufgeklebt. Ich bastel was aus Trauspruch und dem, was aus demn Traugespräch erzählenswert ist.

      @erika:
      Auch beim größten Humor. Stellenwechsel kann nach einer bestimmten Zeit nützlich sein…

  5. onebbo Says:

    @theomix: Ups, ich habe da wohl deine Beiträge nicht ordentlich auswendig gelernt 😉 Danke!

  6. rotegraefin Says:

    Osterlachen ist ein Begriff aus der rk.

    In Osternacht wird die glückliche Schuld es Adam besungen.
    Der Tod ist besiegt mit der Auferstehung Jesu. 😀

  7. theomix Says:

    Danke für die Ergänzung 🙂

  8. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    ich stimme Dir zu , 2/3 Stelle, 1/2 Stelle, dann ganze Stelle, dann neue Stelle. So ein Zirkus war das , nachdem seine Frau ganz plötzlich mit 36 Jahren starb und sie eine halbe Stelle innehatte, bekam er nicht die ganze Pfarrstelle, sondern nur 2/3 . Als er endlich die ganze Stelle bekam, wechselte er aus privaten Gründen. Ja es ist gut, Veränderungen, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.
    Wie gerne würde ich noch mal die alte Tür öffnen…..
    Das mit dem Stellenkram ist doch eigentlich auch lachhaft, aber die Gesetze sind wohl dazu da, eingehalten zu werden, was Menschlich ist , spielt dabei keine Rolle, ….
    schon wieder zuuuu viele Gedanken
    Danke Dir für das Lachen heute
    Erika

  9. wildgans Says:

    was hältst du von beifall in der kirche?
    beim weihnachtsgottesdienst unserer schule führen die kinder schön gestaltete sachen auf- danach gibt es beifall. die kinder freuen sich! nun hat jemand das verboten mit dem beifall. schade.
    du bist ein „anderer“ pfarrer mit frischem wind, gefällt mir!
    gruß von der wildgans

  10. Erika Says:

    Bei uns wird oft geklatscht im Gottesdienst, wenn jemand singt, oder für den Orgelspieler ………..
    das finde ich sehr schön…..

  11. mialieh Says:

    ich wollte einmal klatschen und hub schon an auf der empore, weil der musikalische beitrag so schön war, da guckten mich Herr und Frau Kramer (wechselweise Ersatzpfarrer in unserer Gemeinde, weil wir keinen Pfarrer haben und auch keine Pfarrerin und auch niemanden mit queer-Identität, derie dieses Amt ausübt) irritiert an. Herr Kramer grinste breit. Frau Kramer schüttelte den Kopf. Da werd ich wohl für häuslichen Zwist gesorgt haben. Jedenfalls hat Sophie beim Vorzeigen ihrer Stempelkarte (!!!), die sie von Frau Kramer aus führen muss, seit es niemand_in gibt, dieer dieses Amt haben will, einen säuerlichen Kommentar abbekommen… so ist das mit der Fröhlichkeit des Herzens…

  12. theomix Says:

    Klatschen im Gottesdienst ist ein eigenes Thema. Aber hängt mit Humor und Heiterkeit zusammen. es erzeugt durchaus eine geklöste Stimmung, vielleicht ist es deshalb für manche Ernstere so schwierig…

    @erika:
    Ne, liebe Erika, gar nicht zu viel Gedanken. Leider Alltag in vielen Kirchengemeinden. Oft keine guten Entwicklungen…

    @wildgans:
    Siehe oben. Ich finde es total in Ordnung, es lockert auf. Ich schwelge noch inerinnerung an einen Gottesdienst mit dem Akkordeon-Violinen-Duo. Da war es dauernd heiter, und es wurde viel geklatscht… In katholischen Messen darf es mittlerweile nicht mehr mittendrin sein. Das Ernste hat den Vorzug. Auch bei hochliturgisch geprägten Menschen bereitet es Pein.
    Danke für das Lob! Ich habe auch viel Alltag, bei wohl weniger frischer Wind zu spüren ist. Darüber berichte ich dann nicht so viel. Hier überwiegt der Theologen-Anteil. Der Theomix-Theologe ist dann alleridngs ein pfiffiges Kerlchen.

    @mialieh:
    Da sind im Hause Kramer wohl beide Typen, der lockere und der liturgische vertreten. Die Fröhlichkeit des Herzens (Super-Stichwort) lässt sich aber durch Klatsch-Verbote nicht unterkriegen, sondern setckt frech die Zunge raus. Wenigstens manchmal…

  13. Erika Says:

    😆

  14. Sicht-Feld Says:

    Lieber Jörg,
    das klingt toll, was Du da schreibst, und macht mich nur umso mehr neugierig auf Deine Predigten. Ich finde auch, dass Gottesdienste nicht immer nur ernst und streng und – mit Verlaub – langweilig sein müssen. Bei der Taufe meines Patenkindes fing der Pastor z.B. plötzlich an, Fußball zu spielen – und das passte hervorragend in den Zusammenhang!
    Neulich war ich sogar auf einer Trauerfeier, auf der der Pastor es wunderbar verstanden hat, die Gemeinde zum liebevollen Schmunzeln in der Erinnerung an einige Eigenheiten des Verstorbenen zu bringen, und ich fand das sehr angemessen. Aber das kommt ganz sicher auch immer auf die Gemeinde an und auf das, was die so gewohnt ist. Trotzdem, auf die Art, die Du beschreibst, würden sicher gerade junge Menschen vermehrt angesprochen…
    Liebe Grüße,
    Mareike

  15. theomix Says:

    @Sicht-Feld:
    Liebe Mareike,
    auf einer Beerdigung – ich ziehe den Hut vor meinem unbekannten Kollegen. Das gelingt alle 10 Jahre mal, würde ihr aus meiner Erfahrung sagen. Wenn häufiger, hat der Pfarrer aber eine große Weisheit und Menschenliebe.
    Wie meine Gottesdienste so sind? Also, die Konfirmanden kommen ja nicht so freiwillig, und ob die das alles so lustig finden? Die meisten Heiterkeitsanfäle gibt es durch die „liturgischen Unkorrektheilten“. Aber die Predigt ist kein Blogbeitrag (Je nach Sicht „leider“ oder „zum Glück“.)
    Ich kann die eigen Gottesdienstgemeinde nicht genug loben für ihre Offenheit und Herzlichkeit. Aber der Alltag ist nicht so bunt wie dieser Blog. Trotzdem: Danke, dass du mir das zutraust!
    Herzlich, Jörg

  16. 40 Alltäglichkeiten – die 36: Lachen | Theomix Says:

    […] zu Anfang des Blogs habe ich geschrieben, wie sehr mir ein Lachen im Gottesdienst das Herz leichter macht. Aber auch an anderen Stellen meines Alltags ist es herzerfrischend […]

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