Zitateschmiede

Das Internet KANN das Wissen voranbringen. Es kann aber auch das Gegenteil fördern.

So zum Beispiel mit der Zitateflut, bei der kluge Sprüche klugen Leuten ZUGESCHRIEBEN werden. Lustig holpernde Verse sollen von Goethe stammen, coole Glaubenssätze wirken schneidiger, wenn sie mit Dietrich Bonhoeffer unterzeichnet sind. Milder Humor passt zu Albert Schweitzer. Es kursierte auch mal ein Gedicht von Wilhelm Busch, in dem er sich auch kurz über die Qualität des Fernsehprogramms beklagte. Tolle Weitsicht für einen, der 1908 gestorben ist.

Was nicht passt, wird passend gemacht…

Das könnte auch etwas für langweilige Herbst- und Winterabende sein:
Wir erfinden ein paar Zitate und suchen einen passenden Autor.

Wie wäre es mit: „Die Freiheit des Denkens erträgt keine Knechte.“ (Die Versatzstücke müssen stimmen!)

Zu wem könnte das passen? Schiller, da passt die Freiheit, und auch der Knecht ist sprachlich in früheren Jahrhunderten angesiedelt. Wunderbar.

Wer jetzt häufig in Foren schriebt, sollte das als Signatur führen:

Die Freiheit des Denkens erträgt keine Knechte. (Friedrich Schiller)

Oder in Mails an Bundestagsabgeordnete. Und dann wollen wir doch mal sehen, wann die erste Bundestagsrede dieses „Schillerwort“ zitiert.

Noch ein Versuch:

„Ich weiß nicht, wer ich bin. Aber ich bin es gerne.“ Das ist surrealistisch und humorvoll. Also eine Mischung aus Kafka und Morgenstern. Eher Richtung Gegenwart. Hier bietet sich Woody Allen an. Ergebnis:

Ich weiß nicht, wer ich bin. Aber ich bin es gerne. (Woody Allen)

Ein Letztes. Jetzt einmal anders herum: Wir basteln ein passendes Zitat für einen bekannten Autor. Abteilung Theologie, der bereits genannte Bonhoeffer eignet sich hervorragend. Er ist mit dem allseits beliebten Lied „Von guten Mächten“ so bekannt, dass alle seinen klugen Prosatexte dahinter verblassen. Probieren wir es mal: Fester Glaube, leicht autoritär angehaucht, ein wenig Tiefe, aber ohne allzu schwere Sprache. Das ist zwar durch die genannte Prosa absolut nicht abgedeckt, aber das ist das Klischee von ihm, nehme ich an.

Gott hält zu uns Menschen, auch wenn die Menschen nichts von Gott halten.

Ja, das ist prima, das lässt sich auch gut in die NS-Zeit verlagern.

Wir halten fest:

Gott hält zu uns Menschen, auch wenn die Menschen nichts von Gott halten. (Dietrich Bonhoeffer)

Ich bitte alle, die das lesen, mir die Quellenangaben zu übermittteln. Ich hätte gerne einen Beweis für meine trefffsichere Intuition 😉

Hinweis für alle ironiefreien Menschen: Dieser Artikel ist satitisch gemeint. Ich achte und ehre Werk und Wirken der im Artikel genannten Personen (u. a. Friedrich Schiller, Woody Allen, Dietrich Bonhoeffer.)

Schlagwörter: , ,

Kommentare? Gerne! (Wer nicht IP- und Mail-Adresse hinterlassen will, darf nicht kommentieren.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: