Neues aus der Zitateschmiede

Luther. Luther muss sein, vor allem für evangelische Theologen. Der Klassiker geschmiedeter Zitate ist ja das Apfelbäumchen, das erst 1944 schriftlich belegt ist und irgendwann Anfang der 80er aufblühte¹: Es blieb am Reformator haften wie heißer Teer auf der Straße. Dabei ist die Sprache ja eher modern. Ich finde, man hätte es Albert Schweitzer zuschreiben sollen. Das hätte sprachlich gepasst, und auch inhaltlich.

Ich will bei Luther auf der sicheren Seite sein. Was gehört in den Kochtopf?

  • Altertümelndes Deutsch, denn Luther, wir wissen es, schrieb im 16. Jahrhundert. Ein Beispiel:“ich gehe immer ans Telefon, wenn es klingelt, denn es könnte ja Gott dran sein.“ Klar zu erkennen, dass das nicht von Luther ist: „dran sein“ hat man damals nicht benutzt.
  • Kerniger Inhalt, kernige Sprache. Wenn möglich, bildreich. Luther hat gerne und gut Bilder benutzt.
  • Eine Prise Derbheit kann nicht schaden. Ersatzweise ein Hauch Schalk.

„So der Papst brunzt, legt der Teufel noch einen Haufen drauf.“ Das passt thematisch, aber eignet sich wegen der mangelnden Ökumene nicht fürs 21. Jahrhundert. Aber es ist ein Anfang. „Teufel“ und Papst waren ja ein häufiges Thema.

„Wenn du des Weins zu viel genossen, und dir mangelt es darob an Schlaf, so ist der Nachtigallensang wie Gottes Stimme.“ Schon besser. Wie aus einer Tischrede. Aber zu lang für die Generation Internet.

Aber es muss noch etwas mehr sein:
„Nicht für dich selbst lebst du, denn du bist bloß ein Strick an Gottes Gürtel.“

Ja, könnte fast von Luther sein. Obwohl es auch von Khalil Gibran stammen könnte…

Es fehlt noch etwas der Biss:

„Wenn dich der Teufel will packen, duck dich hinweg. Will dich Gott ergreifen, bleib aufrecht.“

Ja, das gefällt mir ganz gut. Es hat auch einen Hauch Sinnlosigkeit. Aber weil es von Luther kommt, werden wir nicht widersprechen.

Eins gesucht, zwei gefunden, und das zum selben Preis:

Wenn dich der Teufel will packen, duck dich hinweg. Will dich Gott ergreifen, bleib aufrecht. (Martin Luther)

Nicht für dich selbst lebst du, denn du bist bloß ein Strick an Gottes Gürtel. (Khalil Gibran)

Anmerkung:
1: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich doch heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Siehe http://www.luther.de/legenden/baeume.html

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