Daran bin ich hängen geblieben und denke darüber nach…
Mit ‘Gottesdienst’ getaggte Artikel
“Hagebuttentee-Spiritualität”
21. 6. 2011Jetzt mal etwas aus der kirchlichen Innensicht:
Die Männer und die Gretchenfrage von Axel Reimann. Von einem Insider zur Frage, was Männer am kirchlichen Leben stört. Besser stören könnte. (Wir erfahren deutlich, was Herrn Reimann stört.)
Verschrieben oder verschrieen
25. 5. 2011Seine Schrift hatte viele Schnörkel, aber sie war gut zu lesen. Trotzdem schrieb Pfarrer P. manchmal unkonzentriert ins Kirchenbuch. Schon ein paar Mal gab es bei Goldkonfirmationen Überraschungen über seine Einträge.
Dieses Jahr: Unsere Bürofachfrau beugt sich übers Kirchenbuch und schlägt die Konfrimationssprüche der Goldkonfirmanden in der Bibel nach. Bei einem fragt sie mich, ob sie richtig gelesen hat. Doch, da steht “Jeremia 16, 9″. Sie hält mir die aufgeschlagene Bibel hin: “Kann das sein?” Ich lese: “so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Siehe, ich will an diesem Ort vor euren Augen und zu euren Lebzeiten ein Ende machen dem Jubel der Freude und Wonne, der Stimme des Bräutigams und der Braut.” Sehr ungewöhnlich.
Theomica kommt gerade zum Kopieren ins Büro. Auch sie entziffert 16,9 und ist erstaunt. Gemeinsam überlegen wir, warum Manfred L. diesen Spruch bekam: Ein Raufbold? Ein frühreifer Frauenheld? Was hatte des Pfarrers Zorn erregt?
Wir plädierten auf Irrtum. Angenommen, Pfarrer P. hätte sich mal wieder vertan, was könnte es dann sein? Jeremia 16,19 vielleicht? “HERR, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!” Treffer! Sehr gut.
Für den Gottesdienst hatte ich beide Versionen in der Tasche. Manfred L. hat freudig die mit der 19 gewählt.
Anmerkungen
Gold: Nach 50 Jahren. Die Feier ist auch für höhere Jubiläen. Der Rekord liegt bei der Konfirmation bei Jubilieren nach 80 Jahren. (Der Jubilar arbeitet noch am 85-jährigen.)
Kirchenbücher: Seit den Achtzigern machen das hier nicht mehr die Pfarrersleut.
Das EG
16. 10. 2009Was gab es nicht vor 20 Jahren? – 4 -
Etwas für kirchliche Insider: Das Evangelische Gesangbuch. Es löste das EKG, das Evangelische Kirchengesangbuch ab, das so 30 bis 40 Jahre auf dem Buckel hatte. Das EG hat noch mehr Lieder und einen umfangreiche Textteil. Zwischen 1993 und 1996 wurde es in den deutsche Landeskirchen eingeführt.
Viele neue Lieder sind zu finden, Taizé-Gesänge auch. Und der Textteil enthält auch viele grundlegende Texte, wie Auszüge aus Katechismen und Bekenntnistexten.
Das vieleicht größte Manko: Es hat die alte Rechtschreibung. Grund, es in ein paar Jahren zu überarbeiten. Denn irgendwann kommen ganze Schülerhorden daher und sagen: “EG – nicht nur die Rechtschreibung ist veraltet. Typisch Kirche.”
Muss ich nicht haben…
Über die Pflege zarter Pflanzen
7. 10. 2009Die schöne Stellenannonce von Kraftwort, Kirchenmusikerstelle in Fruststadt, verleitete mich zu einem Kommentar, den ich nicht auf Blogpastor Barnabas’ Blog, sondern hierhin setze:
Pflegeanleitung:
Kirchenmusiker sind Pflanzen besonderer Art. Sie gedeihen im Halbschatten, am besten in Orgelnähe. Alle Vierteljar dünge man sie mit barocken Noten.
Neben viel Luft hilft ihnen zum Aufblühen freundliche Kommunikation. Zum Beispiel sind sie sehr dankbare Geschöpfe, wenn das Pfarrpersonal ihnen länger als 75 Minuten vor dem Einsatz die Lieder mitteilt.
Nur Luft und Liebe reichen nicht. Sie brauchen auch Kies. Allerdings gehen manchen kirchlichen Lieferanten die Vorräte aus. Dagegen hilft nur eine Besinnung auf die Grundanliegen kirchlicher Arbeit. Darüber müsste sich einige Kiesvorräte organisieren lassen.
Exemplare mit Neumusik-Allergie (Lieder nach 1980) sind nicht heilbar. Das beste Gegenmittel zur Milderung der Symptome ist regelmäßig eine große Dosis Gregorianik.
Herzlich und unkorrekt
8. 7. 2009Im letzten Gottesdienst lief einiges schief.
- “Komm in unsere stolze Welt” war das Lied vor der Predigt. Ich hatte der Organistin vergessen zu sagen, dass es nach anderer Melodie gespielt wird. Ich unterbrach den kümmerlichen Gesang, die Organistin spielte wie gewünscht “Jesus, meine Zuversicht”.
- Ich hatte Küsterin und Organistin die Lieder nach der Predigt in der falschen Reihenfolge durchgegeben. Also stand ich beim Anspielen der Melodie auf und stellte das klar.
- Auch die Organistin hatte etwas vergessen. Das ließ sich regeln.
- Ebenso die Küsterin. Auch das war recht schnell geradegebogen.
- Auch der Presbyterin unterlief beim Austeilen von Brot und Wein eine klitzekleine Panne.
Der fröhliche Grundton des Gottesdienstes war auch am Schluss noch da. Ein korrekter Vollzug der Liturgie ist schön. Für manche fundamental wichtig. Es tut gut, wenn man nach so vielen Fehlern so vieler Mitwirkender in einer guten Stimmung landet. In unserer Gemeinde zählt das Herz, oft genug.
Die positive Überraschung: Nach dem Gottesdienst, beim Kirchenkaffee, tauchte noch eine Familie aus Berlin auf; der alte Vater war vor Kriegsende hier am Ort evakuiert. Über das angeregte Gespräch kam der Wunsch, mal in den Glockenturm zu steigen. Da die Organistin mit Mann und Kind da war und immer schon mal dorthin wollte, kamen die Drei auch noch mit. Das war eine herzliche Zugabe, die mir auch noch Laune gemacht hat.
Aus Anlass der Konfirmation
2. 5. 2009Theomix’ Beitrag zur Konfirmation des Jüngsten.
Auch wenn berufsbezogen die Konfis sonst kritischer gesehen werden: Heute haben sie meine Solidarität. Wie gut, wenn eine Feier junge Leute in der Pubertät aufwertet.
Als Zeichen der Solidarität heute dieses Video. Manche Konfirmanden werden die Predigt ähnlich gut verstehen wie Mr. Bean hier:
8 Mal “warum nicht”- und 9 Mal “warum vielleicht doch”
18. 2. 2009“Ich bin kein Kirchgänger.”
(Das weiß ich eigentlich, aber bitte, er oder sie darf es gerne sagen.)
“Die Lieder sind zu alt.”
“Die Lieder sind zu neu.”
(Nur die Kombination zeigt: Ist eigentlich egal, was gesungen wird.)
“Ihr Vorgänger war so unfreundlich, da gehe ich nicht mehr in den Gottesdienst.”
(Es geht nichts über differenzierte Urteile.)
“Da frühstücken wir mit der Familie.”
(Bei Langschläfern ist das nicht zu toppen. Wer aber so um 8.30Uhr anfängt, kann es schaffen.)
“Ich habe kein Bedürfnis” oder “Das bringt mir nichts.”
(Das hat ob seiner Ehrlichkeit einen Preis verdient. Jetzt kann man inhaltlich diskutieren: Wie könnte es etwas bringen? Wie könnte das Bedürfen geweckt werden?…)
Mein Liebling, bisher nur ein Mal gehört:
“Herr Pfarrer, wir sind stille Christen.”
–
Ich will ja nicht nur schimpfen, ich nenne Gründe, warum ein Gottesdienst wichtig ist/ sein kann.
- Ich höre andere Dinge, als ich tagaus tagein hören kann.
- Ich sehe Leute, bei denen ich froh bin, dass ich sie maximal ein Mal in der Woche sehe.
- Ich sehe Leute wieder, die ich sonst nicht sehe.
- Ich höre exotische Musik.
- Ich singe schöne Lieder.
- Wann habe ich schon mal Zeit, eine Stunde meinen Gedanken nachzugehen?
- Klassisch: Gottes-Dienst: wir dienen Gott und Gott dient uns.
- Klassisch: Hier wird Gottes Wort verkündigt.
- Weil es hinterher Kaffee gibt (nicht jedes Mal und nicht überall!)
Das ist jetzt mal bewusst nicht so kopf-theologisch gesagt, dieser Beitrag soll keine Abhandlung werden.
Und ich habe den normalen evangelisch-landeskirchlichen Gottesdienst vor Augen.
Die Ausreden/ Begründungen habe ich im Laufe von 23 Jahren wirklich gehört. Die Gründe dafür habe ich selbst verfasst, aber nicht alle sind meine persönlichen Begründungen.
Lachen im Gottesdienst
17. 2. 2009Lachen im Gottesdienst ist wichtig. Ist in meinen Augen nicht nur erlaubt, sondern fast schon verpflichtend.
Fast: Lachen ist spontan, es kann nicht gut organisiert werden. Deswegen habe ich wahrscheinlich auch so ein Misstrauen gegen Karneval. Ich weiß auch nicht, ob es lustig wäre jede Woche ein und denselben Kaberettisten zu hören.
Nach meiner Erfahrungen ergibt sich Heiterkeit bei “liturgischen Unkorrektheiten“: Der Pfarrer/die Pfarrerin vergisst das Glaubensbekenntnis an der richtigen Stelle – und holt es kurz vor dem Segen nach. Das Predigtskript fällt von der Kanzel herab und zerstreut sich auf dem Boden. Solche Momente sind für die Zuschauenden auf alle Fälle lustig – und die/ der Betroffene tut gut daran, sie auch auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn der korrekte Vollzug der Rituale war in magischen Zeiten von lebensrettender Bedeutung, heute rette die Unterbrechung vor tödlicher Langeweile.
Spaß bei der Predigt hat auch seinen Wert. Er ist aber nicht immer zu empfehlen.
Ich rate ab: an Karfreitag, Vokstrauertag, Totensonntag – und bei Beerdigungen. Da wirken sie einfach unpassend. Ich finde es zwar richtig, dem Tod ins Gesicht zu lachen. Aber Angehörige werden das wahrscheinlich nicht verstehen.
Auch an Karfreitag sind viele Menschen im Gottesdienst, die einen gewissen Ernst beim Erinnern an den Tod ihres Heilands voraussetzen. Wer hier gegen den Strom schwimmen mag, darf es gerne versuchen. Es wäre dann zu überlegen, die Kontaktadresse der nächsthöheren Verwaltungsebene (Dekanat, Kirchenkreis, Propstei) am Ausgang zu verteilen. Denn mit kritischen Nachfragen ist zu rechnen.
Ansonsten Vorhang auf, geflaxt, gereimt, karikiert, die Handpuppe aufs Pult, oder einfach eine gereimte Predigt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Jedenfalls nicht nach oben. Im Landpfarramt ist oft kein Raum für die Kreativität. Von daher ist die Theomix-Predigt oft weniger lustig als die Blog-lese.
Es reichte ja schon, davon habe ich schon geschrieben, den Neger Wumbaba zu Ostern auf die Kanzel zu lassen. Der dritte Band ab 9. März – soll ich es mir entgehen lassen? Ostern 2009?
Als besondere Attraktion geraten mir seit einiger Zeit Trauungen, dazu für das Paar eine DIN-A-3-Zeichnung mit Reißkohle anzufertigen. Ein echtes Pfarrergemälde kriegt man sonst nicht so schnell…
Nach der Predigt, bei der Predigt
31. 1. 2009Manchmal bedanken sich Menschen für meine Worte. Ab und zu bedankt sich jemand und wiederholt dann auch noch den entsprechenden Gedanken. Ich bin dann meist still erstaunt, weil ich das gar nicht gesagt habe
Aber nachsichtig bin ich auf alle Fälle. Denn als Profi-Prediger muss ich beim eigenen Predigt-Hören aufpassen, dass ich wirklich zuhöre und nicht im Kopf eine Parallelpredigt entwickle. Und wenn es schlecht geht, beobachte ich den Raum, andere Gottesdienstgäste und und…
So weiß ich, dass jedeR mitnimmt, was er oder sie eben braucht. Ist das “Heiliger Geist”? Oder deutet es auf verstopfte Ohren hin?
