Mit ‘Spiritualität’ getaggte Artikel

Bloggen als Übung

4. 5. 2012
  • Ich möchte eine Sprache lernen. Autodidaktisch. Aus eigenem Antrieb. Was wird mir mehr bringen? Tägliches Üben und Lernen- ODER – ich schau mir in den ersten Tagen die ersten Lektionen stundenlang an. Wenn es mühsamer wird, nur noch alle paar Tage.
  • Die alten Meister empfahlen fürs geistliche Leben tägliche Übung. Sogar dann, wenn man gaaar kein Lust dazu hat. WARUM WOHL?
  • Wer täglich einen Bibeltext liest, trifft überwiegend auf Texte, die die eigenen Gefühle nicht treffen. Soll man aufhören? Ein paar Tage Pause?

Ihr ahnt, worauf es hinausläuft: Regelmäßig und jeden Tag ein kleines bisschen ist besser als unregelmäßig und dann (zu) viel auf ein Mal. Diese Gedanken bewegen mich auch beim Bloggen. Mir hilft es nicht, wenn mir jemand fürs Bloggen rät: “Mach es, wie du lustig bist.” Das ist nicht mein Motto. Selbstmotiviertes Tun braucht die regelmäßige Übung, Sonst sollte ich es lieber lassen. Ob eine Sprache, ein Instrument oder eine Sportart lernen – ein bisschen Überwindung, ein Hauch Anstrengung gehört dazu. Ich möchte sogar das Wort “Disziplin” anführen.Wenn ich in Latein richtig mitgekommen bin, ist disciplina die Tugend des discipulus, also des Schülers, des Lernendenden.

Mich hat in der Diskussion über meine Blog-Klage der Gedanke überzeugt: Mein Blog braucht Disziplin.
Selbst bei einem Hobby ist das nötig, damit ich das Gefühl bekomme, es bringt mich weiter. Für mich ist Bloggen Hobby, auch so etwas wie eine geistliche Übung, oft genug Gedankenklärung, kreativer Prozess.
Klärung und Kreativität sind Spitzen, die sich aus dem Alltäglichen hervorheben. Ob sie überhaupt noch kämen, wenn es den mühsamen, alltäglichen Weg durchs Tal nicht gäbe?

Wie bitte? Schon da?

7. 11. 2011

Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: “Wann kommt das Reich Gottes?”, antwortete er ihnen und sprach: “Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte;noch wird man sagen: ‘Siehe hier!’ oder: ‘Siehe dort!’, denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.”
Lukas 17, 20.21

Reich Gottes, so übersetze ich mir das gerne, ist die Welt, so wie Gott sie will. Und das ist schon mitten unter uns? Utopien sind in den letzten beiden Jahrzehnten rar geworden. Aber sie wären notwendig, die “Occupy”-Bewegung zeigt es.

“Mitten unter uns” – eine Herausforderung, auch ein bisschen Arbeit. In früheren Jahren hat mich die Lektüre Helmut Gollwitzers inspiriert. “Sozialismus” ist seit Ende des real existierenden nur noch “pfui”. Aber vielleicht braucht es heutzutage wieder eine Utopie, ein soziales Ziel.

“Das Reich Gottes ist inwendig in euch”, hat Luther übersetzt. Das Da-sein dieses Reiches ist schillernd und  nicht eindeutig. Innerlichkeit ist zulässig, so lässt sich das griechische Wort (ἐντὸς) auch  übersetzen. “Mitten unter euch” ist gleichwertig, im Deutschen geht nicht beides auf ein Mal.

Bei uns – aber noch nicht da. Es kommt uns entgegen, wir gehen darauf zu. Jenseitige Perspektiven kommen auf. Diesseitige lassen sich nicht verdrängen. “Mitten unter euch”.

Heimlich, still und leise

26. 9. 2011

† Fliege-Essenz

Fliege in der Suppe

15. 8. 2011

Anfangs verfolgte ich einfach mal die Diskussion über und mit Ursula Caberta – aus Anlass ihres neuen Buchs “Schwarzbuch Esoterik” . Sie beschwert sich über Prominente, wie etwa Jürgen Fliege.

Im Mittelpunkt der Kritik an ihm: Die “Fliege-Essenz”. Was ist das? Ein Wundermittel mit Segen, lest selbst.

420 € pro Liter, geschäftstüchtig.Und Jürgen Fliege hat nur 52 € Gewinn davon, mir kommen die Tränen…

“Flieges Segen kostet nichts extra”, teilt er mit.
Dann schicke ich meinen Hustensaft mit Rückporto hin. Wenn ich daran glaube, dass J. F. so ein Wundermann ist. Ansonsten kann es auch mein Nachbar tun. Wegen “Priestertum aller Gläubigen“. Eine evangelische Tradition, die es verdient, bewahrt zu  werden. Genauso wie die, keine Gegenstände zu segnen. Na ja, das muss man als evangelischer Pfarrer nicht aktiv wissen.

(Merkwürdig zurückhaltend die Reaktion der Sektenbeauftragten der Weltanschauungsbeauftragten der Nordelbischen Kirche. Gar nichts hörte man bisher von seiner und meiner Kirche, der Rheinischen.)

Lohnend (wenigstens für sie) ist der Vorschlag von erinnye auf ihrem Blog: Sie braut etwas eigenes zusammen, murmelt etwas darüber und schickt es uns für einen relativ guten Preis (also für sie “gut”.)

Ich meine: Machen wir es wie die APO und machen zu unserem gemeinsamen Ruf:
Schafft ein, zwei, drei, viele Fliegen-Essenzen.
Dann braut sich etwas zusammen, was man nicht mehr in edle Fläschchen zurückdrücken kann!

Aktuell am 16. August: Nachricht auf evangelisch.de – mich überzeugt es nicht.

Aktuell am 18. August: Stellungnahme der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW)

Unten am Fluss…

25. 2. 2011

… da legen wir Waffen und Lasten ab. Die neuen Gewänder liegen bereit.

Ist es schon so weit? Hoffentlich haben wir noch Zeit, bis wir die neue Garderobe ausprobieren. Aber mal die Waffen ablegen, man könnte es ja mal versuchen, jetzt schon.

Durchs Feuer gehen

18. 2. 2011

Schadrach, Meschach und Abed-Nego – die drei Männer im Feuerofen: Sie gingen durchs Feuer, weil sie von ihrem Gott nicht abließen. Sie wurden bewahrt. Kaum zu glauben. Aber gut und gern als Spiritual besungen.

Den Sklaven war es ein Hoffnungslied.
Wir wissen heute: Nur wenige der Kinder Israels kamen heil aus dem Feuer heraus.

Sperrmüll – Gastbeitrag von Werner

9. 2. 2011

Werner hat nettterweise einfach so einen Text als Gastbeitrag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank!

Alle (Halb-)Jahre wieder sind unsere Straßen voller Sperrmüll – auch für mich immer wieder Anlass, den Keller oder Speicher zu inspizieren, alte Sachen in die Hand zu nehmen, zu sortieren, zu überlegen was noch brauchbar ist. Mit jedem Stück sind Erinnerungen verbunden und mancher an sich nutzlose Gegenstand hat deshalb doch noch seinen Wert.

Ich entdecke jedes Mal, wenn es darum geht, Sperrmüll an die Straße zu stellen, längst vergessene „Schätze“ – aber auch anderes was wirklich nur Platz einnimmt und längst hätte entsorgt werden sollen.

Loszulassen, mich zu verabschieden von Dingen, die man ja vielleicht noch einmal brauchen könnte, fällt mir wie auch vielen anderen nicht immer leicht.

Und doch ist das eine gute Übung, denn mit jedem Gegenstand, den wir bereit sind wegzugeben ist auch ein Stück Freiheit gewonnen. Befreiung von materiellem Besitz, der oftmals unser Denken blockiert und uns die Maßstäbe für unser Handeln verlieren lässt.

Gut, dass es die Sperrmüllabfuhr gibt, die uns hilft in unserem Haus unserem Keller, unserem Speicher immer wieder Platz zu schaffen, Unnötiges und Nutzloses zu entrümpeln.

Auch gut, dass solche Entrümpelung unserer Seele möglich ist.

Eine „revision de vie“, eine Bestandsaufnahme unseres Lebens kann auch da helfen, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, uns von nutzlosen Gedanken und Plänen zu verabschieden. Unter Umständen können wir dabei aber auch alte verschüttete Ideen wieder entdecken, um sie dann endlich zu verwirklichen. Wenn wir dabei neue Fähigkeiten entwickeln, unsere verschütteten Talente entdecken und für das eigene Leben und für unser Zusammenleben mit anderen endlich nutzbar machen, ist dieser Blick in unser eigenes Innere ein Gewinn.
Von anderem können wir uns getrost verabschieden und können das, was schief gelaufen ist,  loswerden – zum Beispiel in der – nach katholischem Verständnis sakramentalen – Beichte, in Bußgottesdiensten, im Schuldbekenntnis im Abendmahls- oder Eucharistiegottesdienst. Wenn wir dabei wirklich ehrlich mit uns selbst sind, wird diese Entrümpelung unser Leben wieder übersichtlicher, freier und erlöster machen.

Übers Beten bloggen?

1. 10. 2010

“To be very honest, I hate blogging about prayer. It makes me seem so…pious. For a variety of reasons, I really don’t like it when people talk about their prayer life. Never have. It always feels so paternalistic. A mix of bragging, scolding, and judging. If you have a great prayer life, great. Keep it to yourself.”

Richard Beck, Experimental Theology: The Book of Coommon Prayer

“Um ehrlich zu sein, ich hasse es über das Gebet zu bloggen. Es macht mich, scheint mir, so … frömmlerisch. Aus einer Vielzahl von Gründen mag ich es nicht, wenn Leute über ihr Gebetsleben sprechen. Nie habe ich es gemocht. Es fühlt sich immer so fürsorglich an. Eine Mischung aus Angeberei, Schimpfen und Richten. Wenn du ein großes Gebetsleben hast: großartig. Behalte es für dich.”

Auf der Grenze zum Sinn

15. 9. 2010

Svens Blog “Alles und nichts” verdanke ich den Link zum Nudellied von Erwin Grosche.

Grosche hat einen eigenen Kanal auf youtube, und seine Filme sind sehenswert. Eine Karikatur von Innerlichkeit und Weltverbesserung. Spiritueller Nonsense. Heute die Meditation übers Knäckebrot:

Hinhörer

1. 9. 2010

Oder: Fast ein Psalm

Wer hier regelmäßig liest, weiß: Ich höre mich gerne um in der Musikszene. Ein bisschen Zeitgeist atmen, um dann darüber zu spekulieren, wie sich Gottes Geist mit ihm verwirbelt.

Meine Ohren blieben jetzt bei der neuesten Single von “Wir sind Helden” hängen: “Alles”. Hier nur zu hören:

Den Videoclip gibt es als Link hier.

Auch der Text lässt sich nachlesen.

Die Psalmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihren Bildern ausgetretene Pfade beschreiten: Man erfährt ja nichts Konkretes über den Zustand des Beters oder der Beterin. So auch die “Helden”: Sie ergehen sich in Andeutungen, rufen Bilder wach. (Wobei ich noch nicht festgelegt bin, wie “rigorose Engel” aussehen, die meine “Schrauben” “fixieren” wollen…)

Nah dran an christlichen Inhalten: Erlösung nicht nur für Religiöse – die Rechtfertigung der Gottlosen lässt grüßen, zumal “alles vergeben” ist “und gut”. Auch wenn es im Lied schillert, weil ja “alles vergebens” sein kann. Aber die Ur-Texte (wie die Paulusbriefe und die Psalmen) legen auch keine glatten Lösungen nahe.

Und für Fans von “unplugged” die Aufnahem von noirtv.de:

Wie überhaupt noirtv.de einen Besuch wert ist.