Das sensible Kapitel

Sprache ist ein sensibles Kapitel. Auch für Theologen, zumal, wenn sie zu predigen haben. Die sprachlichen Zeitgeist-Antenne strecken sie in Richtung Psycho- und Soziologie. Manche neuerdings auch in Management und die Unternehmensberatung.

So entstehen dann hübsche Slang-Ausdrücke, die unhinterfragt übernommen werden. Die Blogseite „Pastor Sändy“ spießt nun den Begriff „die Menschen abbholen, wo sie sind„. Ich fand das sehr schön und habe kommentiert:

„Sympathisch war mir diese Redeweise nie so richtig; es hat schon was von “bedingungsloser Annahme”, und die finde ich okay. Aber dann könnte man das ja so sagen!
Es ist irgendwann (ja, wann?) Slang geworden, und wenn man da hinguckt: holt man die Menschen eigentlich noch ab? Oder lässt man das sein und “begegnet ihnen auf Augenhöhe”? “Strahlen brechen viele” – mir ist auch schon schlecht ;-)
Danke für den Hinweis!“

So etwa vor 20 Jahren waren viele Dinge „spannnend“, und die angepriesenen Werte (Umkehr, Friede, Erneuerung, was noch?) sollten „ein Stück weit“ wahr werden. Neulich habe ich die Kanzlerin mit dieser Äußerung erwischt. Kein Wunder als Pfarrerstochter. In meinem Vikarskurs entstand der Slogan „Das ist ein Stück weit spannend“.

Vor etwa 10 Jahren begannen Kollegen von Dingen zu reden, die „Sinn machen“. Komisch, für mich „hat etwas Sinn“, nach wie vor. Das heißt, es wohnt ihm inne, es hängt nicht von einem Tun ab.

Ja, dann will ich mal Geld in die Hand nehmen, und gut ist.

Schluss. Es ist so einfach, andere zu erwischen. Der blinde Fleck oder der Balke im Auge. Ja, ja.

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6 Antworten to “Das sensible Kapitel”

  1. ig Says:

    ….. na gut, dass Du Deinen Vikar-Kurs noch „erinnerst“
    Verben – so was von transitiv!

  2. ig Says:

    Heute ist Luthers Geburtstag (Neudeutsch: Luther’s).
    Er hat den Menschen auch aufs (auf’s) Maul geschaut!
    UND DAS WAR GUT SO! Wir Katholiken haben Sprachproblem genug, mit Strömungen, die LATEIN in der Liturgie fordern. Im Kongo oder auf den Müllhalden von Manila käme das sehr gut.

  3. ig Says:

    Um wieder in der Anatomie zu bleiben: Leider erlebe ich bei uns bauch-lastigen immer wieder, dass mit erhohenem Zeigefinger gepredigt wird. Da gefallät es mir asl Objekt von predigt immer HERZ-erfrischen auf, wenn jemand auf Augenhöhe mit mir redet, und nicht über meinen KOPF hinweg. Wer Ohren hat…..

  4. Sprachmode, Folge 1: Auf Augenhöhe « Theomix Says:

    […] Folge 1: Auf Augenhöhe “Auf Augenhöhe”: der Kommentar von ig lässt mich zu diesem Ausdruck […]

  5. rotegraefin Says:

    Mitte der 70er Jahre wurde alles jetzt mal so im Raum stehen gelassen.
    Heute stolpern wir über den ganzen Kram, der so vergessen wurde. 😀

  6. theomix Says:

    ässt man doch auch manches stehen. da brauch man sich über die wachsende Demenz nicht zu wunderbn, wenn’s die Psychologen einem nahelegen.

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