Urlaub und Theologie

Nach dem 1. Januar begann der Urlaub, gestern hörte er auf.  Heute ist der erste Arbeitstag, die vom Schreibtsich gefegten Papierstapel müssen erneut gesichtet werden. Und was sonst noch so anfällt.

Konsequenzen fürs theologische Bloggen? Vielleicht wird es wieder theologischer… 😉

Welchen Einfluss hat Urlaub auf das theologische Arbeiten? Ich nehme anders wahr, habe mehr Zeit für Kultur. Für Begegnungen. So habe ich Museumsbesuche in Bonn sehr genossen. Und der Besuch über Neujahr war auch anregend.

Und lässt sich Urlaub theologisch begründen? Vom Sabbat her, sicher.
Urlaub ist eine Erfindung der Neuzeit. In Antike und Mittelalter kannte man das nicht.  wir haben Mobilität – etwas, was früher sehr anstrengend war. Im Mittelalter gab es keinen Urlaub, aber dafür eine Fülle an Feiertagen, an denen die Arbeit eingeschränkt war. Man kam dafür nicht vom heimischen Suppentopf weg. Nur Handelsleute und hochstehende Personen konnten oder mussten reisen.

Auch das Bedürfnis nach Freizeit hat sich entsprechend geändert.
Über die Sozialgeschichte lässt sich das mit dem Sabbat verbinden.  Urlaub ist, wenn es gut geht, „Auszeit“ für die Seele. Körperliche, räumliche Veränderung beeinflusst auch diese Ebene des Menschen.

Das Phänomen „Tourismus“ hat auch religiöse Bezüge. Manche Urlaubsorte sind „Kult“, aber die Moden wechseln. Mallorca? Malediven? Santiago de Compostela. Ja, Wallfahrten – die sind wohl ein Vorbild.  Man verreist, um im Alltag Gott besser dienen zu können. Nun fällt Gott ein wenig weg, da verreist man, um im Alltag fitter zu sein. (Vielleicht ist Fitness eh die am meisten angebetete Gottheit?)

Das soll für den ersten Arbeitstag genug sein 🙂

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4 Antworten to “Urlaub und Theologie”

  1. Erika Says:

    Lieber Jörg,
    vielen Dank für diesen interessanten ausführlichen Bericht.
    Zu Deinem ersten Arbeitstag wünsche ich Dir alles alles Gute, viel theologischen Humor, denn auch Gott versteht Spaß *lach*
    Ich finde diese Diskussionen interessant, was Freizeit im religiösen Sinn betrifft, meine Schwägerin ist Gemeindereferentin und wir haben in unserer ökomenischen frauengruppe auch schon über solche Theman gesprochen. Der letzte Satz ist gut, ob Fitness die am meisten angebetete Gottheit ist, lässt sich in Frage stellen. Jeder soll auf seinem Weg seine Erfahrungen machen, meine Erfahrung ist, dass ich Gott am nächsten bin wenn ich in die Stille gehe, ich brauch dazu nicht mal zu verreisen.Von Anselm Grün habe ich ein schönes Buch über die Stille.
    „Auszeit“ für die Seele, wenn es gutgeht, bei den meisten geht das nicht
    gut, aber jeder darf selbst entscheiden, wo er sucht und wie.
    Aber wenn man für sich etwas gefunden hat, dann ist das was ganz Kostbares, das man nicht in Malediven, oder in Santiago de Compostela oder auf den Kanaren oder in Brasilien findet, sondern im eigenen Herzen. Der längste Weg zu sich selbst führt einmal um die ganze Welt.
    Aber das ist ja grad das Interessante.
    Jetzt hab ich aber viel geschrieben….. Danke für die Anregung
    Liebe Grüße und einen schönen 1. Arbeitstag
    wünscht mit Sonnenstrahlen und Schnee Erika 🙂

  2. theomix Says:

    Liebe Erika,
    Sonennschein und Schnee sind schon da… 🙂
    Humor, immer gerne doch. (Siehe: _Grundlegendes/Der Weg vom Kopf zum Herz.)
    Anselm Grün mag ich auch sehr. Ab dem zweiten Buch kann man merken, er hat eine „Masche“, aber die ist sehr bekömmlich und tut wohl.
    Dir auch einen schönen Tag!
    Jörg

  3. w(u)b Says:

    Lieber Jörg,
    Du wirfst da einige Fragen auf im Zusammenhang mit Freizeit Urlaub Sabbat….
    Nicht nur Reisen geb es früher seltener auch der Urlaub überhaupt war nicht so verbreitet. Meine Eltern zum Beispiel (und die waren kein Sonderfall) kannten Urlaub fast nur aus Erzählungen anderer. Sie hatten ein Lebensmittelgeschäft und Betriebsferien waren damals für die meisten Geschäftsleute ein Fremdwort.
    Auch in der Landwirtschaft (ich kenne das, da wir in einem Bauernhaus gewohnt haben) war Urlaub nicht zu denken. Sicher gab es im Winter arbeitsärmere Zeiten und die Möglichkeit aufzuatmen, aber wirklicher Urlaub im heutigen Sinn wars nicht.

    Deinne Gedanken haben mich dann auch angeregt, daüber nachzudenken, welche Bedeutung in deisem Zusammenhang die freie Zeit haben kann, die man als Ruheständler hat.
    Auch das war früher ja nicht so verbreitet, dass man nach der Lebensarbeitszeit bei guter Gesundheit so viel Freizeit hatte. Viele mussten arbeiten „bis zum Umfallen“ (Und das scheint ja heute für manch einen Rentner auch wieder zu kommen, dass die Rente ncith ausreicht und weiter gearbeitet werden muss)
    Welche Verantwortung bringt das für Leiute wie mich und meinen Nachbarn mit sich? Wo sind wir gefragt (und vielleicht sogar erwünscht?) unsere Erfahrung und unser Wissen einzubringen – ohne die Nachwachsenden zu bevormunden als ewig gestrige Besserwisser?
    Du merkst, mit diesen Fragen bin ich noch längst nicht fertig. Aber vielleicht wars ganz guzt, dass ich durch deinen Beitrag angeregt wurde drüber nachzudenken.
    Danke dafür (und natürlich auch für deine Mail 🙂 )

    Gruß

    Werner

  4. theomix Says:

    Lieber Werner,
    ja, manchmal denke ich auch, das kommt alles wieder: Arbeiten bis kurz vorm Grab, Urlaub wird die Ausnahme statt der Normalfall. So ab Hartz VIII bis XI…
    Ich erlebe das manchmal noch, dass es von alten Leuten heißt: sie/er hatte nie Urlaub, oder als Rentner zum ersten Mal.

    Erfahrungen einbringen als Mensch im Ruhestand, mit der nötigen Gelassenheit beim Überschuss an Erfahrungen – ich glaube, dass das im ehrenamtlichen Bereich sehr gefragt ist. (Bei Bezahltätigkeiten ist der „rüstige Rentner mit Führerscheinklasse III“ ein Klassiker aus den 70ern.)
    Freundliche Grüße
    Jörg

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