Mein Sonntag

Ein Statement für den Buß- und Bettags-Gottesdienst zum Thema „Sonntag“

  1. Fast ist der Sonntag ein gewöhnlicher Arbeitstag für mich: Dann ist (im Schnitt alle 14 Tage) der Gottesdienst an der Reihe.
    Aber weitere berufliche Termine an diesem Tag sind selten. So ist der Sonntag auch für mich ein besonderer Tag. Und ich habe mir angewöhnt, den Gottesdienst zu feiern. Ich rede nicht mehr davon, den Gottesdienst zu halten, wie man oft sagt. Ich feiere. Auch wenn ich durch die Liturgie führe und predige: Ich feiere mit, der Großteil der Arbeit ist vorher passiert, jetzt führe ich durch, was ich vorbereitet habe, und ich stelle mich innerlich auf Feiern ein.

  2. Der Beruf prägt mein Freizeitverhalten. Und das ist bei mir nicht „normal“: ich habe selten ein Wochenende, sondern oft genug ist der Samstag frei und der Sonntag mit etwas Arbeit gespickt. Das widerspricht der gesellschaftlichen Norm, die kennt das durchgängig „freie Wochenende“ – oder zumindest von Samstag Abend bis Montag früh. Für uns ist es immer mit etwas Organisation verbunden, wenn wir von Samstag auf Sonntag privat etwas unternehmen wollen. Daran merke ich, wie stark das Freizeitverhalten der meisten am Gottesdienst am Sonntag-Vormittag vorbeigeht.

  3. Der jüdische Sabbat fasziniert mich: wie bewusst der Tag frei gehalten wird von allem, was das Tun des Schöpfers nachahmen könnte. Kein Feuer darf entzündet werden, auch elektrische Geräte einschalten ist bei orthodoxen Juden verpönt. Das bringt dem Tag Ruhe. Schöpferische Pause. Was ich davon gelernt habe: An „meinem“ Sabbat mache ich keine Termine, habe keinen Kalender dabei. Denn das Einteilen der Zeit gehört zum Tun Gottes bei Erschaffung der Welt: Am ersten Tag teilt Gott die Zeit in Tag und Nacht. Und Termine machen ahmt das nach. Übrigens: die Nachfrage war auch äußerst gering, in den letzten 10 Jahren hat nach dem Gottesdienst niemand bei mir um Termine gebeten.

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2 Antworten to “Mein Sonntag”

  1. ig Says:

    Mir geht es ähnlich. bei Punkt 1 und 2 bin ich eher Normalbürger und „Objekt“ [oder Konsumentin(?)] von Liturgie, die ich allerdings auch mit feierlicher Grundeinstellung besuche, meist gelingt es mir auch, das durchzuhalten. Natürlich sollen die Predigten nicht immer nur warme Worte sein, sondern auch aufrütteln und zum christlichen Handeln anstoßen, (s. vorherige Kommentare). Doch ist diese im Gotteshaus versammelte Gemeinde/Gemeinschaft schon alleine ein Fest, warum auch nicht? Wir beten und singen zusammen und sammeln so von der Gemeinschaft gestärkt Kräfte für den Alltag. Leider vermisse ich dieses festliche (nicht „feierliche“) Bewusstsein in den Mienen der Anwesenden, aber wer weiß, was denen manchmal durch die Köpfe geht.
    Irgendwie fehlt mir etwas in der folgenden Woche, wenn ich es mal nicht in den Gottesdienst am Sonntag schaffe. Wie sagt man so schön: „katholisch sozialisiert“?
    Aber Punkt drei ist bemerkenswert. All die Bücher über und aus dem Judentum, die ich so in meiner bescheidenen Lesebiografie gelesen habe, sprechen über die FREUDE am, auf und über den Sabbat. Unglaublich. In TV-Bildern aus New York und anderswo sieht man (pardon: sehen WIR) erwachsene jüdische Männer und Frauen, und Kinder eilig nach Hause hasten, um ja rechtzeitig zum Sonnenuntergang zu Hause zu sein.
    Wir waren neulich in Anatevka: Zum Sabbat zieht auch jedes Familienmitglied der noch so armen Familie den feinsten Zwirn an, um den Sabbat gebührend willkommen zu heißen. Auch äußerlich kann man sich rüsten, innerlich sowieso. FRAUEN spielen am Sabbat in der jüdischen Familie die Schlüsselrolle, mit den Ritualen beim essen.
    Keine Geldgeschäfte am Sabbat! Und unsere Gesellschaft kann offensichtlich auch am Sonntag nichtgenug Konsumieren.
    In diesem Zusammenhang sehr empfehlenswert: die Romane und sonstige Schriften von Chaim Potok. (Zum Beispiel die Asher Lev-Trilogie)
    Der Sabbat/die Sabbatruhe ist die wichtigste Errungenschaft des jüdisch-christlichen Kulturkreises. Man bedenke nur, wie sehr chinesische Herrscher bei der Abschaffung der Wocheneinteilung scheiterten, und die Französische Revolution vergeblich die 10 Tage Woche einführen wollte.

  2. Mein Sonntag – fast 10 Jahre noch einmal | Theomix Says:

    […] Novemmber 2008 geschrieben, vor den Augen liegen die Änderungen. Original: https://theomix.wordpress.com/2008/11/20/mein-sonntag/ […]

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