Der erste Anruf…

…war es nicht, aber in der ersten Stelle der erste Anruf wegen einer Beerdigung. Der Bestatter gab mir telefonisch die Nummer der Angehörigen.

Ich rufe direkt an. Ein älterer Mann stellt sich ein. „Guten Abend,“ sage ich zögernd, „ich rufe an wegen der Beerdigung.“
Er prompt: „O, ist es jetzt so weit? Muss ich schon mein weißes Hemd anziehen?“

Im zweiten Anlauf habe ich dann die richtige Nummer gewählt.

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18 Antworten to “Der erste Anruf…”

  1. Sicht-Feld Says:

    Lieber Jörg,
    so gibt sogar eine Beerdigung Anlass zum Schmunzeln. Wie mag sich der fälschlich Angerufene wohl gefühlt haben, als der Anruf kam? Ihr habt die Situation ja sicher aufgeklärt. Ich bin begeistert von seiner Reaktion, zeugt sie doch von großer Gelassenheit im Umgang mit diesem für viele so bedrohlichen Thema. Da kann man sich glatt eine Scheibe von abschneiden!
    Liebe Grüße,
    Mareike

  2. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    *lach*,mich würde doch mal interessieren, was Du darauf geantwortet hast? Mit Kopf oder Herz oder beidem ? Oder gar nicht? Mit Witz?
    Ich stelle mir eine Beerdigung mit Dir als Pfarrer nicht bedrohlich vor, eher angenehm. (Nur Vermutung). Ich möchte auch keine traurige Beerdigung, das hab ich schon mal anklingen lassen, meine Tochter ist auch der Meinung. In anderen Kulturen wird das Thema Tod und Sterben auch anders angenommen. Das führt jetzt weg von deinem Zitat, aber ich sorge gern bissl für Verwirrung, weil Du auch gerne verwirrst. Kritisch aber geheimnisvoll *grins*
    Liebe Grüße aus dem sonnigen Rheinhessen
    die Straßen imOrt bei uns sind ganz schön glatt,
    da muss man aufpassen, dass man nicht hin-fällt, aber da würde mich bestimmt jemand finden, der mich vielleicht nicht gesucht hat.
    Treffe immer nette Menschen, wenn ich unterwegs bin.
    Herzlichst Erika:-) 🙂

  3. werner Says:

    Erika, du hast offenbar die(vielleicht gar nicht so seltene) Gabe, einen Satz zum Anlass zunehmen, abzuschweifen bzw, wie du sagst „weg zu führen“ und dabei dann doch bei sehr wichtigen Themen zu landen.
    Ich greife das gerne auf. eine traurige Beerdigung möchtest nicht.
    Man muss ja nicht bei der Trtauer stehen bleiben. Vor ein paar Jahren habe ich eine Beerdigung mit erlebt, wo es wirklich gelungen war, die Trauer zwar zuzulassen aber auch zu überwinden.
    Die Angehörigen und die Freunde der Toten stellten die Erinnerung an ihr Leben in den Vordergrund und gerade auch das, was sie schönes mit ihr erlebt hatten.
    Meine Eindrücke bei dieser Beerdigung habe ich damals so festzuhalten versucht:

    Am Grab I

    T ragt eure
    R osen zum
    O ffenen Grab
    S ie besiegen die
    T rauer.

    Am Grab II

    Schaufel um Schaufel
    schwarzbrauner Erde
    fällt auf den Sarg,
    und Worte, Gedanken –
    auch Blumen.
    Tränen der Trauer,
    Erinnerung.
    Und dann
    trotzdem
    ein Lächeln.

    (c)w.b. 17-11-05

    Wenn meine Beerdigung ähnlich werden könnte, wäre ich ganz zufrieden.

    Gruß
    Werner

  4. theomix Says:

    @Sicht-Feld:
    Das war sehr erheiternd, und ich fand die Reaktion auch Klasse. ich meinerstits versuche scheibchen um scheibchen von gelalsnn und anderen guten Vorbildern abzuschneiden und Gelassenheit zum Thema zu lernen. Der Beruf macht es da einem leicht, das heißt, er hilft, sich zwangsläufig damit auseinanderzusetzen.

    @Erika:
    wenn ich mich recht erinnere, war ich zunächst sehr verwirrt. Das weitere Gespräch hat einiges aufgeklärt. Aber dies erste Reaktion ist unvergessen.
    Ja, ob ich bei Beerdigungen bedrohlich wirke, darüber habe ich mir noch nie den Kopf zerbrochen. Aber richtig lustig war es noch nie. Manche Gespräche, diie ich mit Angehörigen führe, können heiter sein. Aber dann am Sarg bzw. der Urne? Da sind die wenigsten bereit dazu. „Alles hat seine Zeit“, auch das Weinen und das Lachen.

    @Werner:
    Dann eher so, genau, Erinnerungen anklingen lassen, das Gute hervorheben. Geht natürlich nicht immer, manchmal ist der Tod einfach nur grausam, das Sterben schlimm. Wir sind zwar im Tod alle gleich. Aber der Weg dahin ist so verschieden, wie wir Menschen eben auch sind.

  5. Erika Says:

    @werner Danke , richtig erkannt****
    Lieber Jörg,
    alles hat seine Zeit ja mein Spruch,
    eine Frau aus meinem Chor, die vor 2 Jahren beerdigt wurde, hat sich von uns Lieder gewünscht für ihre Beerdigung. Swing low sweet chariot…
    We are one. ….. Das war das erste mal , wo wir auf einer B eerdigung gesungen haben, sonst oft auf Hochzeiten. Unsere Chorleiterin sagte, wie sollen für sie singen und an die schöne Zeit zusammen denken , während wir singen. Hinterher haben wir geweint, das war eine tolle ERfahrung, Freud und Leid zusammenteilen, Lachen und Weinen.
    Danke….
    Liebe Grüße Erika

  6. theomix Says:

    Liebe Erika,
    schön geschildert. Lachen und Weinen gehören am Grab oft ganz eng zusammen! Auch bei Trauerphasen…
    Grüße
    Jörg

  7. rotegraefin Says:

    Der alte Herr hat großartig reagiert.
    Ja der Tod hat genauso viele Seiten wie das Leben. Wer wie ich, vier jüngere Brüder zwei davon innerhalb von 10 Monaten verloren hat, ist dankbar für jedes Lachen was noch kommt und für jede Träne die geweint, die vor dem Verhärten schützt.

  8. theomix Says:

    Liebe rotegraefin.
    Woher sie auch immer kam – gepriesen sei die Kraft, die du dir bewahrt hast / die dich bewahrt hat
    und dir weiterhin Lachen und Weinen möglich macht.
    Beste Grüße
    Jörg

  9. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, das ist wirklich eine lustige Geschichte. Sehr schlagfertig der „Angerufene“ und viel Humor. Da passte er ja wunderbar zu Dir. Liebe Grüsse Andrea

  10. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    🙂 Gut gesehen! Danke. Deine Kundengeschichten hatten mich angeregt, etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern.
    Gute Wünsche und Grüße
    Jörg

  11. andrea2007 Says:

    *smile*, es ist wirklich schön, wie wir uns gegenseitig insprieren…Deine „Kundengeschichten“ wären bestimmt auch äusserst interessant, wenn sie nicht wahrscheinlich alle unter die Schweigepflicht fallen würden, oder? Dir auch alles Liebe, Andrea

  12. theomix Says:

    Liebe Andrea,
    wenn ich etwas im Blog theoretisch der Welt ins Ohr flüstere, muss ich mir sehr gut überlegen, was und wie ich weitergebe. (Das gilt ja immer.)
    Schweigepflicht heißt ja, ich darf nicht sagen, was mir jemand vertraulich mitgeteilt hat.
    Und Namen kann ich weglassen oder ändern.
    Dann bleibt noch genug.
    Herzliche Grüße
    Jörg

  13. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, dann haben wir ja fast dieselben Grundvoraussetzungen:-) Herzliche Grüsse zurück, Andrea

  14. theomix Says:

    Liebe Andrea, Dienstleistung ist Dienstleistung. Hier wie dort… 🙂
    Lieben Gruß, Jörg

  15. andrea2007 Says:

    Lieber Jörg, unsere Jobs haben noch viel mehr Gemeinsamkeit, Du glaubst nicht, wie oft unsere Kunden mir auch etwas „beichten“, wie oft ich durch Verständnis und Freundlichkeit ihre Stimmung aufhellen kann, sie auf die positiven Dinge hinweise und auch mal Streit schlichte. Es s sind schon einige Romanzen bei uns im Laden entstanden und auch einige beendet worden, ich sehe und höre das sehr viel.
    Ich komme mir manchmal zwar eher vor wie ein Psychiater, aber das ist von Deinem Job bestimmt auch oft nicht weit entfernt:-) Es „menschelt“ ganz kräftig in meinem Job und in Deinem… Liebe Grüsse Andrea

  16. werner Says:

    Ist das nicht in (fast) jedem Veruf so?
    Zumindest in jedem Beruf, indem man es mit Menschen zu tun hat, gehört eine MEnge Einfühlungsvermögen dazu und die Fähigkeit zu vermitteln und zu schlichten.

    • theomix Says:

      @Werner: So ist es. Ob Lehrer, Zugbegleiter, Kioskbesitzer, Anwalt – oder eben im Sportartikel-Geschäft. Nur, dort erwartet man es gemeinhin nicht so wie in der Arztpraxis oder im seelsorgegespräch.

      @Andrea: wie ich Werner schon schrieb: Mir traut man Kompetenz in dieser Richtung zu, lässt mir auch ein wenig Aus- und Fortbildung zuteil werden. In anderen Bereichen lernst du halt duch Erfahrung (Gruß an wortman!), und hat es nicht geahnt. Auch das ist allgemein verbreitet: wusste ich z.B., wie Personalführung geht, als ich nach dem 2. Examen auf die Menschheit losgelassen wurde? Natürlich nicht…

  17. Unten am Fluss… « Theomix Says:

    […] Ist es schon so weit? Hoffentlich haben wir noch Zeit, bis wir die neue Garderobe ausprobieren. Aber mal die Waffen ablegen, man könnte es ja mal versuchen, jetzt schon. […]

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