Tag der Erinnerung und ein Espresso

Heute ist Jahrestag: Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Seit 12 Jahren ein offizieller Gedenktag in Deutschland (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus).

Was damals, zwischen 1933 und 1945, geschah, ist immer noch Furcht einflößend. Ich habe von einer Reise nach Prag zwei kleine  Eindrücke hier eingestellt, einmal:  Grausen und dann noch einmal.

Statt Versuche in weiteren Kommentaren, die mir alle nicht glücken wollen, greife ich zu meiner spirituellen Espressomaschine und schaue beim 27. Januar. Das ist die Losung für heute:

„Mose sprach zu Gott: wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten? Gott sprach: Ich will mit dir sein.

2. Mose 3, 11-12

Es gab vor 70 Jahre keinen Mose, der das Volk herausgeführt hat; Pharao hat die Israeliten vernichtet. Der Gott, der im Himmel sitzt und die Geschicke lenkt, ist in Auschwitz gestorben, sagte die „Theologie nach dem Tode Gottes“. Sie war der Versuch eine Antwort auf Auschwitz zu finden. Gott sitzt nicht als allmächtiges, unberührtes Wesen im Himmel, sondern leidet mit den Gefolterten und Ermordeten.

Diese Antwort finde ich besser als die Allmacht verteidigen zu wollen. So wie die Freunde Hiobs, die  in der theologisch-philosophischen Erstarrung enden. Besser die Nähe Gottes, das „Ich will mit dir sein!“ bei denen ganz unten.

Und sei es auch nur hineininterpretiert. Es ist schwierig eine Antwort zu finden, wenn der Kloß im Hals steckt.  So jemand braucht dann, wie Hiob, auch etwas anderes als Antworten.

Aber das hier ist bloß ein Blog…

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30 Antworten to “Tag der Erinnerung und ein Espresso”

  1. mialieh Says:

    auch kein Wohlfühlblog….

    Und du sagst zu Recht: es ist schwierig, hier Kommentare zu finden. Ich schreibe trotzdem was, wenn auch keinen Kommentar, so doch eine Rückfrage zu deinem Eintrag. Trotzdem heißt: obwohl das Thema totgeredet und totgeschwiegen wird. Die einen können und wollen es nicht mehr hören, die anderen reden nur in großen Gesten. Was ich mich beim wiederholten Lesen deines Blogs frage: was ist denn deine Frage, auf die du eine Antwort finden willst? Wie Gott hat Auschwitz zulassen können? Wie Auschwitz überhaupt möglich war?

  2. Erika Says:

    „Gott sprach: Ich will mit dir sein.“
    Weißt Du, lieber Jörg, wie mein Konfirmationsspruch lautet:
    Fürchte dich nicht, ich bin mit dir;weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich herlfe dir auch. (‚Jes.41,10a)
    Als ich 4 Monate lang in einer psychosomatischen Klinik war ist mir der Spruch eingefallen, als ich nichts mehr reden konnte und Erstarrt war,
    Unser damaliger Pfarrer hat mir eine Karte geschickt, auf der stand
    Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
    ICh bin froh über beides, ich glaube , dass im Schrecklichen auch Hilfe spürbar ist und dass Gott über den Tod hinaus spürbar sein kann und ist.
    Dieses Schreckliche haben Menschen angestellt und nicht Gott.
    Woher hat Bonhoeffer solche Kraft bekommen? Obwohl ihm das Schlimmste widerfahren ist.?
    Liebe nachdenkliche Grüße
    von Erika:-)

  3. theomix Says:

    @mialieh: Antwort, ganz kurz gesagt, auf die Theodizee-Frage. wie sich solch ein Grauen, massenwieies Töten (und das hat ja mit Auischwitz nicht aufgehört) mit Gottes Allmacht verienbar sein kann?
    Obwohl die antimissionarische Formel mitschwingt: „Jesus ist die Antwort, aber was ist die Frage?“

    @Erika: Psalm 68, 20 (Der mit der Last und der Hilfe)
    Bonhoeffer? Wieso Bonhoeffer? B. hat 1942 oder 43 ein Sünendenbekenntnis der Kirche formuliert zu den „geringsten der Brüder aus dem Volk Gottes“ (oder so ähnlich), das ist in seiner Ethik zu finden. Mit seiner Nähe zu hochstehenden Diplomaten und Offizieren hat er wohl mehr gewusst als mancher andere. Und natürlich sein religionsloser ansatz, liegt aber alles auf Halde, zu seinem Geburtstag gibt es mehr…
    Gruß J.

  4. Erika Says:

    Danke lieber Jörg, für die Last und die Hilfe (*)
    also am 4. Februar
    http://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer
    (ich wollte nicht so lange warten)
    aber Du kannst ja noch ergänzen
    Gruß erika:-)

  5. Erika Says:

    P.S. was heitß liegt auf Halde???? den Ausdruck kenne ich (noch) nicht.
    Da Du gerne erklärst, bitte ich Dich höflichst darum.
    danke erika

  6. mialieh Says:

    @ Jörg. Ah jetzt verstehe ich auch den Schlenker zu Hiob erst richtig. Wie kann Gott Leid zulassen und kann man unter ungeheuerlichen Bedingungen wie Auschwitz noch davon reden, dass es sich um die beste aller möglichen Welten handelt? Wenn Gott aber (mit-)leidend ist, wie er in dem „Theologie nach Gott ist tot“ entworfen wird, wie kann er dann gleichzeitig mächtig sein? Wahrscheinlich ist das eine der Fragen, an der sich Frömmigkeit prinzipiell scheidet. Denn ich kann mir zum Beispiel keinen personalen Gott vorstellen, der hier und da eingreift oder der das Gegenteil ist: einer der mit leidet. Auch wenn ich gerade als Christin wahrscheinlich letzteres tun sollte. Ich kann mir irgendwie Religiosität gar nicht (mehr) in dieser Konkretheit vorstellen.
    Und dennoch ist natürlich meine ganze Vorstellung vom Christentum geprägt. Im Denkansatz finde ich ja Adorno ganz gut. Der hat gesagt, dass man Ausschwitz nicht begründen kann, nur seine Entstehung in Zusammenhang mit dem „Zeitgeist“ erklären kann – nicht als Abirrung der Aufklärung und einer damit einhergehenden Steigerung von Humanität, sondern als Teil eines angriffslustigen Nationalismus, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts um sich griff (und zum Beispiel auch in der Türkei zu Völkermorden an Armeniern führte, wovon das deutsche Militär wusste, wogegen es aber ncihts unternahm).
    Und natürlich sind Moral und Solidarität – so „übersetze ich mir mal deine Sätze des Mitleidens und des „Ich will mit dir sein“ ganz wichtige Grundsätze, damit so etwas wie Auschwitz nie wieder passiert. Aber auch die Erziehung zu Autonomie – das meinte zumindest Adorno. Und damit kann ich ganz gut – wohlwissend, dass der Gedanke von Autonomie einer ist, der im Christentum schon angelegt ist. Oder?

    • theomix Says:

      @Erika: Wikipedia ist gut, aber nicht von mir! Danke für das Abnehmen der Arbeit. (Merke: Etwas abgenommen bekommen ist nicht immer ein Verlust!)

      @mialieh: Deine Bedenken teilt mein Kopf voll und ganz, der alte Skeptiker. Und auch die Konsequenz. „Ethisch ist immer gut“, sage ich mir seit x Jahren… Mein Herz gibt sich damit aber nicht zufrieden und röhrt wie der durstige Hirsch (Pslam 42). Auch ein Rückverweis kann helfen, das zu verstehen. Mein Weihnachts-Haiku gilt ganzjährig!
      Ganz herzlichen und kopflichen Dank für deinen exzellenten Kommentar. Er füllt die Lücken, die ich gerne zwischen Sätzen mit stillen Gedanken fülle. 😉

  7. Erika Says:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Halde
    lieber Jörg, ich habe Dir etwas Arbeit abgenommen.
    Erika:-P

  8. Sicht-Feld Says:

    Lieber Jörg,
    auch ich habe jetzt einen Kloß im Hals – mich nimmt dieses Thema immer ganz schön mit. Spontan gehen mir die Bonhoeffer-Zeilen „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ durch den Kopf, ein Gebet, das mir immer die Tränen in die Augen treibt. (Ich habe nah am Wasser gebaut…)
    Das habe ich gerade zum Anlass genommen, mal Bonhoeffer bei Wikipedia nachzulesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer) und habe festgestellt, dass das viel mehr als nur ein Vierzeiler ist! Was für ein wunderschöner, tröstender Text – tausend Dank für den Anstoß!
    Liebe nachdenkliche Grüße,
    Mareike

  9. Von guten Mächten… « Sicht-Feld Says:

    […] habe ich bei Theomix einen Artikel anlässlich des “Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus” […]

  10. Sicht-Feld Says:

    Lieber Jörg,
    jetzt haben wir uns mit unseren Kommentaren aber ganz schön gekreuzt! Wenn Du magst, schau nochmal bei mir vorbei, ich habe Deinen „Bonhoeffer-Anstoß“ nochmal bei mir aufgegriffen. http://sichtfeld78.wordpress.com/2009/01/28/von-guten-machten/
    Liebe Grüße,
    Mareike

  11. theomix Says:

    Hm, bin ja erstaunt, warum Bonhoeffer mit Auschwitz assoziert wird. Natürlich liegt das „irgendwo“ nahe. Das Gedicht entstand als eines der wenigen Dokumente aus der Gestapo-Haft. Ansonsten rätsel ich weiter…

  12. Sicht-Feld Says:

    Lieber Jörg,
    an dem Versuch, die Gedankensprünge einer Frau nachzuvollziehen, ist schon so mancher Mann gescheitert. 🙂
    Nee, im Ernst, Auschwitz ist ja sozusagen der mentale Prototyp des KZs, und in einem solchen ist Bonhoeffer ja nun schließlich gestorben. Und dieser Gedanke, dass Gott mit den Gefangenen im KZ saß, weist ja auch in die Richtung, dass Gott bei uns ist, wenn auch etwas anders als bei Bonhoeffer.
    Liebe Grüße,
    Mareike

    • theomix Says:

      Liebe Mareike,
      nein, nein, so glatt geht es nicht auf. „Von guten Mächten“ war in Auschwitz wohl nichts zu verspüren. Ich war bisher nicht dort, ahbe aber buchenwald als bedrückend-eindrücklich in erinnerung. der Ort des Massensterbens ist heute noch beklemmend. Was mich so wie hier und oben so schreiben lässt, ist die Geschichte von Eli Wiesel, Am Galgen.Ich hätte es mir gerne erspart, da kriege auch ich einen Kloß und die Tränendrüsen gehen in Stand-By. Wenn du stark genug bist (das meine ich ernst), lies die Geschichte HIER.
      Von Yaffa Eliach gab es mal das sehr gute Buch „Träume vom Überleben“, von chassidischen Juden, die überlebt haben. Da ist Gott nicht ganz weg. Aber auch diese Gechichten gehen mir unter die Haut. (bei amazon gibt es das englische Original mit einigen Geschichten zum Nachlesen.
      es ist kein leichtes Thema, weiß Gott! Danke für dein Mitdenken…
      Herzlich grüßt dich
      Jörg

  13. mialieh Says:

    Ein sehr eindrückliches Buch war für mich „Der Rauch über Birkenau“ von Liana Millu. Das habe ich zum Teil auch meinen Töchtern vorgelesen, wobei es immer wieder Stellen gab, wo wir nicht weiterkonnten. Da gab es keine guten Mächte. Das ist auch der Grund, warum ich Schwierigkeiten mit so Filmen habe, die eine Persiflage draus machen (da gab es einen mit Helge Schneider).

  14. theomix Says:

    Ja, wenn es zu Klamauk abgleitet. „Das Leben ist schön“ ist faszinierend heiter, bei allem Ernst…

  15. Rika Says:

    „…ich will mit dir sein…“

    es ist kein trost, erst recht kein billiger.
    und auschwitz wird für alle zeiten unerklärbar bleiben.

    jesus ist in die tiefsten abgründe der menschlichen existenz gelangt als er am kreuz starb… das ist das andere geheimnis, das mit menschlichem verstand unerklärbar bleibt …

    aber dieses „ich will mit dir sein“ ist eine zusage … die über das grauen von auschwitz hinaus bestand hat …

    siehe, ich bin bei euch alle tage bis an der welt ende …

    wenn ich nichts mehr verstehe, nichts mehr glaube, nichts mehr hoffe … bist du doch da, GOTT …

  16. rotegraefin Says:

    Ich habe mich als ich vier oder fünf Jahre alt war gefragt, warum Jesus (der liebe Heiland ), wenn er so lieb war ans Kreuz geschlagen wurde. Später kam dann die Frage dazu, warum meine so gute christliche Familie so selbstverständlich in den Krieg gezogen sind und so wenig Widerstand geleistet haben. Ich bin zu dem ganz simplen und einfachen Schluss gekommen, wir haben dem Menschen das Göttliche genommen. Dadurch ist er aus dem Bewusstsein mit Gott eins zu sein heraus gefallen und befindet sich in der Welt der Dualität.
    Diese Welt ist eingeteilt in gut und böse, in arm und reich, in Frau und Mann,in alt und jung, in Freund und Feind usw. usw.

    Diese Dualität einmal als einen notwendigen Entwicklungsschritt für jeden Menschen anzusehen und zum anderen wieder auflösen zu lernen, das war der Generation meinen Eltern nicht möglich.

    Ich sehe z.B. heute mit Erschrecken, dass wir in vielen Teilen wieder so weit sind wie in der Weimarer Republik und zu Beginn des 3. Reiches. Ich kasper hier nicht umsonst so rum, damals hat es an der geistigen Kraft gefehlt und die versuche ich auf meine Weise zu wecken. Ein Aufstand gegen die Massen tut not, wie die Weckung der politischen Kräfte, die wieder Gerechtigkeit herstellen wollen und können.

  17. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    gestern bin ich bei meinem Dorfrundgang an der Tafel vorbeigekommen,auf der alle Menschen namentlich erwähnt sind, die aus unserem Ort ermordet wurden, darunter auch ein 10 jähriges Mädchen. Traurig . Auch eine Schulkameradin meiner Eltern war damals nach Amerika geflüchtet. Unser pensionierter Pfarrer hat sich ausgiebig mit diesem Thema befasst, bei uns gibt es auch noch eine Synagoge, die wir nach einem Gottesdienst mal besucht haben.
    Gruß ERika

  18. mialieh Says:

    @ rotegraefin: wer hat den Menschen das Göttliche genommen? Waren sie jemals göttlich? Wenn ja wann? Wenn man bibeltreu ist, dann sagt man vielleicht: „Im Paradies“. Aber schon da gab es hier Gott und da die Menschen. Wann hatten also Menschen das Bewusstsein mit Gott eins zu sein? Das ist meines Erachtens eine sozialromantische Vorstellung. Wir können uns auch nicht über die Zeit von damals stellen und sagen: „Deswegen ist es passiert. Darum wurde Auschwitz auch von meiner Familie zugelassen. Und ICH hätte in der Zeit ganz anders gehandelt.“ Ich finde, man kann bei dem Thema nur demütig sein und daran arbeiten, dass es in Zukunft nicht mehr passiert! Dazu nützt es aber nichts, wenn man „die Massen“ bevormundet, was bei einer Revolution zweifelsohne der Fall ist. Sondern indem man jeden einzelnen befähigt selbständig zu denken!

  19. rotegraefin Says:

    @mialieh
    Du rennst bei mir offene Türen ein.
    Mehr als es jetzt besser zu machen und aus den Fehlern der Eltern und Vorfahren zu lernen können wir nicht.
    Aber um es wirklich gut zu machen, brauchen wir eben dieses Stück Demut. Als ich meine letzte Stelle angefangen habe, habe ich gesagt, alles was ich jetzt tue tue ich für mich. Dabei habe ich dann die interessante Entdeckung gemacht, wie schnell wir uns auf was weiß ich auch immer herausreden.
    „Ich kann nur so ein bisschen tun.“ habe ich in der Zeit oft gesagt und Daumen und Zeigefinger locker auf einander gelegt. Heute füge ich dann hinzu, und jetzt bist Du dran lieber Gott, mehr kann ich nicht und seit dem überfällt mich die Verzweiflung nicht mehr so oft bzw. nicht mehr so lange.
    Ich lebe jetzt und hier. Jetzt und hier kann ich das Nötige tun um Zufriedenheit herzustellen. Die Erinnerung hilft mir, heute die gleichen Fehler oder Fehlhaltungen schneller zu erkennen und anzusprechen. Dabei bläst mir der Widerstand ganz schön ins Gesicht.

  20. theomix Says:

    @Rika: der Gott, der so aus dem brenennden Dornbusch spricht, der in Jesus den Tod auf sich nimmt – ich glaube von ihm, dass er der Mitleidende ist. Aber ich kann nachvollziehen, dass viele seelisch an diesem Grauen zerbrochen sind. Das steht unerklärbar, nicht relativerbar nebeneinander.

    @rotegraefin: „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.“ sagt Adorno. So einfach, so gut. So schwierig.

    @mialieh: Die Gottebenbildlichkeit des Menschen ist nie ganz verloren gegangen, auch durch den Sündenfall nicht, und ist durch Christus wiederhergestellt worden. So habe ich das von der klasischen Dogmatik in Erinnerung. Nicht unbedingt erfahrungsfreundliche Sätze.
    Die Mündigkeit ist ein weiteres großes Thema. Befähigung zur Mündigkeit ist in den Gefängnisbriefen von Dietrich Bonhoeffer angeklungen, ein wichtiges Anliegen. Vergessen viele gerne, da regressive Bedürfnisse auch einen breiten Traditionsstrom haben und die daraus folgenden Abhängigkeiten bequemer sind…

  21. rotegraefin Says:

    Eben Theomix,
    deswegen war ich ein immer wieder verblüfft, warum gerade Christen, sich so unglaublich intolerant verhalten richtig Pharisäerhaft.
    Seit dem ich erkannt habe, das genau Jesus selber gegen diese Haltung angekämpft hat, ich also in diesem Sinne mit ihm eins bin, scheue ich mich auch nicht mehr davor einfach nur diese frohe Botschaft zu verbreiten: „Du bist göttlich und ok und ich bin es auch“ Danach gibt es nur noch Meinungsunterschiede und die Sprachlosigkeit Angst, Wut und Schmerz so auszudrücken, dass der andere sich nicht gleich wieder sofort schuldig fühlt.
    Irgendwie haben wir aus dem Gebot „Du sollst nicht töten“ das Gebot „Du darfst nicht verletzen“ gemacht. Dies macht stumm. Diese Stummheit wieder zu lösen und Missverständnis aufzulösen ist das Gebot dieser Zeit. So verschieben wir noch viel zu gerne unsere unangenehmen Gefühle auf den bösen anderen bis der nicht mehr kann.

  22. theomix Says:

    @erika: Das war alles unübersichtlich hier. Danke für die Erinnerung (die ich ja nun guten Gewissens löschen konnte…)
    Es ist gut, wenn da in eurem Ort auch an die Kinder erinnert wird. Oft sind es nur die „Gefallenen“, und die Zivilisten sind vergessen, die jüdsichen MitbürgerInnen erst recht. Zum Glück forscht die Enkel- und Urenkelgeneration ganz unbefangen nach den unrühmlichen Geschichten.

    @rotegraefin: Pharisäer? Vorsicht, das habe ich auch gelernt: Das Feindbild fer Pharisäer ist oft in das Feindbild der „heuchlerischen Juden“ übergegangen. Schuld daran iost der Evangelist Lukas, der den Pharisäern fast ständig miese Motive unterstellt. das ist bei Markus und (etwas merh zu Lukas hin) bei Matthäus anders. die Ph. waren eine art Volksmission, die versuchte, die Gesetze dem Alltag näher zu bringen.
    Toleranz ist ein schwieriges Gechäft, als „Ertragen“ auf alle Fälle.
    Wenn ich die Bergpredigt richtig verstehe, fängt der Verstoß gegen das Tötungsverbot schon im eigenen Herzen an. Warum sollte Verletzen dann erlaubt sein?

  23. Erika Says:

    danke , war nicht bös gemeint. Ich kenn Dich doch jetzt schon sooo gut und mir gefällt es hier 😛

  24. rotegraefin Says:

    Ja eben der Tötungsversuch fängt im eigenen Herzen an und ein Mensch wie ich hat dann keine Chance was zu sagen, weil sich alle gleich verletzt fühlen. Bei mir kam erschwerend hinzu, dass ich mich schuldig oder verantwortlich dafür gefühlt habe, weil mein Bruder nach mir mit acht Wochen gestorben ist. Es hat lange gebraucht zu lernen, dass ich nur für den jetzigen Augenblick verantwortlich bin. Noch nicht einmal dafür, was Du jetzt verstehst, was ich schreibe sondern lediglich für das was ich verstehe und dafür, was ich damit erreichen will.
    Ich komme aus einer pharisäischen Familie. Ich war entsetzt, als ich es entdeckte. Sollte ich sie jetzt alle verfluchen wie Jesus es getan hat und Mühlsteine um den Hals hängen und im Meer versenken? Über seine Gefühle nicht reden dürfen nicht reden können bildet Hass gegen sich selbst und gegen andere im Herzen. Wer ist dann dafür verantwortlich?
    Ich weiß nur wie pharisäisches Denken und Verhalten entsteht. Das versuche ich aufzudecken. Mehr kann ich nicht. Wie hier:
    http://efeder.wordpress.com/2008/12/16/kindersegen/#comments

    Die Frommen und Rechtgläubigen,seiner Zeit, das waren zufällig damals die Juden, haben ihn verleumdet und Pilatus ausgeliefert.
    Es waren die Menschen wie heute auch, die nicht aushalten können, dass der Mensch göttlich und ok ist, sondern die immer noch einen Sündenbock brauchen um sich von Schuld und Verantwortung für den jetzigen Umgang mit sich und seinem Nächsten frei zusprechen. Sie brauchen einen Aussenfeind, wie ich noch 1989 schwer davon überzeugt war.

  25. theomix Says:

    @rotegraefin: Das wird allmählich kompliziert. *seufz* Aber nur einfach und glatt macht auf Dauer nicht satt. Also:
    Es ist für mich die Fage der Motivation. Wenn du es nicht verletzen willst, aber es immer wieder dazu kommt, und du findest keinen anderen Weg, dann nimm es wenigstens mit Humor. Wenn du es willst, mach das mit Gott oder deinem Gewissen aus. (Das sind vielleicht dieselbe Insatnz mit verschiedenen Namen.)
    Gerade wegen Antijudaismus und seinen antisemitischen Folgen lasse ich die Pharisäer bewusst bei den Juden. Lässt sich dein „Pharisäertum“ umschrieben mit „Heuchelei mit Heiligenschein“? Da hast du also eine Allergie entwickelt, die ich auch im evangelischen Bereich kenne. Hast du den Eindruck, dass dein Aufklärungsprojekt gelingt? Den Schreiber des verlinkten Blogs hast du sicher nicht überzeugt. —
    „Göttlich und ok“? Göttlich! Und ok!
    P.S.: und da ich es schon angesehen habe: Der Norbert ist ein heißer Tipp! Danke!

  26. Sicht-Feld Says:

    Lieber Jörg,
    ich habe die Geschichte von Eli Wiesel gestern noch gelesen, und mir war hinterher schlecht vor Fassungslosigkeit und Angst. Ich möchte dazu gar nicht mehr sagen, aber trotzdem danke, dass Du mir den Link geschickt hast.
    Übrigens ist „Das Leben ist schön“ wirklich ein wunderbarer und sehr sehenswerter Film in diesem Zusammenhang!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  27. rotegraefin Says:

    @ theomix
    Huch, wer ist Norbert`? keine Ahnung welchen heißen Tipp ich dir gegeben habe, aber bitte gern geschehen.

    „Der religiöse Wert eines Menschen, die Reichweite seines Einflusses hängen von dem Grad der Wirklichkeit ab, der ihm von Gott bestimmt ist; nicht von dem Grad theoretischer oder gar gefühlsmäßiger Vervollkommnung, sondern ich wiederhole, von dem Grad der Realität. Wenn man Gott in seinem Leben von der Ebene des Denkbaren (oder Unwirklichen) in die Ebene des Wirklichen herüber genommen hat, dann liegt darin für alle, die glauben möchten eine stärkende Kraft und ein Beweis der Wahrheit.“ Teilhard de Chardin

    Nur ruhig Blut was 2000 Jahre in den Köpfen falsch gelaufen ist kriegen wir nicht mit drei Kommentaren geklärt.
    Soviel habe ich bei Dir inzwischen begriffen, Du gibst Dein Bestes und mehr ist nicht verlangt. Du bist göttlich und ok und ich bin göttlich und ok. Und jetzt fängt es an spannend zu werden. Du kommst von einem ganz anderen Denken als ich. Ev. Leute können besser die Dinge beim Namen nennen als rk.
    Nein den Schreiber habe ich nicht überzeugt, das war auch vielleicht nur ganz im Anfang meine Absicht. Mir hat es Spaß gemacht meine grauen Gehirnzellen im Kontakt mit ihm in Schwung zu bringen und seine Argumente kontern zu können. Dabei sind seine Argumente teilweise so witzig, dass ich mir den Blog wieder raussuche und noch einmal durchlese, wenn es mir nicht so gut geht, dann habe ich wieder etwas zum Lachen. Mein Gott ist mit den Verlierern. Dann können wir alle gewinnen.
    Heuchelei mit Heiligenschein oder Scheinheilige!
    Ich habe mal einem Rechtsanwalt geschrieben, ich hätte ja nichts dagegen, dass sein Mandant, ein Abt, meinen Heiligenschein so polieren würde. Ich hätte aber was dagegen, dass er seinen dabei so demoliert.
    Wir haben mit drei entscheidenden Irrtümern zu tun, wie wir meinen wir würden wie Gott.
    1. der Gott der Kenntnis verbietet, der führt dazu das seine Kinder Angst vor ihm bekommen, sich verstecken und keine Verantwortung übernehmen. Daraus folgt:
    2. der Gott der ignoriert, dieses Verhalten führt zu einem mörderischen Hass, der dann den Mörder schützt und droht die Rache siebenmal zu rächen. Daraus folgt:
    3. der Gott, der das Hochkommen des Menschen verhindert und die Sprachen verwirrt.
    Alles wegen der idiotischen Lüge, dann werden euch die Augen aufgehen und ihr werdet sein wie Gott.
    Wir haben heute die Aufgabe dieses Lügengespinst zu durchbrechen und die einfache frohe Botschaft Du bist das Ebenbild Gottes und Gott wurde Mensch. Also treffe ich in Dir Gott!
    Noch Fragen?

  28. theomix Says:

    @Sicht-Feld: Danke für die Rückmeldung! wie ich auf deinem Blog lese, hast du ja Ablenkung genug. Das ist dann auch mal ganz gut.

    qrotegraefin:
    Das war ein Link in deinem letzten Kommentar deines Links.
    Ich wusste, warum ich TdChardin nie gern zur Hand genomemn habe. enorm kompliziert. Aber gut, wie ich an deinem Zitat wieder merke.
    Vielen Dank, im Moment keine weiteren Fragen. Ihre Zeugin, werte Kommentatorinnen und Kommentatoren!

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