Paradoxie, 6 – Leben und Theologie

Im letzten Paradox schrieb ich über das Suchen. „Es findet sich“ – öfter, als wir es bewusst anstreben.

Aber das Suchen zu lassen kann auch fatal wirken. eine chassidische Geschichte berührt mich sehr stark:

Das Enkelkind des Rabbiners spielte Verstecken. Er suchte sich ein Versteck  und wartete und wartete, aber vergebens! Sein Spielgefährte suchte ihn gar nicht. Schließlich kam er heraus und fand heraus, dass das andere Kind ihn gar nicht gesucht hatte. Er lief weinend zu seinem Großvater, dem Rabbi, und jammerte: „Ich habe mich versteckt, aber niemand hat mich  gesucht!“ Da fing auch der Rabbi an zu weinen und sagte: „So klagt Gott auch! Er hat sich von uns abgewendet und sich vor uns verborgen, damit wir ihn suchen  – wir Menschen aber suchen ihn oft gar nicht erst!”

Was folgt daraus? Finden wir Gott dann doch? Oder findet er uns leichter?

Ich finde diese Geschichte modern, aktuell. Gott hat sich versteckt, er ist nicht leicht wahrzunehmen und zu finden. Aber wir Menschen suchen ihn gar nicht erst.

Vielleicht besteht die ganze Kunst darin, zur nächsten Runde zu kommen, sprich: sich von Gott finden zu lassen.

Schlagwörter: , , ,

13 Antworten to “Paradoxie, 6 – Leben und Theologie”

  1. Erika Says:

    Dazu passt das Gedicht, das Dori in ihrem Blog vorgestern veröffentlicht hat

    Rückblickend

    Als wir früher
    Verstecken spielten,
    dachten wir nicht daran,
    dass dies eine Vorübung sein könnte.
    Wir hatten Spaß am dem Spiel,
    das heute Ernst geworden ist
    und soviel Wut und Leid erzeugt.

    So mancher sucht noch immer
    und rennt umher
    und sucht.

    Andere haben sich so gut versteckt,
    dass sie sich selbst
    nicht mehr finden.
    Kristiane Allert-Wybranietz

    Zu deiner Aussage
    sich von Gott finden lassen, kann ich sagen, dass man auch ohne zu suchen finden kann (hab ich ja schon mal drüber geschrieben)
    Mir ist Gott in einem schweren Schicksalsschlag begegnet, ich hatte ihn da nicht wirklich gesucht (oder vielleicht doch)
    Als mein Sohn mit 2 1/2 Jahren von 3 Schäferhunden angefallen und lebensgefährlich verletzt wurde, habe ich im Klinikum einmal in der Kapelle aus tiefstem Herzen zu Gott gesprochen. Damals hat sich mein Kontakt zu Gott vertieft. Es ist ein Wunder geschehen, dass er das alles so überstanden hat, übrigens heißt Matthias sogar Geschenk Gottes und wir wussten das damals bei der Namensgebung gar nicht. (darüber hab ich bei Andrea auch schon mal berichtet). Das ist mir jetzt eingefallen zu sich von Gott finden lassen.Ich spüre auch im Leid die Gegenwart Gottes, das ist schön, weil sie nicht in meinem Kopf, sondern in meinem Herzen angekommen ist.
    Einen schönen Tag und vielen Dank, dass ich einmal mehr dankbar sein kann heute , weil diese Erinnerung sehr stark prägend ist.
    Man muss seine Segel in die Unendlichkeit Gottes setzen
    um zu sehen, zu welcher Fahrt man fähig ist . mit diesem Spruch bin ich eingeschlafen und heute morgen aufgewacht.
    Liebe Grüße Erika:-) 🙂

  2. theomix Says:

    Sich von Gott finden lassen hat als Teilmenge „sich selbst finden“, meine ich.
    Der Zusammenhang Gebet – Erhörung hat schon etwas Wunderbares. Es entzieht sich der Kontrolle, man kann diese Erfahrung nicht übertragen und nicht zum Rezept machen.
    Kapellen braucht es nicht unbedingt dazu, aber solche Orte sind manchmal eine Hilfe für die Seele, um zur Ruhe zu kommen.
    Gruß
    Jörg

  3. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    danke Dir für Deine liebe Antwort. In Mainz gibt es dienstags um 12.00 eine 15 Minuten „Atempause“ in einer Kirche. Dort bin ich nach meinem Englischkurs einmal spontan dazugestoßen. Im Weihnachtsrummel bin ich bewusst dorthin gegangen, das war schon ein Unterschied, draußen hektische Leute, Straßenbahn, Autos, hinter der Kirchentür eine fast zur Hälfte gefüllte Kirche und meditative Texte, die die Seele berühren und Panflötenmusik.
    Lieben Gruß Erika:-) 🙂

  4. w(u)m Says:

    @ erika
    Bei uns inWittlich gibt es so was ähnliches wie die Mainzer Atempause jedes Jahr an den Adventssamstagen.
    Seit über 15 Jahren fand das als „10 Minutenfür Gott“ immer um 9.00 statt. dieses mal gingenwir auf einen andere Uhrzeit und gegannen um 11.00 Uhr mit dem Erfolg, dass mehr Leute kamen. Der zeitliche Rhytmus der Menschen hat sich geändert. so früh geht niemand mehr in die Stadt.
    Bei der Nachbesprechung habenwir beschlossen im nächsten Advent die Sache nach wie vor in der kath. Kirche, weil die in der Innenstadz ist, aber dann) ökumenisch durchzuführen. Und – ohne die Mainzer „Atempause“ zu kennen kam genau diese Überschrift auch hier indie engere Wahl.

    Dannnoch eine kleine Korrektur. In Maiinz findet das nicht dienstags um 12.00 Uhr, sondern donnerstags um 12.15 Uhr in St. Peter statt.

    Siehe dazu: http://www.bistummainz.de/pfarreien/dekanat-mainz-stadt/index.html?f_action=show&f_event_id=13699

  5. Erika Says:

    @ w(u)mVielen DAnk .
    Jeden Dienstag (in „St. Quintin“) und jeden Donnerstag (in „St. Peter“ ) – außer an Feiertagen – wird um 12.15 Uhr zur „AtemPause“ eingeladen.
    Wenn schon Korrektur, dann richtig durchlesen *lach*
    Gruß Erika

  6. Erika Says:

    @ w(u)m ich weiß doch noch,an welchen Tagen (nämlich Dienstags) ich in Mainz bin und Englischkurs habe *lach* Auch wenn ich oft bei den Dementen zu Besuch bin, klappt das doch noch in meinem Gedankenchaos.
    Lieben Gruß Erika

  7. w(u)b Says:

    Oh je oh ja!
    Erika, du hast recht, ich sollte manches ein wenig sorgfältiger ansehen.
    Ich wollte mit meinem Lesechaos natürlich nicht Zweifel aufkommen lassen an deinem offenbar nach Wochentagen wohlgeordneten Gedankenchaos.
    Entschuldige, Erika, meinen missglückten Versuch, Durcheinander zu schaffen. 🙂
    Das nächste mal werde ich das geschickter anstellen.

    L.G.

    Werner

  8. Erika Says:

    @ werner, das ist schon so in Ordnung . Aber jetzt hast Du mich durcheinander gebracht w(u) m oder w(u)b oder beides???
    Aber Werner ist auch gut. Lieben Gruß Erika:-)

  9. werner Says:

    @ erika
    Da ist mirs allso wieder mal wider Willen gelungen jemand zu verwirren.
    Aber ich nehm das zum Anlass, ab sofort hier als WERNER zu erscheinen.
    Obwohl w(u)b niocht ohne Bedacht gewählt war. hat schon eine, oder eigentlich zwei Bedeutungen, je nachdem ob das u in der Klammer mit gelesen wird oder nicht. w(u)m war tatsächlich dann ein Tippfehler, der mir aber wohl auch nicht nur zufällig unterlaufen ist.
    Alles unklar? sicher!

    Also bis zum nächsten Missgeschick! 🙂

    Werner

  10. Erika Says:

    @werner *lach* mit oder ohne Klammer, u, w oder b, ach egal…..
    Zufälle gibt es nicht, aus allen Situationen kann man/frau was lernen. Ich frage immer, was sagt mir dies jetzt?
    Sicher, alles unklar…. Humor ist , wenn man trotzdem lacht*lach*
    Ess war lustisch …… dess iss die Haupsach***
    Gruss zum Schluss
    Erika:-) 🙂

  11. theomix Says:

    Schön, wenn es solche Möglichkeiten (offene Kirchen oder „Atempausen“) gibt.
    Erika, werner, euer Kommentarwechsel ist heiter. Ein bisschen Verwirrung ist auch ganz schön. 😀

  12. Juebe Says:

    Wie das bei den Christen mit dem Suchen bzw. Finden ist, weiß ich nicht. Jüdischerseits gilt: G-tt sucht den Menschen.
    Das ist übrigens auch der Titel eines wunderschönen Buches von Abraham Heschel.

  13. theomix Says:

    Dann bringt diese chassidische Geschichte einen verbreiteten Gedanken? Wie gut. Bei den Christen gibt es manche Richtungen, die das menschlcihe suchen betonen, zum Glauben rufen und oft in die Enge führen… Für mich war es befreiend, Gottes Suche nach uns zu entdecken.
    Und gesteigert ist der Schmerz Gottes, dass der Mensch so gleichgültig ist…
    Danke für den Buchtipp!

Kommentare? Gerne! (Wer nicht IP- und Mail-Adresse hinterlassen will, darf nicht kommentieren.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: