bei nebel im abgedunkelten zimmer am pc zu singen (oder zu lesen)
manchmal nachts sitzen
die welt wird still
lesen und suchen
und austausch
und finden und meditieren
und dank und erkennen
die schaltungen regen sich
Gott bist du’s?
Donnerstag
Die Bibelarbeit für Kinder über Lukas 18 (Die bittende Witwe), mit Maria von Bismarck, Susanne Niemeyer und Jochem Westhof. Erst erzählte Jochem Westhof die Geschichte nach, dann spielte er sie zusammen mit Maria von Bismarck, dann las er die biblische Geschichte vor und schließlich erzählte Susanne Niemeyer eine Geschichte dazu. Es war eindrücklich. Wenn Bibelgeschichten für Kinder gut umgesetzt werden, haben auch Erwachsene etwas davon.
Abends mit IG in der Katharinenkirche (Zentrum Kultur): “Poltern sie doch nicht so in den Tag hinein” – die literarische Auseinandersetzung zwischen Lessing und dem Hamburger Hauptpastor Michael Goeze, als szenische Lesung. Sehr schön! Danach das Improvisationstheater Hidden Shakespeare zur Ringparabel aus Nathan der Weise. Wtzig, mit Elan.
Freitag
Abends: Feierabendmahl in St.Andreas im Grindelviertel. Keine Prominenz, einfach mit Liebe vorbereitet und durchgeführt. Wohltuend. einladend. Auch danach, das “Gutenachtcafé”, im Gemeinderaum nebenan.
Samstag
Bibelarbeit: Klaas Huizing. den Autor der anregenden Calvin-Biographie, wollte ich einmal live erleben. Über die Speisung der 5.000. Intellektuell, spritzig, witzig.
Auf dem Markt der Möglichkeit ist auf einem der Innenhöfe eine kleine Klappkirche auf Rollen: Werbung für die Aktion “Kirche aufmachen“. Oh, das Buch nehme ich mit (Bezahlt natürlich.) Hat sich gelohnt.
—
An allen Tagen und überhaupt: der Markt der Möglichkeiten. Für mich jedes Mal das Herz des Kirchentags. Dazu bereite ich noch etwas vor.
die himmelfahrt?
Christus ist bei Gott
und auch bei uns
daraus einen feiertag zu machen
ein festes datum, das verdanken wir Lukas
dem erfinder des kirchenjahres
hat schon seinen sinn
dieser tag, zu dem mir
nicht immer etwas einfällt
es ist schwer den sinn zu fassen
deshalb der vatertag
prost statt trost
statt warten auf den geist
das geistige getränk
ohne mauern im freien
immerhin
Verrechnet? Ja. Denn es ist Ostern.
Es fällt aus dem Rahmen.
Verrechnet hatten sich die Mächtigen.
Er war doch mundtot gemacht.
Und andere reden fröhlich weiter.
Sagen, er lebe.
Verrechnet hatten sich die Freunde, Männer und Frauen.
Sie wollten doch trauern, aufrichtig und echt.
Aber dazu kommen sie nicht.
Sie erfahren sein Leben.
Verrechnet hat sich der traurige Haufen der Christen.
Der Glaube hatte doch keine Zukunft mehr.
Und plötzlich weht neuer Wind.
Leben – macht Feuer aus der Glut.
Ein fröhliches Osterfest!
Möge es aus dem Rahmen fallen.
Und wenn nicht das Fest, dann eben ihr!
Turmrenovierung der katholischen Kirche in Buchholz (Westerwald). Viel weiße Folie. Moment, da steht doch etwas? schwarz auf weiß. (Aufs Bild klicken macht groß und hellt auf!)
Eine Botschaft – wer hat sie verfasst? Die Bauarbeiter? Ein Wagemutiger in dunkler Nacht? Der Finger Gottes?
Da hält der Cherubinische Landpfarrer inne, fotografiert und reimt sich’s zusammen:
Gott selbst schreibt hier durch Menschenhand
die Liebesbotschaft an die Wand.
Darauf klicken macht groß!
Wer kritisch über die Kirche schreiben möchte:
Es ist immer “die” Kirche. Seit 456 Jahren gibt es in Deutschland zwar mehr als eine. Aber Differenzieren könnte ja weh tun.
Die Kirche besteht aus Heuchlern. Oder herzlosen alten Männern. oder aus verhärmten Frauen mit unerfülltem Leben. Andere, möglicherweise sympathische VertreteInnen der Kirche sind auf der oberen Etage unsere Helfer (also die Heilige Margot, äh, also Frau Käßmann zum Beispiel). Das passt jetzt nicht mit dem Feindbild überein. Egal – über innere Widersprüche unserer Argumentation nicht nachdenken. Denn es gibt noch die netten Leute auf den niederen Rängen: in die Irre geführte Schafe, künstlich unmündig gehalten. Die brauchen unser Mitleid.
Wenn mal die Argumente ausgehen:
Bei der Kirche ist auch praktisch, dass man nicht aufhören muss zu meckern, wenn die aktuelle Luft raus ist.
Wir haben ja die Kreuzzüge, die Inquisition und die Hexenverbrennungen.
Ich nehme mich mal als Beispiel. Ich habe keine Mordabsichten gegen Andersgläubige, mag die Meinungsfreiheit für mich und andere und wüsste gar nicht, wie man ohne Feuerzeug einen Reisighaufen anzündet. Aber ich muss dafür geradestehen, was irgendwelche Simpel vor 600 Jahren ausgeheckt haben..
Beschäftigt euch bitte nicht mit Franziskus, den Quäkern, Dietrich Bonhoeffer oder Martin Luther KIng. Lasst sie einfach weg. Die Welt ist auch so schwierig genug. Hauptsache, die Kirche steht in der geistigen Erbfolge der Totschlagsargumentstrinität, das muss genügen.
Gut ist auch, dass man die Hardcore-Atheisten stets auf seiner Seite hat. Denn die meinen ja, egal, was Christen machen, es ist falsch. (Arno Backhaus)
Auf alle Fälle belegt dann der Skandal, dass es Gott nicht geben kann und / oder Jesus unerreicht bleibt oder beides. Egal. Hauptsache, den autoritären Knackern wird gewaltfrei eins auf die Rübe gegeben!
Ach, den Papst hätte ich fast vergessen! Hier schließt sich der Kreis: Da es nur “die” Kirche gibt, braucht sich niemand darum zu kümmern, dass er in fast allen Konfessionen (außer der römisch-katholischen) keine Rolle spielt.
Die Menschen schauen immer von Gott fort.
Sie suchen ihn im Licht,
das immer kälter und schärfer wird, oben.
Und Gott wartet anderswo – wartet -
ganz am Grund von Allem.
Tief.
Wo die Wurzeln sind.
Wo es warm ist und dunkel -
Aus: Rainer Maria Rilke, Wladimir der Wolkenmaler
—
Gott in der Tiefe – diese Vorstellung ist fast Allgemeingut. Vor über 100 Jahren, war es, vermute ich, recht ungewohnt, so zu denken.
Was macht eigentlich der Ökumenische Rat der Kirchen so?
Das zum Beispiel heute: Er ruft zum Internationalen Gebetstag für den Frieden auf.
Auf einer Facebook-Seite kann man Aktionen und Gebete nachlesen oder – sofern bei Facebook registriert – aufschreiben.
Ich selbst mag dieses gereimte Gebet und empfehle es zur Lektüre und Meditation.
Losung:
Fürchte dich nicht; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
Jeremia 1,8
Lehrtext:
Ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!
Römer 8,15
Zur Losung:
Jeremia, der Bedenkenträger:” Ich bin nur ein Mensch! Ich bin zu jung!” Er will nicht Prophet sein, er ahnt, es kommt Unangenehmes auf ihn zu. Diese Worte sollen (zunächst ihn) ermutigen. Gott vollführt ein Zeichen an ihm, er “reckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.” Was dann kam, war unangenehm, und weiter hinten im Jeremiabuch ist zu lesen, wie es den Propheten fast zerbricht. Es ist nicht so leicht, einen Depressiven zu ermutigen. Auch für Gott nicht. Selbst wenn es ein Prophet ist.
Zum Lehrtext:
Ein “knechtischer Geist”? Wo Luther “Knecht” schreibt, könnte auch “Sklave” stehen. Das ist drastischer, ein Sklave verfügt nicht über sich selbst, er gehört ganz seinem Besitzer. ein Knecht hat noch ein kleines bisschen, was ihm gehört.
Dem Sklaven gegenüber steht hier nicht der Freie, sondern – das Kind. Im Sinne von “künftiger Erbe”. Ich übertrage ich diesen Vers so: “Ihr habt nicht den Geist von Sklaven empfangen und müsst euch deshalb nicht vor Gott fürchten; ihr habt den Geist von künftigen Erben (ihr habt Großes zu erwarten) und habt Nähe zu Gott”
Abba, lieber Vater – ein besonderes Vertrauensverhältnis. Abba – bevor es die Songgruppe aus Schweden gab, war es ein aramäisches Wort für “Papa”. So nahe ist Gott, ein lieber Papa. Da ist dann “kindlich” gut übersetzt. Denn auch mündig geworden bleibt der Mensch ein Kind. Und wohl dem, der dann ein gutes Verhältnis zu Papa (und Mama) hat. Der kann verstehen, wie nahe Gott rückt.
Neben mündigem und regressivem Verhältnis zu Gott gibt es noch ein drittes: Gott wird vorgestellt als Richter und Herrscher, dem man sich unterordnen müsse. In grandioser Weitsicht versucht Angelus Silesius sie zu vereinen.
Die Knechte fürchten Gott, die Freunde lieben ihn,
die Kinder geben ihm ihr Herz und allen Sinn.