Karl Theodor Knochenbrecher (Wir basteln uns eine Biographie)

Andrea hat sich ein Zitat von Karl Theodor Knochenbrecher gewünscht.  Ich Tor! Ich habe diesen Namen in einem Kommentar bei ihr hineingesetzt, aus lauter Überschwang.  Und nun das! Ein gutes Zitat braucht eine gute Biographie. Das soll sie sein:

Karl Theodor Knochenbrecher wird am 3. August 1788 in Neustadt an der Haardt geboren, als Sohn des Winzers Benedikt Knochenbrecher und Agathe geborene Schaaf . Apotheker und Pfarrer entdecken seine Begabung. Er kann das Gymnasium besuchen und studiert in Heidelberg und Halle.

Nach dem Examen 1813 wird er zunächst Privatlehrer bei Freiherrn von Knöselbeck in der Uckermark. Dort heiratet er Amalia von Cardamom (1793 – 1888), die Tochter des Gutsnachbarn. 1816 wird er Kandidat (Vikar) in der Pfalz, in Zweibrücken. 1818 legt er sein Zweites Examen ab und gerät während des Hilfsdienstes  in Dahn in Konflikt mit dem Pfälzer Konsistorium. Er wechselt 1820 nach Heidelberg und wird dort Privatdozent für Literatur und Philosophie.

Er nutzt die Kontakte zu Freiherr von Knöselbeck, der mittlerweile Regierungsbeamter in Trier ist. Karl Theodor wird ab 1827 Lehrer am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Bei der Abiturprüfung des jungen Karl Marx erleidet er 1835 einen Nervenzusammenbruch und wird für ein Jahr beurlaubt.

In diesem Jahr durchreist er Franken. Er nimmt an der Fahrt der ersten Eisenbahn auf deutschem Boden teil.

Er kehrt nach Trier zurück und wird Schulrat. 1838 wird er nach Koblenz versetzt, kauft bei Metternich ein kleines Weingut  und widmet sich in seiner Freizeit dem Weinbau. (Heute noch bekannter Trinkspruch: „Mach es so wie Knochenbrecher, trink den Wein nur aus dem Becher!“)

1847 bis 1850 ist er auf Geheiß der Schulbehörde in den USA, um dort Lehrer in Deutsch und Latein auszubilden. Seine Anregungen zum Schüleraustauch werden über 100 Jahre später wieder aufgegriffen.

Als er wiederkommt, ist fast alles wie vorher, die deutsche Revolution begann und  endet wieder. War da mal was? Er hat sie verpasst.

1854 kommt er in den Ruhestand und zieht sich auf sein Gut zurück. 1861 erhält er  Kontakt zu Bismarck, steht im regen Briefaustausch und unternimmt mehrer Besuche in Berlin. Winter 1869 geht die vierte Reise dorthin, von der er geschwächt zurückkehrt. Er verstirbt am 3. Februrar 1870 und wird unter großer Anteilnahme der Bevölkeurng und unter Beisein vieler hochgestellter Persönlichketen in Koblenz beigesetzt.

Von den fünf Kindern überleben ihn 3 Töchter (Amalie *1814, Luise *1818 und Helena *1829)

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22 Antworten to “Karl Theodor Knochenbrecher (Wir basteln uns eine Biographie)”

  1. onebbo Says:

    Hast du ja prima recherchiert. Worauf stützt du dich da? Wikipedia gibt nämlich sein Todesdatum mit dem 5. Mai 1871 an. Wenn du verlässlichere Quellen hast, solltest du das vielleicht mal in Wikipedia korrigieren.

  2. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, ich bin beeindruckt…und DANKE!!! Ich hätte nie gedacht, dass es diesen Menschen wirklich gab, ich dachte, Du hättest Dir diesen lustigen Namen nur ausgedacht… Bin gespannt, was für „schlaue“ Worte dieser Herr nun von sich gegeben hat. Einen fröhlichen Tag für Dich, liebe Grüsse Andrea

  3. andrea2007 Says:

    pah, watt fies, Titel nachträglich geändert, das GILT NICHT:-)

  4. theomix Says:

    @ute-marion: wikipedia fußt auf einem Brief Bismarcks von 1889. Da war der auch nicht mehr der jüngste und aht das alles mit dem Deutsch-Franzöischen Krieg durcheinandergeworfen. Das archiv der evangelsichen Gemidnne war da sehr hilfsbereit. Die Coblenzer Zeitung hat auch berichtet, aber das zu recherchieren war mir zu mühsam.

    @andrea: Ja, liebe Andrea, wusste nicht, wie dieses Vexierspiel hier ausgeht. ute-marion gab mir per Mail den Tipp den Titel zu ändern um es eindeutelig zu machen.
    Ich kannn nur warnen: Nicht alles glauben, was im Netz steht. Auch nicht wikipedia. Und: wo Erfindung drauf steht, ist auch Erfindung drin. Und morgen, da gibt es auch echte Zitate vom echtenKarl-Theodor! Danke für deinen unerschütterlichen Humor, toll!
    Jörg

  5. onebbo Says:

    @Jörg: Naja, das mit der Coblenzer Zeitung macht nichts, die gilt ja wohl in Historikerkreisen sowieso als etwas schlampert. Willst du dich jetzt in Wikipedia um die Änderung bemühen (der Ruhm steht dir ja zu), oder soll ich das machen?

  6. theomix Says:

    Ich brauche noch mal den Beleg aus Bismarcks Briefen. Da habe ich die genaue Stelle nicht mehr griffbereit. Dauert also ein paar Tage. Außerdem sollten wir noch den Beitrag zu wiki-quote abwarten…

  7. andrea2007 Says:

    na da bin ich ja mal gespannt, wie es so weitergeht:-) Klar hab ich unerschütterlichen Humor, na hör mal, bloggen soll doch auch noch Spass machen:-) und bei Dir hier macht es sehr viel Spass… Humorvolle Grüsse Andrea

  8. theomix Says:

    O, noch mal Danke 😀 Ja, mir auch. Und ich schmiede Zitate für Meister Ka Pu Ze. Den dürfen wir auch nicht links liegen lassen!

  9. andrea2007 Says:

    Un-BE-Dingt:-)

  10. theomix Says:

    Meister Ka Pu Ze sagt:
    was du heute links liegen lässt, kann dich morgen rechts überholen.

  11. rotegraefin Says:

    Ich hab mich scheckig gelacht über die Namen.
    Vater: Knochenbrecher
    Mutter: Schaaf 😉 besonders angetan hat es mir da ja der
    Freiherr von Knöselbeck 🙂
    Wenn ich mal wieder über einen meiner noch lebenden Bruder ärgere, dann nenne ich ihn: „Graf Rotz von Rotzenberg“ mit ganz besonderem Grimm weil der Typ auch noch den gleichen Beruf hat wie ich. Ich habe es ihm auch noch vermittelt grrrrrrrrrrrrrrrr. 😀

  12. Merle Says:

    Ich möchte doch an dieser Stelle ganz gerne auch an den wichtigen und für Knochenbrecher biografisch hochbedeutsamen Kontakt zu Wilhelm von Humboldt erinnern, mit dem er seit seinem Studium in Heidelberg (in Rebles Geschichte der Pädagogik, als „die Heidelberger Jahre“ übertitelt) in regem Briefkontakt stand. Nur dieser mentorenhafte Beziehung ermöglichte ihm später die Aussendung in die USA. Ich finde das ist ein wichtiges Detail, das gerne mal vergessen wird, aber die frühe sprachwissenschaftliche Orientierung der Schulbildung im Erzbistum Trier erklärt.

  13. Ute-Marion Says:

    @Merle: Ich hoffe Jörg wird dir entsprechen für deinen wertvollen Beitrag danken. Ich finde das prima, wie hier so Details aus dem Leben eines Mannes Stück für Stück wieder ans Licht gebracht werden, die vielleicht sonst auf ewig vergessen gewesen wären. K. hat auf eine gewisse Weise ja unser aller Leben beeinflusst. Ich wäre nicht überrascht, wenn irgendwo eine direkte Einflusslinie auch zu Barack Obama gezogen werden könnte. Historiker, wie sieht’s aus?

  14. theomix Says:

    @rotegraefin: Das ist das harte Los des Geschichtenerzählers. Die wahren dinge glaubt man ihm nicht. Der Name „Schaaf“ ist echt. Für die Pfalz belegt. Aber die anderen, die habe ich auch mit Wonne in die Welt gesetzt. Dem Namen für deinen Bruder merkt man ja den Ärger an. Knöselbeck ist nach meiner sprachlichen Herkunft auch in der gleichen Körperregion, aber wir wollen ja nicht, dass jemand verschnupft reagiert 😉 Danke für die Rückmeldung. Und beherzige seine Sentenzen. Die sind Gold wert 🙂

    @Merle: Danke für den Hinweis. Sowohl aus der Zeit in Halle wie auch danach war er in Kontakt zu beiden Humboldts. Klar, der Reble muss ja ein wenig oberflächlicher an die Dinge heran. Ich vermute ja auch, dass Alexander v. H. dem guten K.T.K. den amerikanischen Floh ins Ohr gesetzt hat.

    @Ute-Marion: KTK ist es wert, der Nachwelt überliefert zu werden. Er hatte nichts für Sklaverei übrig. Da sich KTK lange in Illinois aufhielt, hat er wohl sachte und dauerhaft auf den Gobverneur, Abraham Lincoln, eingewirkt. Über die Schwurbibel seh ich da zZ die einzige Verbindung zu Obama.

  15. Merle Says:

    Eigentlich hat Alexander v.H. KTK überreden wollen, mit an den Amazonas zu kommen und ihn auf seiner zweiten großen Südamerikareise zu begleiten. Aber KTK hatte bekanntlicherweise Familie und befürchtete, dass den Damen Knochenbrecher – zumal seine Töchter eine anfällige Gesundheit hatten – den Strapazen einer Reise flußaufwärts nicht gewachsen seien. Darum ließ Alexander v.H. seine Beziehungen zum Bruder spielen, die – auch wenn sie, wie wir wissen, stets in einer etwas spannungsreichen beziehung standen – den Kontakt seit der Hallenser Zeit wieder aufleben ließen und Her Knochenbrecher bekam die Position in Illinois. Aus dem Briefwchsel, der sich zwischen den Herren Humboldt und KTK entspannt, erfahren wir, dass Alexander vH KTK geradezu gedrängt hat, diese Reise anzutreten: „Neben der Entdeckung der neuen Welt rate ich Ihnen lieber Freund die Damen auch auf die Schönheiten der Niagarafälle hinzuweisen, die nur wenige Tagesreisen von Ihrem Aufenthaltsort entfernt sind. Wie Sie wissen, ist der Bildungswert des Reisens von unschätzbarem Wert für die Jugend“ (Briefnachlass von Humboldt). Man glaubt ja oft, der Satz „Reisen bildet“ hätte sich durch die Italienreisen von Goethes (einem väterlichen Freund des Hauses Humboldt und Knochenbrecher) durchgesetzt. Mag sein, dass Goethe die einmal hat fallen lassen. Die bildungstheoretischen Ausführungen dazu gehen jedoch auf Knochenbrecher zurück, wie mir jüngst eine Kollegin erzählte, die inzwischen Assistentin für historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin ist. In seinem Buch „Reisen und Bilden“, das bedauerlicherweise nur noch in wenigen Exemplaren existiert (eiens davon liegt in einem Schaukasten der Humboldt-Universität, der den Brüdern Humboldt gewidmet ist im Hauptgebäude der Universität) beschreibt nämlich dann Knochenbrecher den Ausflug seiner Familie zu den Niagara fällen.
    Ein interessanter Nebenaspekt dieser Reise (KTK erwähnt ihn nur in einer Fußnote in einem Brief an Alexander vH): Sein Kammerdiener Robinson und das Dienstmädchen Chantal „mussten“ nach dieser Reise heiraten. Bei dem 1848 geborenen Daniel Robinson soll es sich übrigens um den Ur-Ur-Großvvater der Obama-Gattin Michelle gehandelt haben.

  16. theomix Says:

    Knochi hat Frau und jüngste Tochter mitgenommen. Der genannte Ausflug an den Niagara war zusammen mit der Familie von A. Lincoln.

    Außerdem hat KTK denAvH erst nach seiner Amerikareise kennen gelernt. Humboldt reiste 1829 nach Sibirien. Sicher hat er danach den guten Karl Theodor zur Amerikareise inspiriert. Er selbst war zu alt, und KTK hatte keine Lust ins Kalte zu resien, Amerika klang nach Wärme und Wohlleben. Mit Letzterem stimmte das dann in den USA, mit dem Klima, nun ja, auch eine Geistesgröße kann nicht allles wissen…

  17. Merle Says:

    @jörg: also du meinst, dass Knochi AvH nach dessen (letztgenanntem) Amerikareise kennen gelernt hat. Da stimme ich mit die überein, denn das Studium in Halle, bei dem er regen Kontakt zu den von Humbodts pflegte (wie du oben ja auch schon angemekrt hast), lag vor Knochis Amerikareise und nach AvH’s. AvH hatte ihm ursprünglich Südamerika schmackhaft gemacht, aber dann hat Knochi sich eben nicht getraut. Dem Reiz der Ursprünglichkeit stand die Angst vor der mangelnden Zivilisation gegenüber – besonders wegen der Frauen. Knochi war dann auch ziemlich überrascht, dass es in Illinois doch zum Teil recht einfach zuging. Werniger Probleme damit hatte wohl seine Gattin, denn in einem Brief an AvH heißt es: „Meine werte Gattin nimmt die Umstände unter denen wir hier leben (müssen) mit einer heiteren Gelassenheit. Darin zeigt sich einmal mehr, dass das Weib von anpassungsfähiger Natur ist, während wir Männer, als Wegbereiter der Zivilisation doch das größere Abenteuer darin sehen.“ Wegen dem sexistischen gehalt ist das aber nicht so bekannt geworden und auch hat AvH darin überhaupt nicht mit Knochi übereingestimmt (der große Disput von 1847).

    Erstaunlich auch, dass KTK dennoch so für Frauenbildung war. Immerhin haben alle seine Töchter eine für damalige verhältnisse sehr fundierte Bildung erhalten, konnten lesen und schreiben und die jüngste Tochter hat ihm nach Erblinden seiner Frau auch die Bücher geführt (vgl. Die Geschichte der Frauenbildung von 1800 bis zur Gegenwart, hrsg. von Uta Gerhardt 1987)

  18. theomix Says:

    Nun waren die Lebensverhältnisse in Europa auch nicht immer zuckerschkleckend. KTK hat von klenauf die Revolutions- und napoleonischen Kriege mitgemacht. Deswegen auch die Mahnungen an Bismarck.
    AvH war ja revolutionärer Umtriebe verdächtigt und bei Hofe gerade noch geduldet. Es ist wahrscheinlich, dass KTK seine eher liberalen Absichten verbarg, um der Zensur zu entgehen. (Das habe ich aus der Knochenbrecher-Biographie von Martin Haberstadt – deren Manuskript er mir vorab zur Verfügung gestellt hat. Zur Buchmesse 2010 ist sptestens die Veröffentlichung beabsichtigt.)

  19. onebbo Says:

    Ich finde ja die KTK-Biographie von Stefan Zweig fasznierend Er hat zwar mehr die menschliche Seite von KTK herausgestellt, aber fußt ja dennoch auf den bis zu seiner Zeit bekannten Quellen. Leider zählt sie nicht zu den großen und bekannte Werken von Zweig wie Maria Stuart oder der Schachnovelle – Wikipedia führt sie nicht einmal auf! Ich glaube, es gibt das Werk auch nur noch antiquarisch. Gerade die Beziehung zu AvH hat Zweig sehr schön herausgearbeitet, das Auf und Ab, die Gemeinsamkeiten, die Widersprüche. Ich weiß aber nicht mehr, ob die Briefe, die Zweig zitiert, dichterische Freiheit sind oder aus den Originalen entnommen.

  20. theomix Says:

    Ich muss Herrn Haberstadt doch al motivieren, mit seiner Arbeit früher herauszukommen. Gerade dazu hat er herausgearbeitet, dass Zweig nicht nur bei den Briefen „retuschiert“ hat. Seine Biographie zählt ja als spätwerkm und er wollte damit ein Fanal gegen den Faschismus setzen. Da kamen ihm scheinbar reaktionäre Äußerungen ins Gehege; die Zeiten waren zu ernst, um die Doppeldeutigkeit zensierter Briefe verstehen zu können.

  21. onebbo Says:

    Wie gut dann, dass er die Doppeldeutigkeit gelöschter Blogeinträge noch nicht kannte ihhi

  22. theomix Says:

    Erinnere dich, was Meister Ka Pu Ze über die Wahrheit sagte. den kannte er ja auch nicht…

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