Räume – für uns, für Gott

Räume sind wichtig: Vor 10 Jahren an einem kalten, zugigen Dom aus den 50-ern mit 300 Plätzen. Jetzt zwei Kirchlein mit jeweils maximal 90 Plätzen, eins ganz alt und eins aus dem 19. Jahrhundert.

Der Raum predigt mit. Das Gebäude will etwas vermitteln: Du bist willkommen! Oder: Du kleines Nichts, was willst du schon. Selten kommt Herzenswärme gegen kalte Räume an. Aber ein warmer Raum hilft oft gegen menschliche Kälte.

Ich habe diesen Faktor lange unterschätzt. Ich sehe hier eine Gratwanderung: zwischen Ästhetik und Heimatgefühl. Kirchen sind wie das Wohnzimmer einer Gemeinde. Aber sie werden anders eingerichtet.

Wie viel Luxus ist für eine Kirche angemessen? Ist das nur eine Geschmacksfrage? Zwischen Qualität und Üppigkeit ist eine ganze Bandbreite, wo ist die Grenze?

Der schlimmste Fall: Manche Räume laden geradezu Gott aus und lassen die Seele im Regen stehen.

Schlagwörter: , ,

12 Antworten to “Räume – für uns, für Gott”

  1. ig Says:

    Dazu fällt mir spontan ein, dass eine Bekannte mir mal sagte, dass sie es oft erlebt hat, dass ein ort „warmgebetet“ worden ist. Für sie sei Taizé so ein Ort.

  2. hohesundtiefes Says:

    Im Jahr meines Abis besuchten wir eine Kathedrale irgendwo im Süden Englands – ich kann mich nicht mehr erinnern, welche, aber sehr wohl an die kühle, überwältigende, klare Schönheit der Gemäuer, zwischen denen wir uns tatsächlich klein vorkamen, aber nicht unwichtig. Im Gegenteil.
    Ich stand sprachlos staunend da, neben einem Freund, der dann diesen Satz hervorbrachte: ‚This is, where I want to die!‘ Und ich verstand ihn irgendwie – hier spürte man die ganze Majestät und Schönheit und das Licht des Großen, ja man konnte hier die Seele fliegen lassen. Ich wollte nicht sterben – und der Freund wohl auch nicht, aber uns fehlten in dem Moment passendere Worte…
    Nun, etwas anderes als ‚Wohnzimmer‘, nicht wahr? Aber dass Kirchen predigen – da hast du wohl recht.

    • theomix Says:

      Der Freund sprach aus Ergriffenheit. Wie du selbst schreibst, „die ganze Majestät und Schönheit und das Licht des Großen“ ist spürbar, die Seele kann fliegen und Gott stellt die Füße auf weiten Raum.
      Wohnzimmer sind Kirchen nicht. Leider meinen das manche und gestalten sie auch so… WIE Wohnzimmer sind sie schon, als Lebensräume einer Gemeinde. „Wohnzimmer“ gehört „Heimatgefühl“. Ästhetik steht bewusst als Gegensatz. Muss nicht. ich habe es aber selten anders mitbekommen…

      • hohesundtiefes Says:

        Es kommt mir beinahe so vor, als wäre es ein Bemühen darum, eine paradoxe innere Realität äußerlich abzubilden – ist Gott die fremde unverfügbare Majestät? Ist ER der Freund, mit dem wir zusammensitzen? Wohl beides und noch vieles dazwischen – und so auch die Kirchenräume… hm.
        Mein alter Professor stellte sich mal mitten in die alte Kirche, in der wir ein Seminar hatten, hielt sich an einer Säule fest und sagte: ‚Meine Damen und Herren, merken Sie sich eines: Bevor Sie sich hinstellen, um zu predigen, sitzt Ihre Gemeinde schon eine ganze Weile hier – und diese Wände haben ihr gepredigt.‘ Als ich diesen Sonntag wieder in der Kirche war, hab ich mich daran erinnert… und ich glaube, das stimmt – die Wände, die Kirchenräume predigen, oder?

        • theomix Says:

          Hoher Gott und Kumpel, weit weg und nah am Herzen, ich glaube, GOTT ist sehr vieles. Mehr als wir zu träumen und zu glauben wagen.
          Die Wände haben gepredigt – und sie hängen voller Gebete. Es ist wie ein Aura aus Predigten, gebeten und dem Geist der Menschen, die diesen Raum füllen. Weniger esoterisch klingend: Man spürt einer Kirche ab, was die Menschen, die sie verantworten und gestalten, vermitteln. In diesem sinne predigen sie sehr.
          Und ich frage mich, was sagt, was predigt eine Kirche, die zugerümpelt ist?
          https://theomix.wordpress.com/2012/06/22/ausere-merkmale/
          https://theomix.wordpress.com/2012/07/25/votivkirhce-wien-links-neben-dem-eingang/

        • hohesundtiefes Says:

          🙂 Ach, GOTT hat tausend Wege…
          Und das mit den Wänden: Ich glaube, es ist nicht nur das Gegenwärtige. Es ist mir so, als wären die Gebete und die Hoffnung derer, die vor uns in den Kirchen gewesen sind irgendwie auch ‚in‘ oder ‚an‘ den Wänden… dafür finde ich keine exakten Worte – es ist so ähnlich, wie mit dem Credo; das Wissen darum, dass so viele Generationen vor uns es schon gesprochen haben, stärkt mich.
          Gerümpel? Brauchen wir das wirklich? Und wofür eigentlich?
          Eine Ausnahme habe ich erlebt – als wir nach der Wende den Vorhängeschloss von einer abgeschlossenen kleinen romanischen Kirche genommen haben: sie war Jahrzehnte verschlossen gewesen, zwangsweise. Unter zentimeterdicken Staubschichten fanden wir ‚Gerümpel‘ – Zeugnisse aus einem abgeschnittenen Gemeindeleben: Kirchbücher, Gesangbücher, dies und jenes. Wir haben uns Kopftücher umgebunden, den ganzen Samstag geputzt und am Sonntag feierten wir zum ersten mal wieder Gottesdienst. Ich glaube, wir waren nicht mehr als 6 Menschen – mitten in einer halb zerfallenen Kirche – und Gerümpel. Aber dieses Gerümpel erzählte über Auferstehung, über neuaufgenommene Fäden, über Hoffnung. Heute ist die Kirche renoviert, das ‚Gerümpel‘ aufgeräumt, die Gemeinde am Wachsen…

        • theomix Says:

          Irgendwie beschleicht mich dieses Gefühl in der romanischen Kirche in Kircheib auch: Es ist nicht nur das Gegenwärtige da. Die Gebete der Generationen vor uns. Und ich stelle mir immer wieder vor, jahrhundertelang haben sie nur gestanden beim Gottesdienst. Und der Mensch vorne hat nur Latein gesprochen. Von der Bauvollendung bis zur Einführung der Reformation etwa 450 Jahre, so viel wie von da an bis heute. Das macht mich demütig und ehrfürchtig…
          Und Gerümpel – o nein!, das war nicht das, was ich meinte, liebe hohesundtiefes. Was ihr fandet, waren Lebenszeugnisse des vergangenen Gemeindelebens. Gerümpel ist in belebten Kirchen das Zeug, das herumsteht, weil man es nicht so häufig braucht und/ oder weil es keinen anderen Platz gefunden hat. Oder Zeugnisse des verqueren Wohnzimmerverständnisses, die man an die Wand klatscht.
          Und das führt zu einer weiteren wichtigen Frage: Warum halten wir Leere nicht aus? Warum meinen wir sie füllen zu müssen? Gott will in die Leere, in die Stille kommen…

          https://theomix.wordpress.com/2008/10/13/schones-uber-die-stille/

        • hohesundtiefes Says:

          GOTT macht sich zwar, so glaube ich, von der Lautstärke nicht abhängig, aber wir tun wohl gut daran, still zu werden – hast schon Recht: volle Hände lassen sich so schlecht füllen… gilt ja vielleicht auch für zugerümpelte Kirchräume? hm.
          Leere und Stille auszuhalten – es ist schwer. Mir macht es bewußt, dass ich viele Dinge nicht in der Hand habe, dass ich angewiesen bin – auf GOTT. Das ist was mich demütig und ehrfürchtig macht. Wie gut, dass ER in die Stille kommen will…
          Danke auch für das Zitat und gute Nacht, Lieber theomix.

        • theomix Says:

          Eine gute Aussicht für Trost- und Erholungsbedürftige. Gute Nacht!

  3. Kirchenräume, erneut | Theomix Says:

    […] https://theomix.wordpress.com/2008/11/18/raume-fur-uns-fur-gott/ […]

  4. nandalya Says:

    Wir waren vor Jahren mit der Schule in Frankreich. Den Ort habe ich leider vergessen. Dort haben wir eine uralte Kirche besucht, die schon die Kreuzfahrer aufgesucht hatten. Stand da zumindest. Nun mag ich Geschichte sehr und habe mir die Frage gestellt, was jene Menschen damals empfunden haben mögen. Ja, ich gehe dann und wann in Kirchen, um die Stille zu genießen. Für mich sind Kirchen Orte der Begegnung. Wenn man es so ausdrücken kann: mit dem „Göttlichen“, dem Glauben, dem Frieden und interessanten Menschen. Und in manchen Kirchen ist die Musik, der Sound auch einfach cool. 😉

    • theomix Says:

      Kirche als Orte der Begegnung: schön beschrieben. Gerade die alten Baumeister hatten Sinn für die Harmonie und die Begegnung mit dem Göttlichen. Solch einen Raum mit Kommunikation und Miteinander zu füllen hat einen großen Charme.

Kommentare? Gerne! (Wer nicht IP- und Mail-Adresse hinterlassen will, darf nicht kommentieren.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: