„weil nicht sein kann, was nicht sein darf“

Faszinierend: Konflikte zwischen Automobilen und Fußgängern gibt es nicht erst seit 60 Jahren. Christian Morgenstern greift in seinen Gedichte immer wieder Anzeichen der Moderne auf, hier also den Autoverkehr.

Faszinierend auch: viele benutzen die Wendung „weil nicht sein kann, was nicht sein darf“. Aber wenige wissen, dass es von hier kommt. (Oder doch noch älter? Belege erbeten.)

Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.


„Wie war“ (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
„möglich, wie dies Unglück, ja – :
dass es überhaupt geschah?


Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?


Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht -?“


Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im Klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!


Und er kommt zu dem Ergebnis:
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
nicht sein kann, was nicht sein dar
f.

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7 Antworten to “„weil nicht sein kann, was nicht sein darf“”

  1. rotegraefin Says:

    Ja so rennen viele Menschen durch die Welt und brüllen:
    „Das darf doch wohle nicht wahr sein!“ Noch nicht einmal ein Gewinn im Lotto!
    Und weil wir nichts mehr für wahr halten, belügen wir uns alle auf Teufel komm raus. Bis wir es machen wie Gott und lernen die Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden und es fällt uns wie Schuppen von den Augen, warum wir uns so gerne belügen und was wir davon haben.

  2. mialieh Says:

    ich habe auch nur Morgenstern als Urheber gefunden. Menno. Das hätte ich nicht gedacht. So selbstverständlich, wie man diese Wendung benutzt, hatte sie doch etwas Tröstliches, solange man ihren Ursprung im Mittelalter oder gar im alten Rom wähnte (oh, das war auch zitatreif. Knochi können wir das aber nicht anlasten)

  3. rotegraefin Says:

    Wer ist Knochi? Dumm frag!

  4. mialieh Says:

    C. T. Knochenbrecher, einer der großen, aus der protestantischen Kirche stammenden, Bildungspolitiker und Bildungstheoretiker des 20. Jahrhunderts. In einem Blog hat Theomix auf ihn hingewiesen und wir haben gemeinsam herausgearbeitet, dass dieser, leider in Vergessenheit geratene Mensch, die Struktur des deutschen Bildungssystems maßgeblich beeinflusst hat

  5. mialieh Says:

    vergessen den benachrichtigungsbutten zu drücken

  6. rotegraefin Says:

    Stimmt ich entsinne mich. Hab mich ja kringelig gelacht über die Namen.
    Ich hab aber an den Sensenmann gedacht, als von Knochi die Rede war.
    Danke für die Auskunft.

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